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Beautifully Broken - Open End (Deutsch)

Chapter Text

Tief ein- und wieder aus-atmen.

Kalt brannte der Stein unter seinen bloßen Füßen.

Rote Schuhe - ausgetragen und betagt, bedeckt mit einer dünnen Schicht von Straßenstaub und Schmutz - standen ein wenig abseits, gefüllt mit zerknitterten Zetteln, die mit zittriger Schrift und mit tränen verschmierter Tinte beschriftet waren.
Der Text auf ihnen sang eine Ode an den Tod und von der Schönheit des Endes.

Locker stand der Junge an einem dieser Plätze, wo nur Menschen, die Extremen liebten, sich hinbegeben würden, und selbst so eine Person würde nicht dermaßen tiefenentspannt und zufrieden wirken, wie der grünhaarige Junge, der jetzt seine ebenfalls grünen Augen öffnete, mit dem innigen Wunsch, seiner Zukunft entgegen zu blicken, wenn sie dann endlich an ihm vorbeirauschte.

Er breitete die Arme aus, als wolle er die ganze zerstörerische Stadt, die er sah, in der er gelebt hatte, die ihn zerrissen und zerfetzt hatte, innig umarmen und nie wieder loslassen.
Doch das war keineswegs sein Wunsch, oder sein Ziel, nein.
Er wollte sich von all dem verabschieden, es sollte sein letzter Auftritt werden.

Die Augen, die matt und leer und leblos, wie die einer Puppe, in seinem Schädel steckten, verschwanden ein weiteres Mal hinter einem dichten, dunklen Wimpernkranz, um erneut und für das letzte Mal aufgeschlagen und dem Wind, der das Dach umtoste und der Sonne, die gnadenlos schadenfroh herabstrahlte, ausgesetzt zu werden.

Ohne jede Bedenken ließ er sein Gewicht nach vorne fallen und löste seine Füße von dem festen Stein, auf dem sie standen.

Es war ihm fast, als hätte er gelacht, während er dem Boden entgegen raste, während sein Ende auf ihn zukam.

Doch woher wollte er es schon wissen?

Zum Schluss war nur ein lautes Knacken zu hören.

Ein hohes Klingeln zerriss seine Ohren.

Es wurde blendend-grell weiß.

Schwarz.

Endlich Vorbei.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Keuchend fuhr er hoch.

Alles tat weh!

Schreiend krümmte er sich zusammen, Tränen flossen ungehindert über sein Gesicht, während er keuchend seine Seite umklammerte.

Noch mehr Schmerzen.

Plötzlich ging Licht an, brannte sich gnadenlos in seine Netzhaut.
Es wurde Laut.
Leute. Da waren so viele Leute mit weißen und blauen Klamotten. Ohne Gesichter! Gewichte drückten ihn nach unten, zurück auf den weichen Untergrund, den er erst jetzt wahrnahm.
Ein kurzes Stechen in seinem Arm und sein rasendes Herz wurde lahm.

Kurz fürchtete er, es würde stehen bleiben, doch es schlug.

Seine Lungen versorgten ihn wieder vernünftig mit Luft, mittels gleichmäßiger, tiefer Bewegungen.
Sein Verstand klarte langsam auf und vermittelte ihm, dass die Piepsgeräusche, die eben wie Nägel in sein Gehör gehämmert worden waren, leise und gleichmäßig geworden sind.

Benommen blieb er liegen.
Alles war verschwommen und irgendwie fehlte etwas. Er konnte nicht den Finger darauf legen.

Müde.

Er gähnte und kuschelte sich in die weiche Wärme. Schnell, ohne es überhaupt zu merken, schlief er wieder ein.

Die Ärzte betrachteten besorgt den Jungen.

Izuku Midoriya ist halb tot und in einem koma-ähnlichen Zustand hinter seiner Schule gefunden worden.

Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma, seine rechte Körperhälfte; also Schlüsselbein, Elle, Speiche, Unterschenkel, Becken, vier Rippen und ein großteil seiner Handknochen waren gerissen bis vollkommen zertrümmert worden.

Er hatte 104 Tage im Koma gelegen, war auf dem rechten Auge blind, würde wohl immer auf dem rechten Bein hinken und seine rechte Hand würde auch nie wieder richtig funktionieren.

Doch das wirklich Schlimme war: Er hatte seine Schuhe auf dem Dach stehen lassen, in ihnen ein fünf Seiten langer Abschiedsbrief, in dem der Junge unter anderem erklärte, dass er auf gar keinen Fall gerettet werden möchte.

Er wäre quirklos, schwach, Jahre lang verprügelt, missbraucht und beleidigt worden, unter anderem von der Person, die er wohl am ehesten als einen Freund gesehen hätte, seine Mutter hätte kein Vertrauen in ihn und er wüsste, wie schlecht es um seine klägliche Zukunft stünde; zu sterben, wäre für ihn die beste Lösung.

Aber der Brief ist erst während der Notoperation gefunden worden und der Arzt konnte dann nicht mehr abbrechen.

Wahrscheinlich hätte er aufgehört, wenn er gewusst hätte, wie schlimm es um seinen Patienten stand.

Einen Menschen, der so litt, sollte man nicht zum Leben zwingen.

Gedankenverloren schüttelte der Mann den Kopf.

Er hatte ein Gelübde geschworen, jedes Leben zu retten, soweit es in seiner Macht stand. Und auch dieser Junge hatte eine Chance verdient.

Der Tod mag vielleicht wie ein Gnadenakt wirken, doch in Wirklichkeit war er das nicht.

Für 12 Jahre hatte der Junge, Izuku, extrem viele und auch sehr alte, grauenhafte Narben.

Es war niemand außer seiner Mutter zu Besuch gekommen, doch die Frau war sorgend und liebenswürdig, sicher würde sie der Verlust ihres Sohnes zerstören.

Zum Glück war Izuku jetzt aufgewacht.

In ungefähr einem Monat, würde Midoriya das Krankenhaus verlassen können, seine Knochen waren schon gut verheilt, er musste nur wieder an Bewegungen und Essen gewöhnt werden müssen.

Und was seine psychiatrische Behandlung betraf... nun.
Es musste ja niemand wissen, dass sie eigentlich nötig wäre, und der Junge war immer noch Quirklos - er würde so oder so nicht mehr lange überleben.
Ihm das Sterben zu vereinfachen war der größte Gnadenakt, den sie ihm jetzt noch gewähren konnten.

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Mit zusammengebissenen Zähnen humpelte Izuku aus dem Krankenhaus.

Seine Mutter hatte versucht ihn zu überreden einen Rollstuhl zu nehmen, wenigstens Krücken, doch der Junge hatte sie abgelehnt und weigerte sich ebenfalls, sich von ihr stützen zu lassen.

Sein freies Auge huschte hin und her, ständig auf der Suche nach Bedrohungen.
Das andere, sein rechtes, welches nun vollkommen leer und leblos war, wurde von einer schwarzen Augenklappe versteckt, damit er andere Menschen nicht mit seinem Anblick erschrak.

Die Narbe auf seinem Gesicht war so auch größtenteils versteckt.

Die Narben an seinen Händen und Armen konnte er dafür nicht so leicht verschwinden lassen. Zwar hatte er Bandagen um seine Arme gewickelt und sich dünne Handschuhe angezogen, doch so würde er nicht ständig rumlaufen können.

Besorgt betrachtete Inko, wie ihr kleiner Junge zu ihrem Auto hinkte und bei jedem Schritt kurz zusammenzuckte, obwohl er es ganz offensichtlich zu unterdrücken versuchte.

Er wirkte längst nicht mehr wie ein Kind, sondern hatte so von hinten Betrachtet eine große Ähnlichkeit zu einem alten Mann - gebrochen und vom Leben gezeichnet.

Sie holte tief Luft und setzte ein aufmunterndes Lächeln auf, ehe sie auf der Fahrerseite einstieg.

"Mum. Bitte- bitte sag nichts. Sag einfach nichts. Lass... lass uns bitte einfach... lass uns einfach nach Hause fahren, okay?", murmelte der Grünäugige abwehrend, bevor seine Mutter auch nur den Mund für eine kleine Aufheiterung öffnen konnte.

Es tat ihr im Herzen weh, doch Inko Midoriya konnte nachvollziehen, weshalb ihr Sohn nichts hören wollte - also schloss sie den Mund wieder und blieb still.

Die Fahrt verlief dementsprechend in kaltem, zerdrückendem, verzweifeltem und traurigem Schweigen.

Auch als sie ankamen wurde es nicht besser.

Izuku schulterte seine Tasche und verschwand so schnell er konnte in seinem Zimmer, ohne ein Wort, ohne etwas zu Essen und selbst als sie ihn holen wollte, nachdem sie Katsudon zubereitet hatte, kam er nicht aus dem Zimmer und meinte nur, sie solle verschwinden.

Wenn Inko gewusst hätte, dass die Fahrt im Auto das letzte Mal gewesen ist, wo sie ihren Sohn für längere Zeit sehen würde, hätte sie wohl darauf bestanden, dass er sein Zimmer verlässt.

Doch so würde sie erst am nächsten Tag, um 14:36 Uhr, sein Zimmer betreten und einen großen Haufen zerrissener Poster in der Mitte des Raumes finden, gemeinsam mit zertretenen und zerstörten Actionfiguren, die Schränke in eile ausgeleert, Klamotten quer über den Boden verteilt, alles nötige fort, das Fenster offen.

Ihr Kind würde fehlen, als Entschuldigung ein flüchtig bekritzelter Zettel auf dem Tisch, auf dem stehen wird, dass er nie wieder zu seinem alten Leben zurückkehren will und dass sie sicherlich bald seine Leiche identifizieren darf - sofern er endlich mal Glück im Leben hat.

Sie würde weinend zusammenbrechen.

Sie würde zur Polizei gehen, allerdings würde die Investigation trotz Lebenszeichen nach ein paar Jahren eingestellt werde.

Sie würde alleine nach Izuku suchen, doch Kind würde sie nie mehr zurück bekommen.

Aber Inko Midoriya ahnte nicht, dass dies geschehen würde, und so ließ sie ihren Sohn gewähren.

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Sobald die Zimmertür hinter Izuku zu fiel, ließ er seine Tasche von seiner Schulter gleiten und schaute sich gehetzt in seinem Raum um, als er von dem Gefühl beobachtet und ausgelacht zu werden.

Überall waren Poster, Figuren und Merchandise von All Might und von ein paar anderen Helden.

Das Symbol des Friedens grinste mit dramatischem Gesicht falsch auf ihn herab. Starrte ihm mit versteckten Augen in die Seele und ließ ihn erstarren.

Diese ganzen Helden und Quirks waren doch vollkommenen nutzlos!

Kein Held hatte ihm je geholfen!

Aber wieso sollten die denn auch?
Izuku Midoriya war ein Niemand!

Wütend riss er das erste Plakat von der Wand, zerfetzte es und schmiss die Einzelteile zu Boden.

Dieses ständige 'hoffen' brachte doch nichts!

Ungeschickt krallte er sich das nächste und zerrte es von der Wand weg und riss gleichzeitig ein großes Stück aus einem anderen Plakat heraus.
Sowohl das komplette, als auch das zerstörte, wurden von ihm mit abgehackten Bewegungen zu Schnipseln verarbeitet.

Tränen sammelten sich in seinen Augen und er biss die Zähne so fest zusammen, dass er Kopfschmerzen bekam.
Er wollte schreien und um sich schlagen, er wünschte sich so sehr einfach alles raus zu lassen, doch das ging nicht - und so wurde ein Plakat nach dem Nächsten gewaltsam von der Wand entfernt und zerstört.

Er wollte am Montag nicht wieder in die Schule; sich Kacchan und seinen Kumpanen ausliefern, sich vor den Lehrern blamieren, vor seinen Klassenkameraden zum Gespött gemacht werden!

Die Figuren, die er so mühsam über die Jahre erworben und gesammelt hatte flogen quer durch den Raum und landerten klappernd auf dem Boden, als er sie mit einer abrupten Armbewegungen vom Regal fegte.

Schwer atmend stampfte er auf die Götzenbilder zu und hob den Fuß, um mit voller Kraft draufzutreten.
Noch nie hat sich ein Knacken so befriedigend für ihn angehört.

Er wütete immer weiter durch den Raum, machte kaputt, was er kaputt machen konnte, was ihn kaputt gemacht hatte.

Er wollte endlich raus und vergessen, was man ihm angetan hatte!

Es war die Lösung!

Schnell rannte er zu seinem Tisch und schrieb in wenigen, gekrakelten Worten auf einen zerfledderten Zettel seinen Abschiedsbrief und beeilte sich danach, alles aus den Schränken zu holen.

Ohne große Rücksicht stopfte er alles in seinen Rucksack, was er gebrauchen könnte: Kleidung, Geld, Essen, Trinken, ein Schlafsack, seine Notizbücher, Stifte.

Eilig sah er sich um.
Hatte er etwas vergessen?

Das er nur ein Auge hatte, machte es schwierig, alles auf einen Blick zu erfassen, doch so fielen ihm auch ein paar Sachen auf, die er bei einem flüchtigen Blick vergessen hätte.

Alles, was Izuku tat, ging ungehört von statten.

Am Ende öffnete er vorsichtig sein Fenster und kletterte aus dem Haus.

Nie wieder würde er auf sich herumtrampeln lassen!
Das hatte er sich schon vorgenommen, als er im Krankenhaus mit dem Krafttraining anfing.

Ungeschickt landete er auf dem Boden vor seinem Fenster und ging los, sobald er sich gefangen hatte.

Die Nacht war jung, keiner wusste, dass er ging, keiner würde ihn aufhalten.

Lächelnd zog er sich die Kapuze seines schwarzen Hoodies ins Gesicht.

Er würde sicher schon bald alles Schlechte vergessen.

Chapter Text

"Bist’e nich ‘n wenig zu jung für das Zeug?"

Gelangweilt hob er seine Augenklappe und entblößte so ein milchiges Auge in dessen Mitte sich ein grüner Kreis befand und über dem sich zwei hässliche, rote Narben kreuzten.

Er war mit den Schnitten im Gesicht aufgewacht, nachdem er sich das erste Mal richtig die Kante gegeben hatte.

Er hatte es wohl mit seinem eigenen Messer gemacht, während er sich im Vollrausch befand.

“Sehe ich so aus, als würde mich mein Alter interessieren?”

Der Mann schauderte bei dem gruseligen Anblick und drückte ihm ein paar Flaschen, die mit chnaps und Wodka gefüllt waren, in die Hände und er steckte dem Mann dafür ein paar Scheine und Münzen zu.

Zufrieden verließen Izuku Midoriya und sein Handelspartner die Gasse.

Keiner wusste von dem Anderen den Namen und keiner von ihnen würde sich jemals an das Gesicht seines Gegenübers erinnern.

Es war üblich für sie beide, dass zu tun, was sie eben getan haben.

Seufzend verkroch der Junge sich eine Gasse weiter, wo er sich hinter einem großen Müllcontainer einen Unterschlupf zurechtgemacht hatte.
Sicher nicht der beste Ort, aber besser, als in einem Park zu übernachten, wo man sofort entdeckt wird.

Die ganze Stadt war mit Plakaten und Flyern von ihm geflutet.
Anfangs wurde er auch noch in den Nachrichten erwähnt, doch keiner achtete auf ein weiteres, streunendes Kind.

Mit einer Mütze war seine auffällige Haarfarbe leicht versteckt und auch wenn es Sommer war. Viele rannten mit Cappies und anderen Kopfbedeckungen herum.

Nachdenklich kramte er sein neuestes Heft heraus und blätterte durch die Seiten, während er eine der Flaschen aufschraubte - was genau er trank, interessierte ihn nicht mehr, je höher die Prozentzahl, desto besser.

Er hatte angefangen seine Informationen umzusortieren.
Er wusste zwar genau, was wo stand, aber es konnte nicht schaden, falls er Mal etwas vergaß.

Ohne zu zögern nahm er einen großen Schluck aus der Flasche, während er seine letzten gesammelten Informationen durchlaß.
Der Alkohol brannte in seiner Kehle, doch er musste nicht mehr würgen oder husten, so wie er es am Anfang getan hatte, auch stiegen ihm keine Tränen mehr in die Augen.

Alkohol war eine großartige Sache. Er wirkt wie ein Radiergummi.
Alles, was verschwinden soll, verwischt und verschwimmt unter einem Haufen von Euphorie und Mut.

Nur leider...

diese fünf Flaschen waren alles, was er sich noch leisten konnte.

Obdachlos, Quirklos und Pleite. Klischee.

Irgendwie musste jemand wie er trotzdem an Geld kommen, oder etwa nicht?

Wieder blätterte er durch das Heft.

Jede einzelne dieser Quirks war etwas, für das er alles geben würde. Selbst die albernste Fähigkeit könnte ihm noch die Möglichkeit geben, Teil der Gesellschaft zu werden.

Was bildete er sich ein?

Mittlerweile hatte er alle seine Chancen auf Zugehörigkeit weggeschmissen!

Hastig nahm er einen größeren Schluck, der ihm die Kehle weg brannte. Aber so waren seine Gedanken schon mal ein wenig erträglicher.

Er könnte auf den Strich gehen. Sicherlich könnte er irgendeine Hure dort bestehlen oder sich die so gut wie nicht vorhandene Kleidung von jemandem ausleihen?
Dann müsste er nurnoch Kunden finden und hätte schnell Geld.

Skeptisch betrachtete er seine Hand und seinen Arm, tastete sein Gesicht ab, und zog seinen Hoodie hoch, um seine vernarbte Seite zu untersuchen.

Es würde nur wenige Männer geben, die auf so einen armseligen und widerlichen Anblick standen.
Also war diese Option raus.

"Ladys and Gentleman! Es freut mich..."

Erstaunt horchte er auf. Was war das für ein Tumult?

Die Stimme war im Straßenlärm untergegangen, aber es klang sehr nach einer Kampfansage, wie beim Boxen.

Langsam stand er auf, klammerte sich dabei wie ein Ertrinkender an seine Flasche und ging in die Richtung, aus der glaubte, etwas gehört zu haben.

Nach einer kurzen Strecke war wütendes und aufgebrachtes Schreien zu hören.

Vorsichtig lugte er um die Ecke und entdeckte eine verwitterte, aufgebrochene Autowerkstatt, in der sich eine nicht gerade kleine Menschentraube versammelt hatte.

In der Mitte prügelten sich zwei Männer, beide bluteten aus mehreren kleinen Wunden und hatten einige sichtbare Hämatome.
Keuchend standen sie sich gegenüber und gingen plötzlich - wie auf ein lautloses Signal - mit ihren Quirks und neuer Entschlossenheit aufeinander los.

Kurz beobachtete er das ganze Spektakel aus der Ferne, dann ging er näher an den Schauplatz heran und mischte sich unter die Leute.

Es war klar, wer gewinnen würde. Nämlich der mit den schwarzen Haaren, der anscheinend eine Gummi-Quirk hatte - denn seine Gliedmaßen ließen sich x-beliebig in die Länge ziehen.

Es grenzte fast an ein Wunder, dass der Grünhaarige, der ihm gegenüberstand, noch im Ring war, doch seine Arme, welche zu Schwertern transformiert waren, waren verbogen, zeigten Risse, hatten Scharten und würden nicht mehr lange halten.

Nach kurzem zögern und rasenden Überlegungen, wühlte Izuku seinen Notfallvorrat aus der Innentasche seines Hoodies hervor.
Das kleine bisschen Geld, dass er nicht für Alkohol herrausschmeißen wollte.

Dieser Straßen, oder eher Garagen-Kampf, war ganz sicher illegal, das hieß, hier müsste man auch wetten können.

"Hey, Kleiner."

Panisch schaute er auf und blickte einer freizügig bekleideten Frau direkt auf die... ja.

Mit rotem Gesicht, schaute er weg.

"H-hi."

Die Frau schmunzelte und er beschloss, dass es sicherer war, sich hinter seinen Armen zu verstecken.

"Wenn du hier sein willst, musst du wetten, oder kämpfen.", erklärte ihm die Frau, nicht weiter von seinem Verhalten beeindruckt, "Willst du etwas davon machen?"

Er atmete tief durch, bevor er seine schützenden Arme runter nahm.

"Ich... ich würde gerne auf den im roten Hemd wetten."

Zögernd hielt er ihr seinen letzten Schein entgegen.

Sie lachte auf, es klang hell, und falsch.

"Du bist genial, Kleiner. Keiner hat bisher auf diesen Newcomer, Monkey, gesetzt, sollte er gewinnen, bekommst du alle gewetteten Einsetzte, plus deinen Eigenen."

Ob es falsch war, seine 2.000¥ aus dem Fenster zu schmeißen, in der Hoffnung, dass seine Analyse stimmte? Wahrscheinlich.

"Miss?"

"Nenn mich Flora, Kleiner."

"Uhm... Flora? Wie funktioniert das mit den Kämpfen? Und finden die immer hier statt?"

Die Frau lächelte und beugte sich ein wenig zu ihm runter.

"Du scheinst ja wirklich interessiert zu sein. Nun, Kleiner.
Es gibt vierzehn feste Orte, zwischen denen wir alle drei Tage wechseln."

Sie drückte ihm einen Stadtplan in die Hand, wo einzelne Häuser rot angekreuzt waren, und Daten daneben standen.

"Die Kämpfe beginnen immer um 23 Uhr und hören um 3 Uhr auf.

Jeder kann grundsätzlich jeden herausfordern, doch keiner muss eine Herausforderung annehmen.
Wenn man nur sagt, dass man kämpfen will, und nicht gegen wen, tritt man automatisch gegen den Gewinner der letzten Runde an, der dann auch nicht ablehnen kann.

Im Ring ist alles erlaubt, solange es niemanden umbringt.
Man darf auch seine Quirk benutzten, sofern diese nicht 100% tödlich ist.

Man wird für den Kampf bezahlt. Pro Minute, die weniger als die Maximalzeit ist, 25.000¥ und eine Startgebühr von 30.000¥.
Man hat 10 Minuten Zeit zum Kämpfen."

"Wenn alles erlaubt ist, heißt das, Menschen ohne Quirk dürfen eine Waffe mit in den Ring nehmen?"

Sie betrachtete ihn verblüfft.

"Niemand ohne Quirk wäre bescheuert genug in den Ring zu steigen."

"Doch, ich.", konterte er.

Flora blinzelte und lächelte schließlich wissend.

"Messer, Schilde, Schlagringe oder sowas in die Richtung könntest du mit in den Ring nehmen, Kleiner. Aber nur eine Sache. Und keine Pistolen, Gewehre oder andere Schusswaffen.
Willst du wirklich kämpfen, Kleiner? Es ist immerhin illegal."

Kurz dachte er nach, dann nickte er langsam.

Monkey hatte voraussehbare Angriffe und Muster.
Die Quirk war simpel und er blutete an den Stellen, wo er von seinem gegner geschnitten worden war.

"Ich will gegen den Sieger dieser Runde antreten und ich werde mein Messer mit in den Ring nehmen.", erklärte er, während er besagte Waffe hochhielt, "Ach ja. Und bitte nenn' mich Deku."

"Interessanter Name, Deku. Ich gehe dann Mal, deine Wette und deinen Kampf anmelden."

Sorgfältig verstaute er die Karte in einer seiner vielen Taschen und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Kampf.

Der Grünhaarige blutete mittlerweile aus vielen, größeren Wunden und schwankte bedrohlich.

Monkey holte aus und sein Arm schwang ein weites Stück nach hinten, ehe er mit fest geballter Faust nach vorne schnellte.

Die Kraft katapultierte den Anderen nicht nur aus dem Ring, sondern auch direkt in das Land der Träume.

Kurz war es still, dann begann das Pfeifen und Buhen, während ein extrem großer Mann in ein Megaphon brüllte: "Schwertkämpfer Zorro verliert gegen Gummimenschen Monkey!
Eine Person hat auf den Sieger gewettet, das Geld gehört dir, Deku!"

Fassungslos starrte er Monkey an, der sich fragend in der Garage umschaute - anscheinend wissend, dass keiner an ihn geglaubt hat.

Flora kam zusammen mit einer Orangehaarigen Frau auf ihn zu und die Frau drückte ihm genervt einen Beutel voll mit Geld in die Hände.

"Danke!", rief der Junge in dem Ring grinsend und wank ihm zu.

Er erwiderte nach kurzem Zögern den Gruß und schaute zu den beiden Frauen auf.

"Kann man auch, wenn man im Ring ist, wetten?"

Die, die ihm das Geld gegeben hatte, zuckte mit den Schultern.

"Das machen die Meisten.
Übrigens, wenn keiner auf dich setzen sollte, und du gewinnst, bekommst du die Hälfte des Gesamteinsatzes."

Kurz dachte er nach und leerte den Beutel schließlich zur Hälfte aus.

"Das setze ich auf mich."

"Viel Glück, Kleiner.", meinte Flora lächelnd und verschwand dann mit ihrer Kollegin, während er sich in den Ring begab.

Aus einer spontanen Eingebung heraus zog er ein schwarzes Tuch, das er in einer seiner Taschen versteckt hatte, hervor und band es sich so um, dass es seinen Mund, seine Nase und das blinde Auge verdeckte, dann zog er sich noch die Kapuze über, um sicher zu gehen, dass keiner seine Haare sah.

Er wusste, dass es einen Finderlohn für ihn gab und wollte nicht riskieren, wegen diesem verpfiffen zu werden.

"Es tritt der quirklose Deku gegen den Gummimenschen und ersten Sieger dieser Nacht, Monkey, an.", verkündete der große Mann am Rande des Rings mit Hilfe seines Megaphons und sorgte für einiges Lachen unter den Zuschauern.

Es tat weh, wieder diese Worte in Kombination zu hören, doch er riss sich zusammen.

Der Kampf war wichtig, so konnte er Geld gewinnen.

Je schneller man es beendet, desto besser.

Und wahrscheinlich würden alle auf Monkey tippen.

Sicherlich war das auch die schlauere Wahl, doch er wollte verdammt sein, wenn er es nicht wenigstens versuchte und dann vielleicht sogar schaffte.

"Kämpft!"

Er kontrollierte nochmal seinen Griff um das Messer und ließ es aufschnappen.
Gummi konnte man immerhin schneiden und das Angriffsmuster seines Gegners war simpel - der Junge mit dem roten Hemd ging wie ein wilder Stier auf seine Gegner los, ähnlich wie Kacchan.

"Quirklos, huh?", meinte sein Gegner.

Erst jetzt bemerkte er eine Narbe unter dem rechten Auge von Monkey.

"Ja. Was dagegen?", knurrte er, während er sich langsam über den Rand hinweg dem Anderen näherte.

"Nein. Du bist ein Träumer, damit hast du schon meinen Respekt."

Verblüfft musterte er den jungen Mann im roten Hemd.

Respekt? Weil er nicht aufgab?

Er schnaubte.

Monkey war der erste Mensch, der ihn nicht dafür auslachte oder fertig machte.

"Vielen Dank!", war alles was er sagte, bevor er sich nach vorne schmiss, das Messer fest umklammert und bereit, damit zu zu stoßen.

Sofort reagierte sein Gegner und zwar genau so, wie er gehofft hatte:
Monkey ging auf Abstand und holte aus.

Noch während Monkey den Arm zurückzog, wich er aus und stieß ins leere.

Raunen und Jubel, sein Gegner biss die Zähne zusammen.

Auf dem Boden blieb eine Spur aus großen, roten Tropfen zurück.
Der gesamte Unterarm und Handrücken von dem Gummimenschen waren aufgeschlitzt.

Es tat ihm fast schon leid, doch was macht man nicht alles für Geld?

Er ließ sich nicht weiter von seinem Gewissen dazwischen reden und warf sich erneut Monkey entgegen, der dieses Mal nur zurück wich und ihn sorgfältig musterte.

Alle schienen die Luft anzuhalten, doch es war ihm ziemlich egal, wie die Leute außerhalb des Ringes über den Kampf dachten.

Er würde gewinnen. Es war leicht.

Monkey schien zu denken, er konzentrierte sich nicht, denn er ließ einen Hagel an Schlägen auf ihn niederprasseln - oder zumindest schien das der Plan gewesen zu sein.
Doch Deku wich geschickt aus und holte erneut mit seinem Messer aus.

Fluchend stolperte Monkey zurück und musterte schwer atmend seine blutigen Handgelenke.

Der Grünhaarige grinste unter seinem Tuch und zog es runter, um dies auch zu zeigen.

Er war nicht unsportlich. Das ständige Ducken und Weglaufen und Trainieren, um wieder auf die Beine zu kommen, hat ihm einiges an Kondition und Muskeln verschafft, ganz abgesehen davon, dass sein Gegner sich gerade vollkommen verausgabte und dadurch immer angreifbarer machte.

Kritisch musterte er seinen Kontrahenten.

Zwei, höchstens drei, Angriffe derselben Intensität und Monkey wäre raus. Das würde natürlich ohne eine riesige Provokation nicht funktionieren.

Leider hatte sein Gegenüber jetzt ebenfalls eine Ahnung wie seine Angriffe funktionierten.

Aber wenn er jetzt wechseln und weniger auf Defensive achten würde, wäre sein vollkommen offensiver Gegner natürlich aufgeschmissen, jedoch war er selbst ziemlich schwach in der Offensive, daran würde er in Zukunft auf jeden Fall noch arbeiten müssen.

Seine Augen suchten die Garage ab.

Niemand hat ihm gesagt, dass er seine Umgebung nicht nutzen darf.

Was würde er jetzt...?

Seine Hand tastete nach der Bauchtasche seines Hoodies.
Jup. Die Flasche war noch da.

Wann hatte er sie überhaupt darin verstaut? Könnte er sich jetzt vielleicht einen Schluck gönnen, wenn er sie schon gefunden hatte?

Seine Hände fingen an zu zittern.

War es etwa schon so schlimm? Als ob er nach nur einem Monat auf der Straße schon Alkoholsüchtig war!

Tja. Weshalb sollte er sonst in diesem Ring stehen und sich für Geld prügeln?

Kurz durchdachte er nochmal die Vor und Nachteile, wenn er vor allen trinken würde.

Schnell zog er die Flasche hervor und schlug mit dem Messer die Kappe weg, um sich das letzte Drittel in den Mund zu schütten.

Danach schmiss er sofort die Flasche weg, die klirrend am Boden in tausende, winzige Kristalle zerscholl.

Noch bevor die Flasche zersprungen war, hatte er einen Sprung zur Seite gemacht und ein weiteres Mal in das Nichts gestoßen.

Monkey schrie auf. Zwei Finger klatschten auf den Boden, nahe dem Scherbenhaufen.

Izukus Messer triefe vor Blut und Monkey wurde ohnmächtig.

Eine typische, körperliche Reaktion. Das passiert automatisch, wenn man Gliedmaßen verliert. Das Gehirn macht dicht.

Lächelnd betrachtete er sein Messer. Es glänzte in einem faszinierenden Farbspektrum und es hatte ihm gerade gezeigt, dass er eben doch kein wertloser, dummer, quirkloser Deku war.

Immer noch mit diesem verträumten Gesichtsausdruck schaute er auf, als der Jubel ausbrach und sein Sieg verkündet würde.

Er hatte gerade mindestens 180.000¥ gemacht, diese Kämpfe lohnten sich anscheinend wirklich.

Chapter Text

"Hey! D-du - du halbe... halbe Porschion!", gröhlte einer der üblichen, unbeliebten Stammkunden einer recht heruntergekommenen Kneipe.

"Was?!", die Stimme des Jungens, den der Mann eben grob geschubst hatte, um ihn von der Theke weg zu bekommen, überschlug sich und schlingerte, zudem war sie extrem aggressiv und harsch.

"Dasch... dasch da... du kannscht dasch doch - hic - dasch doch garnischt... bes-besalen! H-hör auf die... die Bar für- für disch einsunehmen!"

Der Junge knurrte wütend und stieß den Mann weg.

"Verpiss dich! Ich kann bezahlen! Und das ist- das ist mein Geld! Ich habe es ganz alleine selber verdient!"

Der Mann fing an lauthals und hysterisch zu lachen.

Man merkte, dass die Streitenden zu viel getrunken haben, doch der Mann verhielt sich sehr viel auffälliger als der Junge.

"H-hör auf zu lachen! Wills-u Streit?! Ich - ich kann dir Streit geben!"

Der Barkeeper machte sich langsam Sorgen, dass der Konflikt zwischen den Trunkenbolden ausarten könnte.

Dann müsste er sie anzeigen, rausschmeißen und ihnen Hausverbot geben, was vor allem um den Jungen mit der Augenklappe schade wäre, da der wirklich Unmengen an Geld anschleppte und den Großteil davon wegsoff, als würde er Wasser trinken.
Doch wenn er sich einmischte, würde es wahrscheinlich mit einem blauen Auge oder einer gebrochenen Nase enden.

"Ich w-will Sch-st-streit! Was dag-dagegen -BLÖRB- Klener?"

Angewidert verzog der Grünhaarige sein Gesicht, das sichtbare Auge verengte sich zu einem dünnen Schlitz, während er sich mit einer Hand die Luft vor der Nase weg wedelte.

Die andere Hand hielt noch immer das Glas voll mit Rum umklammert.

"Du - du nervst!", maulte der Jüngere ungehalten, als würde es etwas gegen seinen Angreifer nützen.

"Und su- su koscht misch an!", lallte der Erwachsene grinsend.

Er ahnte nicht einmal, was für einen Schwachsinn er von sich gab und auch Izuku Midoriya hörte sich selbst nicht mehr vernünftig zu.

Beide hatten eigentlich schon vor zwei Stunden zu tief ins Glas geschaut und tranken nur weiter, weil ihr Körper es aushielt mit den Schadstoffen des Alkohols überladen zu werden.

Der Mann mit dem Bierbauch und den hängenden Wangen, mit denen er stark an eine übertagte Dogge erinnerte, hatte sein Alkoholproblem vor drei Monaten entwickelt, nachdem seine Frau gestorben war.

Er war eigentlich ein netter und beliebter Lehrer gewesen, seine Klasse hatte einen ausgezeichneten Durchschnitt, viele haben es an gute Schulen geschafft und er hat niemals die Kinder überfordert oder unter Druck gesetzt.

Doch egal wie nett er war, es hatte seine Frau nicht gerettet, als ihr Auto in Folge eines Kampfes zwischen einem Helden und einem Schurken von der Straße abkam und gegen ein Haus raste.

Er hatte gekündigt, sich ganz in seinem Morast aus Trauer und Verzweiflung vergraben - jetzt war er hier, in einer der billigsten Absteigen die es in Tokyo gab und fing einen Streit mit einem Jungen an, der auch einer seiner Schüler sein könnte.
Wenn er es doch nur merken würde und nicht in dieser verschwommenen, verdrehten Welt des Alkohols und Rausches wäre.

Izuku Midoriya wiederum, hatte keine Nerven mehr für irgendwelche Probleme.

Sein letzter Abend und der heutige Tag waren ein Desaster gewesen.

Die Polizei hatte die Kampfveranstaltung abgepasst und die Garage gestürmt, als die Meisten Leute da waren, nämlich zu einem seiner Kämpfe, da er sich zu einer kleinen Berühmtheit im Untergrund entwickelt hatte.

Er wusste nicht einmal mehr, wer sein Gegner gewesen war, doch er hatte den Typen gerade besiegt, als das Geschrei losging und Männer in schwarzen Uniformen in die Halle rannten.
So schnell er konnte, hatte er sich durch die Menge geschlagen und war schließlich durch einen Lüftungsschacht entkommen, doch der Großteil seines Geldes war weg. Konfisziert und unerreichbar, verwendet für irgendwelche Ermittlungen.

Dazu kam jetzt noch dieser widerliche, alte Sack, der unbedingt Ärger wollte.

Schneller, als irgendwer, in anbetracht des alkoholisierten Zustandes des Grünhaarigen, vermutet hätte, zückte er sein mittlerweile etwas schartige, aber ihm vertraute Messer und presste die Klinge gegen den Hals seines Angreifers.

Alle in der Bar erstarrten und dem Barkeeper rutschte das Glas, dass er gerade polierte, aus der Hand, um klirrend am Boden zu zerschellen.

"Nenn mir einen Grund, weshalb ich nicht durchziehen sollte."

Der Junge mit der Augenklappe klang auf einmal überhaupt nicht mehr betrunken, der Mann vor ihm zitterte, brach in Tränen aus und auf einmal wurde der Stoff der Hose zwischen seinen Beinen dunkler, während sich eine kleine Pfütze am Boden bildete.

Angewidert verzog der Junge das Gesicht, nahm sein Messer weg und hüpfte von seinem Stuhl.

"Was für eine Drecksbude. Ich geh woanders hin, rechnet nicht mehr mit mir."

Izuku klang vielleicht nicht betrunken, doch er schwankte bedrohlich und brauchte mehrere Anläufe um die drei Stufen nach oben, aus der Kneipe heraus, zu erklimmen.

Fluchend torkelte der junge Obdachlose mit seinem Rucksack durch die Seitengassen, auf der suche nach einer neuen Theke, an der auch keiner auf sein Alter achten würde.

Ihm wurde plötzlich extrem schlecht, während die ganze Welt um ihn verschwamm und sich drehte.
Keuchend stützte er sich an einer Wand in seiner Nähe, während es in seinen Ohren klingelte und die Straße schwankte.

Schließlich drehte sich sein Magen um und er erbrach geräuschvoll einen großen Schwall an Flüssigkeit.
Wieder und wieder verkrampften sich seine Innereien und beförderten so ihren gesamten Inhalt nach draußen.
Trocken würgend hing er an der Wand, seine Arme zitterten und er konnte seine Beine nicht mehr spüren.

Viel zu schnell war ihm der Boden viel zu nah.

Bebend versuchte er sich wieder aufzurichten, doch keiner seiner Muskeln gehorchte ihm.

Wieder verkrampfte sich sein Magen und zwang ihn erneut dazu, sich vorüber zu beugen. Dieses Mal förderte sein Körper nur Magensäure zu Tage.

Unter Aufwand höchster Kraft und Konzentration wischte er sich zitternd über den Mund.

Es stank widerlich und zum ersten Mal, seit er weggerannt war, wünschte er sich einfach nur nach Hause, in sein Zimmer, mit dem bequemen Bett, dem weichen Kissen, der warmen Decke und den schützenden Wänden, Fenstern und Türen.

Er schluchzte und kroch von seinem Erbrochenen weg, während Tränen sich in seinen Augen sammelten.

Seine Mutter, er vermisste sie und ihre herzliche, warme, liebevolle Aura.

Heulend rollte Izuku sich auf dem Asphalt zusammen und trauerte seiner kurzen, düsteren Kindheit nach.

Trotz seines benebelten Zustandes und seiner Nostalgie, bemerkte er, dass er es nie wirklich schön gehabt hatte in seinem vorherigen Leben.

Sein Gehör schaltete zwischen unverständlich leise und zerstörerisch laut und verursachte so unerträgliche Kopfschmerzen.

Dann nahm er Schritte wahr.

Etwas weiß-silber-schwarzes tauchte in seinem Blickfeld auf und er spürte einen leichten Druck an seiner Schulter, doch er war unfähig sich zu wehren.

"Lass-", nuschelte er und weiter kam er auch nicht, denn auf einmal war der sichere, kalte Boden unter ihm weg.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~


Es war eine Nachtpatrouille.
Für Ingenium nichts neues, schließlich war es seine Aufgabe als Held, sich zu jeder Zeit um die Sicherheit der Leute zu kümmern.

Doch mit dem Fall, über den er stolpern würde, hatte er nicht gerechnet.

Aus einer der Seitengassen war lautes Würgen, Husten und Schluchzen zu hören.

Auch wenn die Geräuschkulisse abstoßend war, machte er sich sorgen.
Da war jemand, der eindeutig Hilfe brauchte.

Mit wachsamen Blick bog er in die Gasse ab und schaltete seine Taschenlampe an.

Schon nach wenigen Schritten hörte er ein heiseres, unterdrücktes
"Mum! Ich will nach Hause!" gefolgt von noch mehr Schluchzen.

Der Anblick, der ihn erwartete, war Herzzerreißend.

Eine kleine Gestalt mit grünen Haaren; grauem, fleckigen Hoodie und schwarzer, dreckiger und zerrissener Jogginghose hatte sich am Boden, nicht weit von einer Pfütze Erbrochenem zusammengerollt und winselte erbärmlich.

Eilig ging er zu der Person. Es war ein Junge, vielleicht so alt wie sein kleiner Bruder. Er stank nach Alkohol, Rauch, Urin, Schimmel und Müll. In seiner Nähe lag ein gelber Rucksack, der extremst überfüllt wirkte.

Sein Gesicht war mit Schmutz beschmiert, die krausen Haare waren ungezähmt, lang, fettig und verfilzt, dunkle Augenringe gruben sich unter seine Augen, die Haut war kränklich blass, Sommersprossen stachen wie getrocknete Blutsprenkel hervor, die Wangen waren eingefallen, sodass die Gesichtsknochen sich spitz durch die Haut bohrten, eine Narbe ging quer von unter seinem rechten Ohr, zu dem Ansatz seines Nasenrückens und endete mitten über seiner linken Augenbraue auf der Stirn, während eine Zweite sich von dem Haaransatz über seine Schläfe, über die Nase hinweg, bis kurz unter seinem rechten Wangenknochen erstreckte.

Und dann waren da dieses lumizide, grüne Auge, das leer, tot, aber trotzdem leidend zu ihm herauf starrte.
Blutunterlaufen, zusammengezogene Pupille, die sich nur minimal veränderten, als er hinein leuchtete.
Das Andere war hinter einer Augenklappe versteckt, unter der sich wohl die beiden Narben kreuzten.

Er schüttelte den Kopf und hob das Kind hoch, während er seine Agentur anschrieb, das jemand seine Runde weiter machen müsste.

Der Junge wehrte sich schwach und unkoordiniert, versuchte zu protestieren, doch er hörte nicht darauf.

Mittlerweile war der Held sich sicher, dass dieser Junge eine Alkoholvergiftung hatte und unbedingt in ein Krankenhaus musste.

Wie kam ein Minderjähriger überhaupt an Alkohol?

Verärgert schüttelte er den Kopf und rannte los. Er war mindesten so schnell wie ein Krankenwagen, wenn nicht sogar schneller. Und je eher das Kind behandelt wurde, desto besser.

Die Frau hinter der Rezeption sah erstaunt auf, als er mit dem Jungen in den Armen vor ihr stehen blieb.

"Ich habe ihn vor zehn Minuten gefunden. Er war kaum noch bei Bewusstsein, seine Pupillen haben nur minimal auf Licht reagiert, er hat sich übergeben, ist nicht ansprechbar - dazu riecht er stark nach Alkohol. Vor ungefähr zwei Minuten verlor er allerdings das Bewusstsein.", erklärte der Held die Lage seines Findlings so sachlich wie möglich, konnte allerdings die Sorge nicht aus seiner Stimme verbannen.

Dieser Junge war viel zu jung, um sich jetzt schon auf der schiefen Bahn zu befinden.
Doch er tat es und ließ Ingenium so nur die Frage, was alles in dem Leben des grünhaarigen Jungen alles schief gegangen war und wie man ihm helfen konnte.

"Ich rufe einen Arzt.", meinte die Frau hastig und tippte auf ihrem Telefon herum, "Er muss sofort auf die Intensivstation!"

Es dauerte nicht lange, bis ein Arzt mit wehendem Kittel und zwei Pflegern angerannt kam.

Ihm wurde das Kind abgenommen und auf eine Liege gelegt. Er konnte nur dabei zusehen, wie der Junge weggefahren wurde.

"Wäre es möglich, dass ich hier auf ihn warte? Ich mache mir Sorgen um den Kleinen. Er wirkt so jung und er hat eindeutig Probleme.", murmelte der Held, an die Frau hinter der Rezeption gewandt.

Sie lächelte traurig und nickte.

"Nehmen Sie ruhig im Wartezimmer platz, man wird Sie informieren, wenn es dem Jungen besser geht. Wissen Sie irgendetwas über ihn?"

Er nahm seinen Helm ab und schüttelte bedrückt den Kopf.

"Ich weiß nichts über ihn, außer das Offensichtliche."

Die Frau seufzte und fing an auf ihrer Tastatur herumzutippen.

"Dann wird man ihn wohl so identifizieren müssen. Wenn Sie wollen, können wir Ihnen dann erzählen, wen sie gerettet haben."

Dankend nahm er das Angebot an und ging zum Wartezimmer.

Es war vielleicht albern, doch er wollte wissen, wer der grünhaarige Junge war und was ihn auf die Straße und in so eine Position gebracht hatte.

Während Ingenium also neben wenigen Familienmitgliedern verschiedener, tragischer Opfer wartete, geschahen zwei wichtige Dinge.

Erstens: Izuku Midoriya befand sich mittlerweile auf der Intensivstation und bereitete den Ärzten, die die Nachtschicht hatten, enorme Sorgen.

"Alle weg!"

Wum

Der leblose Körper verkrampfte unter der Elektrizität, die das Herz stotternd wieder schlagen ließ.

Das Gehirn des Grünhaarigen stand kurz davor, einfach abzuschalten und zeigte es, indem es alle anderen Organe versagen ließ.

Die Ärzte kämpften darum, ihren Patienten am Leben zu erhalten, doch viele fragten sich insgeheim schon, wem der Leitende-Arzt sein Beileid aussprechen müsste.
Denn sicherlich gab es irgendwelche Personen im Wartezimmer, die auf die Genesung des Kindes warteten.

Zweitens: Einer der Angestellten schaffte es, das Problemkind zu identifizieren.

Einer der Assistenzärzte, die geholfen haben den quirklosen Jungen zusammen zu flicken, nachdem er von dem Dach gesprungen war, hatte ihn wiedererkannt.

Izuku hatte nun zwar längere Haare, die Narben über dem Auge waren neu, doch es war eindeutig das selbe, sommersprossige Gesicht.

Er bot an, seine Pause zum recherchieren zu nutzten; neugierig, wie es seinem Patienten ergangen war.

Izuku Midoriya war einen Tag nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden war, von seiner Mutter vermisst gemeldet worden.

Sofort wurde die Polizei angerufen, dass sie den Ausreißer gefunden haben.

Wie sich herausstellte, war das nicht das erste mal, dass der Junge aufgegabelt worden war.

Er war schon von dreiundzwanzig verschiedenen Helden in drei Verschiedene Krankenhäuser gebracht worden, jedes Mal mit Alkoholvergiftung.

Und jedes Mal war der Junge am nächsten Tag nach seiner Behandlung verschwunden, spurlos.

Dazu kam seine Kriminalakte.
Er war erst dreizehn, trotzdem befanden sich Unmengen kleiner bis mittlerer Strafdelikte auf seinem Register.

Alkoholmissbrauch, illegale Wetten, bewaffnetes Auftreten in der Öffentlichkeit, Raub, bewaffnete Überfälle, Bedrohung, Beamtenbeleidigung und so ging es immer weiter.

Ingenium war schockiert, als er erfuhr wen er da gefunden hatte und er bestand darauf zu bleiben, um mit dem jungen Midoriya zu reden, sobald dieser wach war.

"Falls er jemals wieder wach ist.", hätten wohl die Ärzte der Intensivstation korrigiert, wenn sie das gehört hätten.

Doch sie bekamen von dem Trubel um ihren Patienten nichts mit, immer noch viel zu sehr damit beschäftigt ein Leben zu retten, dass nicht gerettet werden wollte.

Izuku hatte das Glück, oder das Pech, immer in die Hände fähiger Ärzte gegeben zu werden. Denn sie schafften es nach einem sieben stündigen Kampf tatsächlich, ihn zu stabilisieren.

"Der Name, des Jungen, den Sie gefunden haben, ist Izuku Midoriya.
Er ist vor elf Monaten von zu Hause weggerannt, da war er noch zwölf.
Seine Mutter sucht seit dem verzweifelt nach ihm.
Er ist quirklos und wurde seit dieser Diagnose gemobbt.
Einen Tag nachdem er aus diesem Krankenhaus entlassen wurde, wegen eines versuchten Selbstmordes, den er nur knapp überlebte, verschwand er und niemand war in der Lage ihn lange genug an einem Ort zu halten, als dass man ihn an die Polizei hätte übergeben können.
Dank Ihnen kann er jetzt endlich die Strafen und die Versorgung erhalten, die er benötigt."

Verblüfft musterte das Mitglied der Iida Familie den Polizisten und den Krankenpfleger vor sich.

Der Junge war tatsächlich so alt wie sein kleiner Bruder.

Aber welche Strafen? Weshalb müsste man ein Kind, dass eindeutig ernsthafte Probleme hatte, weil man sich nicht gut um es gekümmert hatte, als die Möglichkeit dafür vorhanden war, bestrafen?! Man sollte ihm helfen!

"Welche Strafen?", fragte er aufgebracht und durchbohrte die beiden Männer vor sich mit einem wütenden Blick, "Was kann ein 13 jähriges Kind gemacht haben, damit es eine Strafe verdient?"

Der Pfleger sank ein wenig zusammen, doch der Polizist plusterte sich auf.

"Er hat Delikte begangen, auf die selbst ein Großteil Jugendlicher nicht kommen!
Der Alkoholmissbrauch, Bestechung und Diebstahl sind noch Kleinigkeiten!
Dieses 'Kind' - wenn man ihn überhaupt so nennen kann - hat an illegalen Straßenkämpfen und Wetten teilgenommen! Sie haben nicht seinen letzten Gegner gesehen! Dieser Junge ist kein unschuldiges Kind mehr!
Und wenn sie uns entschuldigen, wir werden jetzt seine Mutter über seinen Zustand und Aufenthalt informieren!"

Damit stapfte der Beamte weg und ließ einen genervten Helden, sowie einen verschreckten Krankenpfleger zurück, der dem Polizisten erst nach einem Entschuldigendem Blick in Richtung Ingenium nach eilte.

Nachdenklich, aber immer noch sauer starrte der Schwarzhaarige die Decke an.

Er wollte mit dem geheimnisvollen Jungen reden. Er wüsste gerne, was sein Findling zu erzählen hatte.

"Izuku Midoriya, also.", murmelte er, um den Namen auszutesten.

Dieses Kind war also genau so alt, wie sein Bruder, aber in einer vollkommen anderen Lage. Wie die Beiden sich wohl vertragen würden?

So oder so, er würde hier warten, bis Izuku aufwacht.



Chapter Text

Er wusste nicht, was genau ihn weckte, doch von alleine war Izuku nicht aus seinem, mittlerweile leichten, Ausnüchterungs Schlaf aufgewacht.

Es waren die Schritte einer Krankenschwester, die nicht ahnte, was ihr Aufsuchen einer Kaffeemaschine, am Ende des Flurs, verursachen würde.

Das tote, grüne Auge musste nur aufgeschlagen werden, damit der Teenager wusste, wo er sich befand.

In einem Krankenhaus.

Leise fluchend setzte er sich auf und fuhr sich gestresst durch die unzähmbaren Locken, das Schwindelgefühl, dass in Folge der abrupten Bewegung entstand, ignorierte er gekonnt.

Als erstes untersuchte er seinen eigenen Zustand, fand jedoch keine neuen Narben, was schonmal eine Erleichterung war.
Er hatte wirklich genug davon.

Er trug keine Handschellen, war nicht an das Bett gefesselt.

Wussten die Angestellten, wer er war? Wartete die Polizei vielleicht direkt vor seiner Tür? Wusste seine Mutter bescheid? Das Jugendamt? Kacchan?! Hatte man seinen Teufel geholt, um ihn wieder zurück in die Hölle zu schleifen?!

Sein EKG schoss laut piepend in die Höhe und er versuchte sofort, sich zu beruhigen.

Diese Angst war unangebracht.

Es gab keinen Grund, weshalb irgendeiner seiner ehemaligen Mitschüler oder Nachbarn erfahren sollte, dass er noch am Leben war.

Sein Blick richtete sich auf seinen linken Arm. Man hatte ihm die typische Sonde im Handrücken verpasst und dazu hatte er eine Nadel in der Armbeuge, die ihn mit einem Tropf verband.

Geübt zog er beide Nadeln aus seiner Haut und drückte die Decke so lange auf die Einstiche, bis diese nicht mehr bluteten.

Danach tastete er sein Gesicht ab und fand die üblichen Schläuche zur Sauerstoffversorgung.

Seufzend schüttelte er den Kopf und entfernte auch diese, wobei er bei dem wiederlich vertrauten Gefühl schauderte.

Das war damit schonmal geklärt.

Aufmerksam musterte er den gesamten Raum.

Er hatte vorhin schon keine Kameras gesehen, vor Überwachung war er also sicher.

Sein Blick blieb schließlich an einem Stuhl, der ihm gegenüber stand, hängen.

Auf dem Stuhl lag seine Kleidung, gewaschen, gefaltet und fein säuberlich gestapelt.
Ein Service, den es in jedem Krankenhaus zu geben schien.

Vielleicht sollte er sich öfters hier blicken lassen?
NEIN! Blöde Idee! Nicht zu viel Aufmerksamkeit und erst recht nicht zu langer Kontakt mit großen Menschenmassen.

Unter dem Stuhl, lehnte sein gelber Rucksack an der Wand.

Eilig riss Midoriya sich alle weiteren Kabel vom Körper und hastete zum Stuhl, wo er sich schleunigst umzog.

Eine kurze Sekunde lang hielt der Junge inne, um das schöne Gefühl seines frisch gewaschenen Hoodies zu genießen, doch dann setzte er sich schon die Kapuze auf und zog sie tief ins Gesicht, ehe er seinen Rucksack überwarf und somit ein inneres Signal zum Aufbruch setzte.

Als Erstes untersuchte er das Fenster, doch er befand sich im 5. oder 6. Stockwerk und von außen war ein Schloss an dem Fenster angebracht.

Probeweise versuchte er den Griff zu bewegen, doch, wie vermutet, rührte sich das Metall keinen Millimeter.

Erneut warf er einen Blick auf den weit entfernten Boden und glich die Aussicht von hier mit der von seinem ersten Versuch ab.

Der Boden war ein wenig näher.

Als er damals gesprungen war, hatte er es von dem Dach versucht, welches rein theoretisch die 7. Etage wäre.

Er könnte es nochmal versuchen...

Aber bei seinem Glück, würde es, so wie jedes Mal, nicht funktionieren.

Sei es sein Versuch gewesen, sich vor ein Auto zu schmeißen, (Das Endete mit einer Massenkarambolage, bei der es 4 Tote gab.)
sein exzessives Trinken, (Er hatte aufgehört mit zu zählen, wie oft er in Krankenhäusern aufgewacht war.)
oder sein Versuch, eine Überdosis an Medikamenten zu schlucken. (So weit war er garnicht erst richtig gekommen, da irgendein Held ihn beobachtet hatte und ihn direkt vor Ort dazu brachte, alles wieder auszukotzen und ihm dann Stundenlang [natürlich in Anwesenheit der Presse] erklärte, weshalb es schön ist, am leben zu sein. [Er hätte danach liebend gerne noch einen Versuch gestartet, doch leider hatte er kein Geld mehr gehabt, um sich neue Tabletten zu besorgen.])

Jedes Mal, wenn nur er, Izuku Midoriya, alleine an seinem Tod beteiligt war, würde er es überleben - also würde jemand anderes die Mühe übernehmen müssen. Denn sonst würde er nie draufgehen.

Kurz ging er nochmal die Optionen durch.

Er könnte die Scheibe mit einem der Stühle oder einem anderen Gerät einschmeißen und sich aus dem Fenster stürzen. Wenn er eine riesenportion Glück hätte, würde er endlich abkratzen, wenn nicht, überlebte er es mit noch mehr Narben und sonst welchen Schäden.

Oder er nähme den Weg durch den Haupteingang. Mischte sich unter die Leute, steckte unterwegs vielleicht noch irgendwelche Spritzen oder so ein...

Das klang nach keiner schlechten Idee.

Mit einem Fläschchen Morphin, ein paar unbenutzten Spritzen, einer Packung rezeptpflichtiger Tabletten, konnte man richtig viel Geld auf der Straße machen.

Und Geld hieß: Ein weiterer Rausch für ihn.

Jeder finanziert die Erlösung des Anderen, so einfach war das.

Dieser gesamte Gedankengang dauerte vielleicht eine halbe Minute leisen Gemurmels, dann setzte der Grünhaarige sich auch schon in Bewegung und öffnete die Tür einen Spalt breit, um heraus zu linsen und sicher zu gehen, dass niemand auf dem Flur war.

Leise öffnete er die Tür weiter, da er niemanden entdeckte und überprüfte den kompletten Gang.

Keine Menschenseele weit und breit.

Zufrieden trat er raus und schloss die Tür lautlos hinter sich.

Wenn man es unbemerkt aus dem Zimmer schaffte, war man schon so gut wie draußen. Danach war es nur noch wichtig, sich natürlich und unauffällig zu verhalten und über niemanden zu stolpern, der einen kannte.

Achtsam ging er den Flur runter, der Ausschilderung Richtung Ausgang folgend, durch eine Glastür-

"Du willst also wirklich einfach verschwinden?"

Er erstarrte, zog die Schultern hoch und warf der Person, die sprach, einen kurzen Blick zu.

Der Mann hatte sich neben die Tür an die Wand gesetzt, sodass man ihn nicht sehen konnte.
Er hatte schwarze Haare und trug eine weiße Rüstung, neben ihm lag ein Helm, der entfernt an einen Zug erinnerte.

Ingenium, erinnerte er sich, der Held Ingenium sieht so aus. Er gehört zur Iida-Familie, die schon seit mehreren Generationen Helden hervorbringt. Sie alle haben Quirks des Typs "Engine". Er hat seine Quirk in den Beinen, welche ihn schneller und kräftiger macht. Wegrennen ist also eine extrem dumme Idee.

Seufzend drehte er sich um.

"Was willst du von mir?"

Der Mann lachte leise und schüttelte den Kopf.

"Ich will nur ein paar Antworten von dir, Izuku Midoriya.", erklärte er ehrlich und versuchte ihm in das Auge zu schauen, was der halb-blinde jedoch geschickt umging.

Weshalb sollte ein so guter Held mit ihm reden wollen? Sicher nur eine Falle, damit die Polizei kommen konnte, oder er hatte ein Aufnahmegerät bei sich und konnte direkt das Geständnis von ihm abliefern, oder-

"Ich bin also ein guter Held? Danke."

Erschrocken schaute der Grünhaarige auf und Tensei lächelte entschuldigend.

"Aber ich kann dich beruhigen. Ich behindere gerade eher Ermittlungen und Verfahren gegen dich, als das ich sie voran treibe.", erklärte der Held und verkündete dann die Schocknachricht, "Wenn du meine Fragen so beantwortest, wie ich es vermute, werde ich dir sogar ein wenig Zeit erkaufen."

Kurz sah der Junge sich um und kniete sich dann vor den Älteren.

Ingenium war ein cooler und ziemlich lockerer Held. Viele Leute, mit denen Izuku gesprochen hatte, hatten von diesem außerordentlich menschlichen Bewacher der Gesellschaft erzählt; der zwar gruselig werden konnte, wenn er gegen richtige Schurken antrat, mit Leuten wie ihnen, die nie wirklich was mit Absicht verbrachen, aber tadelnd und mitfühlend umging.

"Was willst du wissen?", fragte der Teenager auffordernd.

Er wollte nur so schnell wie möglich das Krankenhaus verlassen um an einen sicheren Platz zu kommen - das Geld, dass er auf seinem Weg nach draußen machen konnte, war nebensächlich.

Tensei Iida hingegen musterte den Jungen, der schon wieder die Augenklappe trug, so gut es, trotz der Kapuze, ging.

Er versuchte sich seinen hoch korrekten und roboterartigen, kleinen Bruder neben diesem chaotischen, zerstörten, verhärmten Jungen vorzustellen.

Es prallten zwei unkombinierbare Welten aufeinander und ihm drängte sich die Frage auf, ob seine Idee wirklich in Betracht zu ziehen war.

Doch es wäre eine Schande, es nicht wenigstens zu versuchen.

"Stimmt es, dass du seit deines vierten Lebensjahres gemobbt wurdest und deswegen schon mehrfach im Krankenhaus warst?", fragte der Erwachsene das, was für ihn am wichtigsten war.

Izuku sank zusammen, als er hörte, was der Held über ihn wusste und an seine ganzen Traumata erinnert wurde.
Ihm wäre es eigentlich lieber, diese ganzen Erinnerungen in irgendeiner fest verriegelten Kiste verrotten zu lassen und nie wieder anzurühren.

"Kann schon sein. Kinder können Arschlöcher sein, wenn andere nicht so sind, wie sie.", murmelte der Grünhaarige schließlich ausweichend.

Tensei nickte wieder.

Er hatte teilweise selbst gesehen, was mit quirklosen Kindern auf Spielplätzen gemacht wurde.

Jedes Mal war er dazwischen gegangen, doch das rettete die Kinder nur für diesen Moment. Es ließ sie nicht eine vernünftige Kindheit haben.

"Was haben deine Mutter, Erzieher und Lehrer dagegen unternommen?"

Der Junge mit dem Wuschelkopf starrte zu Boden und biss die Zähne zusammen, während Tränen in seine Augen stiegen.

"Mum hat sich entschuldigt.", knurrte er und wünschte, er könnte den Hass aus seiner Stimme verbannen.

Er liebte seine Mutter. Innig und aus tiefstem Herzen. Sie war in seinen Augen eine gutmütige, liebevolle, fürsorgliche, herzliche Person, die sich bedingungslos und nach bestem Verständnis um ihn kümmerte.

Aber. Inko Midoriya hatte auch nie versucht ihm das zu geben, was er wirklich brauchte, sondern hatte versucht die eigentlichen Lücken mit dem Überfüllen anderer auszugleichen.

Und dafür hasste er sie.

"Und die restlichen Erwachsenen sagten alle das Selbe: Jungs bei Jungssachen. Das ist nicht schlimm. Sie spielen.", schloss er schließlich seine knappe Schilderung nicht vorhandenen Schutzes.

"Warum bist du weggerannt?"

"Weil ich nicht gestorben bin!", schleuderte der Jüngere dem Älteren förmlich ins Gesicht.

"Weil ich nicht tot war! Weil ich ein paar Tage später wieder in die gottverdammte Hölle gekommen wäre!
Ihr ganzen Quirknutzer, ihr Helden, ihr seid alle so verdammt glücklich und gesegnet, und ihr wisst es nicht einmal!"

Er sollte jetzt unter Umständen runterschrauben.

"Ich hätte einen Tag, nachdem ich das Krankenhaus verlassen habe, noch eine kurze Schonfrist durch das Wochenende gehabt, aber dann wäre ich in den Alltag zurückgekehrt!"

Er fing an zu zittern und krallte seine Finger in seine Arme. Alleine die Gedanken an damals reichten, um ihm den ganzen Horror wieder vor Augen zu führen.

"Weißt du, wie fürchterlich sich eine Explosion direkt an deiner Haut anfühlt? Oder wie laut eine Explosion überhaupt ist? Es reicht, damit deine Ohren anfangen zu bluten.
Hast du schon mit sieben Jahren Verbrennungen vierten Grades gehabt? Oder einmal, als ich neun war, hat er sogar die fünf geschafft.
Er war so stolz auf sich."

Er zog den linken Ärmel seines Hoodies hoch und präsentierte die Narbe an seinem Oberarm, die gezackt, wellig und glasähnlich aus seiner Haut hervorstach.

"Hätte ich wieder dazu zurückkehren sollen? Zu den Schlägen, Tritten, Beleidigungen, Schmerzen, Zerstörung? Was hätte mir das gebracht?
Mir geht es sehr viel besser, seit ich auf der Straße lebe."

Endlich beruhigte er sich wieder und konnte sich entspannen.

Der Held wirkte ernsthaft geschockt von seiner Erzählung.

Und tatsächlich drehten Tenseis Bruder-Instinkte gerade völlig durch.

Vor ihm war ein Junge, der genauso alt war wie sein kleiner Bruder und unerträglich viel Grausamkeit erlitten hatte.

Und keiner hat sich jemals die Mühe gemacht, sich um dieses Kind zu kümmern!

Er räusperte sich und schüttelte den Kopf, um seine Gedanken zu ordnen, ehe er sich vor Izuku kniete und ein wenig duckte, um dem Jungen in das vernarbte Gesicht schauen zu können.

"Ich will ehrlich mit dir sein. Ich habe mit allen möglichen Personen über dich gesprochen und habe versucht ein Allgemeinbild von dir zu bekommen.
Die Ärzte warten nur darauf, dass du wieder kommst und dann nicht zu retten bist.
Die Polizei will dich einbuchten und dann zurück auf die Straße werfen, nur, damit sie dich wieder einkerkern können.
Und unter den Helden hast du dich auch schon herumgesprochen - viele raten an, dich einfach auf der Straße liegen zu lassen, wenn man dich findet, weil dir eh nicht zu helfen wäre."

Der Grünhaarige hatte über diese Erklärung hinweg unterschiedlichste Emotionen gezeigt, jetzt gerade schien er zwischen Übelkeit und Entsetzen zu hängen, was ein lustiger Gesichtsausdruck gewesen wäre, wäre das Thema nicht so traurig und ernst.

"Aber vor allem denken alle so schlecht von dir, weil du ständig da zu sein scheinst.
Mein Vorschlag wäre also, dass du eine Zeit lang aus ihrem Blickfeld und so auch aus ihren Gedanken verschwindest."

Jetzt wurde es dem Einäugigen zu bunt.

"Und wo soll ich, deiner Meinung nach hin?!", faucht er wütend, "Es wäre ja nicht so, als ob ich irgendwelche Freunde hätte, mir 'ne Wohnung besorgen könnte oder zu meiner Mum kann! Diese Optionen sind alle raus!"

Beschwichtigend hob der Schwarzhaarige seine Hände und deutete so an, dass der Junge sich wieder beruhigen sollte.

"Dazu wollte ich jetzt kommen.", erläuterte er lächelnd, nicht im Geringsten von dem Wutausbruch beeindruckt.

"Was würdest du davon halten, eine Weile bei mir zu wohnen? Du hättest Essen, Trinken, ein Bett, Klamotten, ein festes Dach über dem Kopf. Du könntest das Schulmaterial meines kleinen Bruders bekommen und dich mit ihm unterhalten. Wie klingt das? Du kannst auch so lange bleiben, wie du willst."

Fassungslos blinzelte der Grünäugige und versuchte einfach nur das Gesagte zu verarbeiten.

"Was?"

Chapter Text

Die Frage, ob er mit dem Helden gehen wollte, war für den Teenager nicht schwer zu beantworten.

Natürlich wollte er mit! Es wäre bescheuert, wenn er nicht gehen würde!

Für den Weg nach draußen teilten sie sich auf. Sie würden sich gleich vor dem Haupteingang wieder treffen.

Izuku überlegte lange hin und her, als er an einer Vorratskammer vorbei kam, doch am Ende konnte er es nicht lassen und schaute rein, ob er etwas mitnehmen konnte.

Sein Rucksack war danach mit allen möglichen Drogen vollgestopft und auch wenn es ihm leid tat, so war er sich sicher, dass er das Geld noch irgendwann gebrauchen könnte, falls der Held seiner überdrüssig werden sollte oder er aus einem anderen Grund zurück auf die Straße gehen müsste.

Sein restlicher Weg durch das Krankenhaus verlief ohne Komplikationen und es war eigentlich schon lachhaft, wenn er bedachte, das er an sieben Polizisten vorbei kam, die ihn alle auch gesehen haben.

Doch er wollte sich nicht beschweren, je einfacher, desto besser.

Vor dem großen Gebäude sah er sich nach dem Helden um und als er ihn auf den ersten Blick nicht entdeckte, stieg schon Panik in ihm auf, dass Tensei Iida ihn einfach stehen lassen hat und ihn eigentlich nie mitnehmen wollte.

"Hey. Wir können jetzt los."

Erschrocken zuckte der Grünhaarige bei der Stimme des Älteren zusammen und fuhr mit gezücktem Messer herum.

Der Schwarzhaarige schielte mit erhobenen Händen auf die Klinge, die nur ein paar Zentimeter vor seinem Hals schwebte, herunter und lachte nervös.

"Ich fürchte, ich muss noch lernen, dass ich dich nicht erschrecken darf.", meinte der Mann zögernd.

Nach einer kurzen Schrecksekunde nahm Izuku dann auch sein Messer herunter, ließ es zuschnappen und versteckte es in seinem Ärmel.

"Das hätte schief gehen können.", knurrte der Junge den Erwachsenen an.
"Wenn ich nicht auf dich gewartet hätte, wärst du jetzt verdammt froh gewesen, dass wir uns vor einem Krankenhaus befinden!"

Der Größere wank nur ab und setzte sich in Bewegung, weg vom Krankenhaus.

"Mir ist nichts passiert. Du bist weg von der Straße und außer Gefahr. Also komm jetzt."

Den Weg zu dem Anwesen der Iida-Familie gingen die Beiden schweigend nebeneinander her.

"Wie willst du eigentlich erklären, dass du jemanden wie mich dabei hast?", erkundigte sich der Grünäugige schließlich nach ungefähr zwanzig Minuten stillen Gehens.

"Meine Familie kennt mich. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand eine Zeit lang bei mir lebt, bis er festen Fuß gefasst hat. Ich habe schon einigen Leuten auf diese Weise geholfen.", erklärte der Held lächelnd, doch sein Begleiter schaute danach nur mit einem verbitterten Gesichtsausdruck zur Seite.

"Mir kann man nicht helfen.", murrte der Kleinere entnervt und ließ den Schwarzhaarigen aufhorchen.

"Wie kommst du darauf?"

"Ich bin quirklos. Ich habe elf Monate Schule verpasst und habe ein riesig langes Strafregister.", zählte der Junge an seinen Fingern ab und fuhr ungerührt fort, "Leider wurde ich ohne Quirk geboren. Ich bin entstellt und behindert. Ich bin psychisch-instabil. Habe ich schon erwähnt, dass ich quirklos bin?"

Seine Stimme triefte vor Sarkasmus und Wut, während sein Gesicht zu einer Fratze aus Verachtung und Ekel verzogen war.

"Ich kenne die Statistiken!
36% aller Quirklosen begehen Weltweit erfolgreich zwischen 12 bis 17 Selbstmord.
Zwischen 18 bis 25 versuchen es 64%, wobei es nur 27% schaffen.
Jedoch schafften es nur 1,5% aller Quirklosen über 30 Jahre zu überleben.
91% aller Quirklosen sterben vor ihrem 28 Lebensjahr.
Vielleicht 0,7% schaffen es, eine halbwegs vernünftige Karriere nach ihrem Schulabschluss zu machen.
Und wie. Soll aus MIR. Etwas werden?!"

Der Held blinzelte überrascht.

"Wie konntest du dir bitte diese ganzen Zahlen merken?"

"Das ist doch überhaupt nicht wichtig!"

"Ich kenne die Statistiken auch, aber ich kann sie nicht auswendig.
Und ich denke, sie heißen, dass man etwas ändern muss.
Dann wirst du halt der erste Quirklose, der richtig Karriere macht und an Altersschwäche stirbt.", erklärte der Mann optimistisch.

"Pft.", war der einzige Kommentar des Einäugigen, der genervt weg schaute.

"Du bist ein Kind und ein Träumer!"

"Danke. Das sind dann schon zwei positive Eigenschaften."

Izuku holte zischend Luft und fing an, sich seine Schläfen zu massieren.

Mit diesem angeblich so "coolen" Helden alleine zu sein, war verdammt nervenaufreibend.

"Wir sind gleich da.", verkündete der Ältere freudig und brachte den Jungen so dazu, seine Umgebung zu betrachten.

Das freie, grüne Auge wurde kugelrund, als Izuku die ganzen Villen und schick gemachten Gärten erblickte.

"Deine Familie ist reich genug, um hier zu leben?", murmelte der Wuschelkopf fassungslos.

"Jup. Ich hoffe, du hast nichts dagegen."

"Wenn du nichts dagegen hast.", kam die schlagfertige Antwort.

"Weshalb sollte ich?",konterte er, doch damit hatte Izuku gerechnet.

"Ich bräuchte vielleicht eine Nacht, um die Hälfte der Nachbarschaft auszurauben, ohne eine Spur zu hinterlassen oder dass es jemandem direkt auffällt.", behauptete der Grünäugige schultern zuckend.

"Da wäre es ja fast schon wieder spannend, es zu versuchen, aber ich denke, du lässt es lieber. Nur wenige in dieser Gegend sind keine Helden."

Der Grünhaarige seufzte bedauernd und schüttelte den Kopf.

Es wäre ja auch zu schön gewesen, einfach an viel Geld zu kommen.

Schweigend durchquerten sie einen traditionellen, schlicht gehaltenen Garten, bis sie vor der Tür einer eher bescheidenen Villa standen.

Izuku merkte, wie die Nervosität in ihm anstieg und wippte unruhig auf seinen Fußballen herum - jeder Zeit bereit, zu einem Sprint anzusetzen um sich in Sicherheit zu bringen, falls man ihn doch nicht willkommen heißen sollte.

Seine Chance, zu entkommen, war zwar knapp, aber die Helden wären unvorbereitet und müssten überhaupt erstmal in Bewegung kommen.
Dazu kam noch, dass er sein Messer hatte, welches er rein theoretisch für einen Wurf verwenden konnte. Nein! Blöde Idee.
Sollte es hart auf hart kommen, könnte er ja einen Passanten als Geiseln nehmen.

Aber es war noch früh am Morgen, die Sonne war gerade erst aufgegangen. Es gab kaum Passanten.

Dann er hatte ja auch noch diverse Drogen mitsamt Spritzen in seinem Rucksack. Er könnte die benutzten, um die Helden außer Gefecht zu setzten, wenn es nötig werden sollte.
Und-

Sein Begleiter öffnete die Tür und trat ein.

"Ich bin zu Hause!", rief er und man konnte tatsächlich eine undeutliche Antwort hören.

Wer war bitte schon so früh wach?

"Komm rein, Midoriya-Kun. Ich stell dich meiner Familie vor und zeige dir dann das Gästezimmer."

Ängstlich betrachtete er den Flur.

Er sollte da rein gehen? Einfach so? Wann war er das letzte Mal in einem richtigen Haus gewesen? Er wusste doch überhaupt nicht mehr, wie er sich verhalten musste! Und wenn man ihn direkt wieder rausschmeißen würde?

Mit gerunzelter Stirn hörte Tensei dem Gemurmel von Midoriya zu.

Es hatte zwar Vorteile, dabei zu lauschen, wenn Izuku mit sich selbst sprach, da man dem Jungen dann schon so gut wie in den Kopf gucken konnte, aber die Gedanken des einäugigen Straßenkindes waren negativ, düster, berechnend und misstrauisch.

Er war sich sicher, dass seine Familie den Jungen mit offenen Armen empfangen und nicht mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Haus jagen würde, doch die erste Möglichkeit schien gar nicht in dem Verständnis Bereich des Teenagers zu liegen.

Irgendwie musste er dem Grünhaarigen klar machen, dass nicht jeder ihn verletzen wollte.

"Warum bist du noch nicht zum Essen gekommen, Bruder. Wir warten schon auf- ... wer ist das?"

So ging es natürlich auch.

Lächelnd drehte der Mann sich zu seinem kleinen Bruder, Tenya, um und stellte den grünhaarigen Wuschelkopf hinter sich vor.

"Das ist Izuku Midoriya. Er wird eine Weile bei uns wohnen."

Neugierig musterte der Brillenträger den Einäugigen, der sich sichtlich unwohl fühlte und unter den Blicken der Brüder wand, wie ein Fisch am Haken.

"Hallo.", murmelte er schließlich und verbeugte sich zur Begrüßung.

Ob er das richtige machte?

Er hatte keinen Schimmer.

Der andere Junge musterte ihn und schob seine Brille hoch, welche kurz die Morgensonne reflektierte.

Die Bewegungen des kleinen Bruders von Ingenium waren roboterartig, abgehackt und ausschweifend.

Die blauen Augen hinter den Brillengläsern wirkten unterkühlt und abschätzend.

Der Ausdruck passte nicht so richtig zu einem Kind seines Alters, fand Izuku, auch wenn er eigentlich am wenigsten das Recht hatte sowas zu beurteilen.
Schließlich hatte er das Gesicht eines Soldaten, der über viele Jahre an verschiedenen Fronten gestanden hat.

"Hallo.", damit riss der andere Junge den Grünhaarigen aus seinen Gedanken, "Ich bin Tenja Iida. Es freut mich, dich kennen zu lernen Midoriya-Kun."

Unsicher schaute der Grünäugige dabei zu, wie sein Gegenüber sich verneigte, als wäre er Zahnrad-betriebene Schaufensterpuppe.

"Die Freude ist ganz meinerseits... Iida...Kun...", versuchte er und schien das Richtige zu sagen, denn Tensei nickte aufmunternd und lächelnd.

"Willst du mit frühstücken, Midoriya-Kun? Wir hätten sicher genug Essen für eine Person mehr.", bot der Jüngere der Brüder an, während der Ältere sich schon seine Schuhe auszog.

Überfordert schaute der Grünhaarige weg und versuchte so irgendwie der Situation aus dem Weg zu gehen.

Er hatte Angst, sich zu blamieren und er wollte nicht in das Haus.

Der Gedanke, sich in geschlossene Räume zu begeben - fremdes Territorium, nicht neutrales Gebiet, so wie er es gewohnt war - aus denen er nicht fliehen konnte, während er von fremden Menschen umgeben war, behagte ihm nicht sonderlich.

"Uhm... W-weißt du, die Idee deines Bruders war echt lieb gemeint und ich würde auch wirklich gerne sein Angebot annehmen - ehrlich! - aber ich denke, ich sollte doch besser gehen. Ich will niemandem zur Last fallen und... ah... ich- ich hab' noch was vor, weißt du? Ja, genau. Ich habe noch was ganz wichtiges zu erledigen.
Eigentlich war das 'ne ziemliche Schnapsidee- eine gute! Aber- aber immer noch eine Schnapsidee. Ich- ich muss jetzt wirklich los.
Ähm... also... bye. Und danke."

Der gesamte Monolog rauschte ihm rekordverdächtiger Zeit von den Lippen und der Grünhaarige holte tief Luft, während er sich umdrehte und den Fuß hob, um in einem schnellen Tempo davon zu gehen.

Er hatte nicht mit dem Helden gerechnet, der nur mit einem Schmunzeln in der Stimme meinte: "Ich wüsste nicht, was du vorhaben könntest, Midoriya-Kun. Es wäre ja nicht so, als ob du eine richtige Wahl hättest."

Diese Aussage hatte zwei Reaktionen zur folge.

Tenya hatte sich schon die ganze Zeit, seit er den Jungen mit dem grünen Haar gesehen hat, gewundert, wie er mit seinem großen Bruder in Kontakt gekommen war.

Der Besucher sah mit der Augenklappe, den Narben im Gesicht und tiefschwarzen Augenringen zwielichtig und bedrohlich aus.
Auch wenn er sich vollkommen anders verhielt.

Aber es war irgendwie klar, dass der Neuankömmling Dreck am Stecken hatte und damit wahrscheinlich auch kein sonderlich guter Umgang war.

Dennoch schien sein Bruder überzeugt zu sein, dass dieser Mann nicht vollkommen verloren war.

Tenja beschloss, dass er helfen wollte.

Izuku wiederum, drehte sich auf der Ferse wieder um und stellte seinen Fuß ab, während er den Erwachsenen wütend anfunkelte.

Er hatte irgendwie geahnt, dass es einen Haken gab, doch er hatte nicht damit gerechnet, zum Bleiben gezwungen zu werden.

"Ich denke nicht-"

"Bleib doch wenigstens zum Frühstück. Es ist wirklich genug Essen für alle da, weshalb du auch nicht zur Last fallen würdest. Danach kannst du doch immer noch gehen.", fiel der jüngere Bruder ihm ins Wort und Izuku blinzelte.

Schließlich seufzte der Grünhaarige und ließ die Schultern hängen.

Das würde jetzt peinlich werden.

Um einen gewissen Grad an unterstützung zu finden umarmte er sich mit einem Arm selber und schaute zu Boden, während er flüsterte: "Ich will nicht rein, ich habe Angst vor dem Haus."

Tensei war überfordert und wusste nicht, was er mit dieser Information anfangen sollte, doch sein Bruder schaltete schnell und versuchte das Problem zu lösen.

"Es muss dir keine Angst machen. Aber wenn du wirklich nicht rein willst, kannst du dich erstmal in den Garten neben dem Esszimmer hinsetzten und ich bringe dir was raus, wir können uns später darum kümmern. Du hast sicher hunger."

Das klang nach einem schlauen Kompromiss und in der Tat hatte er einen unglaublichen Hunger, zudem kam, dass er keine Ahnung hatte, wann er das letzte Mal vernünftig gegessen hatte.

Zögernd nickte er, woraufhin der Brillenträger schnell in die Schuhe seines Bruders schlüpfe, welche ihm zu groß waren.

So watschelte er in diesen nach draußen, um Izuku den Weg durch den Garten zu zeigen.

"Danke.", murmelte der Einäugige und spielte mit dem Saum seines Hoodies, während er dem anderen Jungen bis zu einer Glaswand folgte, durch die man ein modern eingerichtetes Esszimmer und eine ebenso moderne Küche sehen konnte.

Der Tisch war schon gedeckt und ein älteres Pärchen, saß an dem Tisch, Tensei nahm gerade platz und fing an die Lage zu erklären:

"Ich habe jemanden mitgebracht, damit er eine Weile bei uns wohnen kann. Er sieht ziemlich übel zugerichtet aus und seine Vergangenheit ist nicht gerade rosig, weshalb ich ihm gerne wieder auf die Beine helfen würde. Er ist genau so alt wie Tenya und ich finde, er hat was besseres verdient."

Die Frau, welche, genau wie ihr Mann, schwarze Haare hatte, lächelte und betrachtete ihren älteren Sohn wohlwollend über ihre runden Brillengläser hinweg.

Kurz wechselte sie einen Blick mit ihrem Mann und beide hielten eines dieser stummen Elterngespräche, in denen alle Argumente innerhalb weniger Herzschläge ausdiskutiert und abgewogen wurden.

"Natürlich kann er bei uns bleiben.", meinte der Vater darauf hin und nickte seinem Sohn zu.

"Wo ist er denn, Liebling?", erkundigte sich die Mutter und schaute in den Flur hinter ihrem Sohn, doch der war leer.

Tenya stieß Izuku in die Seite nur der Grünhaarige stolperte nervös einige Schritte nach vorne, ehe er mit viel zu hoher Stimme ein: "I-ich bin hier. Freut mich, Sie kennen zu lernen!", hervorwürgte und sich so tief verbeugte, dass er im 90° Winkel vor der offenen Fenster-Wand stand, beide Augen fest zusammen gekniffen.

Frau Iida musterte den Jungen in grauem Hoodie und schwarzer Jogginghose skeptisch. Seine roten Turnschuhe stachen ihr ins Auge und sie stellte fest, dass der Junge wirklich sehr ungepflegt aussah.

Doch erst, als der grünhaarige Wuschelkopf sich aufrichtete, verstand sie, was ihr Sohn mit "übel zugerichtet" meinte.

Zwei hässliche, große Narben kreuzten sich unter einer schwarzen Augenklappe und nahmen fast die gesamte rechte Gesichtshälfte des Jungen ein. Er hatte in seinem Gesicht noch ein paar kleinere Narben, die man allerdings im anbetacht der Großen schnell übersehen konnte.

Auch seine rechte Hand war mit Narben bedeckt und der Junge entlastete kaum merklich sein rechtes Bein, welches dann wahrscheinlich auch verletzt war.

Die Wangenknochen stachen ungesund gut erkennbar hervor und das Auge, das man sehen konnte, glühte in dem Kontrast du dem schwarzen Augenring darunter.

Die übergroße, ausgeleierte, geflickte Kleidung vertuschte recht gut den unterernährten Zustand des Jungen, doch sie hing locker an ihm herunter zu offenbarte so ihre Lüge.

Es war ein grauenhafter Anblick, denn dieses Kind wirkte mehr tot als lebendig.

Sie zwang sich zu einem aufmunternden Lächeln und betrachtete den reichlich gedeckten Tisch, bei dem unter Garantie Reste übrig geblieben wären, die sie hätte wegschmeißen müssen.

"Komm doch rein und setzt dich zu uns, Kleiner. Iss etwas. Du siehst so aus, als könnte dich der nächste Luftstoß von den Füßen fegen."

Der Grünhaarige wippte nervös auf seinen Füßen herum und brabbelte leise was vor sich her.

Sie beugte sich vor und versuchte zu verstehen, was der Junge sagte, aber es war einfach zu leise.

Irritiert schaute sie zu ihrem Mann, der mit den Schultern zuckte und den Kopf schüttelte.

"Er würde lieber draußen essen, Mum.", erklärte Tenya und warf ihr einen ernsten Blick zu, der deutlich zu verstehen gab, dass er gleich eine Familien-Besprechung haben wollte.

"Man kann von hier aus sehen, was es alles gibt und ich bringe ihm dann, was er haben möchte."

Sie nickte.

"Ich hole noch ein weiteres Geschirr."

"Ich koche Tee.", verkündete Tensei.

Der Vater seufzte: "Dann suche ich den kleines Esstisch und eines der Gartenkissen."

"Ich weiß wo die sind, Vater.", warf Tenya ein.

"Bitte. Keine Umstände wegen mir. Ein Teller reicht völlig. Ich habe auch einen eigenen Becher. Ich will nicht mehr zur Last fallen, als nötig.", versuchte Midoriya sich in dem ganzen Trubel durchzusetzen; erfolglos.

Seufzend setzte er sich im Schneidersitz hin, während die ganze Familie im Haus verschwand.

Wahrscheinlich brauchten sie etwas Zeit alleine um die Lage zu besprechen.

Fast hoffte er, sie würden zu dem Schluss kommen, ihn weg zu schicken, nachdem er gegessen hat.

Aber nur fast.

Chapter Text

"Wer ist dieser arme Junge und was habt ihr gemacht, dass er nicht in unser Haus will?"

Besorgt legte Frau Iida eine Hand über ihr Herz.

Jetzt, wo sie alle im Wohnzimmer waren, konnten sie normal über den Jungen im Garten reden.

"Wir haben überhaupt nichts gemacht.", stellte Tenya sofort klar.

"Naja. Ich habe ihn gezwungen, zum Frühstück zu bleiben.", warf Tensei ein, doch sein kleiner Bruder ging dazwischen.

"Du hast ihm nur gesagt, dass er nichts Besseres zu tun hat und deswegen auch mit uns essen könnte."

"Nicht ganz. Ich habe ihm durch die Blume gesagt, dass das einzige wichtige, was er noch tun kann, ist, sich der Polizei zu stellen."

"Könntest du uns bitte endlich erklären, wer der Junge überhaupt ist, Tensei! Ich bin mir sicher, sein Gesicht irgendwo gesehen zu haben.", brachte Herr Iida jetzt seine Familie zur Ruhe und der ältere Sohn seufzte lächelnd.

"Er heißt Izuku Midoriya, ist dreizehn Jahre alt und lebt seit elf Monaten auf der Straße.
Er rannte von zu Hause weg, weil er mit dem Mobbing nicht mehr klar kam und seinen Suizidversuch überlebte - er ist gemobbt worden, seit der vier ist, weil er als quirklos diagnostiziert wurde.
Wenn es stimmt, was ich gehört habe, war er wohl eine ganze Zeit lang in illegale Straßenkämpfe verwickelt.
Dazu hat er ein riesen Alkoholproblem und sich öfters schon fast ins Koma getrunken.
Er hat mir eine Narbe aus seiner Schulzeit gezeigt, als er neun war, hat er sie zugefügt bekommen; man hat ihm fast den halben Arm weggesprengt."

Die Frau schlug schockiert die Hände über dem Mund zusammen.

Das war grausam.

"Aber...",

meinte der ältere Bruder auf einmal und wirkte unglaublich nachdenklich,

"Ich habe noch was anderes herausgefunden, als ich mich mit Midoriya-Kun unterhalten habe.


Er ist wirklich schlau und scheint sich sehr viel merken zu können.
Er ist schnell und kräftig, auch wenn er nicht sehr trainiert aussieht, ich bin mir sicher, unter diesen schlabberigen Klamotten liegen nur Muskeln; sonst hätte er diese ganzen Straßenkämpfe auch gar nicht gewinnen können."

Alle hatten genau zugehört und ließen sich das Gehörte durch den Kopf gehen.

"In drei Tagen hören meine Ferien auf.",

meinte Tenya,

"Könnte er nicht mit mir zur Schule kommen? Er hätte mich dabei und bei uns wird Mobbing nicht toleriert. Er müsste zwar ein ganzes Schuljahr nacharbeiten, aber ich denke nicht, dass das ein Problem für ihn wird."

Ihr Vater nickte.

"Das ist eine ausgezeichnete Idee. Er sollte lernen, dass nicht alle Leute ihn verletzen wollen und wenn er quirklos ist, ist jeder Funken besserer Bildung, die er erhalten kann, Gold wert."

"Jetzt ist nur die Frage, wie wir mit seiner Angst vor Häusern umgehen.", murmelte der brillenlose Bruder nachdenklich und schaute fragend in die Runde.

"Er sollte nicht im Offenen bleiben.", warf das jüngste Familienmitglied ein.

"Wie wäre es mit dem Gartenhaus? Das benutzten wir so oder so nie und da ist auch ein Gästezimmer, ein Bad und eine Küche drin.", schlug die Mutter der Brüder vor und erntete drei Paare großer Augen.

"Welches Gartenhaus?"

"Das hinter dem Baum am Teich. Ihr wisst schon, wo ihr früher zu Geburtstagen drin campiert habt."

Die Männer wurden nachdenklich und nach und nach schien einem nach dem anderen ein Licht aufzugehen, wovon die Frau sprach.

"Natürlich! Das Gartenhaus! Das ist eine wunderbare Idee, Mum!"

Die Frau lächelte, zufrieden mit sich selbst.

"Wenn das geklärt ist, dann sollten wir jetzt raus, uns um unseren Gast kümmern."

Und schon waren wieder alle unterwegs, um die Aufgaben zu erledigen, die sie sich eigentlich vorgenommen hatten.

Das Frühstück war gut verlaufen und Midoriya hatte sich nach einiger Zeit tatsächlich dazu überreden lassen, sich zu ihnen ins Haus zu begeben - unter den Bedingungen, dass die Fensterfront offen blieb und er am nächsten zu der nicht vorhandenen Wand sitzen darf.

Nach dem Essen zeigten sie ihm das verstaubte und ein wenig heruntergekommene Gartenhaus, welches über die letzten zwei Jahre ziemlich in Vergessenheit geraten war.

Der Junge war begeistert gewesen und hat nicht aufgehört sich für die Unterkunft zu bedanken.

Als Frau Iida ihm anbot, das Haus für ihn sauber zu machen, war der Grünäugige extrem enttäuscht und bettelte förmlich darum, sein neues Heim selber Putzen zu dürfen, was ihm dann auch keiner verweigern wollte.

Tenya war sich sicher, er hat noch nie jemanden erlebt, der so glücklich dabei war, ein ganzes Haus auf vordermann zu bringen zu müssen.

Als er ungefähr fünf Stunden später zu dem Häuschen zurückkehrte, um Midoriya zum Mittagessen zu holen, hatte sich das gesamte Flair um die Hütte verändert.

Die Wände schienen frisch gestrichen zu sein und auch das Dach war ausgebessert worden.
Die Tür glänzte frisch lackiert.
Der Türknauf war poliert.
Alle Fenster waren geputzt und nur aufgrund von Reflektionen zu erkennen.

Die Gardinen fehlten und gaben so den Blick auf einen sorgfältig gereinigten Holzboden frei und auch die Fliesen der Küche schimmerten, wenn man durch das zugehörige Fenster blickte.

Im allgemeinen war die Küche wieder hübsch und sah tatsächlich appetitlich genug aus, um in ihr zu kochen; denn vor fünf Stunden, hätte er noch nichts angerührt, was aus diesem Bereich gekommen wäre.

Der Schwarzhaarige klopfte an und die Tür wurde vor ihm aufgerissen.

Midoriya grinste ihn glücklich an, sein sichtbares Auge funkelte begeistert und ausgelassen - und auch wenn die Zähne des Jungen gelblich, an manchen stellen sogar bräunlich verfärbt waren und dringend einen Zahnarzt benötigten - dieser Gesichtsausdruck war so voller Lebensfreude und Glück, dass der sonst unterkühlte Teenager lächeln musste.

"Du hast wirklich ein Wunder mit der Hütte vollbracht.", kommentierte er die Veränderung beeindruckt und Izuku lächelte bescheiden.

"Es war schon ein wenig Arbeit, aber es ist ganz akzeptabel geworden. Ich bin mir sicher, du oder jemand anderes aus deiner Familie hätte es schneller und sehr viel besser machen können als ich, aber ich wollte mich euch nicht noch mehr aufbürden und... ich wollte endlich mal etwas neues machen.", meinte der Wuschelkopf und rieb sich nervös den Nacken.

Tenya schüttelte ungläubig den Kopf.

"Du solltest nicht so streng mit dir sein, es ist unglaublich, was du hier gemacht hast.", widersprach er wild gestikulierend.

Der andere Teenager schien etwas erwidern zu wollen, entschied sich allerdings um und murmelte ein "Danke".

"Weshalb bist du hier, Iida-Kun?"

"Ach ja. Es gibt Mittagessen.", fiel dem anderen Jungen ein und er zeigte mit dem Arm in Richtung des Haupthauses, "Wir wollten mit dir dann ein paar Sachen zu deinem Aufenthalt besprechen."

Das Gesicht des Grünäugigen verdunkelte sich und das Lächeln wurde gezwungen.

"Ah... ja. Natürlich.", murmelte der Kleinere und es klang sehr nach einem 'Ich habe keine Lust auf Probleme'.

Tenya schüttelte innerlich den Kopf über Midoria.
Der andere Junge erwartete gar nicht irgendwas positives sondern rechnete automatisch mit dem Schlechtesten, was eine eher unschöne Eigenschaft war.

Andererseits, wenn man ein Jahr auf der Straße überleben wollte, musste man von jedem das Schlimmste erwarten und keine Hoffnung aufkommen lassen - und für acht Jahre Mobbings galt wahrscheinlich das Selbe: Bloß niemandem vertrauen!

Was für ein trauriges Leben. Er beneidete Izuku nicht sonderlich darum.

"Darf ich reinkommen und mich umsehen, bevor wir essen?", erkundigte sich der Größere bei dem Versuch, die Stimmung ein wenig zu lockern.

Er war allerdings auch neugierig, wie Izuku sich letzten endes eingerichtet hatte und was wohl in dem Rucksack gewesen war.

Nachdem man durch die Tür trat, stand man sofort in einem halbwegs großen Raum mit dunklem Holzboden, cremé farbenen Wänden, der mit einer Couch aus anthrazit farbenem Stoff, sowie einem kleinen Glas-Beistelltisch und einem Naturholz-Tisch mitsamt vier Stühlen aus dunkelgrauem Kunstleder ausgestattet war.

Von diesem Raum gingen zwei weitere ab.

Einmal die Küche, welche weiße Fliesen an den Wänden, schwarze am Boden hatte und aus ein paar Medizinschränken, einem normalen Regal, einer Theke mitsamt vier Hockern, Herd, Ofen, Friteuse, Mikrowelle, Toaster, Kühlschrank, Gefrierfach und Geschirrspüler bestand.

Andererseits das Schlafzimmer, welches nur mit einem Bett, Nachttisch, Kommode, Regal und  Schrank gefüllt war. Alles in Schwarz-Weiß.

Von dem Schlafzimmer ging es in das Badezimmer, welches eine klaustrophobisch keine Dusche, Waschbecken und Toilette enthielt. Auch dort war alles, bis auf die Decke, gefliest.

Es war schön, alles wieder wohnhaft hergerichtet zu sehen und Tenya fragte sich, wann sie überhaupt vergessen haben, dass es das Häuschen gab.

Aber jetzt hatte es einen sehr viel besseren Zweck gefunden, als manchmal für einzelne, besondere Ereignisse genutzt zu werden.

Interessiert betrachtete er die Hefte, die Izuku in das Regal im Schlafzimmer eingeräumt hatte.

Es waren Schulhefte, allerdings ließen ihre Überschriften vermuten, dass sie nicht zum normalen Lernen verwendet wurden.

Auf jedem Heft stand das Selbe: 'Quirk-Analysen' und dahinter immer eine Zahl.

Interessanter Weise fing die Zählung erst ab der 14 an, wieso, konnte der Teenager sich nicht erklären, aber er wollte auch nicht dreist nachfragen.

"Wenn- also- uhm- also wenn du- wenn du reinschauen willst... . Du darfst dir gerne Seite 16 aus Heft 19 ansehen.", bot Midoriya hinter ihm nach einigem Gedruckse an und er war zu neugierig, als das er nicht schauen konnte.

Schnell hatte Tenya das benannte Heft gefunden und die erwähnte Seite aufgeschlagen.

Es war... erstaunlich?

Verblüfft ging er die gesamte Seite über seinen großen Bruder durch.

Dort standen so viele Sachen.

Er musste sich korrigieren.
Es war nicht erstaunlich - es war gruselig.

Wenn jemand, der keine guten Absichten hatte, diese Informationen besäße, könnte er seinen Bruder mit wenigen Mitteln in kürzester Zeit besiegen.

Erneut betrachtete er das zur Hälfte mit Heften gefüllte Regal.

In jedem Heft standen solche Analysen von Personen, Seite um Seite, kritisch und auf das Genaueste seziert, mit der festen Absicht, Lücken und Fehler zu finden.

Ein Schauder kroch über seinen Rücken und er hatte auf einmal fürchterliche Angst, sich zu Izuku umzudrehen und dem stechend grünen Auge des anderen Jungen zu begegnen.

Er wollte nicht auf genau die gleiche Art und Weise zerpflückt und durchleuchtet werden, wie alle Personen in diesen Notizen.

Aber er riss sich zusammen, schob seine Brille hoch und stellte das Heft zurück, an seinen angestammten Platz.

"Wir sollten jetzt wirklich essen gehen."

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Wie fändest du es, zur Schule zu gehen, Izuku-Kun.", fragte Frau Iida lächelnd, nachdem sie mit dem Essen fertig waren.

Der Grünhaarige musterte kritisch ihr Gesicht und zuckte schließlich mit den Schultern.

"Es kann nicht schaden, aber ich will nicht auf meine alte Schule, ganz abgesehen davon, dass sie viel zu weit weg ist."

Herr Iida räusperte sich daraufhin.

"Wir haben überlegt, dich in dieselbe Klasse wie Tenya zu schicken. Er geht auf die Somey-Junior-High-Privatschule. Es könnte dir sicher nicht schaden, den verlorenen Stoff nachzuholen und weiter zu lernen."

Tensei schmunzelte und lehnte sich zu ihm rüber.

"Ich war auch auf der Schule.",

wisperte er verschwörerisch, "Voller Spießer und Nerds, mit strengen Regeln und verdammt komplizierten Stoff, aber wirklich gut."

"Du bist also ein Nerd?", meinte Izuku grinsend und ließ den Älteren empört nach Luft schnappen.

"Ich verbitte mir-!  Allerdings ist mein Bruder ist einer."

Alle am Tisch mussten über das kindliche Gezanke der beiden lachen.

"Ich bin auch ein Nerd.", meinte der Grünhaarige schließlich kichernd, sein Blick schrie 'Es tut weh!', doch er wollte sich die Stimmung nicht nehmen lassen, "Ein 'Scheiß-Nerd' um genau zu sein. Aber er hatte ja nicht unrecht, Tenya-Kun kann das bezeugen, er hat eben meine Hefte gesehen."

Die lieblings Beleidigung von Kacchan sorgte dafür, dass sein Magen sich verkrampfte, aber er stand tapfer Lächelnd darüber, nicht gewillt, sich den besten Tag seines Lebens zerstören zu lassen.

Tenya beugte sich vor und schob umständlich seine Brille hoch, während er auf seine typisch ungewöhnliche Art zu gestikulieren anfing und von den Notizbüchern erzählte.

Die ganze Familie hörte gespannt zu, der Neuankömmling erklärte verlegen, was genau es mit den Heften auf sich hatte.

Mittag wurde fließend zum Abend und der Straßenjunge half glücklich dabei mit, das Abendessen vorzubereiten.

Auch der Abend verlief herzlich und warm, es war ein euphorischer Strudel, besser als jeder Alkohol und jeder gewonnene Kampf.

"Wenn du willst, kann ich dir deine Seite zeigen und wir könnten uns etwas überlegen, um deine Schwächen auszubessern.", bot er lachend dem Helden an, der ihn gerettet hatte.

"Wenn du willst, ich werde mich nicht beschweren."

Chapter Text

Drei Tage sind verdammt kurz.

Aber sie reichten, damit Izuku sich bei den Iidas einlebte und sich alle Materialien für seine neue Schule besorgen konnte.

Seine Augenringe waren eigentlich ein wenig besser geworden, über die letzten zwei Nächte, die er ohne Alpträume in einem weichen, vernünftigen Bett durchgeschlafen hatte.

Doch die letzte Nacht hatte sein verbliebenes Auge blutunterlaufen und seine Augenringe in ihrem Urzustand zurück gelassen.

Denn er hatte keine einzige Sekunde sein Auge zugetan und war so unglaublich nervös.

Möglicherweise hatte er einen kleinen Rückfall gehabt und sich, nachdem er das Schlafen aufgegeben hatte, mit ein wenig Geld in seine alte Gegend begeben und sich ein paar Flaschen Alk besorgt.

Und unter Umständen befanden drei der acht Flaschen sich in seinem Zimmer, gut versteckt und vor den Blicken Unwissender sicher, während die Anderen leer und sonst wo waren.

Man merkte ihm zum Glück seinen Intus nicht an, da war er sich sicher.

"Guten Morgen Mid -- alles okay mit dir?"

Okay. Man merkte es ihm an.

Er stank nach Alkohol und Fäkalien, letzteres dank seines nächtlichen Ausflugs.
Dazu schwankte er leicht.

Über die Nacht hatte er sich recht gut ausgenüchtert, aber noch nicht vollkommen.

" 'S tut mir leid. Ich hab' die Nerven verlor'n.",  nuschelte er und schaute betreten zu Boden.

Für die Familie war der zerzauste, vollkommen übermüdete und leicht angetrunkene Izuku ein vollkommen neuer Anblick.

Sie haben ihn über die letzten Tage nur ausgenüchtert erlebt und er war auch genug abgelenkt, damit seine Sucht nicht durchkam.

Die letzte Nacht hatten ihn die Entzugserscheinungen wie einen Vorschlaghammer getroffen - und jetzt stand er hier, würde in einer Stunde zur Schule müssen und war überhaupt nicht in der Verfassung dafür.

Die Sicht auf seinem verbliebenen Augen wurde verschwommen und er versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken.
In der Tat bemerkte man es nur an seinen angespannten Schultern, die hin und wieder minimal zuckten.

Geschockt sprang Frau Iida, die den Jungen fast schon adoptiert hatte, auf und stürmte zu ihm, um ihn zu trösten.

Sie hatten alle das Problem von Izuku gar nicht richtig beachtet, da es nie präsent erschien.

Jetzt konnten sie sehen, wie es war.

Und wie es nicht sein sollte.

Kurz darauf befand sich der Grünhaarige sich in einer engen Gruppenumarmung und heulte laut los.

Erst als er sich ausgeweint hatte, löste sich die Umarmung und Izuku schaute verheult auf.

"W-was sollen wir jetzt machen? So kann ich nicht zur Schule, aber wenn ich jetzt nicht hingehe... dann- dann traue ich mich nie!"

Aufmunternd klopfte ihm sein Finder auf den Rücken.

"Alles gut, Kumpel. Dich kriegen wir noch rechtzeitig hin. Wir haben eine dreiviertel Stunde zeit, um dich noch vernünftig auszukurieren. Und wenn nichts anderes funktioniert, fallen mir schon zwei, drei Leute ein, die dir helfen könnten, einen klaren Verstand zu bekommen."

Schniefend schaute er einem nach dem anderen ins Gesicht, bis wieder Tränen in seine Augen stiegen und er sich schluchzend verbeugte.

"Danke!"

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"Viel Spaß und viel Glück!"

"Werden wir haben!", rief Tenya, nur auf den ersten Teil eingehend.

Izuku murmelte während dessen düster: "Werden wir brauchen.", vollkommen auf den zweiten Teil fixiert.

"Enttäuscht mich nicht!", warf Tensei den beiden noch hinterher, worauf sein kleiner Bruder sich selbstbewusst aufplusterte und eine über-korrekte Antwort brachte, während der Einäugige ihm - freundlich, wie er war - seinen Mittelfinger präsentierte.

Lachend schüttelte der Held den Kopf und schloss die Tür.

Izuku Midoriya war wirklich beeindruckend.

Seine Notizen waren ausgesprochen ausführlich und hilfreich, allerdings gleichermaßen beängstigend.

Er hatte den Jungen dazu überreden können, alle Informationen über seine Sidekicks zusammen zu suchen und zu kopieren, damit er sie ihnen geben konnte.

Keinem schadete es, sich zu verbessern.

Auch Izuku nicht; der sich dies aufgrund seines Selbsthasses nicht eingestehen wollte.

In dem Jungen steckte ein riesiges Potential.

Nachdenklich betrachtete er den Stapel an Blättern auf dem Küchentisch.

Ja. Wirklich ein enormes Potential, dass drohte, von Alkohol, Schlaflosigkeit und der Gesellschaft, zerstört zu werden.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Ängstlich schaute der Grünäugige zu dem Schulgebäude herauf.

Der Boden war auf einmal verdammt wackelig.

Gab es ein Erdbeben?

Nein, Tenya stand fest neben ihm und betrachtete ihn nur besorgt.

Hieß wohl, dass er zitterte.

Ein riesiger Betonklotz schien auf seiner Brust zu liegen und ihn platt quetschen zu wollen.

Verzweifelt rang der Grünhaarige nach Luft und stolperte ein paar wackelige Schritte zurück.

"I-ich krieg' das nicht hin!",

keuchte Izuku atemlos,

"Ich kann da nicht rein! Ich will da nicht rein! Bitte, lass uns gehen!"

Seine Stimme überschlug sich vor Panik und war so verzweifelt - der andere Junge wusste nicht, was er machen sollte.

Sein neuer Freund fing an zu hyperventilieren und zitterte immer stärker.

Er hatte eine Panikattacke.

Der Brillenträger berührte sanft den Grünhaarigen an der Schulter und zog ihn ein wenig von dem Gebäude weg, ehe er ihn auf die Bordsteinkante runter drückte und neben ihm platz nahm.

"Es ist alles gut.", sagte er beruhigend und ließ seine Hand ein paar Zentimeter über Izukus Schulter schweben - wohl wissend, dass Körperkontakt Panikattacken schnell verschlimmerte.

"Atme tief ein und doppelt so lange aus.", erklärte er und versuchte, möglichst entspannend auf den anderen Jungen einzuwirken.

Es funktionierte nicht sonderlich gut, weshalb er sein Handy hervor zog und entsperrte.

Es war albern, aber er hatte sich gestern Abend noch mit seinen Eltern unterhalten, dass er fürchtete, dass genau so etwas passieren könnte und Izuku hatte davor beim Abendessen ähnliche Sorgen verlauten lassen.
Seine Eltern hatten ihm geraten, das Internet zur Rate zu ziehen, da sie sich nicht sonderlich gut mit dieser Problematik auskannten.

Also hatte er das getan und war über einige Posts von Personen gestolpert, die sagten, sie hätten aufgrund diverser Angststörungen regelmäßig Panikattacken und das ihnen ein paar kurze Videos helfen würden.

Er hatte sich die bewegten Bilder sofort heruntergeladen und auch an seine Familie geschickt - nur für alle Fälle.

Jetzt konnte er nur hoffen, dass diese Berichte kein Fake waren.

Er hielt Izuku das erste Bild hin.

Ein dunkelblauer Punkt, der in einer halbwegs langsamen Bewegung das Unendlich-Zeichen malte.

Das grüne Auge fokussierte sich augenblicklich auf den Bildschirm und er sah, wie es der Bewegung folgte.

Nach nur wenigen Sekunden war die Atmung des anderen Jungen ruhiger und das Zittern weniger schlimm.

Also stimmte dieser Trick schonmal.

Er strich zu dem nächsten Bild, unter dem 'Atme' stand.

Über dem Schriftzug war nur ein Strich, der sich zu einem Dreieck, Fünfeck, und immer größeren Formationen aus klappte, und dann wieder zu einem Strich zusammen fiel.

Dieses Mal dauerte es sehr viel länger, doch der Junge fing an im passenden Rhythmus zu atmen und auch das Zittern verschwand endlich.

Trotzdem ließ er wieder das erste Video abspielen, um den Kleineren noch eine Weile abzulenken.

"Danke.", murmelte Izuku nach einiger Zeit und atmete tief durch.

Er war wirklich froh, dass Tenya bei ihm war, sonst wäre er jetzt aufgeschmissen gewesen und wahrscheinlich mitten auf der Straße zusammengebrochen.

Andererseits.

Von selbst hätte er nie versucht wieder eine Schule zu besuchen.

"Nichts zu danken.", wank der andere Teenager ab und warf einen unbemerkten Blick auf die Uhr.

Sie hatten noch 17 Minuten, bis zum Beginn des Unterrichts.

Noch genug Zeit, damit Izuku sich ein wenig weiter erholen konnte, ehe sie ihn anmeldeten.

Aber in anbetracht der Panikattacke von eben, würde er mit seinen Eltern telefonieren müssen, damit sie der Schulleitung klar machten, dass der Einäugige ein Sonderfall war... sie würden dazu auch einen guten Therapeuten finden müssen.

Nachdenklich betrachtete er den kleinen Jungen neben sich, der immer noch abgemagert und kaputt aussah.

Sein Bruder hatte dieses Mal wirklich etwas unbedachtes getan, als er Izuku Midoriya zu ihnen nach Hause brachte.

Der Teenager war weder ein Straßenhund, den man später an liebende Besitzer vermitteln konnte, noch ein halbwegs bekannter Freund, der aufgrund seiner Scheidung pleite gegangen war und in ein paar Monaten wieder von selbst auf den Beinen stünde.

Ein Kind mit dieser Vergangenheit brauchte professionelle Hilfe!
Und nicht eine Familie von Helden, die irgendwie ihr Bestes versuchte, ohne wirklich eine Ahnung zu haben.

Aber jetzt war es zu spät.

Und ihm blieb nur die Frage, wie er den anderen Jugendlichen in das Schulgebäude bekam, ohne einen weiteren Anfall auszulösen.

"Wir müssen langsam rein, nicht wahr?", fragte Izuku mit Grabesstimme, als hätte er seine Gedanken lesen können.

"Ja."

So könnte vielleicht sogar etwas daraus werden.

"Ich versuche es noch einmal; aber wenn es nicht klappt, rufst du deine Eltern an, dass ich zurückkomme und gehst alleine zum Unterricht.", legte der Grünäugige neben ihm fest und stand nach einem weiteren, tiefen Atemzug auf.

"Na dann los. Auf, ihn die Hölle.", murmelte der Kleinere für sich und starrte nur den Boden an, während er schnurstracks auf das Gebäude zu marschierte.

Er ging einfach nur ein weiteres Mal in den Ring. Genau!

Es war eine andere Form des Kämpfens, aber eigentlich ging es nur wieder um einen Kampf: Schule vs. Schüler.

Augenblicklich entspannte er sich ein wenig, aber der Gedanke war nur ein kurzer Trost für ihn, um es auch ohne weiteren Nervenzusammenbruch auf das Schulgelände zu schaffen.

Er wollte das hinkriegen! Man hatte ihm, einem quirklosen Ausreißer und Säufer eine weitere Chance gegeben! Die konnte er nicht einfach vertun und wegschmeißen.

Nervös schaute er auf.

Er stand tatsächlich vor dem Eingang!
Er hat es geschafft!

Begeistert drehte er sich um und grinste Tenya an, der ihm in normaler Geschwindigkeit nachgegangen war.

"Ich hab's geschafft!"

"Habe ich gemerkt.", meinte der Schwarzhaarige ernst.

Nebeneinander gingen sie in das Gebäude und Tenya zeigte ihn schnell herum, ehe sie zum Sekretariat gingen, um ihn endgültig anzumelden.

"Hallo, Iida-Shounen. Ah- und du musst Midori-Kun sein?"

Die Sekretärin begrüßte sie freundlich lächelnd und kramte einen Stapel an Blättern heraus.

"Es ist ungewöhnlich, dass Kinder für das letzte Schuljahr die Schule wechseln, doch bei dir kann man es ja aufgrund deiner Adoption verstehen und deine vorherigen Zeugnisse waren allesamt ausgezeichnet.", murmelte die Frau und schaute ihnen dann wieder lächelnd entgegen,
"Hier ist dein Stundenplan und ein Plan des Gebäudes, deine Klassenräume sind markiert.
Aber ich bin mir sicher, Tenya wird auf dich aufpassen und dir alles Zeigen.
Ihr habt den gleichen Stundenplan und solltest du irgendwelchen Clubs oder AGs beitreten wollen, musst du hier einfach nur kurz bescheid sagen, nachdem du angenommen wurdest."

Der Grünhaarige nickte stumm und hörte der Frau genau zu.

"Damit wäre auch schon alles wichtige geklärt.", sagte sie lächelnd und schickte so die beiden Jungen raus.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Ihr erhaltet heute einen neuen Mitschüler. Sein Name ist Zuko Midori. Ich hoffe, ihr werdet ihn freundlich und mit Respekt behandeln."

Sofort tauschten die Schüler verschwörerische Blicke.

Viele Mädchen und auch ein paar Jungen kamen schnell auf den selben Gedanken:
Mit solch einer Situation fingen sehr viele Liebesromane an.

Und sie alle hofften auf das Selbe: Es sollte ihre Geschichte werden.

Die Tür ging auf und ein recht kleiner Junge mit einer grünen, verwuschelten Lockenfrisur kam herein.

Seine Haut war blass, weshalb man sogar aus der letzten Reihe seine vielen Sommersprossen sehen konnte.

Die Schuluniform hing etwas zu locker an ihm herab und er hinkte leicht auf dem rechten Bein.

Sofort verlor über die Hälfte aller Schüler, die auf ihre Liebesgeschichte gewartet hatten, das Interesse.

Nicht ihr Typ.
Zu abgemagert.
Zu verwildert.
Ganz sicher würde der Zwerg es nicht werden.

Neben dem Pult drehte der Junge sich der Klasse zu und viele schnappten erschrocken nach Luft, als er schließlich den Kopf hob, den er bis jetzt gesenkt hielt.

Sein Gesicht bestand zur Hälfte aus Narben und - oh Gott! - war das etwa eine Augenklappe?!

Einigen wenigen fielen jetzt auch die schwarzen Handschuhe auf, die eigentlich nicht zur Uniform gehörten, doch die meisten waren zu beschäftigt damit, das verunstaltete Gesicht ihres neuen Klassenkameraden anzustarren.

"Hey.", stieß dieser jetzt hervor.

Er zitterte am ganzen Körper und versuchte sein Bestes, um nicht Hals über Kopf aus dem Raum zu stürzen, so wie seine Instinkte es ihm befahlen.

Es lag zu viel Aufmerksamkeit auf ihm und wenn er den anderen Kindern in die Gesichter sah, konnte er sofort erkennen, dass sie ihn bemitleideten oder als Freak abstempelten.

Tapfer biss er die Zähne zusammen und verbeugte sich.

"Mein Name ist Zuko Midori. Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit! Hoffentlich werden wir uns gut verstehen!"

Seine Stimme war ein wenig zu hoch und sein Zittern war deutlich zu sehen, doch es war ein Anfang.

"Wenn ihr ihm Fragen stellen wollt, tut dies bitte in den Pausen.
Und du kannst dich neben Tenya setzen."

Er nickte und tat, wie der Lehrer sagte, wobei er auf seinem Weg zu dem Tisch ganz am Fenster, in der zweiten Reihe, alle und jeden mit seinem einen Auge musterte.

Doch keiner versuchte ihn anzugreifen.
Niemand schmiss etwas nach ihm, oder brachte einen blöden Kommentar.
Auch wurde ihm kein Bein-gestellt oder eine Schultasche in den Flur geschubst, damit er drüber stolperte.

Alle waren friedlich.

Das war ungewohnt.

Verwirrt nahm er platz und holte sein Etui heraus.

"Gut. Wenn das geklärt ist, können wir ja anfangen. Ich gehe zuerst die Namensliste durch.
..."

Izuku - oder Zuko, wie sein Deckname lautete - entspannte sich und ließ den Blick durch den Raum mit den weißen Wänden und dem Holzboden, der die Farbe dunkler Schokolade hatte, gleiten.

Hier würde er also die nächsten Stunden und Tage seines Lebens verbringen?

Ein Lächeln schlich sich auf seine schmalen Lippen.

Und auch wenn einige seinen verträumten Blick und das erleichterte Lächeln seltsam fanden, so konnte er selbst nicht anders, als sich zu freuen.
Es war ein so viel leichterer Kampf, als der auf der Straße.
Er konnte neu anfangen und etwas aus seinem Leben machen.

Nichts würde ihn dabei aufhalten.

Chapter Text

Glück hält nicht Ewig und das musste die Familie schnell lernen.

Midoriya wurde... ungemütlich, nachdem er seinen geheimen Vorrat an Alkohol verbraucht hatte (er hatte es geschafft, die drei Flaschen über fünf Wochen hinweg zu rationieren) und sich gezwungen sah, auf dem Trockenen zu bleiben.

In der Schule konnte der Junge seine Gereiztheit recht gut kaschieren, doch sobald er sich in seinem eigenen, vertrauten 80 qm Heim befand, oder sogar in dem Haus der Iidas, war es um seine Maske geschehen und er ließ alle spüren, dass er sein Suchtmittel brauchte - aber nicht bekam.

Tenya nervte es.

Natürlich wusste der Teenager um Sucht, ihre Tücken und wie sie funktionierte.

Natürlich wusste er: Izuku konnte die Entzugserscheinungen und seine schlechte Laune nicht einfach abschalten.

Er war sich der Tatsache bewusst, dass sich ihr neuer Mitbewohner bis jetzt mehr als ausgezeichnet schlug.

Aber auf der anderen Seite war es einfach nur provokativ.

Tenya hatte lange überlegt und sich zu Izukus Situation viel angehört.
Dann hatte er sich eine eigene Meinung gebildet.

Der andere Junge war selbst an seiner Misere schuld.

Er hätte die Schule wechseln können.
Er hätte seine Mobber anzeigen können - sogar müssen, nachdem er so schlimm verletzt worden war!
Er hätte sich nicht von dem Schuldach stürzen müssen. Das war durch und durch seine Entscheidung gewesen - und zwar eine bescheuerte, so schlau der Grünhaarige auch war.
Er hätte nicht von zuhause wegrennen müssen.
Er hätte sich nicht den Straßenkämpfen anschließen müssen.
Er hätte nicht trinken müssen.
Er hätte nicht trinken sollen !

Die Tatsache, dass der andere Teenager diese ganzen Sachen gemacht hatte, bedeutete für ihn nur eins:
Izuku Midoriya war mit seinem kaum vorhandenen Willen und geringem Durchhaltevermögen eine äußerst schwache Person.

Dazu kam die Tatsache, dass es sich bei dem Einäugigen um einen Verbrecher handelte.

Anfangs hatte Tenya da noch ein Auge zugedrückt, doch je länger Izuku ihm die Ohren über das Vermissen diverser Höhenflüge voll heulte, desto mehr dachte er sich, dass der Kleinere eigentlich ein Verbrecher sein und gar keine Hilfe wollte.

Und darüber würde er jetzt auch reden.

"Warum genau, hast du Izuku mitgenommen?"

Sein Bruder dachte nach und schaute gedankenverloren aus dem Fenster.

"Er brauchte Hilfe.
Er lag halb tot in einer Gasse und wäre dort gestorben, wenn ich mich nicht um ihn gekümmert hätte.
Und niemand sonst wollte ihm die Hilfe bieten, die er braucht.
Izuku hasst sich selbst sehr viel mehr als jeden anderen, weshalb er sich sein eigenes Leben nicht gönnt und ich... mir ging es vorallem darum, das kein unschuldiges Kind sterben sollte."

Lange musterte er Tensei, ehe er beschloss, die Wahrheit zu sagen.

"Ich bewundere dich. Ich will irgendwann Mal ein Held werden, der auch nur annähernd in deine Reichweite kommt, denn dann wäre ich schon gut - aber jetzt gerade, bist du nur ein Narr."

Erstaunt schaute sein Bruder auf.

"Wie kommst du zu dem Schluss, Brüderchen?"

Die Wortwahl war locker, doch die Stimme des älteren war ernst und sein Blick zeigte, dass er Tenyas Meinung ernst nahm.

"Er passt nicht in unsere Welt. Ich sehe, wie er sich jeden Tag mit Moral und Konventionen herumschlägt und sich eigentlich nur in sein altes Leben sehnt, aber dorthin kann er jetzt auch nicht mehr, weil er gelernt hat, dass er es besser haben kann.
Ich denke, du hättest ihn nicht mitbringen sollen, oder zumindest nicht behalten."

"Ich habe mir in letzter Zeit auch öfters die Frage gestellt, ob es wirklich schlau war, ihn hierher zu bringen.",

meinte Tensei und fuhr sich seufzend durch die Haare,

"Und wahrscheinlich hätte ich ihm einen Gefallen getan, wenn ich ihn in dieser Gasse liegen gelassen hätte, oder im Krankenhaus.
Aber dann muss ich daran denken, was für ein Glück wir hatten, denn das könnten auch du, oder ich, an seiner Stelle sein und wir würden uns sicherlich freuen, wenn irgendwelche Leute sich unserer erbarmen und uns helfen würden, oder nicht?
Er hat Macken und Fehler ohne Ende, er passt rein theoretisch überhaupt nicht mehr in unsere Gesellschaft... aber sollte man ihm dann nicht trotzdem ein schönes Leben gönnen?"

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Es war spät am Abend.

Eigentlich hatte Izuku schon geschlafen, aber ein ziemlich übler Alptraum von Kacchan hatte ihm den Schlaf geraubt.

Er war nach drüben in das Hauptgebäude gegangen, um mit Tenya oder Tensei, vielleicht auch Frau Iida zu reden, oder sich einfach nur mit einer heißen Schokolade und etwas Fernsehen abzulenken - doch dann hörte er die Stimmen.

"...est ihn nicht mitbringen sollen, oder zumindest nicht behalten."

Leise schlich er näher und fand die beiden Brüder im Wohnzimmer.
Der Jüngere auf einem Stuhl, der Ältere auf dem Sofa.

"Ich habe mir in letzter Zeit auch öfters die Frage gestellt, ob es wirklich schlau war, ihn hierher zu bringen. Und wahrscheinlich hätte ich ihm einen Gefallen getan, wenn ich ihn in dieser Gasse liegen gelassen..."

Izuku zuckte zurück, als hätte er sich verbrannt.
Er hatte mehr als genug gehört.

Er nervte!

Er störte!
Er sollte besser tot sein!

Eilig stolperte er von der Tür weg und ging wieder in den Garten.

Vier Monate Schule.

Vier Monate in Frieden leben.

Vier Monate zerbrechlichen Glücks.

Vier Monate, bis er allen zum Hals raus hing und jedem auf die Nerven ging.

Vier sehr schöne Monate, aber jetzt waren sie vorbei.

So schnell er konnte, rannte er zu seiner - nein, falsch. Es war nicht seine. Sie gehörte den Iidas - rannte er zu der Hütte, in der er die letzten vier Monate gelebt hatte und schlug keuchend, mit Tränen überströmten Wangen die Tür hinter sich zu.

Er würde packen müssen, schon wieder.

Schluchzend und zitternd machte er sich an sein Werk.

Sortierte sein Hab und Gut, was er gebrauchen könnte, was nicht; was er wirklich als 'seins' bezeichnen konnte und was in Wirklichkeit den Iidas gehörte.

Danach verstaute er alles sorgfältig in seinem Rucksack.

Die gelbe Tasche füllte sich viel zu schnell.

War wohl Zeit, zu gehen.

Seufzend setzte er sich seine Kapuze auf.

Mal wieder.

Das hatte er so lange nicht mehr.

Noch immer flossen Tränen

Dann war es wohl vorbei.

Er sah sich um und holte Stift und Zettel hervor.

Ich fürchte, ich habe eurer Familie große Schwierigkeiten und enormen Kummer bereitet.
Und das tut mir leid.
Ich hoffe, ich kann euch irgendwann das Geld zurückzahlen, dass ihr in mich investiert habt, aber ich bezweifle es.
Wie sollte ein quirkloser, obdachloser, minderjähriger Säufer an Geld kommen?
Ich bedanke mich, für diese schönen vier Monate, auch, wenn sie für euch wohl eher die Hölle waren.
Danke, dass du mich mitgenommen hast, Ingenium, selbst wenn du es mittlerweile bereust.

~Izuku Midoriya

Damit ging er.

Er verließ die Hütte und lief durch den Garten, kletterte über den Zaun, der das Grundstück umgab und war wieder auf der Straße.

Ein paar Nachbarn, die ihn kannten und Abends unterwegs waren, grüßten ihn, er grüßte zurück.

Einige wenige verwickelten ihn in ein kurzes Gespräch.

Die Leute hier wussten nicht, wer er war. Sie wussten nur, dass er oft noch spät unterwegs war, um spazieren zu gehen.
Sie dachten, er würde Zuko Midori heißen und wäre von den Iidas adoptiert worden.
Und sicher dachten sie alle, er hätte eine Quirk.

Er verließ das Viertel, das für die Reichen und Gesegneten reserviert war und sah sich schon nach kurzer Zeit wieder vertrauten Hochbauten, vollen Straßen, verpesteter Luft und Straßenlärm gegenüber.

Er seufzte und ging weiter, um in sein Viertel zu kommen.

Die schmutzigen Straßen und verwinkelten Gassen, mit bedrohlich zerfallenen, verlassenen Häusern, voller Graffiti, Müll und Fäkalien.

Sein Lächeln war bitter, als er seinen Müllcontainer wieder fand.

Doch es verschwand, als er ein paar Gestalten sah, die größer waren als er.

Sie versteckten ihre Gesichter in dem Schatten ihrer Kapuzen und dazu noch hinter Sonnenbrillen, Bandanas und Atemschutzmasken.

Der Grünhaarige erstarrte.

Je mehr eine Person sich zu verdecken versuchte, desto mehr Ärger brachte sie mit sich.

Das war eine der Faustregeln auf den Straßen und er hatte sich immer aufgeplustert, indem er sich vermummte.

Jetzt waren da fünf Leute, die wirklich gefährlich waren und nicht nur so taten als ob.

Das sah man ihnen an.

"... schuldet mir 1.950.000.000¥ und du lieferst mir lausige 1.200.000.000¥? Ist das dein Ernst?"

Vielleicht sollte er sein Bild der Lage korrigieren.

Vier der Gestalten bedrohten die Fünfte, die sich ängstlich gegen die Wand hinter ihr presste und einen kleinen Koffer umklammerte.
Wahrscheinlich enthielt dieser die benannte Summe.

"Man sagte mir, das müsste reichen. Dazu sollte ich ausrichten, dass eure Ware schlecht wäre. Es gab zu viele Tote. Ihr sollt eurer Rezept verfeinern, dann dürft ihr auch wieder solche Summen verlangen."

Die Stimme des Boten zitterte, was Izuku, der sich hinter dem Container versteckte, nur zu gut nachvollziehen konnte.

Er würde auch nicht gerne solche Nachrichten überbringen, da man sie fast immer -

Der Mann an der Wand schrie.

- mit seinem Leben bezahlen musste.

Der, der vermutlich der Anführer der Gruppe war - er tippte stark darauf, dass es sich um Drogendealer handelte - hatte dem Boten beide Hände an den Kopf gelegt.

Der kleinere Mann schrie, als würde er lebendig verbrennen, aber er wehrte sich nicht, war vollkommen erstarrt und wirkte wie eingefroren.

Izuku legte den Kopf schief und holte schließlich sein Notizheft heraus.
Wenn er schon so eine Quirk sah, konnte er auch direkt aufschreiben, was er bemerkte.

Anscheinend musste der Unbekannte sein Opfer mit beiden Händen berühren, damit seine Quirk funktioniert.
Oder er muss den Kopf berühren.
Vielleicht auch beides.

Anscheinend lähmt die Quirk und sorgt gleichzeitig dafür, dass das Opfer Schmerzen hat.

Ein Gift?
Oder etwas in Richtung Gedankenkontrolle?

Er war sich nicht sicher und das war verdammt frustrierend.

Der Bote schluchzte mittlerweile nur noch erbärmlich und flehte um Erlösung.

Der Anführer ließ den Kleineren los und einer seiner Begleiter trat vor.

Der Neue berührte das Opfer zwar nur kurz an der Schulter, doch in demselben Augenblick sackte der Körper zusammen und fiel hin.

Neugierig lugte der Grünhaarige über den Container hinweg.

Jup. Das war eindeutig eine Leiche.

Der Hoodie des Boten war an der Stelle, wo der Andere ihn berührt hatte, verschmort und durchgebrannt.
Die Haut an diesem Punkt sah aus, als wäre ein Blitz dort eingeschlagen.

Ob der Henker nur belebte Sachen mit einem Blitz grillen konnte? Oder musste es nur Elektrizität leiten können? Oder reichte Berühren und aktivieren der Quirk?
Sicher gab es irgendwelche Schwächen.
Wie kam sein Körper wohl mit Wasser klar? Oder musste er sich vielleicht irgendwie aufladen?

"Hört ihr das?"

Er erstarrte. Hatte er wieder Gemurmelt?

"Ich habe es auch gehört.", knurrte der Anführer und fing an, sich umzusehen.

"Durchsucht die ganze Gegend. Ich will keine Zeugen."

Izuku lächelte und steckte sein Heft weg. Keine Zeugen hieß wohl, er würde sterben müssen.

Wie tragisch.

Er durfte sich nur nicht seine Freude anmerken lassen, sonst würden sie ihn am Leben lassen.

Mit erhobenen Händen trat er hervor. Er starrte den Boden an und versuchte ein Zittern nach zu machen. Das funktionierte allerdings nicht so gut.

"Bitte. Tut mir nichts! Ich werde niemandem was sagen! Lasst mich einfach gehen!", "flehte" er weinerlich und schniefte.

Alle vier drehten sich zu ihm um.

"Ein Kind. Ein gottverdammter Bengel.", knurrte einer der beiden, die bisher noch nichts gemacht haben.

Doch der Anführer streife sich die Kapuze ab und zog sein Bandana runter, um ein Grinsen zu offenbaren.

"Deku. Wenn das nicht mal mein lieblings Quirkloser ist.", meinte der Kerl, "Ich habe dein Debüt im Ring gesehen, als die Piraten-Arena noch lief und ich muss gestehen, ich war schwer beeindruckt."

Erstaunt musterte er sein Gegenüber.

Das Gesicht zu zeigen hieß entweder, er würde gleich tot sein, oder dass er sich ihnen anschließen müsste.
Er hoffte auf das Erste, doch sein Bauchgefühl sagte ihm, dass letzteres passieren würde.

"Freut mich, das es dir gefallen hat.", murmelte er und überlegte, wie er dafür sorgen konnte, die nächste Leiche zu werden.

Konnte er das überhaupt noch?

"Du wirkst nicht sonderlich glücklich, mein Freund. Aber im Vergleich dazu, wie übel du ausgesehen hast, als du das letzte Mal im Ring warst, müsste man doch meinen, du würdest vor Energie und Glück überlaufen.", stellte der Anführer Fest und lehnte sich vor ihm an den Container an.

Der Grünhaarige zuckte mit den Schultern und schaute unbestimmt weg.

"Ich bin nur knapp entkommen, als die Garage gestürmt wurde und habe mich den ganzen Tag danach abgefüllt, aber der verdammte Alk reichte nicht, egal wieviel ich von dem Teufelszeug in mich reinkippte.
Aber anscheinend habe ich tatsächlich noch sowas wie eine Toleranzgrenze.",

er schnaubte belustigt,

"Mein Körper machte dicht und ich hatte das große Glück, von einem Helden "gerettet" zu werden. Die Ärzte hätten das Geld, dass sie an mich verschwendet haben, für jemand anderen verwenden sollen.
Ich weiß, dass ich an diesem Tag abgekratzt wäre.
Aber nein. Man muss mich ja am Leben erhalten."

Frustriert starrte er den dreckigen Boden an, als wäre dieser einzig und alleine an seinen Problemen schuld.

"Als ich aufwachte, wollte ich abhauen, um mir die nächste Bar zu suchen, aber der Held, der mich aufgesammelt hatte, hat auf mich gewartet und meinte, er würde meine Flucht nicht an die Polizei verpfeifen, wenn ich bei ihm einziehe.
Also machte ich es.
Seine Familie war so unerträglich freundlich! Sie haben unmengen an Geld für mich rausgeschmissen.
Und jetzt gerade habe ich gehört, wie sie sich darüber unterhalten haben, dass sie mich eigentlich lieber los wären."

Er atmete tief durch und schaute dem Mann vor sich in das Gesicht, dass seltsam verständnisvoll aussah.

"Also bin ich wieder weg und wollte wieder an meinen alten Platz. Und hier bin ich.
Und ich wäre euch so verdammt dankbar, wenn ihr mich einfach killen würdet, weil jeder Selbstmord von mir schief geht; und zwar nicht aus Blödheit, sondern weil ich fürchterliches Pech habe."

So endete er sein Statement und spielte mit dem Gedanken, vor dem Mann auf die Knie zu fallen.

Der Blonde sah sich grinsend nach seinen Kameraden um und beugte sich dann zu ihm herunter.

"Hör zu, ich gebe dir etwas, und wenn du Glück hast, kratzt du daran ab. Wie klingt das?"

Hoffnungsvoll starte er zu dem Älteren auf, der ihm gerade die Erlösung anbot.

"Was ist es? Ich nehme alles!"

Chapter Text

"Fuck!"

Stöhnend rieb er sich über die Stirn und versuchte den Schmerz, der hinter seinem Schädel pochte, zu ignorieren.

Es ging nicht.

Er fühlte sich so, als würde er wieder seinen ersten Kater durchleben, nur viel schlimmer.

Irgendwie war es angenehm zu wissen, dass sein Körper doch nicht alles vertrug.

Von einem starken Schwindelgefühl begleitet, setzte der Grünhaarige sich auf und schaute sich um.

Er kannte diesen Raum nicht, doch es war ihm auch herzlich egal, wo er sich befand.

Boden und Wände aus Beton, die einen großen Raum ohne Fenster bildeten, mit flackernde Neonlampen, die alles in ein ungesundes Licht tauchten, dazu hing ein gammeliger Geruch in der staubigen Luft.

Zerfledderte, schwarze Kunstleder-Möbel, die ihren besten Tage schon laaaange hinter sich hatten, standen quer durch die Halle verteilt, dazu kamen ausrangierte Boxsäcke und ein paar andere Sportgeräte, die nicht aufgrund von Altersschwäche lebensbedrohlich wurden, wie, zum Beispiel, Hanteln und Gewichte.

Weit aus besser sahen die Gegenstände aus, die sich nicht in seinem direkten Blickfeld befanden.

Es waren: ein einfacher Tisch aus Sperrholz, mehrere dieser stapelbaren Stühle, ein alter Fernseher, eines der ältesten Playstation-Modelle, die es gab (,doch die Konsole befand sich in einem ausgezeichneten Zustand), eine Kaffeemaschine, die der wahrscheinlich teuerste Gegenstand in diesem Raum war, und eine kleine, veraltete Mikrowelle, die mit großer Sicherheit bei ihrer nächsten Benutzung in die Luft gehen würde.

"Und? Wie fühlst du dich nach deinem ersten Höhenflug, Deku?"

Stöhnend legte er sich einen Arm über seinen Schädel, der gefühlt den dreifachen Umfang, im Vergleich zum Üblichen, hatte.

"Scheiße.", krächzte er und versuchte sich zu räuspern, was seine Kehle nur noch mehr aufkratzte.

Er hatte keine Ahnung, mit wem er da überhaupt sprach, doch die Stimme klang nicht vollkommen unbekannt.

"Habt ihr irgend’nen Alk hier? Ich könnt' grad' 'nen Schluck gebrauchen.", seine Stimme war immer noch kratzig, doch nicht mehr ganz so heiser, was schonmal ein kleiner Fortschritt war.

Der Fremde lachte leise, trotzdem ließ es seinen Schädel dröhnen.

"Gerade erst von deinem Trip runter und sofort wieder anfangen?"

Er zuckte schwach mit den Schultern, noch immer nahm er einen Arm nicht von seinen Augen, unwillig, sich wieder mit den Neonlichtern zu konfrontieren.

"Klar. Kuriert am Besten und so vergisst man am schnellsten.
Ich werde es schon noch schaffen abzukratzen, wenn ich so weiter mach'. Es dauert sicher nicht mehr lang'."

Er hörte Rascheln von Kleidung, das Geräusch kam ihm näher.

"Warum machst du es dir so kompliziert und gibst dir nicht einfach die Kugel, Kleiner?"

Der Fremde klang ernsthaft neugierig und erstaunt.

Es machte ihm nichts aus, dass Izuku einen Todeswunsch hatte, was wirklich neu für den Jungen war, da alle ihn immer am Leben erhalten wollten.

"Es würde schief gehen. So wie alles, was ich versucht habe.",

kurz schwieg der Grünhaarige,

"Hast du noch etwas von diesem Zeug für mich?"

Der Mann lachte leise.

"Tut mir leid, dich zu enttäuschen, Kurzer, aber für jede weitere Dosis wirst du zahlen müssen. "

"Womit? Ich habe kein Geld und ich kenne keinen weiteren Ring, in dem ich antreten könnte.", auch wenn er einfache Fakten sagte, klang seine Stimme weinerlich und ja, er versuchte gerade durch Mitleid an Drogen zu kommen.

Doch sein Handelspartner war unbeeindruckt.

"Lass dir 'was einfallen."

Seufzend nahm er den Arm von seinem Gesicht und sah sich ein wenig um.

Noch konnte er Geld auftreiben, aber sobald das weg war, wäre es vorbei.

"Wo ist mein Rucksack?", erkundigte er sich und suchte die Lagerhalle dabei schon mit seinem Auge nach der gelben Tasche ab.

"Neben dir."

Sofort fiel sein Blick auf den Boden neben dem Sofa, auf dem er lag.
Tatsächlich stand die Tasche neben ihm und sah vollkommen unberührt aus.

Es war ein enormer Kraftakt für Izuku, sich herunter zu beugen und die Tasche auf seinen Schoß zu hieven, da seine Arme schwach und zittrig waren und ihm schlecht wurde, sobald er den Kopf senkte - doch er schaffte es, an seinen treusten Begleiter zu kommen.

Er öffnete den Reißverschluss und fand alles genau so vor, wie er es eingepackt hatte.

Ohne wirklich suchen zu müssen, holte er alle Tabletten, Fläschchen und Spritzen heraus, die er in dem Krankenhaus eingesteckt hatte und war auf einmal extrem froh darüber, nicht auf sein Gewissen gehört zu haben.

Grinsend hielt er seine Ausbeute hoch und sah, dass die schokoladenbraunen Augen seines Gegenübers größer wurden, je mehr Rauschmittel er aus seinem Rucksack beförderte.

"Alles verschlossen und unbenutzt, frisch aus dem Krankenhaus.", erklärte er zufrieden und breitete den Vorrat auf seinem Schoß aus.

"Ich hätte wohl das Zeug benutzen sollen, um mir den goldenen Schuss zu geben.", murmelte der Einäugige und kam sich so unglaublich dumm vor.

Entsetzt von seiner Unfähigkeit schlug er sich eine Hand vor die Stirn und kniff die Augen zusammen, als es mehr weh tat, als er eigentlich plante.

"Was habe ich mir nur dabei gedacht, dass Zeug aufzuheben?! Es ist so stark, dass ich innerhalb weniger Sekunden tot gewesen wäre!"

Als er wieder die Augen öffnete, war sein Schatz und Ticket nach draußen nicht mehr da.

Verwirrt sah er sich um und entdeckte die ganzen Drogen, die vor einem Mann schwebten, der sich wohl irgendwann unbemerkt in die Halle begeben und an den Tisch gesetzt hatte.

Der Rothaarige pfiff anerkennend und platzierte die Fläschchen und Verpackungen vor sich auf dem Tisch.

"Da hast du echt einiges mitgebracht, Kleiner. Wenn du glücklich sterben willst, wäre das Morphin dein bester Freund gewesen; aber jetzt hast du es nicht mehr."

"Gib es zurück!"

"Nope. Ich lasse nicht zu, dass so ein Potential einfach draufgeht, wenn wir es gerade in die Finger bekommen haben. Du wirst uns reich machen, kleiner Deku."

"Werde ich nicht!"

Eine Flasche Scotch schwebte zu ihm und legte sich sanft dort ab, wo vorher noch die Medikamente lagen.

"Du kannst mich mit sowas nicht bestechen.", meinte der Junge kalt, doch er merkte, wie seine Kehle trocken wurde und ihn gerade zu anflehte, den Deckel der Flasche ab zu schrauben und sich einen Schluck zu gönnen.

"So süchtig bin ich dann auch wieder nicht.", hing der Grünhaarige trotzdem noch an.
Wobei er vor allem versuchte sich selbst zu überzeugen.

Die beiden Männer lächelten nur wissend und warteten.

Und er wusste, dass sie nicht lange warten müssten, bis seine Nerven durchbrannten und er sich auf die Flasche stürzte, als wäre es das einzige Wasser inmitten einer Wüste.

"Was für ein Potential? Ich bin Quirklos. Ich bin ein Alkoholiker. Ich bin minderjährig, auf einem Auge blind und humpel. Was könnte ich euch bringen, was andere nicht können?"

Er versuchte sich abzulenken und das eigentliche Problem, welches in seinem Schoß lag, so zu ignorieren.

"Weshalb wir dich wollen? Du bist ein Überlebenskünstler!
Ich habe Recherchiert. Und so viele Selbstmordversuche zu überleben - so ernsthafte Versuche - das ist beeindruckend. Du bist sowas wie untötbar - vielleicht ist das sogar deine Quirk?
Egal.
Jedenfalls, ich brauche für meine Gang robuste Leute, die sich auf der Straße auskennen, kämpfen können, aber auch etwas in der Birne haben.
Das ist alles bei dir abgehakt.
Und keiner meiner Jungs würde es schaffen, so viel Zeug unbemerkt aus einem Krankenhaus zu schmuggeln.
Du bist ein Naturtalent!
Hör zu: Ich werde deinen Alk, deine Drogen, Zigaretten, dieses ganze Zeug, finanzieren, damit du nichts von deinem Leben richtig mitkriegst, aber dafür musst du alle Aufträge erledigen, die ich dir gebe. Klingt das nicht nach einem Deal?"

Er wusste, es war dumm, aber er würde sich sicherlich, wenn er seine Belohnungen sammelte, selbst die Lampe auspusten können.

Also schlug er in die Hand ein, die der Blonde ihm entgegen hielt.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Das Sammeln von Drogen ist unmöglich, wenn man schon einmal eine Kostprobe hatte, wie Izuku lernen musste.

Und er musste ebenfalls lernen, dass die ganzen Mittelchen, die ihn vergessen ließen, ihm auch das restliche Gehirn zerstörten.

"DAS IST JETZT SCHON DAS VIERTE MAL IN DIESER WOCHE, DASS DU FAST IM KNAST GELANDET BIST!

STRENG DEIN VERBLIEBENES GEHIRN AN UND MACH DEINEN JOB RICHTIG!"

Im Gegensatz zu allen Anwesenden in der Halle, zuckte der angesprochene Junge weder bei dem Geschrei, noch, als eine Flasche an der Wand neben seinem Gesicht zersplitterte, zusammen.

Er kannte sowas, seit er vier Jahre alt war. Er war sogar mehr als das gewohnt und somit war es ihm herzlich egal, was genau der Mann mit ihm tat.

"Ich sollte dir deinen Hahn zudrehen.", meinte der Schreihals und erlangte so endlich die Aufmerksamkeit des Einäugigen, in dem alle Alarmglocken schrillten.

"Nein! Bitte nicht! Das überlebe ich nicht! Ich mach’, was ich kann!!! Aber bitte, lass' mich nicht auf'm Trockenen sitzen!", flehte er und sah, wie sich ein gemeines Grinsen auf die Lippen des Blonden schlich.

"Was könntest du denn noch tun? Wenn du ein Krankenhaus betrittst, wirst du sofort erkannt. Auch kannst du keine Straßenkämpfe mehr starten, weil alle Angst haben, gegen dich anzutreten. Und wenn ich dir Stoff zum dealen geben würde-"

"Ich weiß, ich weiß! “Den würdest du eher für dich verwenden, als ihn zu verticken.” Das ist mir bewusst!
Aber- aber- ich... i-ich könnte..."

"Genau, Kleiner. Du kannst nichts mehr machen, du bist nutzlos geworden. Verschwinde!"

Der Kleinste und Jüngste der Gruppe stand immer noch wie eine Wachsfigur an der Wand und hatte sein verbliebenes Auge weit aufgerissen.

Er merkte, wie er zu zittern begann, während in seinem Kopf diverse Ideen in sekundenschnelle entwickelt, analysiert und verworfen wurden.

Er musste dafür sorgen, dass sie ihn behalten wollen!

Er musste dafür sorgen, das alles so blieb, wie bisher!

Er würde einen Tag ungeschützt in der Realität nicht überleben!

Flehen und heulen war keine Option.
Andererseits, vielleicht würden sie ihn dann töten?

Nein.


Ihr Anführer war ein Sadist, was ausgezeichnet zu seiner Quirk passte, und der Kerl wusste, dass er dringender sterben wollte, als alles andere. Er würde ihn leben lassen, nur um zu wissen, dass er da draußen auf den Straßen leidet.

Er könnte drohen, Informationen an die Polizei zu geben. Aber das würde er nicht tun. Dann würde er sich seine sicherste Drogen und Alkohol Quelle selber zerstören.
Abgesehen davon, dass er sich dann auch selbst stellen würde.

Kurz bleiben seine rasenden Gedanken an dieser Abzweigung stehen.

Weshalb versuchte er nicht, ein weiteres Mal Suizid zu begehen?
Wer sagte denn, dass er es überleben würde?

Die Antwort war erschreckend simpel.

Er wollte seinen nächsten Schuss und die nächste Flasche dringender als seinen Tod.

Die ganzen Rauschmittel töteten ihn langsam und er würde irgendwann unter den ganzen Nebenwirkungen verkümmern, doch bis dahin hielten sie ihn so fest in ihren Krallen, dass er sogar gewillt war, am Leben zu bleiben.

Würde er etwas dagegen unternehmen?

Nein.

" Informationen !", schrie er panisch und sorgte so dafür, dass alle ihn anstarrten, als hätte er endgültig seinen Verstand verloren.

Was albern war - er besaß schon lange keinen Verstand mehr.

"Ich - i-ich habe Informationen über alle Helden, Schurken, Gangmitglieder, Vigilanten, Polizisten! Ich weiß jede Schwäche und jede Stärke von ihren Quirks und Charakter!
Ich kenne ihre Stile und Strategien und habe für alles Pläne!"

Sein Herz flatterte zwischen seinen Rippen, wie ein kleiner Vogel in einem Käfig, vor dem eine Katze stand.

Ängstlich kniff er seine Augen zusammen, trotzdem spürte er jedes einzelne Augenpaar, dass auf ihn gerichtet war, als würde Salzsäure auf diese Stelle tropfen.

"... was sagst du da?"

"Ich bin im Besitz mehrerer tausend Analysen diverser Personen...?", er ließ es wie eine Frage klingen, obwohl es die Wahrheit war.

"Beweise es."

Zögernd nickte er und schlich in sein Zimmer, welches gesperrte Zone für alle Gangmitglieder war; das hatte er direkt zu Anfang klar gemacht.

Zum ersten Mal, seit er der Gruppe beigetreten war, ließ er die Metalltür einfach offen und legte so den Blick auf ein schlichtes, chaotisches Zimmer - voller leerer Flaschen und Spritzen, mit dreckiger Wäsche auf dem Boden und Stapeln von Büchern - frei.

Doch das eigentlich wichtige, war das einzige Regal und dritte Möbelstück, das sich in diesem Zimmer befand.
Es war von oben bis unten mit Schulheften vollgestopft, alle mit genau derselben Optik.

Izuku wuselte sich durch den Raum, zu dem Regal und zog mehrere Hefte heraus, die rein äußerlich überhaupt nicht von den anderen Hunderten zu unterscheiden waren.
Dann kehrte er zu der sprachlosen Gruppe zurück und verteilte die Hefte auf dem Esstisch, wo er von jedem Heft eine andere Seite aufschlug.

Endeavor, Toxic Chainsaw, Eraser Head.

Fassungslos starrten alle die ausführlichen Notizen des Jungen an, dann den Verfasser der Hefte.

Sie hatten eine Goldgrube in ihren Händen und der dumme, rauschsüchtige Bengel merkte nicht einmal, welche Macht er da in seinen Händen hielt.

Informationen, wie sie hier niedergeschrieben standen, waren mehr wert, als Gold oder Drogen, selbst Diamanten konnten diesen Heften nicht aufwiegen.

Das Lächeln des Anführers wurde falsch und schmierig, als er wieder zu Deku sah, der mit zusammengezogenen Augenbrauen die Seiten durchlaß und stumm die Lippen bewegte.

"Kleiner."

Sofort schreckte der kleine Junge mit dem unzähmbaren Wuschelhaaren auf und starrte ihn mit großen Augen an.

"Herzlichen Glückwunsch. Du wirst nie wieder arbeiten müssen."

Meinte der Blonde und sein widerliches Grinsen wurde noch breiter.

Sein Findling hatte tatsächlich Potential.

Und was für eins.

Chapter Text

"Ich kann das nicht."

"Bitte."

"Ich will wieder zurück."

Genervt riss der Ältere sich die Maske vom Gesicht und wirbelte zu dem Teenager hinter sich herum, der sich schluchzend an sein Maschinengewehr klammerte.

Die grünen, schulterlangen Haare waren fettig, matt und verfilzt.
Man hatte sich schon lange nicht mehr die Mühe gemacht, sich wenigstens ein wenig um die krausen, verknoteten Locken zu kümmern, dies war deutlich zu sehen.

Die Haut, die schon seit längerem blass gewesen war, hatte eine Porzellan ähnliche Färbung angenommen, weshalb es so wirkte, als würde überhaupt kein Blut durch sie gepumpt werden.
Dazu erinnerte sie von ihrer Optik her an Wachs, was den Träger dieser Haut wie eine besonders makabre Puppe erscheinen ließ.

Das Auge, das nicht von einer schwarzen Augenklappe verdeckt wurde, war blutunterlaufen, mit geweiteter, reflexloser Pupille. Es wirkte unnatürlich matt, als würde ein düsterer Nebel darüber hängen.

Unter dem leblosen Seelenspiegel lag eine gähnende, schwarze Kluft - für die das Wort 'Augenring' schon seit langem viel zu harmlos war - welche weit in den Schädel des Jungen sank und ihn deswegen mehr wie einen Toten, als einen Lebenden, aussehen ließ.

Die Arme des Jungen waren unter dicken, weißen Bandagen versteckt, die überall kleine Blutsprenkel aufwiesen. Doch wenn man sich die Mühe machte, den weißen Stoff abzuwickeln, würde man zerstochene und vernarbte Haut finden.
Von Rasierklingen, Messerschneiden, Fingernägeln und Nadeln immer und immer wieder gnadenlos malträtiert, bei dem verzweifelten Versuch, das eigene Leben zu beenden - erfolglos.

Schwarze, dicke Kleidung hing lose an dem zitternden Körper herab, der mittlerweile keinen anderen Zustand mehr kannte, als zu hungern und zu frieren.
Die vielen, weichen Schichten, die für ein wenig Wärme sorgen sollten, erfüllten ihre Aufgabe nicht und verhinderten ebenfalls nicht, dass man sah, dass dieser Junge nicht mehr als ein wandelndes Skelett war und auf der Türschwelle des Todes stand.

Trotzdem war er hier und musste diese Waffe halten, die ihn wahrscheinlich mit ihrem Rückstoß sämtliche Knochen brechen und von seinen Füßen reißen würde.

Izuku Midoriya war ein Wrack.

Doch ihm sollte es recht sein.

So war die Chance zu sterben besonders groß.

Bis er allerdings den Löffel abgab, würde er wohl oder übel arbeiten müssen.

"Hör' endlich auf zu flennen und konzentrier dich! Es ist schließlich dein gottverdammter Plan!"

Das Skelett zuckte erschrocken zusammen und die Tränen versiegten.

Er wusste, dass es seine Idee war, die ihn hierher gebracht hatte.

Er hatte lange genug darüber gebrütet, alle Wahrscheinlichkeiten einzuberechnen und für jede einen eigenen Plan zu entwickeln, damit auch nichts schief ging.

Doch er hatte nicht erwartet, dass er der fehlende Mann werden würde.

Auch wenn es möglich war.

Er hatte anfangs extra so geplant, dass niemand eine Quirk brauchte und nur gesagt, welche Quirk sich in welcher Position anböte.

Jetzt war er hier und würde gleich eine andere Gang überfallen.

Gleich würde Blut von Toten an seinen Händen kleben und jede Flasche Alkohol und jede Droge - die er echt gebrauchen konnte - war mehrere hundert Meter von ihm entfernt und somit nicht hilfreich.

Ein elektrischer Funke war das Signal, damit sie nach unten auf die ahnungslosen Opfer schossen und er konnte den Erzeuger des Zeichens schon sehen.

Dann blitzte es kurz.

Izuku schloss die Augen und schnappte sich das Gewehr, allerdings schoss er nicht, so wie vorgesehen, sondern hielt sich den Lauf der Waffe unter das Kinn.

Endlich hatte man ihm eine wirkliche Chance gegeben, zu sterben.

Das würde er nutzen.

Gerade als er abdrücken wollte, erstarrte sein Körper und er merkte, dass er sich in dem Bann irgendeiner Quirk befand.

"Ihr beiden Hübschen seht wichtig aus, wie ihr hier oben steht, ich denke, ich sollte euch zum Boss bringen."

Hörte er eine weibliche Stimme hinter seinem Rücken sagen.

Natürlich musste er so ein Pech haben!

Die Frau begab sich in sein Sichtfeld und schnappte erschrocken nach Luft, als sie sah, was er gerade machen wollte.

Sobald sich ihre Lungen mit Sauerstoff füllten, löste sich seine Starre und er versuchte so schnell wie möglich den Abzug zu betätigen, damit er sich endlich verabschieden konnte.

Doch nur noch ein paar Millimeter von seiner Freiheit entfernt, blockierte die Quirk der Frau wieder alle seine Muskeln.

Sie starrte ihn an und atmete aus, dass schienen die Bedingungen für ihre Quirk zu sein.

Sie kam auf ihn zu und wand ihm das Gewehr aus den Händen.

Sein Begleiter hatte die Zeit genutzt, um sich zu verdrücken.

Das Lustige war - jetzt gerade ging sein gesamter Plan auf und er fand es nicht im geringsten schlimm.

Nein. Eigentlich konnte er sich nichts besseres vorstellen.

Sobald er sich wieder bewegen konnte, fasste er sich an den Kopf und fing an zu lachen, während die ersten Schüsse, Schreie und Geräusche diverser Quirks zu hören waren.

Sie starben da unten.

Genau wie geplant.

Und er war hier oben und würde weiter leben.

Mal wieder.

"Worüber lachste du, Kurzer?", knurrte die Frau.

Er hielt sich den Bauch während Tränen ungehalten über seine Wangen rannen.

"Ich-",

er japste nach Luft und wischte sich mit dem Ärmel über die Augen, noch immer um Luft kämpfend,

"Ich- haha - es war meine Idee. Dieser Plan. Ich habe - ich habe ihn so konstruiert, dass sie drauf gehen müssen. Das ich auch sterbe. Und jetzt lebe ich schon wieder! Haha! Es ist- es ist so - so unglaublich albern!"

Wieder brach er in Gelächter aus.

Die Frau, die den Teenager gefunden hatte, musterte ihn skeptisch.

Man konnte sehen, dass der Jugendliche vollkommen fertig und mit den Nerven am Ende war.
Er war zerstört und sie war sich ziemlich sicher, dass der kleine Junge da vor ihr einen gefährlichen Balanceakt auf der Grenze des Wahnsinns vollführte.
Denn das sein Kopf nicht mehr richtig funktionierte, merkte sie sofort.

Sie wollte nicht, dass dieser Bengel starb.
Alle seine Kameraden hatten um ihr Leben gekämpft und er wollte seines einfach wegschmeißen?
Ein Leben war ein zu wertvolles Gut, als dass man es einfach zum Fenster raus werfen sollte.

Die Rothaarige wartete, bis er sich ausgelacht hatte und packte ihn dann an seinem viel zu dünnen Handgelenk, um ihn zu ihrem Boss zu bringen.

Der würde schon einen Plan haben.

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"Was war deine Aufgabe bei deiner Gruppe?"

Er kicherte und versuchte, seine Arme aus den Fesseln zu befreien.

"Ich bin quirklos, Sir. Quirklos, Alkohol und Drogenabhängig. Ich hatte keine Aufgabe. Ich war Dekoration."

"Das bezweifle ich. Du hattest in dem Ring der Piraten einen ausgezeichneten Ruf."

"Das ist ein halbes Jahr her. Ich habe lange nicht mehr gekämpft und, wie man sieht, bin ich dazu nich' in der Lage."

 

Er brach in haltloses Kichern aus und versuchte nicht einmal, es zu unterdrücken. Warum sollte er auch?

"Man sagte mir, du hättest diesen Angriff geplant."

Das grüne Auge leuchtete gruselig auf, als die Lippen des skelett-ähnlichen Jungen sich zu einem wahnsinnigen Grinsen verzogen.

"Aber natürlich habe ich den Angriff geplant. Wer, wenn nicht ich? Niemand bedenkt jeden noch so kleinen Faktor, jede unbedeutende Tücke."

Izuku legte den Kopf schief und dachte intensiv nach.

"Habt ihr irgendwelche Drogen? Und vielleicht Vodka? Ein Bett?
Ich verkaufe alles, was ich weiß, für ein wenig Ruhe.", bot er schließlich glucksend an.

Der "Boss", wie der Mann auf dem Sessel nur von allen genannt wurde, nickte und die Frau von dem Dach löste Izukus fesseln, danach drückte sie ihm eine Flasche des verlangten Nervengiftes in die befreiten Hände.

Sofort nahm der Grünhaarige einen Schluck und wischte sich zufrieden lächelnd über den Mund, als der Vertraute Geschmack seine Zunge flutete.

"Ich kenne jeden von euch.", meinte er und deutete dann auf die Frau, die ihn gefunden hatte,

"Nur so als Beispiel: Naike Kuraiko. Einzelkind. Ihr Vater ist ins Ausland gezogen, als sie sechs war. Ihre Mutter hat sie eigenhändig mit dreizehn ermordet. Sie ist 23 Jahre alt und wurde seit vier Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gesichtet.
Deckname: Aether.
Ihre Quirk erlaubt es ihr, solange sie ausatmet und jemandem dabei im Blickfeld hat, diese Person vollkommen zu lähmen. Allerdings eignet sie sich so nur für Fernangriffe, Verteidigung und Ablenkungsmanöver.
Sie kann bis zu fünf Personen gleichzeitig ruhig stellen und sich aussuchen, wen sie lähmen will, wenn sie noch mehr Personen im Blickfeld hat.
Wenn sie sich allerdings vor oder bei benutzten ihrer Quirk bewegt, geht ihr schnell die Puste aus, zudem lähmt sie, wenn es nur fünf Personen in ihrem Blickfeld sind, automatisch alle, egal ob Freund oder Feind."

Alle Anwesenden starrten ihn fassungslos an.

"Reicht das? Oder wollt ihr mehr? Ich könnte den ganzen Tag so weiter machen.", erklärt der Quirklose grinsend und exte daraufhin den Inhalt seiner Flasche weg.

"Das reicht. Dürfte ich dich in mein Büro bitten? Ich denke, es gibt einiges, über das wir verhandeln könnten, Surveye."

Die Atmosphäre schlug drastisch um, als der Boss auf einmal freundlich und zuvorkommend mit ihm sprach.

 

Ihm wurde schlecht, als er den Namen hörte, den die Gruppe sich für ihn ausgedacht hatte. Anscheinend hatte der Boss ihn an den Informationen erkannt.

Aber der Teenager wollte sich nicht beschweren, ihm gefiel es, endlich ernst genommen zu werden.

"Natürlich.", meinte er und stand auf, um dem Mann zu folgen.

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Ob es besser oder schlechter für Izuku lief, nachdem er dieses Gespräch geführt hatte?

Er war sich nicht sicher.

Er verlangte Verpflegung als Bezahlung und je besser man sich um ihn kümmerte, desto besser waren die Informationen, die er herausgab.

Aber er konnte sich nicht dazu überreden, einen weiteren Suizidversuch zu starten.

Genervt betrachtete er seinen jetzigen, potentiellen Gastgeber.

Der Kerl, der aufgrund seiner Quirk nicht mehr als ein grüner Schleimhaufen war, lebte in einem stillgelegten Teil der Kanalisation!

Das war einfach nur widerlich.

"Ich will Informationen zu den Heldenrouten im Musatafu-Bezirk.", gurgelte das Wesen.

Er kannte Sludge. Er hatte Unmengen an Notizen über diesen Schurken, aber er hatte echt erwartet, ein wenig besser beherbergt zu werden.

"Ich fürchte, ich kann dir nicht helfen. Sowas -",

dabei deutete er mit einer vagen Bewegung alles um sie herum an,

" - reicht mir nicht als Bezahlung."

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"Ich bin erstaunt.",

meinte der Grünhaarige grinsend,

"Wie hast du herausgefunden, wie man mich kontaktieren kann, Tsunagu Hakamata?"

Der Held verzog das Gesicht.

Ihm missfiel es ungemein, mit dem Schurken und Broker zu reden, aber manchmal blieb einem nichts anderes übrig.

"Es sind sehr viele Informationen über mich und meine Sidekicks herausgegeben worden ... von dir.", presste der Mann zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Der Einäugige, der in dem Gästezimmer herumwanderte und alles genau unter die Lupe nahm, schaute zu dem Helden mit einem übertrieben erstauntem Gesichtsausdruck.

"Ach echt?"

Dann grinste der kleine Junge gemein.

"Habt ihr etwa Probleme dabei gehabt, euren Boden zu stehen?"

Der blonde Held knurrte nur, doch diese Antwort reichte.

"Wenn du von mir weißt, kennst du meine Bedingungen und meinen Preis."

"Niemand erfährt von deinem Aussehen und es wird nicht gesagt, wo du dich Aufhältst.

Wie lange du bleibst und was du in dieser Zeit alles bekommst, bestimmst du zu Anfang."

So simple Bedingungen.

Der Held war anfangs verwirrt gewesen, dass der Broker nicht mehr verlangte, doch er konnte sich mittlerweile denken, woher diese Preise kamen.

"Also, was willst du, Surveye?"

"Was willst du denn, Best Jeanist?", konterte der Jüngere und ließ dem Erwachsenen zum ersten Mal einen kalten Schauder den Rücken runter rieseln.

"Vernichte deine Hefte über mich und meine Angestellten."

Das gesunde Auge des Teenagers funkelte bedrohlich und schien fast schon zu leuchten, als dieser sich lächelnd auf das Bett warf, auf einmal vollkommen uninteressiert an der Einrichtung.

"Ich werde dir die Hefte geben, dann kannst du mit ihnen machen, was du willst. Aber das, mein Lieber, wird verdammt teuer, selbst für dich.

Drei Wochen. Vollversorgung. Drogen, Alkohol, Essen, Trinken, Klamotten, alles, so viel ich will… plus einen neue Frisur. Und du löschst alles, was deine Agency über mich gesammelt hat."

Er wollte protestieren. Er wollte es wirklich. Doch er konnte sich denken, dass es bald keine Agency mit Daten mehr gäbe, wenn Surveye weiterhin alles über ihn ausplaudert.


Der Held musterte die wilden, verfilzten Locken des Brokers und nickte.
Ein Haarschnitt war wirklich dringend nötig, da würde er nicht im Weg stehen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Stumm starrte Izuku die Mauern vor sich an.

In weiter Ferne, für ihn unerreichbar, glänzte das Schulgebäude der UA-High.

Vorhin hat er in den Nachrichten gehört, dass Sludge von All Might gefasst wurde, nachdem er einen Schüler angegriffen hatte.

Izuku hatte das Opfer in den Nachrichten erkannt und er hatte sich gewünscht, dass All Might dem Jungen nicht zur Rettung geeilt wäre.

Kacchan hätte seiner Meinung nach gerne verrecken können.
Er hätte es sollen!

Jemand wie Katsuki Bakugo hatte es nicht verdient, gerettet zu werden!
Erst recht nicht von All Might persönlich!

Lange starrte er die Flasche in seiner Hand an.
Sie war verschwommen, in seinem Kopf drehte sich alles und der Boden schien zu schwanken.
Die ganzen Farben stachen leuchtend hervor und vermischten sich, um ein verzerrtes Weltbild für Izuku zurück zu lassen; ein ertragbares.

Wütend schmiss er die leere Flasche gegen die Mauer, die das Schulgelände umgab.

Wäre dieses Arschloch nicht gewesen, hätte er zu Hause bleiben können!
Er hätte sein Auge nicht verloren, seine Hoffnung ebenfalls nicht!
Er hätte an Helden und Rettung glauben können und nicht nur an die Erlösung durch den nächsten Schuss und eine weitere, leere Flasche!

Irgendwann würde er schon seine Rache bekommen.
Kacchan würde nicht ewig Glück haben.

Seufzend schaute er auf den Scherbenhaufen am Boden.

Seine letzte Flasche.

Und Geld hatte er schon lange keins mehr, wieso auch? Normalerweise prügelte man sich darum, ihn bei sich zu haben.

Doch viele Schurken waren verschwunden.
Die Gruppen hielten sich still und bedeckt.
Die Gangs waren abgetaucht.
Helden wollten für gewöhnlich nichts mit ihm zu tun haben.

Also blieb ihm nur eins, um nicht auf dem Trockenen sitzen zu bleiben: einen Kiosk ausrauben.

Grummelnd machte er sich auf den Weg in die Stadt.

Als er endlich einen vernünftigen Laden, ohne Überwachungskameras und mit dem richtigen Alkohol gefunden hatte, wo zu seinem Glück auch noch der Verkäufer halb am schlafen war, ließ er mehrere Glasflaschen unter seinem Hoodie und in seiner Bauchtasche verschwinden und begab sich in Richtung des Ausgangs, wobei er ganz offensichtlich noch ein paar Schokoriegel mitgehen ließ.

Doch kaum ging er an der Theke vorbei, räusperte sich der alte Mann und kratzte sich an seinem bärtigen Doppelkinn.

"Ich fürchte, du hast da ein paar Sachen bei dir, für die du zahlen musst, Kleiner."

Dieser Spitzname, den er erstmal von jedem aufgedrückt bekam, nervte langsam höllisch!

"Bitte, ich habe kein Geld, es sind doch nur drei Schokoriegel.", flehte er und zeigte dem Mann sogar die eine Hälfte seiner Ausbeute.

"Denkst du, ich bin blöd? Ich erkenne einen Säufer, wenn ich ihn sehe. Du ziehst dazu eine riesen Fahne hinter dir her, Blag. Also rück die Flaschen raus und verschwinde! Die Riegel darfst du auch behalten."

Der Grünhaarige schüttelte den Kopf.

"Ich brauche das Zeug. Aber ich lasse dir gerne die Schokolade."

"Ich fürchte, dann kann ich dich nicht gehen lassen."

Wenn Izuku gewusst hätte, was sich hinter dem Tresen versteckt, wäre er nie in diesen Laden gegangen.

Der Mann hatte von der Taille abwärts einen Spinnenkörper.

Entsetzt machte der Teenager einen Schritt zurück, in Richtung Ausgang, als der Verkäufer sich aufrichtete, ehe er herumwirbelte und aus der Tür stürzte.

Er war sich sicher, der Mann würde schneller sein als er, wenn er sich nicht in einer Menschenmasse rettete, wo der Spinnenmensch mit seinen mit Widerhaken versehenen Beinen aufpassen musste.

Er sprintete über die verlassene Straße und in eine Gasse, um möglichst schnell in die Fußgängerzone zu kommen.

Als er abbog, riss ihn der Schwung fast von den Füßen, doch er rappelte sich rechtzeitig wieder auf und rannte weiter.

Er dachte nicht einmal daran, die Flaschen zurück zu lassen, während er seinen Körper zu immer höheren Geschwindigkeiten anspornte.

Auf einmal blieben seine Füße am Boden kleben und er legte sich dieses Mal, mit einem erschrockenen Aufschrei, der Länge nach hin.

Die Flaschen zerbrachen unter dem Körper  des Jungen und er spürte einen höllisch-brennenden Schmerz, als sich das Glas tief in seinen Bauch rammte.

Schreiend krümmte der Teenanger sich zusammen und blieb hektisch atmend und heulend am Boden liegen.

Irgendwo hinter ihm klackerten die Spinnenbeine bei jedem Schritt auf dem Asphalt.

Er hörte, wie der Verkäufer näher kam und versuchte stöhnend, sich aufzurichten; schrie allerdings gequält auf, als die Splitter durch sein Fleisch schnitten und Alkohol in die Wunden lief, während Blut heraus sickerte.

Sofort gaben seine Arme nach und er schaffte es nur knapp zu verhindern, dass er ein weiteres Mal aufgespießt wurde.

Seine Beine wurden von dem klebrigen Zeug befreit und er wurde auf den Rücken gedreht.

Über ihm prangte der Verkäufer und musterte entsetzt den blutigen Hoodie.

"Sorry Kleiner, da werde ich nichts mehr für dich machen können.", damit trottete der alte Mann fort und warf nicht einmal einen zweiten Blick zurück.

Er verdrängte den Jungen, den er zum Sterben zurückgelassen hatte.

Doch der Anblick von dem Blut, würde ihn für immer verfolgen.
Nur eine Sache brannte sich so sehr in sein Gehirn und Unterbewusstsein, dass es ihm Nacht um Nacht den Schlaf raubte:

Das erleichterte, dennoch grenzwertig verrückte und hysterische Lachen einer Person, die sich gerade aus ganzem Herzen darüber freute, endlich ihr Leben zu verlieren, dass ihm aus der Gasse heraus die Straße herunter folgte.

Chapter Text

Es war kälter, als es für die Anfänge des Sommers üblich war.

Er thronte weit über dem nächtlichen Trubel der Stadt, an einem dieser Orte, wo nur Personen hingehen würden, die Extremen liebten, doch nur wenige wären so entspannt wie er, als er auf dem Rand des Dachs hockte und herab sah, auf der Suche, nach einem neuen Opfer, um sein Ziel zu erreichen.

Doch die blutroten Augen, die durch die erhellte Nacht schnitten, wie die eines Falken, fanden etwas anderes, als einen Helden, der sich fälschlicherweise mit diesem Titel zierte.

Mit schief gelegtem Kopf beobachtete er, wie die Tür eines Kiosk aufgerissen wurde und ein Junge heraus stolperte und, sobald er auf der Straße war, sofort in Richtung Fußgängerzone sprintete.

Kaum hatte der Grünhaarige die Straße überquert, quetschte der Ladenbesitzer sich durch die Tür und eilte dem Jungen nach.

Wahrscheinlich ein einfacher Dieb, der dachte, er könnte dem Spinnennetz, welches den ganzen Laden durchzog, entkommen.

Wie naiv.

Doch er schaute sich weiter die Szene an, mit dem Bauchgefühl, dass etwas schlimmes passieren würde.

Der Junge sah sich nicht um, so schlau war er schon mal.

Die auffällige Haarfarbe war leicht zu verfolgen und er sah, wie der Junge gerade noch einen Sturz abfangen konnte, als dieser um eine Ecke hetzte.

Keine schlechte Kondition und ungeschickt war der Bengel auch nicht unbedingt.

Sein Blick legte sich kurz auf die bandagierten Arme des Diebes und er schaute auf seine eigenen Arme, welche ebenfalls in weißen Mullbinden eingewickelt waren.

Ob es dafür den selben Grund gab?

Im nächsten Moment war ein markerschütternder Schrei zu hören.

Schnell richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Verfolgungsjagd.

Die Beine des Flüchtigen waren in Spinnenweben gefangen, doch er bezweifelte, dass das der Grund für den Schrei war.

So schrien seine Opfer, wenn er ihnen einen Arm, oder das Bein durchbohrte.

Der Junge versuchte, sich aufzurappeln, doch brach mit einem erneuten, widerlichen Schrei zusammen und blieb schluchzend, auf die Unterarme gestützt, liegen.

Ihm kam wieder in den Kopf, dass der Bengel ein Dieb war.

Was er wohl gestohlen und wo er es transportiert hatte?

Die roten Augen blieben auf die Stelle fixiert, wo der Junge lag.
Sein Verfolger kam jetzt dazu und drehte mit einem seiner acht Beine den Grünhaarigen um.

Danach ging der Verkäufer und ließ den Dieb, dessen Beine er befreit hatte, einfach in der Gasse zurück.

Der Junge fing an zu lachen und es sorgte dafür, dass sich sogar bei dem gestählten Killer eine leichte Gänsehaut bildete.
Es war nicht gruselig, nein.

Es war ein Lachen, wie es nur in den schlimmsten Alpträumen entstand - es löste ein Gefühl des puren Horrors aus.

Doch der Junge blieb einfach lachend liegen und bewegte sich nicht mehr als nötig.

Irgendetwas stimmte nicht und er beschloss, sich anzusehen, was genau falsch lief.

In demselben Moment, als er diesen Entschluss gefasst hatte, sprang er auch schon von seinem Dach zu dem Nächsten, bis er über dem Jungen stand, dann hangelte er sich geübt die Fassade des Hauses herunter, um am Ende mit einem dumpfen Aufprall in der Gasse zu landen, die nur noch von einem makaberen Kichern gefüllt wurde.

Langsam näherte er sich dem Jungen, wobei er sich im Schatten versteckte.

Ein leichter Luftzug wehte ihm den vertrauten Geruch von Blut und Dreck entgegen, vermischt mit dem beißenden Gestank von Alkohol.

Schnell löste er sich aus dem Schatten und eilte dem Verletzten die letzten Meter entgegen.

Jetzt hatte er eine verdammt gute Ahnung, was los ist und was passiert war.

Tatsächlich lag der Dieb röchelnd auf dem Rücken, eine Hand fest auf seinen Bauch gedrückt, der grüne Hoodie war blutdurchtränkt und unter ihm hatte sich auch eine glänzend-schwarze Pfütze gebildet.

Bei so einem Boden wie hier, hieß die größe der Blutlache überhaupt nichts.
Der Bengel konnte einen Tropfen oder mehrere Liter verloren haben!

Doch das Kind - wie er verblüfft feststellen musste - atmete, hatte die Augen offen und murmelte leise kichernd irgendwas unverständliches vor sich hin.

Zögernd kniete er sich neben den kleinen Jungen und musterte ihn genauer.

Augenringe, blasse Haut, Sommersprossen, nur ein einziges grünes Auge, Narben, krauses Haar, eingefallene Wangen, dünne Handgelenke, deutlich erkennbare Knochen.

Kurzentschlossen untersuchte der Mörder den Verletzten und zupfte ein wenig an dem Hoodie.

Was auch immer sich in der Bauchtasche befunden hatte, hat sich durch den Stoff in den Körper des Jungen gebohrt.

Und sobald er den Pulli bewegen würde, würde auch die Ursache der Verletzung bewegt werden, weshalb dieses Kind dann höchstwahrscheinlich in wenigen Sekunden verbluten müsste.

Der Blick des Bengels wurde schärfer, als er sich über dessen Gesicht beugte, um zu überprüfen, ob der Verletzte ansprechbar war.

"Oh...",

hauchte er und lachte schwach,

"Wer hätte gedacht, dass ich auf meine letzten Sekunden noch eine Berühmtheit treffe?

Herokiller Stain. Quirk: Gerinnung.  
Je nach Blutgruppe hält die Wirkung unterschiedlich lange.
0 am kürzesten, dann A, AB und schließlich B mit acht-minütiger Lähmung.
Wenn du von jemandem das Blut durch deinen Mund aufnimmst, lähmt es diese Person."

Der Junge schloss sein Auge und holte keuchend Luft.

"Wie viele von der Quirk kontrolliert werden können ist unbekannt, aber es ist mehr als eine Person möglich.

Nachteile: Man muss an das Blut seiner Opfer kommen. Man muss nah an seine Opfer ran gehen. Immer Waffen mit sich führen. Körperlich und Geistig fit genug sein, um sein Opfer überwältigen zu können. Wie lange man Zeit hat, bis die Wirkung nachlässt, ist ungewiss.
Stimmt... stimmt das alles?"

Es war eine vollkommen absurde Situation.

"Ja, das stimmt alles."

"Bleiben Sie bei mir, bis... bis es vorbei ist, Mister Stain? So... so ganz allein zu sterben... macht... macht mir dann... doch irgendwie... Angst.", murmelte der Junge und lächelte, als wäre es ein warmer Sonnentag und sie die besten Freunde.

Dann lachte der Lockenkopf atemlos und nuschelte: "Da... wollte ich doch... doch die ganze... ganze Zeit sterben... und jetzt... jetzt kriege ich tatsächlich... noch... A-angst."

Stain musterte den Jungen, der nicht älter als zwölf sein konnte und trotzdem vom Sterben sprach, als wäre es eine willkommene Abwechslung und sein ganzes, kurzes Leben lang sein größter Traum gewesen.

"Wie heißt du?", erkundigte der Mann sich und machte es sich etwas bequemer.

Wenn er schon der Letzte war, den der Junge bei sich hätte, wollte er wenigstens seinen Namen wissen.

"Izuku Midoriya... Deku... S-Surveye... suchen... suchen Sie sich etwas aus."

Alle Namen sagten ihm etwas.

"Wer hätte gedacht, dass ich so eine Berühmtheit durch ihre letzten Minuten begleite?", witzelte der Mörder schwächlich, indem er den Jungen zitierte.

"Ich habe viel über jeden dieser Namen gehört. Du scheinst ein ziemlich guter Überlebenskünstler, Kämpfer und Denker zu sein."

Der Junge lächelte schmerzerfüllt.

Sein funktionierendes Auge wurde langsam glasig.

"Ha~ Tja. Man... man tut... was... was... was man... kann... nicht- nicht wahr?"

"Ja.",

murmelte der Mörder, gerade so laut, dass der Sterbende ihn verstand,

"Das macht man wohl."

Es war untypisch für ihn, Mitleid zu haben.

Andererseits: Dieser Junge hatte es nicht verdient zu sterben.

Kein Kind hat es verdient zu sterben, egal, welchen Wunsch für die Zukunft es hat.

Der Moment zwischen den beiden Männern war vertraut und intim.
Die Bindung, die Stain gerade zu Izuku aufbaute, war sehr viel intensiver, als Freundschaft, oder Liebe.
Er erlebte den Anderen gerade in seinem verletzlichsten und letzten Momenten.

Immer wieder fiel das grüne Auge zu, doch der Junge riss es immer wieder auf und versuchte keuchend, an noch mehr Luft zu kommen, um das Ende noch ein wenig länger heraus zu zögern.

Der Mörder überlegte, ob er es dem Jungen leicht machen und dessen Todeskampf beenden sollte, aber alles in ihm sträubte sich dagegen.

Ihm fiel dafür nur eine Sache ein, die er machen wollte.

Zögernd sammelte der Rotäugige mit einem Finger ein wenig Blut auf und leckte es ab.

Sofort erschlaffte der Körper des Jungen und die Atmung wurde ein wenig ruhiger.

Sanft hob er den zerbrechlichen Jungen hoch und rannte los, darauf bedacht, die Wunde nicht noch weiter zu verschlimmern.

"Ich... null...", murmelte der Grünhaarige an seiner Brust und Stain brauchte ein wenig, bis er die Aussage verstand.

Blutgruppe 0. Er hatte nur zwei Minuten, bis der Körper des Jungen sich wieder bewegen könnte und so seine Lage wahrscheinlich verschlimmern würde.

Doch jetzt konnte er darauf achten.

Sobald die Muskeln des Kindes sich zu verkrampfen drohten, leckte der Mörder wieder ein kleines bisschen von dem Blut auf und hielt seinen Schützling so für weitere 120 Sekunden paralysiert, bis sie eines der "Schurken-Viertel" erreichten, die, anders als der Getto, besser verpflegt und sauberer waren, aber nicht weniger heruntergekommen, oder gefährlich.

Der Mörder polterte, mit dem Jungen in den Armen, die Treppen zu seiner Wohnung rauf und trat die Tür einfach ein.

Leider hielt er sich bedeckt und kannte keine einzige Person, die eine Heilungs-Quirk hatte, welche er jetzt ausnahmsweise Mal gebrauchen könnte.
So blieben ihm nur seine eigenen medizinischen Kenntnisse.

Schnell kramte Stain einen Erste-Hilfe-Kasten heraus und wusch sich die Hände.

Dann schnitt er den Hoodie von Izuku auf und zog den klebrigen Stoff vorsichtig von der Haut des Jungen.

Das der Einäugige noch lebte, grenzte an ein Wunder.

In seinen Bauch hatten sich sieben große Glasstücke, kleinere Scherben und ein ganzer Flaschenhals reingerammt, als er gestürzt war.

Nachdenklich inspizierte der Mörder die Wunde und leckte einen weiteren Blutstropfen auf, als die Wirkung seiner Quirk erneut nachließ.

Mit einem feuchten Tuch wischte er das getrocknete und verschmierte Blut weg und fing an, die kleinen Splitter mit einer Pinzette zu entfernen.

Gleichzeitig überlegte er, was er mit den großen Scherben machen sollte.

Am besten wäre es wohl, die Wunden zu nähen. Das konnte er auch und hatte es oft genug an sich selbst gemacht.
Selbst wenn Izuku dann verbluten sollte, so hatte er es wenigstens versucht.

Und egal was mit dem Jungen passiert, er würde den Ladenbesitzer des Kiosks töten müssen.
Dieses Schwein war noch schlimmer, als diese ganzen Möchtegern-Helden, mit denen er normalerweise zu tun hatte.

Der Heldenmörder atmete tief durch und zog die erste Scherbe.

Der Junge wimmerte, war aber nicht in der Lage sich zu wehren und er war extrem froh darüber, dass Izuku gerade nichts anderes tun konnte, als still da zu liegen, denn sonst wäre der Grünhaarige spätestens jetzt verblutet.

Mit schnellen Bewegungen reinigte der Mörder die Wunde und vernähte sie, dann machte er mit der nächsten Scherbe weiter, bis er fertig war.

Diesen Teil überlebte Izuku, auch wenn literweise Tränen geflossen waren, es war immernoch besser, als den Teenager in dieser Gasse krepieren zu lassen.

Stain füllte seinen Wasserkocher und schaltete das Gerät an.

Er warf einen weiteren, kritischen Blick auf seinen Patienten, der still liegen blieb, als die Wirkung von seiner Quirk verflog.

Dazu wurde der weiße Stoff des Verbandes nicht mit Blut getränkt, was bedeutete, dass wirklich alles gut gelaufen war und so konnte der Killer sich dem heißen Wasser widmen, das er in zwei Becher goss, von dem einer nur Zucker in sich hatte, während in dem anderen ein Teebeutel lag.

"Du bist wirklich zäh, K-"

"Bitte. Nenn mich nicht 'Kleiner'. Bitte. Ich... ich kann dieses Wort nicht mehr hören.", flehte der Teenager verzweifelt und ließ den Erwachsenen innehalten.

"Also gut. Dann nenne ich dich halt Midoriya.", meinte der Schwarzhaarige nickend und sah, wie sich der Jüngere entspannte.

"Nenn mich ruhig Izuku. Ich denke, dass ist jetzt nach allem durchaus angebracht."

Der Killer nickte nach kurzem Nachdenken bestätigend und schaute auf die Becher in seinen Händen und reichte dem Broker dann den Behälter mit dem Zuckerwasser.

"Es wird grauenhaft schmecken.",

warnte der Erwachsene vor,

"Aber es wird deinem Körper helfen. Du wirst in den nächsten Stunden eine Menge Wasser und Zuckerwasser trinken müssen."

Der Jugendliche verzog bei der Erwähnung von Wasser den Mund, nickte aber brav und nahm einen Schluck aus dem Becher.

Der Mann musste schmunzeln, als er sah, wie der Grünhaarige sich mit einem angewiderten Gesichtsausdruck die süße Flüssigkeit runterwürgte.

Nachdem der Becher leer war, holte er eine Flasche Wasser und stellte sie dem Jungen hin.

"Danke.", meinte Midoriya mit undefinierbarer Mine.

"Wie darf ich Sie nennen? 'Mister Stain' und 'Stain-sama' kommen mir auf Dauer komisch vor."

"Mein Name ist Akaguro Chizome.", meinte der Rotäugige nach einer Weile.

"Chizome-Kun, also.", sagte der Wuschelkopf schwach lächelnd und öffnete danach die Wasserflasche.

Lange saßen sie in entspannender Stille nebeneinander auf dem alten, grünen Sofa, während Izuku die Flasche mit vereinzelten Schlucken leerte.

Kaum war die Flasche leer, holte der Mörder einen ganzen Kasten für den Jungen und nahm wieder neben ihm platz.

Das Wasser floss zäh und schwerfällig, wie Harz, in der Kehle des Säufers herab, doch er trank es und als er fertig war, nahm er sich ohne Beschwerden die nächste Flasche.

"Du wirst dich die nächsten Wochen nicht viel bewegen können, sonst werden die Wunden und Nähte aufreißen. So lange darfst du hier bleiben.", erklärte der Heldenmörder, nachdem der Junge die dritte Flasche geleert hatte.

Izuku nickte und summte, um zu zeigen, dass er verstanden hatte.

"Wie kommt es, dass jemand so junges schon sein Leben satt hat?", fragte der Schwarzhaarige ernsthaft interessiert, ohne jedes Urteil.

Der Grünhaarige spielte mit seinen Fingern und dachte gut nach, bevor er zu sprechen begann:
"Mein Leben... hmmm... ne... also... uhm... .... Man hat es nicht leicht, wenn man ohne Quirk geboren wird, das ist Allgemeinwissen.
Und mein Leben war... unschön.

Ich wurde gemobbt, seit ich vier war und man feststellte, dass ich keine Quirk habe.
Trotzdem wollte ich ein Held werden, was meinen... besten Freund? Kann ich ihn so nennen? - es nervte ihn; und das ließ er mich auch spüren. Und irgendwann fing er an, mir zu sagen, ich wäre tot besser dran, als lebendig.

Und irgendwann... hörte ich auf ihn.

Ich verlor meine Fähigkeit auf einem Auge zu sehen bei dem Aufprall und nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, rannte ich von zu Hause weg, um nicht wieder in meine alte Welt geschmissen zu werden.

Ich lebte auf der Straße, fing mit dem Trinken an. Dann kam das Kämpfen und Wetten dazu, weil das Geld knapp wurde.
Ich wurde von einem Helden auf der Straße gefunden, als ich mich fast tot getrunken hatte.

Er nahm mich mit zu sich nach Hause und kümmerte sich mit seiner Familie um mich, doch dann hörte ich, was sie über mich sagten, wenn sie dachten, ich wäre nicht da.

Also ging ich wieder auf die Straße, ich wurde von einer Gang gefunden, die mich durchgängig mit allem versorgte, was ich wollte... es... es ist nicht wirklich etwas über die Zeit da… ich verbrachte meinen Aufenthalt dort im Vollrausch…
Dann starben sie und ich musste wieder alleine klar kommen.
Auch diese Zeit... ist... ah. Ich erinnere mich an so gut wie nichts, hier und da mal Fetzen.
Heute war das erste Mal seit langem, dass ich auf mich gestellt war, und… hah... das ist daraus geworden.
Und... hm... ich... nun... ich weiß nicht so ganz, was noch aus mir werden soll."

Stain musterte den Jungen vor sich und kam nicht daran vorbei, den halbtoten, tief vergrabenen Kämpferwillen in dem funktionierenden, grünen Auge zu entdecken.

Auch wenn Izuku dachte, er hätte aufgegeben - ein Teil von ihm war immer noch verbissen am Kämpfen und würde sich nicht einfach auslöschen lassen.

"Du wolltest ein Held werden?", hakte der Erwachsene noch einmal nach.

Der Lockenkopf zuckte mit den Schultern.

"Schon. Aber jemand wie ich kann kein Held werden. Das habe mittlerweile sogar ich begriffen."

Der Heldenmörder schüttelte den Kopf und hielt dem Verwundeten die Hand hin.

"Was wenn doch? Du wolltest immer nur etwas verändern. Was, wenn du wirklich etwas machen könntest, um die Gesellschaft zu verbessern? Wie weit würdest du gehen?"

Izuku wirkte perplex.
Sein intaktes Auge war weit aufgerissen, seine Lippen bewegten sich stumm.
Dann wurde die überrumpelte Mimik entschlossen und der Teenager griff nach Stains Hand.

"Ich würde dafür leben."

Chapter Text

Schon nach 5 Stunden ohne Alkohol und Drogen hatten die Entzugserscheinungen eingesetzt.

Über die nächsten acht Tage wurde der Teenager von allen möglichen Symptomen gequält und flehte mehr als einmal, dass der Mörder ihn einfach tötete, da es doch keinen Sinn hätte, so zu leben - das es überhaupt kein Leben war.

Stain blieb also nichts Weiteres übrig, als den Jungen ins Bad zu tragen und mit Hilfe seiner Quirk Izukus Körper ruhig zu stellen, damit er sich nicht neu verletzte, oder die alten Wunden aufriss.

Der Grünhaarige merkte in sehr kurzer Zeit, weshalb er nie auch nur einen Gedanken an einen Entzug verschwendet hatte.

Das anfängliche Zitten war nervig, aber ertragbar. Doch aus einem leichten Beben wurden schnell Krämpfe.

Die Kopfschmerzen waren schon ein anderes Kaliber, aber aushaltbar. Doch sie breiteten sich aus, bis er das Gefühl hatte, jemand würde einen Bohrer an seinem Schädel und Gehirn verwenden.

Als das Erbrechen anfing, machte er zuerst noch Witze darüber, doch bald litt er viel zu sehr unter den ständigen Magenkrämpfen, als dass er auch nur einen lustigen Spruch hätte sagen können. Manchmal übergab er sich 15 Mal in einer Stunde, doch zu seinem Glück war das eher die Seltenheit.

Das Fieber gab ihm den Rest.
Ihm war so unglaublich kalt, als würde er nackt am Nordpol stehen, trotzdem schwitze er unaufhörlich weiter. Seine Kleidung klebte an seinem Körper und war, wenn er sie wechselte, schon nach wenigen Minuten durchtränkt, weil der Schweiß ihm in kleinen Sturzbächen über den Körper rann.

Er konnte nichts essen oder trinken, trotzdem würgte Akaguro ihm immer wieder Flüssigkeiten und Lebensmittel den Hals herunter, die er wenige Minuten später wieder in der Kloschüssel entsorgte.
Egal, ob er wollte, oder nicht.

Und dann kamen die Schmerzen. Diese alles verzehrenden, glühenden Schmerzen.

Er versuchte nicht zu schreien, aber ab einem gewissen Grad gelang es ihm nicht mehr.
Es tat zu sehr weh.
Der Schmerz war zu groß.

Sein Zeitgefühl ging völlig verloren. Seine Zeitrechnung war der Wechsel aus Alpträumen und grausamen Halluzinationen, an die er sich nach wenigen Sekunden schon nicht mehr richtig erinnern konnte.
Zurück blieb nur der Schmerz und das Entsetzen.

Einerseits nahm er es dem Killer übel, dass er ihn ständig unter seiner Quirk gefangen hielt, andererseits war er froh, nicht um sich schlagen und treten zu müssen, sondern einfach so ruhig wie möglich liegen zu können.

Irgendwas sagte ihm, dass Stain ihm mehr half, als ihn einfach nur zu versorgen und ruhig zu halten.
Außerdem war er dadurch nicht der Einzige, der erschöpft und ausgelaugt war.

Stain musste durchgängig wach bleiben und hatte nur zwei Minuten zeit, um immer und immer wieder in einen leichten Schlaf zu fallen, aus dem er sofort wieder gerissen wurde, wenn seine Quirk nachließ.

Doch der Mörder war nicht gewillt, aufzuhören, egal was Izuku ihm sagte.

Und so standen sie gemeinsam diese unerträgliche Folter durch.

Tag um Tag.


Stunde um Stunde.


Minute um Minute.


Sekunde um Sekunde.


Mit allen Höhen und Tiefen.


Phasen, in denen es so aussah, als wäre es endlich vorbei und Perioden, in denen ein Ende unerreichbar erschien.

Und dann wachte Izuku irgendwann mit dem Kopf auf dem Schoß des Mannes auf, der die letzten Tage ununterbrochen ein Auge auf ihn gehabt hatte.

Stain war gegen die Badewanne gelehnt eingeschlafen und sah einfach nur extrem kaputt aus.

Der Schlaf hatte den Grünhaarigen schon nach wenigen Augenblicken wieder zu sich geholt, doch der Junge merkte am Rande seines Bewusstseins, dass er keine Schmerzen hatte und das sein Körper vollkommen still lag, und zwar ohne Hilfe des Heldenmörders.

Als die beiden Männer 18 Stunden später erneut aufwachten, hatten sie den verpassten Schlaf so gut es ging nachgeholt und waren unglaublich froh, fest zu stellen, dass es wirklich vorbei war.

Ihnen schmerzten die Knochen von dem kalten, harten Fliesenboden und den unbequemen Positionen, in denen sie die letzte Woche verbracht hatten, aber die Tatsache, dass Izuku endlich clean war, überdeckte die Schmerzen bedingungslos.

Es war ungewöhnlich, klar denken und sehen zu können und der Teenager bemerkte erst jetzt, wie verzerrt und unscharf seine Wahrnehmung über die letzten eineinhalb Jahre gewesen war.

Sie blieben nur vier Stunden wach, in denen die Beiden so viel aßen und tranken, wie sie konnten - was in Izukus Fall nicht sehr viel war - da für diese Grundbedürfnisse in den letzten Tagen nicht viel Zeit geblieben war und sie im Falle des Jüngeren auch nichts genützt hatten.

Danach schliefen sie erneut.

Izuku in dem Bett, Akaguro auf seinem Sofa.
Nur für 14 Stunden, aber sie hatten um die 48 Stunden Schlaf nachzuholen und brauchten eigentlich noch sehr viel mehr Ruhestunden um den Stress zu verarbeiten.

Es dauerte zwei Tage, bis sie einen gesunden Tagesrhythmus fanden und dann noch drei weitere Tage, bis der Mörder es seinem Schützling erlaubte, sich zu bewegen, da nun keine Gefahr mehr bestand, dass die Wunden wieder aufplatzen.

Der Grünhaarige war schwach und ausgezehrt.
Er hatte keinen Gramm Fett an sich und von seinen früheren, drahtigen Muskeln war auch nichts mehr übrig, weshalb schon kleine Strecken und leichte Gewichte für ihn einen enormen Kraftakt darstellten.

Erst 10 Tage nachdem Izuku wieder alleine und auf eigenen Füßen stehen durfte, fing der Heldenmörder damit an, den Teenager richtig aufzupäppeln.

Er machte sich die Mühe frische Lebensmittel zu kaufen, oder zu stehlen und seine so gut wie nicht vorhandenen Kochkünste in die Zubereitung eben dieser zu investieren.

Nachdem der Grünhaarige wieder genug Kraft und Ausdauer hatte, um alleine eine Kiste Wasser die Treppen hoch zu tragen, fing Stain mit dem Training an.

Und er war dabei genauso streng und gnadenlos, wie Izuku befürchtet hatte.

"Ducken!"

Überstürzt versuchte Izuku sich nach unten zu retten, um keinen Schlag zu kassieren, doch er war nicht schnell genug und wurde von seinen Füßen gerissen, als Stain ihn an der Schulter traf.

Keuchend drehte der Grünhaarige sich auf den Rücken und streckte alle Gliedmaßen von sich, während seine Brust sich hektisch hob und senkte.

So ging es jetzt schon seit Stunden.

Er war so naiv gewesen, zu behaupten, dass er aufgrund seiner Vergangenheit gut im Ducken und Ausweichen wäre.
Eigentlich war er es auch, aber sein Lehrer war unfassbar schnell und so blieb ihm nicht mehr, als einen Schlag nach dem nächsten einzustecken.

"Schon fertig?", fragte Stain belustigt.

Der Arsch war vollkommen unbeeindruckt und atmete nicht einmal ein wenig schneller oder so.

Düster starrte der Teenager zu dem Erwachsenen herauf.

"Ich habe keine Muskeln, keine Kraft, keine Kondition. Was erwartest du?", knurrte er und setzte sich schließlich auf, um nicht als hoffnungsloser Fall abgestempelt zu werden.

"Für den Anfang war es nicht schlecht. Du bist tatsächlich gut ihm Ausweichen.
Bei den ganzen Kämpfen die du hinter dir hast, war das auch zu erwarten.
Das war doch deine Strategie im Ring, oder nicht?"

Der Grünhaarige strich sich seine Locken aus der Stirn und nickte.

"Jup. Ich bin immer ausgewichen und habe dann den Moment, wo meine Gegner wegen dem Schwung in ihrer Bewegung festhingen, ausgenutzt, um sie mit meinem Messer zu erwischen.
Bei manchen Quirks funktionierte das allerdings nicht. Dann habe ich allerdings immer Aufgegeben, mich geweigert, oder auf meinen Gegner gewettet."

Stain nickte nachdenklich und nahm neben seinem Schüler platz.

Izuku hatte dem Heldenmörder schnell klar gemacht, dass er nicht einfach nur gesund gepflegt und nach einer Ausbildung wieder in die Welt entlassen werden wollte.

"Du wirst älter.",

hatte der Junge eines Abends mit einem grüblerischen Gesichtsausdruck erklärt ,

"Auch wenn du momentan noch fit bist, irgendwann wird das aufhören und dein Körper dir nicht mehr widerstandslos gehorchen.

Und was dann?
Du wirst es wahrscheinlich nicht schaffen, bis dahin diese ganzen Betrüger zur Rechenschaft zu ziehen. Und wenn es soweit ist, werde ich in deine Fußstapfen treten; doch bis dahin: Helfe ich dir."

Auch wenn es den Mann getroffen hatte, an sein Alter und seine Sterblichkeit erinnert zu werden; Izuku hatte nicht unrecht, das musste Akaguro dem Bengel lassen.

Doch er hatte die Hoffnung, den Teenager in der Hinsicht zu enttäuschen, dass er einen Nachfolger benötigen würde.

Ebenso konnte es nicht schaden, einen Anwärter zu haben, falls er ihn doch brauchen sollte.

"Komm. Lass uns noch ein wenig üben, bevor die Sonne untergeht.", forderte der Einäugige mit neuer Energie und sprang wieder auf.

Das war etwas, dass der Schurke seinem Schützling ebenfalls hoch anrechnen musste.

Izuku tat alles, was er konnte und sehr viel mehr, als nötig.

In den letzten Tagen hatte er Izuku häufig mit Wasserflaschen oder anderen Gegenständen als Hanteln entdeckt. Auch war es keine Seltenheit, dass der Junge sich an Liegestützen, Sit-Ups, oder Kniebeugen versuchte, wenn er dachte, der Mörder würde nicht hinsehen.

Noch war er aufgrund seiner Verletzung und seines Zustandes eingeschränkt, aber bald würden sie mit dem richtigen Training anfangen können und der Schwarzhaarige war nicht der Einzige, der darauf brannte, endlich mehr machen zu können.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Du solltest versuchen, 'Surveye' wieder aufleben zu lassen.", schlug Stain drei Monate später, mit vollem Mund, vor.

Sie frühstückten gerade und dem Grünhaarigen rutschte vor Schreck fast die Tasse aus der Hand.

Hustend versuchte Midoriya sich zu beruhigen, da er den Tee nicht nur fast ausgeschüttet, sondern sich auch daran verschluckt hatte.

"WAS?!", schrie er, nachdem er wieder halbwegs normal atmen konnte.

Sein Lehrer zuckte mit den Schultern und schluckte das Essen herunter.

"Du solltest wieder als Surveye aktiv werden. Die Medien drehen durch, weil seit langem nichts mehr über dich gesagt wurde und man spekuliert mittlerweile, wer 'du' sein könntest. Alle Schurken, die in dem Zeitraum um Surveyes Verschwinden gefangen genommen wurden, stehen in Verdacht, er zu sein, auch wenn sie es nicht sind."

Izuku schaute betreten in seine Schale, die mit Reisbrei und Spiegelei gefüllt war.

"Ich mag Surveye nicht. Er war nicht meine Idee, sondern nur ein Name, den andere sich ausgedacht haben, um meine Notizbücher zu vermarkten.", murmelte der Teenager abwehrend und sein Lehrer begriff, wie wichtig dieser Teil von Izukus Identität war.

Es war der Teil, der Izukus Abhängigkeit repräsentierte.

"Dann solltest du dich von diesem Image befreien. Erfinde Surveye neu. Mach ihn zu dem, der du sein möchtest.
Denn ich denke, wir sind uns einig, wenn wir sagen, dass 'Deku' tot ist, nicht wahr?"

Der Grünhaarige nickte nachdenklich und seine Locken wippten leicht bei der Bewegung.
Es war nicht unüblich, dass Stain durch die unzähmbaren Haare wuschelte, wenn Izuku etwas gut gemacht hatte.

Irgendwann meinte der Junge Mal, dass der Mörder für ihn zwar kein Vater war, aber diese Rolle in seinen Augen fast vollkommen einnahm und ausfüllte, zumindest mehr, als jede andere Person.

"Stimmt. Deku gibt es nicht mehr.
Aber wie soll ich den Leuten klar machen, dass ich Surveye war und bin? Ich habe mich in den letzten Monaten doch sehr verändert."

Sie sprachen den ganzen Tag darüber, was Izuku tun könnte, damit er noch als Surveye erkennbar war, aber nicht länger sein altes Image behielt.

Letzten Endes war die Lösung einfach.

Was Surveye ausmachte, war sein Wissen.

Die Unmengen an Informationen, die dafür sorgten, dass derjenige, der sie hatte und verwandte, automatisch jeden Kampf gewann.

Wie er sich bezahlen ließ und wie er auftrat, war nebensächlich, solange er genau die selbe Qualität lieferte.

Es war schon spät am Abend, als Izuku die zündende Idee kam und sein verbliebenes Auge begeistert aufleuchten ließ.

Bald hatte er ein Meer aus zerrissenen und zerknüllten Blättern um sich verteilt, aber zwei Zettel lagen vor ihm, mit detaillierten Bleistiftskizzen von einer Maske, einem Kostüm und einem Symbol, dass an sein Blindes Auge erinnerte.

Er war wohl kurz nach seiner kreativen Phase weggenickt sein, denn Akaguro fand den Jungen mitten in der Nacht schlafend über den Küchentisch gebeugt, den Kopf auf die Arme gebettet und leise atmend.

Vorsichtig hatte er seinen Schützling aufgesammelt und auf das Sofa gelegt, wo der Junge normalerweise schlief.

Nachdem der Mörder ihn zugedeckt hatte, fuhr er nochmal mit seinen Fingern durch das plattgedrückte Haar, um es wieder fluffig zu machen.

Der Bengel war ihm ganz ohne Zweifel in den vergangenen Monaten ans Herz gewachsen und der Mann kam nicht um den Gedanken herum, dass der kluge Wuschelkopf einen ausgezeichneten Helden abgegeben hätte, wenn das Leben ihm ein wenig wohler gesonnen gewesen wäre.

Chapter Text

Surveye wieder aktiv!

Krumme Geschäfte?
Haben Heldenagenturen wirklich mit dem zwielichtigen Broker ‘Surveye’ Geschäfte gemacht?

Die Helden sind wehrlos !
Der Heldenmörder Stain hat in dem letzten Monat mehr Erfolge gehabt als jemals zuvor!
Könnte Surveye hinter den neuen Erfolgen stecken?

Kichernd blätterte Izuku durch die Schlagzeilen der Zeitungen am Kiosk.

Es drehte sich alles um Stain und Surveye.
Um seinen Sensei und ihn.

Dann stieß er auf ein kleines Magazin, das für alberne Verschwörungstheorien bekannt war und verstummte.

Das steckt wirklich hinter Surveye

Mit zusammengezogenen Augenbrauen laß er die Überschrift erneut und blätterte dann durch das Heft, doch er erreichte die Seiten, die ihn thematisierten, nicht rechtzeitig.

"Willst du jetzt irgendwas kaufen, oder doch nicht?", murrte die Besitzerin des Ladens genervt.

"Ja... uhm... ich... ich hätte gerne das hier.", stammelte er überfordert und reichte der Verkäuferin das Helft.

"Das macht 200¥"

Die Frau sah nicht begeistert aus, als er sich das billigste Heft des Sortiments holte, doch es hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

Er schlenderte in einen nahegelegenen Park und nahm auf einer der Bänke dort platz.

Es war Sommer, bald hätte er die Schule gewechselt.
Aber er hatte eine sehr viel bessere Lehre erhalten, als die, die ihm jede Schule geboten hätte.

Interessiert schlug er das Heft auf, überflog die Artikel verschwundener Personen, seltsamer Bösewichtaktivitäten und anderer Verschwörungstheorien - wobei ihm eine wahre Sache auffiel: Die 'League of Villains' gab es wirklich und war ziemlich frisch, hatte aber anscheinend einige mächtige Unterstützer.
Er persönlich, wollte sich lieber aus solchen Aktionen raus halten - bis er endlich den Artikel über Surveye fand; und erstarrte.

Oben auf der Seite war eines seiner Notizhefte abgebildet!
Und zwar die überarbeitete Version, mit seinem Markenzeichen!
Nummer 47.

Angestrengt dachte er nach.

Die neuen Hefte waren erst seit zwei Wochen draußen.
Er hatte Stain schon seit fünf Wochen geholfen, Opfer auszuwählen und zu eliminieren.

Bisher hatte er nur abgelenkt und ab und zu mal verhindert, dass diese Feiglinge wegliefen, aber mehr als ein paar Tropfen Heldenblut klebten noch nicht an seinen Händen - zumindest nicht direkt.

Er schüttelte den Kopf, um wieder zu seinem alten Gedankengang zurück zu kehren.

Er hatte bisher nur sechs Hefte verkauft und jedes einzelne war für Unsummen über den Tisch gegangen.

Natürlich würde er immer nach drei Tagen die Hälfte der Summen zurück zahlen, im Tausch gegen sein Heft.

Er hatte nach langen Überlegungen beschlossen, dass das die beste Methode ist.

So könnte er für sich und Akaguro eine bessere Wohnung in einem vernünftigen Viertel finanzieren und sie müssten auch nicht ständig irgendwelche Läden plündern, weil sie kein Geld hatten, um sich Essen zu kaufen.

Aber anscheinend war sein Plan doch nicht ganz aufgegangen.

Der Zauber hinter Surveye ist keine Quirk, sondern das simple Sammeln und Analysieren von Informationen.


Er mochte diesen Artikel jetzt schon nicht.


Die Furcht vor dem Broker "Surveye" steckt noch allen in den Knochen, nachdem Helden höherer Ränge plötzlich von schwachen und vollkommen unbekannten Schurken besiegt und ausgespielt wurden.
Das Wissen darum, dass Surveye überhaupt existiert, ist nur durch Hören-Sagen und Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangt und hat die Allgemeinheit in Aufruhr und Panik gestürzt.
Mittlerweile ist sicher, dass Surveye eine reale Person und höchstwahrscheinlich auch keine Gruppe ist, und auch wenn der Bösewicht sich bedeckt hält: Er kann das Wissen über ihn nicht auslöschen und auch nicht verhindern, wenn einige seiner Kunden manche Informationen als ungefährlich ansahen und uns deswegen mitteilten, auch wenn sie spärlich waren.

Ein schmächtiger, höchstwahrscheinlich halb blinder, humpelnder, Minderjähriger, der zwar brilliant ist, aber für Alkohol, Drogen und eine ruhige Unterkunft alles Wissen ausspuckt, dass er in seinem Gehirn gespeichert hat.

Doch jetzt, nach dem langen Verschwinden aller Aktivitäten, taucht dieses Heft an einem Tatort (siehe S.12) auf.
Signiert mit einem Zeichen, welches wir das "Surveye" getauft haben und voller gefährlicher Informationen, die, unserer Meinung nach, den finalen Schluss dazu liefern, dass Surveye tatsächlich quirklos ist.
Denn überall wurde geschrieben, wie man diese Personen ohne jede Quirk besiegen kann und welche Quirks theoretisch effektiv wären.
Und weshalb sollte man das ganze Wissen so formulieren und sammeln, wenn man es nicht für sich selbst benötigt?
Großer Supuk und nichts dahinter, sagen wir.

Surveye wird sicher schnell gefasst werden.


Wütend biss er die Zähne zusammen.

Von wegen, Image ändern! Nichts hat sich geändert!
Ohne große Rücksicht stopfte er das Magazin in seine Bauchtasche und sprang von der Bank.

Seine Hände waren zu Fäusten geballt und zitterten leicht, während er sich ausredete, eine Prügelei anzufangen.

Er musste mit Stain über diesen Artikel sprechen. Sein Mentor hätte sicher eine Idee, wie man mit diesen Nachrichten umgehen muss.

Noch während er aus dem Park stapfte, erstarrte er und holte wieder das Heft raus.

Unter dem Text stand der Name der Autorin und in dem Bild war kleingedruckt die Quelle von eben jenem zu finden.
Und über den Tatort stand auch mehr in dem Katalog.

Schnell las er alles über den 'Tatort' nach.

Tja. Da blieb wohl mehr Geld für ihn.
Sein Klient war getötet worden, nichts außer dem Heft wurde entwendet, welches am Ende der Gasse, in der der Mord stattgefunden hat, gefunden wurde.

Wahrscheinlich auf der Flucht verloren.

Er schüttelte den Kopf.
Es war nervig.
Jetzt musste er wohl oder übel sein Heft suchen, denn er konnte es nicht in den Händen von Personen lassen, die ihm nicht geschworen haben, sein Wissen nicht zu verbreiten.

Wenn alle wüssten, was in diesem Heft steht, wäre es umsonst verfasst worden.

Und es war eines seiner wichtigeren, da es Sir Nighteye und dessen Sidekicks thematisierte.

Er wühlte sein Handy aus seiner Hosentasche heraus, während er sich auf den Weg in das Villain-Viertel machte.

"Hallo, Sensei.
Du meintest doch einmal, dass du noch einen anderen Broker neben mir kennen würdest, wo genau kann ich ihn finden?
... ... ...
Aha... so ist das also.
Vielen Dank!"

Er klappte sein Handy wieder zu und machte sich auf den Weg nach Hause.

Akaguro war momentan nicht in der Wohnung und er brauchte sein Kostüm, wenn er nicht herumposaunen wollte, wer hinter Surveye steckte.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Interessiert betrachtete Izuku das Gebäude vor sich.

Es war genau so dreckig und heruntergekommen, wie alle anderen.

Ohne zu zögern öffnete der Maskierte die Tür und hinkte in die Abstiege.

Leise Gespräche waren zu hören, die Luft war modrig, staubig und stickig. Es stank nach Zigaretten und Alkohol.

Es war schon eine Weile her, seit er Alkohol gerochen hatte und er würde lügen, wenn er sagte, er hätte diesen beißenden Duft nicht vermisst.

Keiner achtete auf ihn, worüber er sich nicht beschweren wollte, je weniger Aufmerksamkeit er erhielt, desto besser.

Der Barkeeper war ihm alles andere als unbekannt.

Es war Kurogiri, also ‘Black-Mist’, welcher, nach seinen Informationen zumindest, eine große Rolle bei der League spielt.

Er hat zwar öfters gehört, der Mann wäre in seiner Freizeit ein Barkeeper, aber mit einer eigenen und so belebten Kneipe hatte der Teenager dann doch nicht gerechnet.

Neugierig schaute er sich weiter um.

Eigentlich sah es wie jede andere Kneipe aus, nur der Fernseher und das Sofa waren ungewöhnlich.

Auf letzterem fläzte sich ein junger Mann mit silberblauem Haar und spielte irgendein Videospiel, bei dem viel Blut zu fließen schien.
Sein ganzer Körper war unter toten, grauen Händen versteckt.

Izukus Blick fiel auf die beiden ausgestreckten kleinen Finger des Zockers und fand in dieser Geste seine letzte Bestätigung dafür, dass er Shigaraki Tomura, den Anführer der League, auf dem Sitzmöbel sah.

Von dem Kerl wollte er sich lieber fern halten.

Alle Gesichter in der Bar kamen ihm bekannt vor, jedem konnte er eine Quirk zuordnen; im besten Fall auch den Namen.

Viele trugen ihre Kostüme, weshalb er mit seinem auch nicht weiter auffiel.

Stumm nahm er an der Theke auf einem Barhocker platz und beugte sich ein wenig vor.

"Was kann ich dir bringen?", fragte der Mann aus schwarzem Nebel, der vollkommen in seinem Job aufging.

"Wasser, bitte. Ich bin erst seit drei Monaten clean."

Er spürte, dass der Ältere ihn genauer musterte, doch er bekam sein Wasser ohne weitere Fragen und trank einen Schluck.

"Dich habe ich hier noch nicht gesehen. Es ist ungewöhnlich, dass jemand sich hierher verirrt und anhand der Kleidung lässt sich schließen, dass du auch nicht vollkommen unvertraut mit den Geschäften der anderen Kunden dieser Bar bist.", meinte der Nebelmann.

Seine Stimme klang höflich und es waren nur Feststellungen, die er äußerte. Kurogiri drängte den Grünhaarigen, der sich hinter seiner Maske und unter einer Kapuze versteckte, zu nichts.

"Stimmt. Ich kenne mich in diesem Milieu aus.",

bestätigte Izuku und leerte sein Glas,

"Und deswegen bin ich hier. Man sagte mir, ich könnte meinen Kollegen hier finden. Ich würde mich gerne aufgrund diverser beruflicher Komplikationen mit ihm unterhalten, da er doch schon etwas länger im Geschäft ist, als ich."

"Dürfte ich erfahren, wie dein Kollege heißt? Möglicherweise kann ich ihn für dich holen, oder euch anderweitig eine Kontaktmöglichkeit verschaffen."

Es war beruhigend und entspannend, mit dem Schurken zu reden.
Es brachte eine willkommene Abwechslung in das Leben von Stains Anwärter, sich einmal höflich zu unterhalten.

"Soweit mir bekannt ist, lautet sein Name Grian."

"Soweit dir bekannt ist?"

"Ja. Soweit mir bekannt ist.
Ich hatte noch nicht das Glück, ihn zu treffen, doch ich wage, ihn als meinen Kollegen zu bezeichnen, da wir immernoch die selbe Berufung haben.", erläuterte Izuku lächelnd.

Die Skepsis ging wie in Wellen von dem Barkeeper aus.

"Er ist heute Abend nicht da, aber er müsste die nächsten Tage mal wieder auftauchen. Wenn du wünschst, könnte ich ihm ausrichten, dass er sich bei dir melden soll...?"

Der Teenager wusste, dass der Mann hinter der Theke log.
Es war eine freundliche Abweisung.

"Das wäre wirklich nett.", sagte der Einäugige jedoch mit warmer Stimme und beschloss, dass Spiel mit zu spielen.

Kurogiri mochte den neuen Klang von der Stimme des Maskierten vor sich nicht.
Es klang zu freundlich und sanft, und passte beim besten Willen nicht in diese Umgebung.

Der Schurke wusste, wenn Leute gefährlich waren.
Sonst hätte er sich nicht so lange in seinem Beruf halten können und dieser Junge, so harmlos und weich und unscheinbar er wirkte, von ihm ging eine subtile, gut verdeckte und verschlossene Bedrohung aus, die den Teilzeit-Barkeeper wachsam werden ließ.

Er hatte die humpelnde Gestalt erst bemerkt, als sie sich kurz vor der Theke befand und gerade einen der Hocker heran zog, um darauf platz zu nehmen.

Die Bestellung eines Wassers hatte ihn verblüfft und eigentlich hatte er zu der typischen 'In einer Bar trinkt man kein Wasser'-Rede ansetzten wollen, doch der Neuankömmling hatte ihm mit seiner Erklärung sofort einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aber gleichzeitig blieb die Frage, weshalb irgendwer aus ihrem Berufskreis seine Süchte unterdrücken und clean werden sollte.

Am Ende beschloss Kurogiri, dass höflicher Smalltalk die beste Möglichkeit wäre, um etwas mehr über den Fremden zu erfahren, doch dieser kam sofort zum Punkt und ließ so keine weitere Möglichkeit zum Analysieren.

Das Einzige, was die Rechte-Hand der LoV herausfinden konnte, war, dass der Maskierte gut mit Worten umgehen konnte und wusste, wie man geschickt um ein Thema herum redete, ohne wirklich etwas zu sagen.

"Sag ihm bitte, dass er sich bei Surveye melden soll. Ich werde es schon mitbekommen, wenn er nach mir fragt.", sagte der junge Mann mit einem leisen Lachen und schiefem Lächeln, ehe er von dem Barhocker herunterglitt und mit einem leisen 'thump' auf den Füßen landete.

"Aus alter Erfahrung: Deine Bar ist echt schick und sauber, ich habe schon sehr viel schlimmeres gesehen und gerochen.
Danke für die Gastfreundschaft, Kurogiri, Second-in-command von der League of Villains. Ich wünsche euch viel Glück, bei der Erfüllung eurer Ziele.
Vergiss nicht, Grian für mich anzusprechen."

Mittlerweile war es vollkommen still und alle starrten den Maskierten mit dem langen, schwarzen Kapuzenmantel an, unter dem er sich versteckte.

Das wollte Surveye sein?

Bald fing das Getuschel an, wie man sich den Broker vorgestellt hatte, wie man das Kostüm fand, was man bisher über ihn gehört hatte.

Kurogiri hingegen musterte den Jungen.

Er wusste von Grian, dass Surveye wirklich ein Alkoholiker und Junkie war, beziehungsweise: gewesen war.
Anscheinend hat der Junge wirklich das Ruder in seinem Leben herumgerissen.

"Warte!“,

Kurogiri seufzte,

“Er ist im Privatraum, hinten. Wenn du willst, zeige ich dir den Weg dorthin.", rief er dem jungen Broker nach, der mitten in der Kneipe, auf dem Weg zur Tür, stehen blieb und sich schließlich lächelnd umdrehte.

"Vielen Dank, Kurogiri."

Der Schurke war sich sicher, wenn er einen richtigen Körper hätte, hätte er jetzt eine Gänsehaut gehabt.

Seine Vermutung war richtig gewesen.

Wenn dieser Junge wollte, konnte seine bloße Präsenz einem Angst einjagen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Als Grian das erst Mal von Surveye hörte, war er ziemlich schlecht gelaunt gewesen, daran erinnerte er sich noch genau.

Kurz darauf hat er fast ein Viertel seiner Kunden an den anderen Broker verloren und somit auch Unmengen an Geld.

Als die Tür zu dem Besprechungsraum hinter der Bar von einer in schwarzem Nebel versteckten Gestalt geöffnet wurde, dachte der Mann, Shigaraki hätte endlich aufgehört seine bescheuerten Videospiele zu spielen, um sich geschäftlichem zu widmen, stattdessen wank Kurogiri eine sehr kleine, humpelnde, vermummte Gestalt mit einer eher ausgefallenen Maske herein.

"Das ist Surveye", stellte der Barkeeper vor und der Maskierte nickte dem bärtigen Mann zu, "Er wollte sich mit dir unterhalten."

Dann verließ das Warpgate den Raum und ließ die beiden Broker alleine.

Der Kleinere seufzte und warf seine Kapuze nach hinten, ehe der seinen Mantel auszog, zusammen faltete und über seinen Arm legte.

Grian hob eine Augenbraue, während er auf dem Filter seiner Zigarette herumkaute, allerdings den bitteren Geschmack auf seiner Zunge kaum wahrnahm.

Surveye trug fast genau dieselbe Kleidung wie Stain, dieser wahnsinnige Fanatiker.

Der Grauhaarige musterte die ganzen Waffenholster, Gurte, Stacheln und Taschen, die den Hauptteil des Kostüms ausmachten.
Surveyes Arme waren ebenfalls verbunden und der kleine Mann trug schwarze Handschuhe, an deren Knöcheln Metallstacheln, als Ersatz für Schlagringe, angebracht waren.

Dieses Kostüm war besser durchdacht, als das von Stain, wenn auch nur ein wenig.
Zudem waren die Waffen allesamt intakt und neu.

Doch Surveye machte, obwohl er so aufgerüstet war, keinen all zu bedrohlichen Eindruck.

Die Maske, welche weiß war und nur die obere Gesichtshälfte verdeckte, hatte nur eine grün-reflektierende Linse, hinter der sicherlich ein Auge versteckt war.
Über dem anderen Auge kreuzten sich zwei rote Linien, die wohl Narben repräsentieren sollten und es gab keine deutliche Stelle zum durchsehen.

Doch Grian konnte sich nur eins denken, nachdem er Surveyes Gesamteindruck auf sich wirken ließ, Na toll. Wieder so ein Wahnsinniger.

Es wäre gelogen, wenn man sagen würde, der Broker kümmere sich um seine Kunden.

Alles was er wollte, war Geld.

Wahrscheinlich könnte man ihn bezahlen, damit er freundlicher war, doch darauf war bisher noch niemand gekommen.

Der Maskierte mit den grünen, krausen, wild abstehenden Haaren nahm auf der Couch ihm gegenüber platz.

"Was willst'e von mir, Zwerg?", murrte der Grauhaarige und schnippte die Asche seiner Zigarette weg.

"Ich will mit dir verhandeln. Informationen gegen Informationen. Oder gegen Geld. Wahrscheinlich eher Geld, nach allem, was ich gehört habe."

Grian wusste durch die kurze Ansprache bereits mehrere Sachen über Surveye:
1. Er war wirklich ein Kind, die Stimme war zu hoch für einen Erwachsenen.
2. Der Junge neigte dazu, Gedanken laut auszusprechen.
3. Der Bengel hatte sehr viel mehr in der Rübe, als er vermutet hatte und er war sich nicht sicher, ob er das gut fand.

Der Maskierte räusperte sich und kramte eines dieser albernen Verschwörungs-Magazine heraus, doch dann las der Mann die Überschrift des Heftes und musste grinsen.

Von dem Artikel hatte er gehört und er hatte auch ein wenig nachgeholfen, damit er zustande kam.

Die Journalistin hatte ihm sehr viel Geld bezahlt, damit er einen Käufer für sie auftrieb und dem Mörder einem Tipp gab.

"Dummerweise ist mir mein erster Kunde abhanden gekommen.", erklärte Surveye und klang höchstens ein wenig verärgert,
"An sich nicht schlimm, doch jetzt ist mein Notizbuch irgendwo da draußen in der Weltgeschichte unterwegs und regt alle dazu an, wild über meine Identität zu spekulieren.
Du hast, meines Wissens nach, das beste Informationsnetz bezüglich des Auffindens von Personen und Gegenständen und dieses würde ich gerne in Anspruch nehmen.
Ich will Yoko Kani und ich brauche dieses Heft zurück, bevor es Schaden anrichtet!"

Der Broker musste sich bezüglich des harmlosen Eindrucks seines 'Kollegen' korrigieren.
Surveye konnte gruselig und bedrohlich sein, wenn er wollte.
Bei dem letzten Satz hatte der Bengel für ein paar Sekunden die Fassung verloren und verströmte eine ähnliche Aura wie Stain.

"Verstehe ich.", beschwichtige der Ältere Mann gelassen und lehnte sich mit einem Schmunzeln zurück, um einen tiefen Zug von seiner Zigarette zu nehmen und dann den Rauch aus seinen Lungen strömen zu lassen.

Nichts entspannte so sehr, wie eine ordenliche Portion Nikotin.

"Wenn wir Info gegen Info tauschen, was hätte ich davon?
Und wie viel kannst du Zahlen?"

Er musste herausfinden, was ihm den größeren Profit brachte.

"Ich kann 40.000¥ zahlen.", murmelte der Junge düster und Grian musste ein Lachen zurückdrängen, als er sah, wie sein Gegenüber den Mund verzog, "Wenn es unbedingt nötig sein sollte, könnte ich bis zu 58.000¥ entbehren, aber ich hätte schon gerne eine gewisse Lebensgrundlage.
Und wenn du lieber Informationen hättest: Ich würde dir meine Nummer geben, dass du Analysen und Informationen einzelner Personen bei mir anfragen kannst, es wird zwar kosten, aber ich würde Sonderpreise machen.", erklärte der Maskierte dann leichthin und zuckte mit den Schultern, als wäre es keine große Sache, "Du würdest nur erwähnen müssen, dass du es von mir weißt."

Ah. Da war der Haken.
Surveye war auf dem besten Weg Marke zu werden, aber er musste dafür auch zeigen, dass er mit den Großen mithalten kann, wenn jemand wie er, Grian, Informationen von dem Drecksblag bezog, würde es genau das heißen.

Doch der Broker musste sich entscheiden.
Denn der Junge hat ganz klar entweder-oder gesagt, beides ging nicht.

Der grauhaarige Mann musterte sein Gegenüber erneut.

Surveye würde es mit oder ohne seine Hilfe nach oben schaffen, er würde den Prozess nur beschleunigen und wenn er jetzt dafür sorgen kann, später kostbares Geld zu sparen, war es ihm das Wert.

Er zückte sein Handy und ging die Kontakt-Daten durch, die er über jeden seiner Kunden einspeicherte.

"Yoko lebt in hier in Musatafu, XxX-Straße, Hausnummer 79 und hat ihre Agentur in ihrer Wohnung, in der achten Etage.
Sie ist nicht verlobt oder verheiratet und ihre Eltern leben in Shibuya. Sie hat drei Mitarbeiter, mit denen sie sich jeden Samstag in einem Café in der Nähe ihres Hauses trifft.
Was dein Heftchen betrifft, würde ich es bei ihr, oder der Polizei suchen."

Grian rasselte den gesamten Text so schnell herunter, das selbst Izuku Midoriya Schwierigkeiten dabei hatte, zu folgen.

Der Junge murmelte die Adresse nochmal für sich und nickte dann.

"Also: Geld, oder Info?", erkundigte er sich bei dem erfahrenen Broker, der bei dieser Frage grinste.

Der Einäugige hoffte von ganzem Herzen, dass es letzteres werden würde, eine Plünderung würde der Geldbeutel, den er sich mit Stain teilte, schlichtweg nicht überleben.

"Informationen, Zwerg. Die sind schließlich unser Job."

Izuku musste grinsen und hielt dem Mann seine Hand hin.

Der Erwachsene schlug in die behandschuhte Hand ein, die ihm gereicht wurde und schüttelte sie kurz.

Es war eine verdrehte Form von Partnerschaft, die sich in diesem Moment entwickelte, denn beide wussten, welche Gefahr Izuku Midoriya, alias Surveye, für Giran darstellte und wie gerne der Broker Stains Erben deswegen loswerden wollte, doch sie beide lächelten über den Fakt hinweg, als stünde er nicht wie eine meter hohe Granitwand zwischen ihnen.


Chapter Text

Izuku hatte alles durchgearbeitet, dass er bekommen konnte.

Jeden Krimi zu dem Thema durchgelesen, jede Folge aus jeder Kriminalserie angesehen, die ihm einen Tipp geben könnte, Filme, Polizeinotizen, die er von einem gehackten Server entwandt hatte.

Er hatte alles doppelt und dreifach analysiert und durchdacht.

Überall war ein Fehler.

Das war der Punkt.

Er musste es Fehlerfrei machen. Es musste perfekt sein.

Doch das erschien schlichtweg unmöglich!

Stöhnend vergrub der Grünhaarige seinen Kopf in dem Berg aus Papierstapeln auf seinem Schreibtisch, der von drei Computern und zwei Laptops gerahmt wurde.

Es war zum verzweifeln.

Er hatte versucht eine Methode zu finden, wie man Personen verschwinden lassen konnte und fand sogar ein Buch mit dem Titel 'How to get away with murder - simply: How to let someone disappear forever'

Aber so gut die Methoden und Hinweise in dem Buch auch waren, er durfte dieses Wespennest vor sich nicht mit so einem Stock anpieksen, sonst könnte er richtig übel gestochen werden.

Wespennest? Scheiße verdammt, dieser bescheuerte Verlag war ein verficktes Hornissen-Nest, mit besonders aggressiven Exemplaren!

Wenn auch nur ein Haar an der falschen Stelle läge, würden diese Wahnsinnigen das merken und eine Hexenjagd veranstalten, die am Ende mit seiner Verhaftung enden könnte, was er sich einfach nicht leisten durfte.

Also musste es ein offener Mord, oder ein Selbstmord werden.

Aber wenn er sie auf offener Straße tötete, hätte er auch nichts gewonnen, weil er seiner Überzeugung widerspräche und sich mehr in den öffentlichen Fokus begäbe, als nötig.

Er könnte andere zu dem Mord erpressen - mit seinem Wissen und seinen Kontakten wäre das eine Kleinigkeit - aber es kam ihm falsch vor.
Es war sein Problem, nicht das anderer.

Deswegen hatte er Akaguro auch nur den groben Umfang der Situation erklärt und dann seinem Lehrer gesagt, dass er es selbst klären wollte.

Stain war beeindruckt gewesen.

Wenn der Erwachsene ihn jetzt sehen würde, wäre er es garantiert nicht mehr.

Also musste es ein Selbstmord sein - aber jemanden dazu zu zwingen ist extrem kompliziert.

Die Person muss erpressbar sein.
Eine Familie haben, die sie über alles lieben, oder etwas, was wertvoller war, als das eigene Leben.

Dazu muss man die Person schon mit der Todesart konfrontieren, damit sie sich schnell an den Gedanken gewöhnt.
Es bietet einem die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wann und wie man stirbt, und der Großteil der Gesellschaft beendet sein Leben trotz allem lieber selbstbestimmt, als sein Ende aufgezwungen zu bekommen.

Allerdings hassen nur wenige Menschen ihr Leben so sehr, dass sie es freiwillig und aus eigenen Stücken wegschmeißen.

Und nach allem was er wusste, hatte diese Frau nichts, was wichtiger war, als ihr Leben.

Außer...

Hektisch wühlte er sich durch seine Notizen, bis er die, die er zu 'Sherlock' gemacht hatte, fand.
Die Folge mit dem Taxifahrer.

Vielleicht könnte er etwas in diese Richtung machen.

So könnte er alle von dem Verlag ausschalten. Ein Massenselbstmord unter durchgeknallten Verschwörungstheoretikern, nichts neues oder bemerkenswertes.

Er musste nur alles für Samstag vorbereiten.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Entspannt schlürfte er an seinem Kakao mit Sahne und extra vielen Marshmallows.

Den hatte er sich mehr als verdient.

Es war ein wunderschöner Morgen, der die Straßen in ein sanftes, warmes Licht hüllte und den Nebel über den Wiesen der Parks verblassen ließ.

Neben ihm befanden sich nur die Arbeiter des Cafés und eine junge Frau in Sportklamotten hier, welche sich einen Frucht Smoothie gekauft hatte.

Er spielte mit dem Gedanken, das Getränk der Frau als nächstes zu bestellen, es sah wirklich appetitlich aus.

Izuku war mehr als zufrieden mit sich.

Nach Tagen und Nächten voller Recherchen, Anrufen und Planungen, die er nur mit Hilfe von Energie-Drinks und Kaffee überstanden hatte, konnte er sehr wohl behaupten, sein Reporter-Problem bald unter Kontrolle zu haben.

Das kleine Glöckchen über der Tür bimmelte hell und klar, als das kleine Ambiente von vier Personen betreten wurde.

Drei Frauen und ein Mann, alle eher unauffällig.

Eine der Frauen hatte lilane Tentakeln anstatt von Haaren und eine andere ein drittes Auge auf der Stirn, dass nicht blinzelte, sich aber ganz normal bewegte.
Das einzige Auffällige an dem Mann war seine ausgefallene Kleidung und sein Styling welches 'Schwul' brüllte, als würde sein Leben davon abhängen.
Die Frau, die als letztes den Laden betrat, konnte er als Yoko identifizieren, sie war die mit der auffälligsten Quirk, da sie Hufe anstatt von Füßen hatte.

Leben kehrte in den Laden ein, sobald die kleine Gruppe ihn betreten hatte und an dem Tisch hinter Izuku platz nahm, welcher reserviert gewesen war.

Er konzentrierte sich nicht weiter auf die Gespräche seiner Opfer und genoss weiter die leckere Heiße-Schokolade, die ihm einiges mehr gekostet hatte, als ihm eigentlich lieb gewesen wäre, doch es lohnte sich.

Mit geschlossenem Auge nahm er den nächsten Schluck.

"Und? Was habt ihr herausgefunden?"

"Ich habe mich noch ein wenig mehr mit Surveye beschäftigt. Man munkelt, er hätte sein Image geändert und wäre clean geworden."

"Ich habe ähnliches gehört. Außerdem sagte man mir, dass er seinen ersten öffentlich Auftritt unter diesem Namen gemacht hätte, um mit anderen Brokern in Kontakt zu treten. Anscheinend sucht er sein Heft."

"Ich habe dieses Heft durchgelesen.
Der Kerl ist absolut krank! Auf jeder Doppelseite nimmt er Quirk, Kampftechnik, Psyche und Lebenslauf auseinander und schreibt dazu Tipps, wie man was gegen diese Person verwenden kann.
Und er verkauft sowas, ohne den Schaden zu bedenken! Und dazu kommt: Ich habe Heft Nummer 47 erwerben lassen. Es gibt also noch mindestens 46 weitere!"

Der Mann, der genau hinter Izuku saß, pfiff und lehnte sich zurück.

"Der Kleine scheint echt keine Hobbys zu haben."

"Klein?"

"Jup. Bin ebenfalls neugierig geworden und habe mich umgehört. Die ersten Sachen wurden noch einmal bestätigt.
Männlich, minderjährig, humpelt - und alle sagen immer wieder das Selbe: Er ist verdammt klein."

Die Frauen mussten kichern und der Einäugige, der unbeachtet in Hörweite saß, biss genervt die Zähne zusammen.

Ja, er war klein, na und?!
Das machte doch nicht sein gesamtes Leben aus!

Er würde schon noch wachsen!

"Also wird das ein Sonderheft, nur über Surveye?"

Alle murmelten bestätigend.

"Darf ich dir noch was bringen?"

Der Teenager zuckte zusammen, als die freundliche Stimme der Bedienung an sein Ohr drang.

"W-was?... ah... uhm... ja. Bitte so einen roten Frucht Smoothie."

Verdammt! Er hatte überhaupt nicht gemerkt, dass er ausgetrunken hatte, so vertieft war er in das Gespräch gewesen.

Die Frau lächelte ihm zu und ging los, um seine Bestellung zu bringen.

"... ließ doch mal 'was aus dem Heft vor!"

Er erstarrte, als er das Getuschel in seinem Rücken hörte.

"Aber... na gut. Also-"

Danach laß Yoko seine Notizen über Sir Nighteye vor und er konnte es nicht unterdrücken, sein Gesicht zu verziehen, als er die Kommentare der Journalisten dazu hörte.
Sie wollten ihm seine harte Arbeit wirklich nicht gönnen.
Er bekam währenddessen seine zweite Bestellung und bezahlte diese, wie die Erste, sobald er sie erhielt.

Jedes Mal, wenn er dazwischen schreien wollte, dass sie etwas falsch verstanden, trank er einen großen Schluck und besserte seine Laune so ein wenig.

Der Smoothie war wirklich lecker.
Frisch und fruchtig, sowohl mit süßer als auch säuerlicher Note.
Vor allem schmeckte es nach Himbeeren und Granatapfel, wobei der Grünhaarige meinte, auch ein wenig Kirsche herausfiltern zu können, aber er war sich nicht vollkommen sicher.

Irgendwann war sein Smoothie dann leider leer und er hatte nicht mehr genug Geld, um sich noch einen zu holen, also hörte er nur mit zusammengebissenen Zähnen zu, wie die Vier über seine zweite Identität herzogen.

Und dann wurde es endlich still, als sie sich zum Aufbruch bereit machten.

Er folgte der kleinen Gruppe, mehr oder weniger unbemerkt, bis zu dem Haus, in dem Yoko lebte.

Er wartete noch ein paar Minuten, nachdem die Erwachsenen in dem Haus verschwunden waren, bis er zu der Tür ging und bei Yoko klingelte.

"Hallo?", erklang eine verzerrte Frauenstimme durch die Gegensprechanlage, "Wer ist das?"

Izuku räusperte sich.

"Hey. Ich... uhm... ich habe ihr Gespräch in dem Café gehört und... nun ja... also... äh... i-ich bin ein großer Fan von Ihrem Magazin u-und... ich glaube, Sie haben recht, mit dem Ganzen! Und... nun... ähm... i-ich... ich würde gerne... ich will helfen! Ich habe Surveye gesehen! Mit eigenen Augen! Ich habe ihn reden gehört! Er ist WAHNSINNIG! Und... nun..."

"... komm rein."

Ein leises Surren, zeigte, dass die Tür offen war und Stains Schüler stieß sie ohne zu zögern auf.

Die Fanboy-Rolle war leicht zu spielen.

Genau so hat er sich schließlich Jahre lang gegenüber Helden verhalten.
So im Nachhinein betrachtet war es ziemlich albern, doch damals war er noch zu naiv gewesen, um zu merken, wie bescheuert er sich benahm.

Er wurde von dem Mann der Gruppe mit einem ernsten Blick in Empfang genommen und die nächsten Etagen schweigend hoch begleitet.

Ab jetzt durfte nichts mehr schief gehen.

Er atmete zittrig ein und wieder aus.

Bloß nicht die Nerven verlieren, Izuku! Du schaffst das! Das sind nur dumme Zivilisten!

Er wünschte, sein innerer Heldenmörder hätte recht, doch er wusste, dass die Stimme seines Senseis log, weil er das gerade brauchte.

Die Tatsache, dass er gerade Stimmen hörte, ging in der Aufregung verloren.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Und dann saß er mit einem Kakao in den Händen auf einem gemütlichen Sofa, vier Journalisten ihm gegenüber, und mit acht kleinen Dosen in seiner Bauchtasche, die auf einmal mehrere Tonnen zu wiegen schienen.

"Du... hast also Surveye gesehen?", erkundigte Yoko sich skeptisch, mit hochgezogener Augenbraue und Verachtung im Blick.

"J-ja! Er... ich bin... nun ja... Vigilante... und... es gibt da eine Bar, wo man hin kann, wenn man nicht vollkommen rein mit dem Gesetzt ist und Leute mit ähnlichen Erfahrungen treffen will.
Ich konnte nicht viel von ihm sehen - er war nicht sehr auffällig - aber er hat ein Wasser bestellt und humpelte fürchterlich.
Ich bin aufgrund meines... Nebenjobs... sehr aufmerksam, weshalb ich immer auf alles um mich herum achte.
Er sprach mit dem Barkeeper und wollte kurz danach wieder gehen und dann sagte er, wer er war und dass er eine Nachricht ausgerichtet haben wollte. Alle wurden still, als sie hörten, wer da war. Er ist eine Art Phantom! Eine Legende! Kein Broker hat so lange seine Identität vertuschen können!"

War das genug? Es musste genug sein.

"A-ha. Ich glaube dir nicht.", die Frau mit dem dritten Auge zog ihren Satz in die länge, sie klang herablassend.

Seufzend sank er in sich zusammen und fing an, mit seinen behandschuhten Fingern zu spielen.

"Zwangsstörung?", fragte die Frau mit den lila Tentakeln, von denen einer auf seine Hände deutete.

"N-na ja... da... da wo ich lebe ist es seeeehr dreckig... und ich will meine Hände verstecken. Sie... sind unansehnlich.", murmelte er hektisch, mit zitternder Stimme.

Trug er zu dick auf? Wahrscheinlich tat er das.

"Zeig mir mal dein Gesicht, Klei-"

"Nenn. Mich. Nicht: Kleiner!", knurrte er und warf der Gruppe unter seiner Kapuze hervor einen gefährlichen Blick zu, "Ich hasse es, so genannt zu werden! Ich hasse es, dass mein Talent und meine Arbeit wegen meiner Größe in den Hintergrund rücken!"

Die anderen  Erwachsenen zuckten zurück, allerdings blieb Yoko ruhig.

"Nimm bitte deine Kapuze ab."

Wütend riss er sie sich vom Kopf und präsentierte so sein blindes Auge, das vernarbte Gesicht.
Sachen, die ein Kind seines Alters nicht haben durfte und sollte.

In seinem lebendigen Auge kochte und brodelte der Zorn, der Hass, die Verachtung, während das Andere nur tot und starr geradeaus blickte, ohne etwas zu sehen.

Die Journalistengruppe war entsetzt von dem Anblick und die Frau mit den drei Augen rannte los, um nicht das Wohnzimmer ihrer guten Freundin und Chefin voll zu kotzen.

Es dauerte, bis die Erwachsenen den Anblick, der sich ihnen bot, verarbeiteten.

"Dein Auge...", hauchte Yoko schließlich ungläubig, "Dein Auge... wie... wie das im Heft. Ich verstehe nicht... was?"

Er lächelte dünn und die Stimmung im Raum kippte, die Dreiäugige war mittlerweile zurückgekehrt.

"Natürlich versteht ihr nicht.

Es freut mich, dass ich die Aufmerksamkeit so vieler erhielt, doch leider, zieht ihr mich und meine Arbeit durch den Dreck. Zudem habt ihr etwas, das mein Besitz ist und nicht für eure Augen bestimmt war.",
seine Stimme klang glatt wie Seide und scharf wie ein Skalpell, am Ende seiner kleinen Anrede, deutete er auf sein Heft, welches auf dem Couchtisch lag,
"Ich habe viel Zeit und Geduld in dieses Heft investiert. Das tue ich für jede meiner Notizen, aber ihr hattet nichts besseres zu tun, als es zu veralbern!"

Er holte tief Luft, um sich zu beruhigen und stellte dann erst die durchsichtigen Döschen auf den Tisch, sie waren in Paaren zusammengebunden.

"Eine Pille ist Gift, die andere Zucker.", erklärte er lächelnd, als er die verwirrten Blicke sah.

"Alle Pillen sehen gleich aus, die Dosen ebenfalls, ihr könnt sie gerne untersuchen. Ich weiß nicht, welches was ist."

- doch, wusste er -

"Wenn ihr lebend hier raus wollt, müsst ihr nur die richtige Pille nehmen. Ich werde jedem von euch eine wichtige Sache über mich sagen, dann dürft ihr wählen. Ich nehme vier Pillen, ihr nur eine. Jedes Gift ist einzigartig und tötet innerhalb einer Minute, ohne Rettung.
Wenn ihr nicht mit mir spielen wollt-"

-er zückte sein Messer und rammte es in den Tisch-

"- töte ich euch einfach so und ihr nehmt nicht einmal ein Geheimnis mit ins Grab."

Er lehnte sich zurück und ein zuckersüßes Lächeln zierte das vernarbte Gesicht auf grausamste Weise.

Die Vier sahen sich an und nickten zögernd.

"Wir... wir machen mit."

"Gut."

Langsam stand er auf und ging zu der ersten Frau, um ihr ins Ohr zu flüstern: "Ich bin Quirklos und wurde seit meinem vierten Lebensjahr deswegen misshandelt und gemobbt."

Die Zweite erfuhr folgendes: "Ich habe bisher noch keine einzige Person direkt ermordet, werder vergiftet, noch erschossen, noch abgestochen. Ihr wärt meine ersten Toten."

Beim Mann: "Mein Geburtsname ist Izuku Midoriya. Ich bin vierzehn und schon 38 Mal fast gestorben, meistens wäre es durch meine eigene Hand gewesen."

Und Yoko: "Ich habe aufgehört Drogen zu nehmen, als ich von dem Heldenmörder Stain aufgenommen wurde, um sein Schüler und Erbe zu werden."

Mit einem falschen Lächeln, das nicht einmal versuchte, sein Auge zu erreichen, nahm er vor der Gruppe platz.

"Ihr habt Gründe gehört, weshalb ich sterben-"

-er fing an die Dosen auf dem Tisch zu verschieben, manche von sich weg, manche näher an sich heran, wieder andere näher an seine Opfer, es war simple Psychologie und Analyse-

"-und weshalb ich leben will."

Die letzte Dose stand an ihrem Platz und er schaute in Yokos schwarze Augen, ehe er es beendete: "Trefft eure Entscheidung."

Er bangte nicht, er war vollkommen entspannt, als einer nach dem anderen seine Dose mit tödlichen Inhalt ergriff.

Menschen sind nicht schwer zu manipulieren, egal ob mit, oder ohne Quirk, und mit seinem Intellekt saß Izuku bei solchen Gedankenspielen automatisch am längeren Hebel.

"Nun denn.", der Grünhaarige griff sich die vier Dosen, die er von Anfang an für sich bestimmt hatte.

"Einfach in den Mund nehmen, draufbeißen und schlucken. Ist es süß, seid ihr gerettet.", erklärte er fröhlich und machte es mit allen vier Pillen gleichzeitig vor.

Zufrieden nahm er den puren, ungestörten Geschmack von Zuckerguss auf seiner Zuge wahr, während die Reporter ihre Pillen nahmen und schluckten.

Sie alle wirkten erleichtert.

"Ach ja.", meinte er lächelnd und stand auf, "Vielleicht hätte ich erwähnen sollen, dass das Gift nach Karamell schmeckt."

Die Augen der Vier wurden groß und dann setzten die ersten Symptome ein.

Sorgsam verstaute er die Döschen in seiner Tasche, während die Körper auf dem Boden und Sofa zuckten und röchelten.

Sie waren schon tot, als er das Sofa mit dem Staubsauger reinigte und schließlich sein Heft und die Kakaotasse nahm, damit er endlich diese Wohnung verlassen konnte.

Ohne bemerkt zu werden, verließ er das Haus und ging die Straße herab.

Drei Tage später erst, würden die verwesenden Leichen gefunden werden, aufgrund des Gestanks.


Es war ein Gruppenselbstmord unter Fanatikern, der am nur Rande in der Zeitung erwähnt wurde.

Aber das war schließlich sein Plan gewesen.


Chapter Text

Die neue Nachricht überraschte Akaguro und Izuku nicht nur, es warf die beiden Männer vollkommen aus der Bahn.

All Might würde Lehrer an der UA werden!

Sie hatten Stunden damit verbracht, über diese Wendung der Ereignisse zu diskutieren, ohne wirkliches Ergebnis.

Es war einfach nur... unerwartet? Plötzlich? Besorgnis erregend?

Weshalb sollte ein so großer Held wie All Might sich als Lehrer mit pubertierenden Problemkindern herumschlagen wollen?

Es passte nicht in ihr Bild und Wissen über All Might, doch sie konnten es sich schön reden.

Wenn der beste Held der Welt die neue Generation unterrichten würde, hätten diese Schüler eine Möglichkeit, genau so zu werden wie ihr Lehrer und damit zu wahren Helden.

Das sagten sie beide - bis jetzt.

Izuku hatte die gesamte Nacht damit verbracht, sich in den Server von UA zu hacken, und die Liste der angenommenen Schüler war zu viel für ihn.

Als er die Bilder mit den vertrauten Gesichtern sah, brach alles zusammen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Stain wurde von einem Geräusch aus seinem Schlaf gerissen.

Verwirrt und immer noch schlaftrunken setzte er sich auf und hörte genau hin, bis er dem Klang identifizieren konnte.

Würgen und Schluchzen zu einem kläglichen, ekligen Ausdruck menschlicher Schwäche vermischt.

Er sprang aus dem Bett und eilte in das Nebenzimmer, wo sein Schüler zitternd auf allen Vieren vor seinem Schreibtisch hockte und sich wieder und wieder übergab.

Der Körper des Jungen verkrampfte unkontrolliert und Tränen tropften auf den Boden, wo sie schon kleine Pfützen bildeten.

Der Blick des Heldenmörders fiel auf den Computerbildschirm, der Bilder von Kindern in Izukus Alter zeigte.

Kein Gesicht oder Name sagte ihm etwas.

Der Grünhaarige erbrach erneut und strich sich bebend die Haare, die an seiner verschwitzten Stirn klebten, aus dem Gesicht.

Er sah noch bleicher und ungesunder aus, als normalerweise.

Akaguro beeilte sich. Seinen Schützling vom Boden aufzusammeln und ins Bad zu bringen.
Es rief eher unschöne Erinnerungen wach, doch das war irrelevant.

"Denkst du, du schaffst es kurz ohne mich? Ich mach' schnell sauber, dann bin ich für dich da, okay?"

Der Einäugige Teenager nickte mit einem erschöpften Lächeln und beugte sich plötzlich mit enormer Geschwindigkeit über die Toilettenschüssel, vor der er kniete, um ein weiteres Mal seinen nicht vorhandenen Mageninhalt los zu werden.

Das der Heldenmörder die Kotze fremder Menschen aufwischen müsste, wäre dem Schwarzhaarigen nie in den Sinn gekommen.
Doch so dachte wohl keiner über ihn.

Trotzdem machte er es jetzt: Konzentriert, schnell und gründlich.

Izuku brauchte ihn gerade, das wusste der Mann.
Es war nicht unüblich, wobei der Teenager sich in den letzten Monaten sehr viel besser geschlagen hatte, als am Anfang.

Der Mörder erinnerte sich gut an den holprigen Beginn:
Die Tage und Nächte im Bad, wo er den paralysierten Körper fest an sich drückte, um dem Jungen ein wenig Geborgenheit zu vermitteln und Wärme zu spenden.

Danach war Izuku so schwach und verletzlich gewesen.
Er hatte nicht anders gekonnt, als dieses geniale, kaputte Kind, dass all seine Träume weggeschmissen hatte, bei dem Versuch dem nach zu jagen, was sie am ehesten wahr wirken lassen würde, in sein Herz zu schließen.

Als er den Grünhaarigen dann endlich genügend aufgepäppelt hatte, war dieser zwar bei Kräften und voller Ehrgeiz, aber ohne Selbstbewusstsein und nicht gefährlicher, als ein Rehkitz im Scheinwerferlicht.

Der Junge hatte ganz offensichtlich über die Zeit verlernt, seinen klugen Kopf zu verwenden.

Aber mit dem Training kam das Selbstbewusstsein, was bei Izuku so gut wie nicht vorhanden war, zurück.
Langsam hatte der Teenager sich mehr getraut - und dann hatten sie zusammen einen Ausflug in die Stadt gemacht um zu schauen, wie der Einäugige ohne den Dämpfer einer Droge klar kam.

Izuku hatte eine richtig schlimme Panikattacke gehabt, ähnlich zu dieser, die er jetzt erlitt.

Allerdings waren diese Anfälle immer seltener und schwächer geworden.

Das Midoriya sich jetzt wieder in diesem Zustand befand, war nicht gut.

So schnell der Killer konnte, kehrte er in das Badezimmer zurück und versuchte den Wuschelkopf, der schwer atmend am Boden lag, zu beruhigen und es für ihn komfortabler zu machen.
Mehr blieb ihm nicht übrig.

Es dauerte fast zwei Stunden, bis der Einäugige sich aufrappelte und dann die Zähne putze, um den Geschmack der Magensäure aus seinem Mund zu vertreiben.

Danach setzten sie sich zusammen auf das Sofa, ein leichter Kräutertee zum trinken, der Jüngere fest in eine weiche Decke gewickelt, die Stain nach der ersten Panikattacke für solche Fälle gekauft hatte.

Der Junge starrte stumm in den Dampf, der von der heißen Flüssigkeit in seinem Becher aufstieg und beobachtete das verdampfte Wasser dabei, wie es in trägen Spiralen und Ranken, wie eine kleine Wolke, aufstieg und schließlich verschwand.

"Diese Liste...", krächzte er schließlich und deutete auf den Computerbildschirm, um seine Aussage zu unterstreichen, "... sie- das ist die Liste der angenommenen Erstklässler UAs. Sie werden keine Helden lehren, sondern Monster erschaffen. All Might wird den falschen Leuten das falsche Wissen vermitteln."

Der Grünhaarige zitterte, in seinen Augen schimmerte Angst und Panik.

"Da sind der Junge, der mich wieder auf die Straße geschickt hat und mein Mobber dabei!"

Stain hatte verstanden, was los war.
Die Kinder, die dieses Jahr an die Schule gehen würden, waren verkommenes und unbrauchbares Material, das sich nicht mehr zum Besseren formen ließ.

Und Izuku hatte Angst vor einer ganzen Generation falscher, brutaler Helden, die dazu noch von dem Besten der Besten trainiert worden waren.

"Keine Sorge, Izuku. Keiner von denen kann dir mehr etwas tun. Wir werden die Welt auch von ihnen befreien."

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Düster starrte Surveye seinen Orangensaft an, der unangerührt in einem kleinen Glas vor ihm auf der Theke stand.

Er war ein Stammkunde in Kurogiris Bar geworden, dennoch sorgte sein Auftauchen immer wieder für Getuschel und Aufruhr.

Es war frustrierend und schmerzhaft so nah an seinem alten Rauschmittel und Erlöser zu sitzen - aber der Junge hatte eine masochistische Ader, die ihn immer wieder dazu zwang, sich mit seiner alten Sucht zu konfrontieren, ohne zurück zu fallen.

"Du bist noch schlechter gelaunt, als sonst.", stellte der Nebelmann hinter der Theke fest und lehnte sich vor dem Maskierten an die Bar.

"Hm", brummte der junge Broker, nicht gewillt, mit dem Mann über seine Probleme zu sprechen.

"Wenn du reden willst, höre ich dir gerne zu."

Der Grünhaarige schaute einfach nur weg und trank den ersten Schluck seinen Orangensafts.

"Jo! Kurogiri! Ich wollte noch etwas wegen der Aktion in einer Woche fragen."

Sofort hörte Izuku genauer hin.

Informationen sind Geld wert, in seinem Business.

Wenn die League etwas vor hat, kann er sicher Profit daraus schlagen.

Vielleicht Informationen zu einem Sonderpreis anbieten?

Es wäre schon ein großer Gewinn, einen Teil seinen Wissens für weniger als 20.000¥ zu erhalten. Nur noch wenige konnten sich ganze Notizhefte von Surveye leisten.

Leider ging das restliche Gespräch im Lärm der Bar unter, doch er konnte einzelne Begriffe wie 'All Might', 'USJ' und 'Spezialwaffe' aufschnappen.

Trotzdem tat er so, als würde er weiterhin vollkommen desinteressiert an seinem Drink schlürfen.

Bis jemand, in Schwarz gekleidetes, sich neben ihn auf einen der freien Barhocker fallen ließ.

Eigentlich wollte Izuku die Person vertreiben, als er mit leicht geöffnetem Mund den Kopf hochriss.
Aber er würde den Platz neben sich nie verteidigen, denn alle Worte blieben ungesagt in seiner Kehle stecken.

Shigaraki Tomura hatte sich neben ihn gesetzt und grinste breit auf ihn herab.

Eine leichte Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen und der Einäugige schaute schnell wieder auf die Theke.

Der Mann neben ihm war auf eine andere Art und Weise genauso gefährlich wie sein… - er musste unbedingt mal mit Stain besprechen, in welcher Beziehung sie sich befanden -
wenn nicht sogar gefährlicher.

"Du bist doch Surveye, nicht wahr, du kleine Ratte."

Stumm nickte er.

Die Musterung des Holzes war wirklich extrem interessant, wie der Teenager feststellen musste.

"Und du Freak weißt alles über die Quirks aller möglichen Leute."

Kurzes Zögern, dann nickte Izuku erneut.
Er wollte sich auf gar keinen Fall mit Leuten aus den hohen Rängen der League anlegen.

"Was weißt du über UA?", zischte der Mann neben ihm.

Izuku starrte lange nur die Theke an.
Wollte er wirklich seinen Blick von diesem wunderschönen Holzmuster lösen?
Er würde es wohl müssen, auch wenn es schade war.

Ein scharbendes Geräusch aus der Richtug seines Sitznachbarns ließ ihn kurz zu Seite schauen.

Shigaraki kratzte sich an seinem Hals. Die ganze Haut war wund, gerötet, gereizt und schuppig. An manchen Stellen siffte sie, an anderen hatte sich Kruste gebildet.

"Ich... ich weiß alles über die Lehrer.", flüsterte Izuku, um Shigaraki abzulenken.

Er kannte das Verhalten des jungen Erwachsenen von sich selber.

"Zu den Schülern weiß ich nur das Gröbste über die Heldenkurse: Namen, Verwandtschaft, die alte Schule, ob A oder B, mit welchem Rang sie es durch die Startprüfung schafften, Quirk.
Aber ihre Grenzen, Schwächen und Talente, Techniken, Potential und Einschränkungen... ich habe keine Ahnung.
Bis auf zwei. Bei zwei Schülern weiß ich alles."

Mit rasendem Herzen wartete er die Reaktion seines Sitznachbarn ab.

"U~hum.", Shigaraki klang nicht begeistert.

Schweiß bildete sich auf der Stirn des Kleineren und der Grünhaarige war selten dankbarer für seine Maske, als jetzt, wo sie seine Angst verbarg.

"I-ich könnte mehr herausfinden! Mit den... mit den nötigen Mitteln könnte ich mich auf das Schulgelände schleichen und... und die Schüler beobachten! Das Training verfolgen, die Server hacken und die Aufzeichnungen des Unterrichts durcharbeiten! Ich b-bräuchte nur ein... ein Ablenkungsmanöver, damit ich rein kann! Ohne Extrakosten! Nur 1.500.000¥ für die Notizen zu allen Schülern der A und der B!"

Der Mann mit den silberblauen Haaren grinste auf einmal.

"Bist wohl doch nicht so übel, für ein nerviges Blag."

Izuku fiel ein tonnenschwerer Stein vom Herzen.

Er würde nicht pulverisiert werden!

"Warum hast du Analysen von zwei Schülern?"

Die Schultern des Brokers spannten sich kurz an, ehe sie sanken.

"Das ist nicht deine Angelegenheit und auch nicht relevant für irgendeine andere Person.", zischte Surveye abwehrend, allerdings mit unterwürfiger Körperhaltung.

"3.000.000.000¥, wenn du es mir erzählst."

"Nur für diese eine Information?", forschte Izuku nach, nur um sicher zu gehen.

Shigaraki wirkte genervt, als er schnippisch zurückgab: "Natürlich für diese Info! Wofür sonst?!"

"Ich kenne einen von ihnen, seit ich geboren wurde.
Bei dem Anderen habe ich vier Monate lang gelebt.
Wir haben uns nicht gerade auf bestem Wege getrennt."

Izuku sagte so wenig wie möglich und der Blick des Schurken zeigte ihm, dass er sich besser nicht so verhalten sollte und stattdessen ein bisschen mehr aus seiner Vergangenheit berichten muss.

"Bakugo Katsuki.
Unsere Mütter waren befreundet, wir waren Nachbarn. Er hat eine wirklich beeindruckende Quirk, mit der er Explosionen auslösen kann - perfektes Heldenmaterial, laut der Erwachsenen.
Ich hatte keine offensichtliche Quirk und Bakugo fand es gar nicht toll, die selbe Luft wie ich zu atmen. Er sagte, ich wäre tot besser aufgehoben, als lebendig. Und eines Tages hörte ich auf ihn."
- er zuckte mit den Schultern -
"Bei dem Sturz verlor ich mein Auge und zertrümmerte mir meine gesamte rechte Körperhälfte, das ist auch der Grund, warum ich humpel."

Shigaraki betrachtete ihn abwartend und er seufzte.

"Tenya Iida ist der kleine Bruder von Tensei Iida, der mich ungefähr ein Jahr, nach dem ich von zu Hause weggerannt bin, gefunden hat. Ich habe es geschafft mich fast ins Koma zu saufen, als er mich aufsammelte und in ein Krankenhaus brachte.
Später schmuggelte er mich raus und nahm mich mit zu seinen Eltern. So lernte ich seinen kleinen Bruder kennen.
Vier Monate lang gingen wir auf dieselbe Schule, teilten uns ein Grundstück, verbrachten eine große Zeit unter ein und demselben Dach und dann hörte ich, wie sie über mich sprachen, wenn sie dachten, ich bin nicht da. Also ging ich wieder auf die Straße."

Der Anführer der League nickte und schaute nach vorne auf die Getränke in den Regalen.

"1.500.000¥ und 3.000.000.000¥ bisher für Hefte und Hintergrundinformationen. Was willst du für die Notizen über die Lehrer?"

"Oh... ähm... das Heft kostet offiziel 6.000.000.000¥, der Pfand von 2.000.000.000¥ ist dann schon einberechnet."

Kurogiri stellte sich zu ihrem Teil der Theke und fing an, Gläser zu polieren.

"Wenn du bei der Planung und Auswertung deiner Analysen hilfst, wie viel würde uns das kosten?", Tomura wurde immer spezifischer und der Grünhaarige hatte eine üble Vermutung, wo das hinführen würde.

"Solltet ihr die UA angreifen wollen, um die Schüler und Lehrer zu beseitigen, mache ich gerne einen Extrapreis von insgesamt 7.000.000.000¥, sofern ich bei dem Angriff dabei sein und, wenn nötig, die Führung übernehmen darf.
Und in die Schule müsst ihr mich ebenfalls reinbringen."

Er hielt Shigaraki die Hand hin, wohl wissend, dass er gerade ein enormes Risiko einging, doch der Ältere schlug mit abgespreiztem Kleinen Finger ein, sodass Izuku unbeschadet blieb.
Mehr konnte sich der Broker momentan nicht wünschen.

"Morgen um 10 Uhr vor der Bar. Keine Minute zu spät. Dann bekommen wir dich auf das UA Gelände."

Chapter Text

"Du willst also mit der League zusammenarbeiten, damit sie für dich deine Arbeit erledigen, ohne ein richtiges Ziel vor Augen zu haben?"

Izuku schaute von einem seiner Computerbildschirme auf, wo er gerade den genauen Aufbau des USJ-Gebäudes vor sich hatte.

Stain versuchte immer noch, ihm seine morgigen Pläne auszureden.

"Es geht mir um die Informationen!",

knurrte er gereizt,

"Ich werde höchstens Kacchan ans Messer liefern und wenn ich großes Glück habe, geht Tenja auch drauf, aber den Rest der Klasse lasse ich erst einmal am Leben. Sie haben eine Chance besser zu werden, als alle anderen Helden und sich wie All Might zu entwickeln. Diese Möglichkeit werde ich ihnen nicht nehmen."

Sein Blick fiel auf einen anderen Bildschirm, der das Bild von einem der Schüler der A Klasse zeigte.

Das Haar des Jungen war zur Hälfte weiß, zur anderen rot, ein graues und ein blaues Auge, beide stechend und unterkühlt, dazu die große Narbe, die die rechte Gesichtshälfte des Jungen einnahm. Es war eine Verbrennung.

Der Name war Shouto Todoroki.

Er war der jüngste Sohn von Endeavor. Seine Mutter befand sich in einer Nervenheilanstalt.
Sie war eingewiesen worden, nachdem sie ihren Sohn so entstellt hatte und dafür sorgte, dass er fast vollständig auf dem einen Auge erblindete.
Er hatte drei ältere Geschwister, der älteste Bruder war verschwunden.

Izuku war besonders auf diesen jungen Helden gespannt, der offensichtlich eine Quirk besaß, welche zur Hälfte der seines Vaters und zur anderen Hälfte der seiner Mutter entsprach.

Halb Feuer, halb Eis.

Ein zwiespältiger Charakter und wahrscheinlich ein ähnlich zerrüttetes Leben.

Ihn wollte Izuku in Aktion sehen.

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Kurogiri hatte Izuku hinter die Mauer gebracht, während vor dem Tor hunderte von Reportern standen, bei dem Versuch, ein Interview mit All Might zu bekommen.

Geduckt schlich er aus den Bäumen, zu dem Gebäude, bis er einen unbewachten Hintereingang fand.

Es war nicht schwer, das Schloss zu knacken und den Raum hinter der Tür zu betreten, der sich als Abstellkammer für Putzmittel herausstellte.

Kurz schaute er sich um und entdeckte eine weitere Tür, die nach Innen führte.

Draußen war ein unglaublicher Lärm zu hören. Anscheinend hatte der Aufruhr vor dem Eingang einen Alarm ausgelöst.

Kichernd huschte er durch das große Gebäude, dessen Pläne er auswendig gelernt hatte, und kam an einem der Hauptflure vorbei, der mit Schülern verstopft war, die nach draußen drängten.

Kopflose Feiglinge.

Er erstarrte und betrachtete verwirrt ein besonderes Detail.

Tenya hing über dem Tor, wie die Abbildung auf einem 'Exit'-Schild, und schrie die Schüler unter sich an, Ruhe zu bewahren.

Was für ein Held.

Der Brillenträger bemerkte ihn dank seiner erhöhten Position und zog die Augenbrauen zusammen.

Izuku konnte es nicht unterdrücken, und auch wenn es kindisch, albern und absolut untypisch für ihn war, streckte er dem Bruder seines ehemaligen Gastgebers grinsend die Zunge raus, um dann mit wehendem Mantel davon zu rauschen.

Er musste sich öfters hinter Ecken und in leeren Klassenräumen verstecken, bis der den Raum mit dem Hauptserver fand und sich beeilte, alle Daten, die er finden konnte, auf seinen Laptop zu laden.

Kurz musterte er die Rechner, die ihn umgaben, ehe er seufzend ein weiteres Mal seinem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit nachgab und zwei Spraydosen aus seinem Rucksack zog.

Viele Hacker hinterließen ein Zeichen, wenn sie ein System knacken.
Weshalb sollte er es nicht tun?

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"Alles in Ordnung, Iida-kun?", fragte Ochaco ihren Kumpel besorgt.

Der Schwarzhaarige saß am Boden und sah so aus, als hätte er einen Geist gesehen.

"Ich dachte, ich hätte eben eine maskierte Gestalt am Ende des Gangs gesehen. Für einen kurzen Moment sah sie aus wie... . Wir sollten die Lehrer benachrichtigen, dass hier möglicherweise ein Fremder herumschleicht."

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Zu Izukus Bedauern war der Rückweg um einiges komplizierter, als der Weg hinein, aber er schaffte es zum verabredeten Zeitpunkt an vereinbarter Stelle zu sein.

Er konnte es sich leider nicht leisten, auch den Unterricht zu verfolgen, aber das gestohlene Material müsste reichen.

Sobald er ein weiteres Mal durch das schwindelerregende Nichts von Kurogiris Quirk geschritten war, sah er sich dem Mann im Barkeeper-Outfit und Shigaraki Tormura gegenüber.

"Und?", fragte der Silberhaarige begierig und erinnerte Surveye an ein kleines, gieriges Kind, dass seine Eltern nach den erwünschten Süßigkeiten fragte.

"Ich habe das benötigte Material. Ich werde jetzt gehen und mir alles ansehen, ich komme dann im Laufe der Nacht in der Bar vorbei um alles für morgen zu besprechen."

Der Nebelmann nickte und Shigaraki schmollte, nahm es aber an.

Eilig rannte der Grünhaarige davon, wobei seine Locken bei jedem Schritt leicht hüpften.

Es dauerte nicht lange, bis er wieder in der Wohnung von seinem Mentor war.

Stain war Tagsüber meistens am Schlafen oder in der Waffenkammer.

Seit Izuku für sie die richtige Wohnung, in einem vernünftigen Viertel, angemietet hatte, blieb der Heldenmörder bei Licht immer drinnen und überschritt nur im Notfall die Türschwelle.

Deshalb hatte der Killer viel Zeit, um sich um seine Schwerter und Messer zu kümmern, welche mittlerweile in einem ausgezeichneten Zustand waren.

Zufrieden summend nahm Izuku an seinem Schreibtisch Platz und fuhr seinen Laptop hoch, ehe er ihn mit seinem Computer verband und schließlich Daten und Informationen in Form von Notizen, Anmerkungen, Videos und Bilder auf sich einprasseln ließ.

Stunden flogen so vorbei, unbemerkt und ungesehen, begraben unter Bergen von Gemurmel und dem Geräusch des Gekritzels eines eifrig geschwungenen Stifts.

Zwei Schüler schob er auf, nicht gewillt, irgendetwas neues über sie zu erfahren - gleichzeitig sah er sich alles über Shouto doppelt an, ging jedes Detail durch, stellte die Videos auf Zeitlupe um auch keine noch so kleine Bewegung zu verpassen.

Endeavors Sohn war professionell in seinem Verhalten, trotz seines jungen Alters.
Allerdings unterdrückte er die Feuerhälfte seiner Quirk und das regte den quirklosen Teenager extremst auf.

Er hätte alles für jede Sorte von Quirk gegeben und dieses verzogene Blag wollte seine Fähigkeit nicht annehmen und benutzten!

Aber damit ließ sich arbeiten.
Man könnte ihm eine richtig schöne Lektion erteilen, wenn er sein Feuer nicht verwenden wollte.
Er würde ihn dann halt einfach dazu bringen, seine Quirk zu akzeptieren.

Diese Gedanken schmissen den Einäugigen aus der Bahn.

Weshalb genau wollte er seinen Feind stärker machen?

Wieder streifte sein Blick das Bild von Todoroki und er legte seinen Kopf ein wenig schief, während er seine Hand ausstreckte um die Aufnahme des anderen Jungen auf dem Bildschirm  zu berühren.

Es war eine wunderschöne Fähigkeit.
Er wollte sie in voller Blüte sehen.

Oder war es doch dieser Blick, der einem Schauder den Rücken runter rauschen ließ, weil er aussah wie der eines Veteranen, der schon an diversen Fronten gedient hat und deswegen die größten Leiden und Qualen gesehen hat?

Wieder musterte er diesen desinteressierten Gesichtsausdruck von Shouto.

Das war es wohl schon eher.

Der Junge mit der Heterochromie hatte genau so einen Blick, wie er ihn mittlerweile auch hatte, jetzt, wo es ihm besser ging.

Vielleicht hatte Endeavors Sohn ein wenig mehr von der Hölle gesehen, als andere.

Mit einem schweren seufzen legte der Grünhaarige etwas zu schnell seinen Kopf auf der Tischplatte ab, beschwerte sich aber nicht über den dumpfen Schmerz, der daraufhin kurz seinen Schädel durchzog.

Er brauchte das gerade; er musste sich endlich konzentrieren.

Nach einer halben Minute, in der er einfach nur schlaff und still auf dem Tisch lag, setzte er sich abrupt wieder auf und machte mit dem nächsten Schüler weiter.

Trotz allem, hatte er immer noch eine Deadline, die er einhalten musste.

Mit schmerzenden Schultern und Nacken würde er sich drei Stunden später strecken, ein neues Notizbuch vor sich liegend und vollkommen überarbeitete und durchdachte Pläne, was man mit den Schülern machen könnte, damit sie nicht eingriffen und nervten.

Mit guter Laune und dem Gefühl, etwas erreicht zu haben, machte Izuku sich wieder auf den Weg zu der Bar.

Er hatte schließlich nur eine Nacht lang zeit, um einen Masterplan zu entwickeln.

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"Also... Was genau ist denn euer Ziel hinter diesem Angriff? Worauf müssen wir hinarbeiten?", fragte der Grünhaarige und wünschte sich für diesen Moment nichts dringender, als eine Brille, damit er Kurogiri und Shigaraki über den Rand hinweg betrachten konnte, wie Therapeuten es in den Filmen immer machen, denn die beiden saßen gerade genau so vor ihm - aber keine Brille würde noch über seine Maske passen.

"All Mights Tod. Wir wollen ihn töten."

Izuku, der bis eben noch sanft gelächelt hatte, merkte, wie seine Gesichtsmuskeln sich anspannten und ihm eine andere Mimik aufdrängen wollten, doch er hatte sich genügend unter Kontrolle, um seinen Wutanfall unter einem geschäftsmäßigen Lächeln zu verstecken.

"Aha... was genau bringt euch zu der Annahme, ihr könntet All Might, den größten Helden der heutigen Zeit, schlagen?"

Shigarakis rote Augen leuchteten begeistert auf und wenn Izuku einfach nur in diese wahnsinnigen Seelenspiegel schaute, konnte er sich problemlos wieder an früher erinnern; an Kacchan und den ständigen Prügel.

"Wir haben etwas ganz spezielles!",

erklärte das erwachsene Kleinkind begeistert und stand auf,

"Aber du wirst es sehen müssen, sonst kannst du nichts damit anfangen."

Surveye konnte nicht einmal zu seinem Protest ansetzten, da sank er auch schon in das magenumdrehende Portal von Kurogiri und landete schließlich unsanft auf seinem Allerwertesten.

Zischend rieb der Grünhaarige sich sein schmerzendes Gesäß und rappelte sich schließlich auf, um sich umzusehen.

Es war ziemlich dunkel und der Raum, den er als Lagerhalle einstufte, wurde nur von diffusen Lichtquellen ein wenig erhellt.

"Komm.", rief Tomura aufgeregt und führte den Teenager tiefer in das Labyrinth aus Forschungs Utensilien.

Irgendwann war lautes Stampfen zu hören und der Boden erzitterte, je näher die Schritte kamen.

"Tomura?!", rief der Jüngere panisch und sah sich gehetzt nach einem Fluchtweg um, doch der junge Mann vor ihm wirkte tiefenentspannt, als sich eine überdimensionale Gestalt aus den Schatten löste und auf sie zurannte.

Es dauerte nicht lange, bis dieses Ding vor dem Anführer der Legue schlitternd zum Halt kam und ihn leer anstarrte.

Angewidert musterte der Einäugige das offene Gehirn, die toten Augen und die schwarze, verfaulte Haut, die sich über Muskelberge zog.

Was zum Teufel war dieses Vieh?!

"Das ist Nomu.", erklärte Shigaraki, als ob er nicht nur Sachen zerfallen lassen, sondern auch Gedanken lesen konnte.

"Okay! Schön für ihn! Was willst du damit?!", seine Stimme war an die drei Oktaven zu hoch und er sprach so schnell, dass er sich selbst kaum verstand, während er immer weiter zurückwich.

"Nomu ist stärker als ein Mensch. Ist dumm, man muss ihm immer genaue Befehle geben, aber dafür steckt er auch mehr weg. Und das beste: Er hat mehrere Quirks in sich vereint.", erläuterte der Wahnsinnige, der den Schnabel des Monsters tätschelte, als wäre es ein harmloses Schoßhündchen!

Izuku versuchte logisch an die Situation heranzugehen und seinen Puls runter zu schrauben.

Mehrere Quirks? Das ging? Naja, für einen verdammt großen Preis, wenn man sich dieses Nomu-Teil ansah.

Und so ein Ungeheuer würde natürlich einen ausgezeichneten Eindruck bei einem Debüt hinterlassen.

Er musterte Nomu und spürte wie sich die Haare in seinem Nacken aufstellen.
Mit dem Teil würde er sich nicht anfreunden können, so durchgeknallt war er nicht.
Aber er hatte dadurch eine ganz besondere Figur in das Feld gestellt bekommen.

"Und du meinst, dein... Nomu...Ding... könnte etwas gegen All Might ausrichten?"

Shigaraki nickte überzeugt und drehte sich zu einem Computer um.

Der Silberhaarige musste nur auf eine Taste drücken, damit der Bildschirm zum Leben erwachte und Videos von Tests mit dem Monster abspielte.

Ja. Es würde einen Schlag von All Might wegstecken und regenerieren können.

"Dann... werde ich einen Plan um Nomu herum entwickeln müssen.", meinte Surveye nach langem Überlegen, sein verbliebenes Auge fest auf die Aufnahmen und Testergebnisse geheftet.

Ja. Das würde er wohl tun.

Ein leichtes Lächeln schlich sich wieder auf seine Lippen.

Was für eine Kraft.

"Also gut. Bring uns zurück, ich brauche meine Notizen für die Planung.", sagte er zu Shigaraki mit einem ihm eher unbekannten Eifer, aber er wollte unbedingt sehen, wie dieser Kampf ausging.
Wobei er sich sicher war, dass All Might gewinnen würde.

Kurz darauf saß Izuku gemeinsam mit den Anführern der League in einer vollkommen leeren Bar und sprach über Schlachtpläne.

Die Schüler mussten beschäftigt werden: Am besten käme jeder in die Zone, wo er am schwächsten ist und würde dort mit den stärksten Gegnern konfrontiert werden.

Eraser Head würde auf jeden Fall dabei sein.
Ihn sollte man mit einer großen Gruppe von Mutationquirks angreifen und am Besten auch den Nomu dazu nehmen, damit dieser ihn töten oder Bewusstlos schlagen konnte, bevor der Kampf außer Kontrolle geriet.

All Might fehlte manchmal im Unterricht, soweit Izuku wusste, weshalb man auch damit rechnen musste, dass er bei dem Angriff nicht anwesend war.

Am besten wäre es in diesem Fall wohl, einen Durchgang für Tenya Iida offen zu lassen, damit dieser schnell All Might zur Hilfe holen konnt,

auch wenn es ihm zutiefst missfiel, den Jungen entkommen zu lassen.

No.13 müsste auch beseitigt werden. Es wäre am einfachsten diesen Helden mit den eigenen Mitteln zu schlagen.
Eines der Tore von Kurogiri würde also für den Helden verwendet werden, damit es sich selbst mit seiner Quirk aufsog.

Sollte der Nomu doch nicht gegen All Might ankommen und nur als ein Sandsack benutzt werden, würde man ihn sofort bergen und den Rückzug antreten, damit niemand in die Hände der Regierung fiel.

Dasselbe galt für den Fall, in dem noch mehr Helden zur Unterstützung kommen würden.

Sollten von Anfang an mehr Lehrer da sein, würde Izuku verschwinden und Shigaraki müsste sehen, wie er zurecht kommt; wobei der Maskierte für diesen Fall anriet, einen Angriff bleiben zu lassen.

Shigaraki hätte durchgängig das Kommando, aber Izuku hatte klar betont, dass seine Pläne die beste Aussicht auf einen Sieg darstellen und sollte der Silberhaarige sich weigern, vernünftig zu handeln, hätte Surveye kein Problem damit, dem Anführer der League die Verbindung mit seinen Kämpfern zu kappen und statt ihm die Befehle zu erteilen, da er selbst ein paar der Helden und Schüler vernichten wollte.

Und sollte dies der Fall werden, würde er sein Zeichen auch darauf platzieren und der ganzen Welt klar machen, dass er stärker als die League war und sie für seine Zwecke verwendet hat.

Eigentlich hoffte Izuku, dass Shigaraki Tomura einen Trotzanfall bekommen würde, damit er die Kontrolle an sich reißen konnte.
Dann wäre Stain auf jeden Fall zufrieden mit ihm.

Chapter Text

Tenya Iida - Eingang
Momo Yaoyorozu - Eingang
Hitoshi Shinso - Eingang| Danger! (Nicht reden!)

Toru Hagakure - Flut
Mashirao Ojiro - Flut
Eijiro Kirishima - Flut

Tsuyu Asui - Feuer
Fumikage Tokoyami - Feuer | Danger
Shouto Todoroki - Feuer | Danger!!! (In der Lage Feuer zu kontrollieren)

Uraraka Ochaco - Unwetter
Denki Kaminari - Unwetter
Katsuki Bakugo - Unwetter | Danger! (Höchst Aggressiv)

Yuga Aoyama - Berge
Rikido Sato - Berge
Mina Ashido - Berge

Koij Koda - Ruinen
Mezo Shoji - Ruinen

Kojoka Jiro - Erdrutsch
Hanata Sero - Erdrutsch
Minoru Mineta - Erdrutsch

Kurogiri laß sich die Liste mit den Schülern zum gefühlt 500. Mal durch, nur um ganz sicher zu gehen, dass er auch wusste, wie wer aussieht und wer wohin muss.

Surveye hat es ihm an die zwanzig Mal erklärt und immer und immer wieder betont:
Alles hing von diesem ersten Schritt ab!

Diese Kinder wollten Helden werden. Sie würden kämpfen und alles tun, um andere zu retten.

Der Mann kam nicht um die Verwunderung herum, die der Maskierte in diesem Moment bei ihm ausgelöst hatte.
Der Grünhaarige klang komisch, als er von dem Retten und Kämpfen sprach.
Als ob er sich das selber einreden wollte.

Die Kneipe füllte sich langsam.
Immer mehr Schurken in ihren Kostümen und mit voller Ausrüstung trudelten herein und trafen die letzten Vorbereitungen.

Als alle da waren, hielt Tomura noch eine kleine Ansprache.

Das war ebenfalls Surveyes Idee gewesen - die Stimmung noch einmal vor dem Angriff einzuheizen und allen zeigen, dass sie für etwas großes einstanden; das es wert war, zu kämpfen.

"Heute ist der große Tag, an dem wir der Welt zeigen werden, dass wir uns nicht verstecken müssen!
Heute werden wir aus dem Schatten treten und stolz und gerade für das stehen, was ignoriert wird!

Die Verlassenen, Verstoßenen und Vergessenen, als die die Welt uns sieht, werden heute anfangen Gerechtigkeit einzufordern!
Und wir beginnen mit dem Mann, von dem alle behaupten, dass er sich um jeden kümmern würde, aber der dann dennoch Unseresgleichen einfach verprügelt und dann wegsperren lässt!
Wir werden siegen, denn Macht und Recht sind auf unserer Seite!"

Der Nomu, der in einem Hinterraum eingesperrt war, brüllte, als wolle er die Worte seines Herren unterstreichen und der Mann konnte sehen wie Surveye hinten, an eine Wand in der dunkelsten Ecke angelehnt stand und langsam nickte.

Kurogiri misstraute dem maskierten Teenager.
Der Junge war All For One sehr ähnlich, nur, dass er überhaupt keine Quirk hatte.
Doch seine Intelligenz reichte Problemlos an die von Shigarakis Adoptivvater heran - und das war gefährlich.

Wahrscheinlich würde er Surveye bald beseitigen müssen, damit er sich zu keinem unzähmbaren Risiko entwickelte.

"Öffne das Portal."

Jetzt sollte er sich nicht zu viel um Surveye kümmern. Der Grünhaarige war momentan auf ihrer Seite und dementsprechend keine Gefahr.

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Izuku ging als letzter durch das Portal.

Er wusste nicht, wo Kurogiri ihn raus lassen würde, doch er hoffte, er würde abseits von allen Kämpfen landen.

Natürlich hatte er dieses Glück nicht und trat hinter Shigaraki aus dem schwarzen Nebel, welcher sich sofort auflöste, sobald er draußen war.

"EraserHead und No.13... laut des Lehrplans, den wir gestern entwendeten, sollte auch All Might hier sein."

Die ganzen Schurken machten sich auf den Weg zu den Schülern, die noch im Eingang standen, genau wie er geplant hatte.

"ALSO STECKT IHR HINTER DER AUFRUHR GESTERN!"

Ein kurzer Blick zeigte ihm den Untergrundhelden Eraser Head, der wütend die Gruppe von Schurken anschrie.

Schnell klappte er sein Mikrofon runter und zog den roten Schal nach oben um ihn an der Maske einzuhaken, damit niemand sehen konnte, dass er derjenige war, der die Kommandos gab, wenn Tomura nicht konnte.

"Wo ist er? Wir haben diesen ganzen Ärger auf uns genommen... haben so viele von uns zusammengesucht, um sie mitzubringen... du kannst mir nicht sagen All Might... das Zeichen des Friedens... ist nicht hier.
Ich frage mich, ob er kommt, wenn wir die Kinder töten.", Shigaraki war kurz vor einem Nervenzusammenbruch, dass hörte Izuku schnell heraus.

Der Mann war wirklich ein Riesenbaby.

Dann war wohl seine Wenigkeit gefragt.

"Eraser Head wird sicher gleich angreifen. Alle mit Mutations-Quirks halten sich bereit, während der Rest sich zurückzieht. Alle, die in eine Zone sollen, um gegen die Kinder zu kämpfen, begeben sich jetzt dort hin.
Kurogiri, kannst du mich gleich mit nach oben zum Eingang nehmen? Dort hat man den besten Überblick."

"Natürlich."

Izuku konnte noch den Anfang von Eraser Heads Kampf auf dem Plaza beobachten, bis er von der Dunkelheit ein weiteres Mal verschlungen und ausgespuckt wurde.

Kurogiri baute sich in voller Größe vor den Schülern und No.13 auf, sodass er den Grünhaarigen hinter sich gut versteckte.

"Ich fürchte, ich kann euch nicht entkommen lassen.", sagte der Nebelmann in einem gespielt bedauerlichen Ton und Izuku musste sich auf die Lippe beißen, um nicht loszuprusten.

Das würde lustig werden.

"Hallo, wir sind die League of Villains. Ich entschuldige mich für Umstände, aber wir haben uns vorgenommen in UA, der Basis aller Helden, einzudringen.
Wir sind hier, weil wir etwas mit Mr. All Might klären müssen. Wir wunderten uns, ob wir vielleicht jetzt die Gelegenheit hätten, ihn auszulöschen."

- Es war wirklich verblüffend, wie höflich Kurogiri sich gegenüber jeder Person verhielt. -

"War Mr. All Might nicht als Aufsicht für diesen Zeitpunkt vorgesehen?
Möglicherweise wurde ja etwas geändert.
Nun ja... davon abgesehen... ich habe eine Aufgabe zu erfüllen."

Es gab ein Problem an Izukus Position.

Er konnte auch nicht sehr viel von den Schülern sehen.
Zu spät bemerkte er, dass Kacchan und ein Rotschopf mit eher freizügigen Kostüm verschwunden waren, in dem Moment hörte er schon die Explosion und sah, wie Kurogiri sich zusammenzog.

"ICH WETTE DU HAST NICHT GEDACHT, WIR WÜRDEN DICH FERTIG MACHEN, BEVOR DU ETWAS TUN KANNST!", schrie der Junge, dessen Arm wie aus Stein gemacht aussahen.

Was das etwa Kirishima?

Der sah ja völlig anders aus, als früher.

"Kurogiri. Du bist gerade von Kirishima und Bakugo angegriffen worden.", erklärte Izuku dem Schattenmann, damit dieser wusste, wer der Rothaarige war.

"Das war wirklich beeindruckend. Ihr seid nunmal nicht nur normale Schüler, sondern auch die 'Goldenen Eier' der Helden."

"DAS NÜTZT NICHTS, IHR ZWEI! GEHT WEG!"

Kurogiri breitete sich auf No.13’s Ruf hin um die ganze Gruppe aus.

"Ihr werdet zerstreut, gefoltert und getötet werden. Jeder! Einzelne!"

Kurz darauf lichtete die Schwärze sich und Kurogiri zog sich vor den Eingang zurück, um sich zu erholen.

Izuku wusste mittlerweile, dass es den Mann extrem erschöpfte, wenn er viele Leute über weite Distanzen an verschiedene Orte transportieren musste.

Die vier verbliebenen Personen stolperten zurück und sahen sich panisch um.

Izuku grinste hinter seinem Schal und machte sich nicht länger die Mühe, hinter Kurogiri versteckt zu bleiben.

"Wer bist du?", knurrte Hitoshi und machte ein paar Schritte in Richtung der Schurken.

Der Grünhaarige hielt sich einen Finger vor den verdeckten Mund und zuckte dann mit den Schultern.

"Was...?"

"Sie werden dir nicht antworten, Shinso-Kun.", erklärte Tenya mit einem mörderischen Blick.

Wie lange war es her, dass er ihn gesehen hatte? In diesem Jahr hat sich doch einiges an dem Schwarzhaarigen geändert.

Izuku nickte und hielt die Hände hoch in einer Bewegung, die sich leicht als ein 'Leider' interpretieren ließ.

"Klassensprecher.", sagte No.13 auf einmal.

"Ja, Sir!"

Tenya ist also Klassensprecher geworden?
Ja. Das klang ganz nach ihm.

Izuku konnte ein stolzes Lächeln nicht unterdrücken.
Dieser Junge war immerhin früher Mal so etwas wie sein Bruder gewesen.

"Geh' in die Schule. Teil' ihnen mit, dass der Alarm nicht ausgelöst wurde und dass wir uns jetzt in dieser Lage befinden."

"Aber! Würde ich damit nicht meine Pflicht als Schülersprecher verletzten?"

"Verschwinde endlich, du bescheuerter Notausgang!"

"Nutze deine Quirk, um Leben zu retten!"

"Ist es wirklich schlau, den Plan vor dem Feind zu besprechen?", erkundigte Kurogiri sich amüsiert.

Izuku flüsterte leise: "Pass auf. No.13 macht sich angriffsbereit. Im selben Moment, wo they auf dich zeigt, musst du hinter them ein Tor öffnen."

"Verstehst du nicht, wir können vor dir sprechen, weil es dir nichts nützt.", rief No.13 und hielt die offene Fingerkappe auf den Nebelmann, der allerdings schon längst vorbereitet gewesen war und so den Helden in dem Sog seiner eigenen Quirk gefangen hielt.

Im gleichen Moment rannte Iida los und Izuku machte einen schwachen Versuch, den Boten mit einem Messer abzuwerfen, während Kurogiri eine lose Rauchschwade nach Tenya austreckte.

Beide Attacken gingen selbstverständlich daneben.

Sie brauchten schließlich All Might hier.

"Kurogiri. Ich muss in die Kontrollzentrale des Gebäudes. Ich will sicherstellen, dass niemand hier unbeschadet raus kommt."

Momo und Hitoshi betrachteten ihn entsetzt, während No.13 immer weiter zerfetzt wurde.

Lächelnd zog er den Schal runter.

"Aber bevor ich gehe, stelle ich mich vielleicht auch der Höflichkeit halber vor, da ich schließlich auch schon alles über euch weiß, Hitoshi Shinso und Momo Yaoyorozu."

Die Augen der beiden Helden wurden noch größer, doch sie blieben still, weshalb Izuku sich den Spaß machte, eine Verbeugung anzudeuten.

"Mein Name ist Surveye. Ich bin Broker und der Schüler von dem Herokiller Stain."
- Das wusste niemand.

Er richtete sich auf.

Doch Kurogiri würde es, sobald der Kampf vorbei war, herumerzählen. Aber dann sollten es auch alle erfahren. -
"Ich wurde von der League angeheuert, um den Plan zu eurer Vernichtung zu entwerfen und ich wünsche euch sehr viel Spaß dabei, um euer Leben zu kämpfen.
Jedoch seid ihr eher vielversprechendere Schüler, weshalb ich zumindest einen spektakulären Abtritt von euch erwarte."

Die beiden Schüler zuckten zurück und der Grünhaarige lachte auf, ehe er einen Schritt zurück machte und sich so in das Portal von Kurogiri herein begab und dann in der Kontrollzentrale heraus trat.

Das schöne an dem USJ war, dass die Zonen einen Katastrophen-Modus hatten.

Er wollte zwar nur den in der Erdrutsch-Zone benutzten, aber der war auch der Gemeinste.

Es würde nämlich genau das passieren, worauf diese Umgebung einen Vorbereiten sollte.

Normalerweise wird der Katastrophen-Modus nur bei Drittklässlern verwendet, weil jüngere Schüler weder Kraft noch Verständnis für das Reagieren auf solche Situationen hatten.
Jetzt würden sie wohl damit klar kommen müssen.

Er drückte auf den roten Knopf über dem "Erdrutsch" stand.

In weiter Entfernung war ein Brausen und Grollen zu hören.

Er schmiss sich auf den Stuhl vor den Bildschirmen für die Überwachungskameras.

Das war gut. Hier könnte er bleiben.

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Während Izuku Midoriya entspannt und zufrieden die Aufnahmen beobachtete, versuchten die Schüler der UA am Leben zu bleiben.

In der Schiffbruchs-Zone wurde Tooru von zwei Personen mit Fisch-Quirks unter Wasser gezerrt und strampelte verzweifelt, um nicht zu ertrinken.
Sie war kurz über der Wasseroberfläche fallen gelassen worden und schwamm so unbeschadet an der Oberfläche, jedoch hatte sich das Wasser um ihren Körper gelegt, weshalb sie fast schon so etwas wie sichtbar gewesen war.

In derselben Zone hatte Eijiro sich mitten auf der Wasserrutsche wieder gefunden und war von der Strömung sofort unter Wasser gedrückt worden und mit Felsen und Treibgut kollidiert.
Doch sobald er versuchte, sich durch seine Quirk vor den Kollisionen zu schützen, kostete es ihn seine ganze Kraft, nicht unter zu gehen.

Mashirao befand sich mittlerweile tropfend und triefend auf dem Schiff.
Er war in gewisser Weise am Besten davon gekommen, da er gemerkt hatte, dass er seinen Schwanz auch als Paddel einsetzten konnte und so sogar sehr viel schneller war, als wenn er es mit einer konventionellen Schwimmmethode versucht hätte.
Trotzdem war er vollkommen alleine und konnte sonst niemanden entdecken.

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In der Feuer-Zone sah es nicht sehr viel besser aus.

Tsuyu war in einem brennenden Raum gelandet und lag keuchend und hustend auf dem Boden, während ihr Körper sich unkontrolliert aufheizte.
Sie versuchte durch den Raum zu kriechen um einen Ausgang zu finden, doch ihr war bewusst, wie gefährlich diese Umgebung gerade für sie war - in einer Stunde würde sie wahrscheinlich nicht mehr leben.
Alleine von diesem Gedanken angetrieben, suchte sie weiter.

Fumikage stand mehreren Männern und Frauen gegenüber, die Gasmasken trugen und dazu auch noch helle Taschenlampen bei sich hatten, die sie genau auf ihn richteten.
Allein schon die Helligkeit der Flammen machte Dark Shadow schwach, doch durch das zusätzliche Licht war sein Begleiter so nützlich wie ein Küken und er würde einfach nur versuchen müssen, nicht zu sterben, doch die Blicke seiner Gegner sagten ihm, dass das nicht leicht werden würde.

Auch Shouto wurde kein gutes Schicksal zuteil. Das Feuer schmolz sein Eis, bevor er es für mobilität einsetzten konnte, außerdem hatte es eine Explosion verursacht, als es mit einem kleinen Kieselstein in Kontakt gekommen war.
Er hatte ein paar der Steinchen zusammengesucht und eingefroren. Auch sie waren detoniert.
Irgendetwas, das mit Wasser reagierte, war über den Boden der gesamten Anlage verteilt und ließ ihm so nicht mehr als sein Feuer und seinen Körper.
Er musste so schnell wie möglich hier raus, es erinnerte ihn zu sehr an seinen Vater.

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In der Unwetterzone musste Ochaco ebenfalls um ihr Leben bangen. Abgesehen davon, dass sie sich bei dem grauenhaften Wetter, dass simuliert wurde, schnell eine Erkältung oder Lungenentzündung holen konnte, wusste sie, dass die Frau von vorhin ihr immer noch folgte und die Irre wollte ihr die Kehle aufschlitzen!

Mitten auf der Straße der Zone hatte Denki eine größere Krise.
Er war umringt von Schurken und war vollkommen mit Wasser durchtränkt. Wenn er hier seine Quirk einsetzten würde, wüden alle, die mit dem Wasser in Kontakt standen einen tödlichen Stromschlag bekommen und er war einfach nicht gut genug in einem normalen Kampf, als dass er sich hier durchschlagen könnte.

Bakugo stand vollkommen unter Schock und hielt sich seine schmerzende Wange.
Wer auch immer diesen Überfall geplant hatte, hatte an wirklich alles gedacht.
Er war jetzt schon unterkühlt, kein Schweiß war da. Er hatte auch keinen in seinem Kostüm und alles, was sich noch beim ersten Kampf gebildet hatte, war mittlerweile von ihm abgespült worden.
Er war Quirklos und von einer riesigen Gruppe umgeben, die funktionierende Quirks und Waffen hatten.
Aber er würde sich schon irgendwie seinen Weg durchprügeln.
Wenn er doch nur wenigstens Kirishima bei sich hätte...

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In den Bergen befand Yuga sich einsam und verlassen auf einem kleinen Plateau, ohne jede Möglichkeit runter zu klettern.
Zu springen wollte er bei dieser Höhe nicht einmal versuchen, da er sich alle Knochen brechen würde.
Und um zu dem nächsten Plateau zu kommen, reichte seine Quirk nicht.
Er würde wohl hier oben warten müssen.

Rikido war gemeinsam mit Ashido vor einer Felswand gelandet, umzingelt von Schurken. Sie versuchten irgendwie sich zu verteidigen, doch einfach nur drauf zu schlagen reichte nicht gegen solch eine Überzahl.

Am Ende rettete Mina Sato, indem sie ihn vom Schlachtfeld zog und über die Hängebrücke brachte, welche sie dann mit ihrer Säure verätzte.
Wenn sie nur darauf geachtet hätte, dass sie sich nun auf der falschen Seiten befanden.
Andererseits: Sie waren in Sicherheit und es würde dauern, bis irgendwer es schaffte, die Schlucht zu überqueren.

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Koij befand sich inmitten einer zerfallenen und zerstörten Stadt, die so aussah, als hätte sie gerade ein Erdbeben hinter sich. Er hatte versucht, irgendwelche Tiere zu finden, die ihm den Weg raus zeigen könnten, aber hier gab es nichts! Nicht einmal Spinnen oder Insekten verirrten sich in so eine Umgebung!
Ängstlich kauerte er sich zusammen, als er schwere Schritte von Stiefeln hörte. Dann hörten die Schritte auf und das Gebäude, in dem er Schutz gesucht hatte, grollte bedrohlich.

Einer der Schüler, die wohl richtig litten war Mezo.
Er war unter einem Gebäude das kurz davor war, einzubrechen aufgetaucht und es war über ihm kollabiert.
Seine linken Arme waren unter Metall und Steinen eingequetscht und er konnte genau die zertrümmerten Knochen, zerquetschten Muskeln und das Blut spüren, dass aus der großen Wunde sickerte.
Er wurde ohnmächtig von dem Schmerz und das war der größte Gefallen, den er gerade erhalten konnte.

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Das erste was Kojoka dachte, als sie abgesetzt wurde, war, dass sie in einer Gruppe waren und das man weit und breit keinen Gegner sehen konnte.
Natürlich hätte sie bessere Karten ziehen können, als mit den zwei perversesten Jungen der Klasse zusammen ausgespuckt zu werden, doch sie konnte damit leben.
Aber dann kam er Lärm.
Sie spürte, wie ihre Ohren zu bluten anfingen, als der Krach und das Grollen immer lauter wurden.
Unter enormen Schmerzen krümmte sie sich zusammen und versuchte trotzdem die Klänge etwas zu zuordnen.

Hanata war entsetzt, als er das laute Grollen hörte. Kurze Zeit später hielt Jiro neben ihm sich die Ohren zu, während Blut zwischen ihren Fingern hindurchsickerte.
Dann sah er die Welle auf sie zurauschen. Schnell schnappte er sich die Person, die er greifen konnte und rettete sie hinter ein Haus, dann rauschte auch schon Dreck und Geröll an ihnen vorbei.

In der Erdrutsch-Zone war Minoru unter dem Geröll begraben worden und versuchte sich aus den Erdmassen heraus zu wühlen, um nicht zu ersticken.
Er war zu klein. Zu schwach. Er würde... er wollte nicht sterben!

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Wieder und wieder schlug das Monster Aizawas Kopf auf den Stein, der mittlerweile Risse zeigte.

No.13 schrie gequält, von their Anzug war kaum noch etwas übrig und er würde sich bald vollkommen selbst verschlingen.

Die Sicht des Untergrundhelden wurde unscharf, als Nomu - so hatte der Typ mit den Händen das Vieh genannt - ihn wieder mit dem Boden zusammen krachen ließ.

Ihm tat alles weh und es war nurnoch eine Frage der Zeit, bis sein Körper dicht machte und er sein Bewusstsein verlor.

Auf einmal erstarrte der Silberhaarige in seiner Nähe und griff sich an ein Ohr.

"... ach? Das sind ja tolle Nachrichten!",
die Enden seines Grinsens waren unter der Hand, die sein Gesicht verdeckte, hindurch zu sehen,
"Eine gute Nachricht für dich, EraserHead. Du wirst dich in Zukunft um zwei Schüler weniger kümmern müssen. Die Tendenz für noch weniger Schützlinge ist steigend."

Entsetzt riss der Mann mit den langen Haaren seine Augen auf.
Was hatten diese Schurken bloß getan?!

Die Schreie im Hintergrund verstummten.

Shota musste nicht hinsehen um zu wissen, dass No.13 in diesem Moment ebenfalls die Welt der Lebenden verlassen hatte.

Chapter Text

Izuku hatte, erst nachdem er sicher war, dass nichts schief laufen würde, die Kontrollzentrale verlassen.

Er hatte zugesehen, wie das Mädchen mit der Gehörverstärkungs-Quirk und der Junge mit der Tape-Quirk den kleinen Typen in der Windel ausgegraben haben.

Minoru Mineta war ganz offensichtlich tot gewesen. Erstickt. Vielleicht verblutet, in anbetracht der Tatsache, dass er dieses große Loch in seinem Kopf gehabt hatte.

Dann war da noch die Unsichtbare, bei der er fest angeordnet hatte, sie zu töten.
Sie war zu gefährlich, als dass man sie am Leben lassen konnte.

Er hatte einen Lachanfall bekommen, als er den fassungslosen Gesichtsausdruck von Kacchan auf einem der Bildschirme sah.

Sein Kindheitsfeind wusste überhaupt nicht, was mit ihm geschah und sah so aus, als würde er gleich losheulen, als er gezwungen war zu fliehen.

Dementsprechend war der Grünhaarige bester Laune, als er sich auf den Weg machte, um einen Kampf mit Shouto in der Feuer-Zone anzufangen.

Wahrscheinlich war er lebensmüde, aber er wollte mit dem anderen Teenager reden.
Er wollte wissen, ob Shouto Todoroki nur das Erbe seines Vaters antreten wollte.

Es war nicht schwer den Größeren Jungen zu finden, nachdem er sich erst einmal in der Zone befand.

Shouto war schon sehr nah am Eingang und prügelte sich mit ein paar der Schurken, die den Ausgang bewachten.

"Geht weg von ihm, er gehört mir.", raunte er in sein Headset und sofort ließen die vier von Todoroki ab, der keuchend auf seine Knie fiel und den Mund zu einem Protest öffnete.

Ein starker Kämpferwille. Bemerkenswert.

"Hallo.", sagte Izuku und winkte dem zukünftigen Helden zu, "Mein Name ist Surveye, es freut mich, dich endlich persönlich kennen zu lernen, Shouto Todoroki."

Der andere stand auf und musterte ihn mit verengten Augen.
Izuku sah das als 'Okay', um weiter zu reden.

Er wollte schon, seit er von Shouto gehört hatte, mit ihm sprechen.

"Ich muss gestehen, ich bin echt fasziniert von dir!
Das ist eine unglaubliche Quirk, die du da hast, damit könntest du locker All Might übertrumpfen!"

- Todoroki zuckte zusammen -

"So ist das also...", murmelte Izuku leise.

"Du bist also, soweit ich weiß, der vierte Anlauf deines Vaters, um sich von All Might zu befreien.
Muss scheiße sein, mehr Gegenstand, als Mensch zu sein. Und das dann noch in den Augen des eigenen Vaters.
Das mit deiner Mutter ergibt dann auch mehr Sinn.
Sie hat die Seite verbrannt, die sie an ihren Mann erinnert hat. Wahrscheinlich hat er euch alle Missbraucht.
Tze! Hat wohl schon einen guten Grund, dass ich Stains Erbe werde.
Also, Shouto Todoroki, weigerst du dich, dein Feuer zu benutzten, um dich deinem Vater zu widersetzen?"

Die Augen seines Gegenübers waren weit aufgerissen, trotzdem nickte der Junge mit der Brandnarbe.

Vorsichtig und bedacht näherte Izuku sich dem Schüler und musterte die Augen genauer.

Ein winterliches Grau, so, wie es an einem verschneiten Morgen am Himmel zu sehen war und ein tiefes, intensives Türkis, wie man es nur von diesen paradiesischen Bergfluss-, See- und Meeresbildern kannte.

Das rötliche Narbengewebe, wie es für Verbrennungen typisch war, betonte diese bemerkenswerte Farbe und ließ das Rot der Haare nicht ganz so stechend wirken und dafür das Weiß mehr strahlen.

"Du bist wirklich wunderschön.", meinte Izuku fasziniert,

"Ich glaube, ich habe noch nie etwas so vollkommenes gesehen.
Es ist traurig, dass du wegen deinem Vater so leiden musst."

Mit einem atemlosen Lachen löste er sich von dem Jungen, der erst zurück stolperte, als ihr Blickkontakt unterbrochen war und fuhr sich durch seine strubbeligen Locken.

"Es tut mir leid. Eigentlich habe ich so viele Bilder von dir gesehen, diese ganzen Videos.
Ich müsste irgendwie vorbereitet gewesen sein, aber du hast mich Schutzlos erwischt.", erklärte der Broker mit einem schiefen Grinsen.

Shouto kam schon lange nicht mehr hinterher und stand eigentlich nur irgendwo neben sich und schrie seinen Körper an, etwas zu tun.

Diesen Charmebolzen küssen, zurück flirten, ihn angreifen, wegrennen, irgendwas!

Er blieb weiterhin stehen.

"Wieso willst du ein Held werden? Willst du tatsächlich All Might übertrumpfen? Oder vielleicht Endeavor? Ist es wegen des Geldes? Für den Ruhm? Die Fans?"

Shouto schüttelte den Kopf und schaffte es endlich, seinen Mund zu benutzten.

"Ich... ich will... ich will meinen Vater beseitigen, ja. Aber noch viel wichtiger ist, dass ich Leuten helfen will, denen sonst niemand hilft. Leuten, wie mir."

Genau das hatte Izuku hören wollen.

Und diese Stimme...!
Er musste ein Schaudern unterdrücken.
Sie gehörte ohne jeden Zweifel zu Shouto.

Lächelnd nahm er seine Maske ab und schaute zu dem Helden auf.

"Du hättest mich also gerettet, bevor ich Blut an meinen Händen hatte?"

Shouto musterte den Jungen vor sich endlich genauer.

Surveye hatte neben einigen Kleinen, zwei große Narben im Gesicht, die sich über einem blinden Auge mit leuchtend grüner Iris kreuzten.
Das andere Auge war ebenfalls grün, und doch war es dunkler, mehr wie die Blätter von einem Baum, auf die die Sonne von oben schien, während man unten stand und rauf schaute.

Es war nicht schwer zu erkennen: Der Teenager vor ihm hatte eine schwere Zeit und schlaflose Nächte hinter sich.

Auch wenn der grünhaarige Lockenkopf hinkte, bewegte er sich geschmeidig und das eng anliegende Oberteil ließ gut erkennen, dass sich feste, trainierte Muskelstränge darunter verbargen.

"Hättest du denn früher gerettet werden müssen?", fragte der Teenager mit den verschiedenfarbigen Augen schließlich und ließ das Lächeln des Schurken schmerzhaft werden.

"Ich würde dir gerne sagen: 'Frag die Verursacher, du kennst sie.'
Aber ich weiß nicht, ob mein Plan so gut ist, dass sie drauf gehen, oder ob sie dir noch alles erzählen können. Zudem wüssten dann alle, wer hinter dieser Maske steckt und es wäre wirklich kompliziert, wenn ich mich wieder unter den Lebenden befände, wo doch endlich vor sechs Wochen offiziell gesagt wurde, ich wäre abgekratzt.
Also... ja... ich hätte Hilfe gebraucht.
Als ich noch ein kleiner, hilfloser, verträumter Deku war, brauchte ich Hilfe.
Als ich noch dachte, eine Quirk ist alles, was man im Leben braucht und Helden sind das Größte, da hätte ich wirklich einen Retter benötigt.
Jetzt brauche ich keine Helden mehr. Ich bin quirklos, na und?
Aber... ich wünschte fast, mich hätte damals jemand gerettet und verhindert, dass ich springe, aber... mal wieder... ich war nur ein Scheißnerd und der Freak, Deku.",
Surveye seufzte und seine Schultern sanken nach unten, ehe er fortfuhr,
"Und jetzt bin ich Surveye. Lehrling und Erbe von dem Herokiller Stain. Ein berühmter Schurke und Broker. Ich habe der League den Plan gegeben, der jetzt schon drei Personen das Leben gekostet hat und ich habe Stain bei fünfzehn seiner Morde unterstützt."

Shouto wusste nicht, ob er angewidert, oder traurig sein sollte. Er empfand eine verwirrende Mischung von beidem.

Surveye war so alt wie er.

Dieser Junge vor ihm hatte eine ähnliche Narbe und war sogar, genau wie er selbst, zur Hälfte blind.
Er hatte überhaupt keine Familie, nur einen Mörder, der ihn ausbildete.
Aber er war frei und konnte machen was er wollte.

"Ich werde fragen.", meinte er auf einmal und ließ den Schurken erstarren.

"W... was?"

"Ich werde in der Klasse fragen, ob sie schon einmal jemanden kannten, der wirklich Hilfe benötigte."

Surveye fing an zu lachen.
Es klang kaputt und rau, als wäre das letzte Mal Ewigkeiten her. Wahrscheinlich war es auch so, genau wie bei ihm selbst.

"Frag ruhig, ich wette, sie erinnern sich nicht mehr an mich."

"Und wenn doch?"

Der Blick des Einäugigen wurde traurig und ernst, das leichte Lächeln verschwand vollständig von seinen Lippen.

"Dann wüsste ich es gerne...
Ach ja, wenn du mich kontaktieren willst, weil du Training, Informationen oder anderweitig Hilfe brauchst - vielleicht mit deinem Vater oder so...",
Surveye reichte ihm eine kleine Karte,
"... melde dich einfach. Und bitte verrate mich nicht.
Das ist das Beste, was ich aus meinem Leben machen konnte."

Dann wandte der Schurke sich zum Gehen, drehte sich aber noch einmal um.

"Ach ja. Du kannst die Feuer-Zone ungehindert verlassen. Ich werde alle Schurken aus dieser Gegend abziehen. Neben dir sind noch zwei andere da: Tsuyu Asui und Fumikage Tokoyami. Ihm geht es gut, nur ein paar Stichwunden, aber nichts, was ihn umbringt, oder behindert zurück lässt. Um das Mädchen steht es weniger gut. Wenn sie nicht bald gerettet wird, hat ihre letzte Stunde geschlagen. Also sei ein Held und tu' deine Pflicht! Sie befindet sich in einem dieser Häuser."

-Surveye zeigte auf drei lichterloh brennende Gebäude am Straßenrand-

"Es tut mir nicht leid, dass No.13, Mineta Minoru und Tooru Hagakure gestorben sind, aber ich hoffe, sie standen dir nicht zu nah. Falls sie es doch taten, mein Beileid."

Und damit verschwand der Grünhaarige endgültig zwischen den Rauchschwaden und Flammen, wobei er sich seine Maske überzog.

Shouto starrte Surveye, Stains Nachfolger, eine Zeit lang einfach nur nach und versuchte das Gefühl der Vertrautheit abzuschütteln, doch er konnte es nicht.

Dieser andere Junge hatte sich so verhalten, wie er es gerne würde und gleichzeitig nie tun könnte.

Erst dann eilte er auf die Häuser zu, die Surveye ihm gezeigt hatte.

Er wusste, das war eine Prüfung, doch es war die erste, die er auch bestehen wollte.

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Als All Might eintraf, fand er das pure Chaos vor.

Tenya hatte ihm gesagt, dass es übel aussah, doch 'übel' beschrieb es nicht einmal annähernd.

Eraser Head lang blutend und bewusstlos auf der Mitte des Plaza, ein eigenartiges Vogelmonster hockte über ihm.

"Habt keine Angst mehr. Wieso? Denn jetzt bin ich da!", rief er und machte so alle Anwesenden auf sich aufmerksam.

Hitoshi und Momo waren die einzigen, die sich neben dem anderen Helden und den ganzen Schurken auf der Plaza befanden, alle anderen Schüler fehlten.

Beide hatten Schrammen, Beulen, Platzwunden und Blutergüsse.

Der Held spürte, wie Wut in ihm hochkochte.

Erwachsene, ausgebildete Helden zu attackieren war das Eine, aber sich ganz bewusst an schutzlosen Kindern zu vergreifen, weil sie sich aufgrund ihrer zukünftigen Bildung anboten, war mehr als nur falsch oder böse!

Mit einem Sprung war er bei den Schülern und seinem Kollegen und brachte sie zum Eingang.

Yaoyorozu hatte rote, leicht geschwollene Augen und sah so aus, als hätte sie bitterlich geweint und der normalerweise gelangweilte Shinso wirkte zutiefst verstört.

"S-sie... die... sie... All Might!", das Mädchen schaffte es nur, sich schluchzend an ihn zu klammern, während der Junge da saß, als wäre er eine Puppe oder ein Opfer seiner eigenen Quirk.

"Sie sind tot.... ich fasse es nicht... sie können doch nicht tot sein... das war nur ein Bluff, oder? Die können keine Schüler töten... oder Lehrer... das geht nicht... sie sind nicht tot..."

Das Zeichen des Friedens hörte besorgt dem wirren Gerede zu.

Diese Schüler hatten jemanden sterben sehen, so viel war sicher.
Und wahrscheinlich dachten sie jetzt, dass allen anderen dasselbe Schicksal zuteil gekommen war.

"Bitte bleibt hier und verhaltet euch ruhig.", murmelte er, "Haltet Aisawa am Leben, bis Verstärkung kommt, sie ist schon auf dem Weg."

Danach richtete er sich auf und wollte gerade nach unten springen, als sich ein erstaunlich fester Griff um sein Handgelenk legte.

"Bitte warten Sie. Die Schurken... sie sagten... sie... sie sagten... sie würden... sie würden Sie... ... töten... das sagten sie... die würden sowas nicht... sowas sagt man nicht... das sagt man nicht grundlos.
E-es hat Aizawa-Sensei herumgeschleudert, als wäre er ein Spielzeug. Bitte bleiben Sie hier und warten Sie.", die Augen des Lilahaarigen Jungens wirken zersplittert und unfokusiert.

Doch der Held verstand auf einmal, was los war: Seine Schüler waren Lockmittel.

Er biss die Zähne zusammen. Das war krank! Und es klang so sehr nach ihm !

Irgendwo in dem restlichen Gebäude mussten die ganzen anderen Schüler sein. Er konnte nur hoffen, dass es ihnen gut ging, jetzt war erstmal der Kopf der Aktion das Ziel.

Schnell sprang er wieder herunter und wollte sich auf den mit Händen bedeckten Mann stürzten, doch das Vogelmonster schmiss sich dazwischen und... steckte den Detroit Smash einfach weg.

Immer wieder versuchte er einen guten Schlag zu landen, doch das Ungeheuer heilte schnell und war schwer zu verletzten.

Bevor er es wusste, wurde er von der Kreatur mit einem festen Griff gepackt und so zu Boden gedrückt, dass er sich nicht wehren konnte.

Der Mann, den er eigentlich mit seinem Schlag hatte treffen wollten, streckte seine Hand nach ihm aus.

"Das heißt dann wohl: Sayonara, All Might, Symbol des Friedens."

Und dann kam das Feuer und das Eis.

Das Monster wurde von Eis verschlungen während sich ein Feuerwall zwischen seinem Gesicht und der nach ihm ausgestreckten Hand aufbaute.

Erst dachte er, Endeavor wäre gekommen, doch es war Shouto, der ihn entschlossen musterte.

Schnell befreite der Held sich aus dem gelockerten Griff und eilte auf seinen Schüler zu.

"Tokoyami ist ein wenig weiter hinten und trägt Asui. Sie ist schwer verletzt und vollkommen überhitzt, dazu hat sie viel Rauch eingeatmet.
Mir geht es, bis auf ein paar Prellungen, gut.
Aber Tokoyami hat an die zwanzig Messerstiche abbekommen, ich habe ihn versorgt so gut es ging, aber die Verbände sind nur notdürftig.
Ich weiß, dass es mittlerweile drei Tote gab und es darf keinen weiteren geben! Darf ich mit Ihnen kämpfen?"

Toshinori war fassungslos.

Todoroki überbrachte grausame Neuigkeiten und tat so, als wäre es normal.

Nein, er wirkte sehr wohl erschüttert, doch er hielt es gut verschlossen und versteckt.

"Greif nicht mehr ein, als nötig und verhinder’, dass du verletzt wirst, Todoroki-Shounen."

Der Junge nickte und ging in Angriffsposition, während der Nummer eins Held erneut los stürmte und einen Schlag nach dem Nächsten auf dieses Monster runter regnen ließ.

Das Vogelungeheuer wurde immer weiter zurückgedrängt und All Might sah fast schon erschöpft aus, als eine graugrüne Gestalt am Rande der Plaza auftauchte, einen roten Schal um den Hals gewickelt und über den Mund gezogen.

Shouto brauchte keine Sekunde, um Surveye zu erkennen.

Und dann tauchte der schwarze Nebel hinter dem fortgeschleuderten Nomu auf und verschwand, bevor All Might nachkommen konnte.

Der blonde Held sah sich verwirrt um.

"WAS SOLL DAS WERDEN?! DAS IST MEINE PARTIE! DA KANNST DU DICH NICHT EINFACH EINMISCHEN!", kreischte der Hand-Man auf einmal und Surveye trat aus dem Schatten heraus.

"Strategischer Rückzug, Shigaraki. Ich rette dir gerade dein Debut."

Im nächsten Augenblick wurde der silberhaarige Mann ebenfalls von dem schwarzen Nebel aufgenommen.

"Ich wünschte, ich könnte mich für die Toten und die Umstände entschuldigen.",
erklang schließlich Surveyes sanfte Stimme,
"Aber ich empfinde sie durchaus als gerechten Preis, um solch einen Kampf zu beobachten. Ich bin ein außerordentlich großer Fan von dir, All Might. Genau wie ich absofort wohl Shouto Todorokis größter Unterstützer sein werde."

"Was bist du für ein Wahnsinniger?", knurrte der Held und ließ die beiden Jüngeren zusammenzucken.

"Ah... stimmt...",
flüsterte der Grünhaarige, kurz abgelenkt,
"Verzeihung, ich ließ meine Aufregung, dich endlich zu treffen, die Oberhand erlangen."

- Damit richtete er sich auf und zupfte seine Kleidung zurecht  -

"Ich bin derjenige, der sich den gesamten Plan für diesen Angriff ausgedacht und alle Daten dafür gesammelt hat.",
erklärte der Maskierte, hielt allerdings am Ende mahnend einen behandschuhten Zeigefinger in die Luft,
"Aber, ich bin kein Mitglied der League, genau wie mein Sensei.
Das will ich klarstellen.
Ich bin der Erbe Stains und habe heute zwei unwürdige Schüler entfernt, leider sind es nicht die, die ich gerne tot sehen wollte, aber es hätte andere treffen können - welche, die es wirklich nicht verdient haben."

Shouto hatte das unbestimmte Gefühl, dass das grüne Auge, welches hinter dem Spiegelglas versteckt war, auf ihm ruhte.

"Stain? Der Herokiller Stain hat einen Erben?", fragte der berühmte Held alarmiert.

Der Einäugige zuckte mit den Schultern.

"Wie es scheint, hat er mich.
Sollte er jemals seine Profession niederlegen müssen, werde ich an seine Stelle treten und seine Ideale weiter vertreten, so lange, bis die Welt sie verinnerlicht und angenommen hat.",
erklärte er,
"Ich würde euch nur gerne um etwas bitten.
Das war das Debut der Legue. Bitte stellt es nicht so dar, als wäre ich Teil dieses kopflosen Affentheaters."

Shouto musste ein Lachen zurückbeißen und er sah das ehrliche Lächeln Surveyes, als der kleine Teenager dem doppelt so großen Helden eine Hand hinstrecken.

"Allen Schülern, die sich nach den Idealen “Hilfsbereitschaft” und “Selbstlosigkeit” entwickeln, droht keine Bedrohung von mir. Ich kann nicht für meinen Sensei sprechen, aber ich habe schon einen Schüler, der für immer verschont sein wird.
Ich würde Sensei, so gut es geht, von allen guten Helden fern halten.
Ich bräuchte nur dein Wort darauf, dass du sie -"

All Might schlug Surveyes Hand weg und der kleine Junge zuckte zurück, als hätte der Held mit der Faust ausgeholt.

"Na gut! Schön! Die Botschaft ist angekommen! Ich gehe!", zischte Surveye und stapfte wütend davon und verschwand hinter einem Gebüsch.  

"Sensei? Darf ich etwas dazu sagen?", erkundigte sich Endeavors Sohn nun vorsichtig.

All Might grunzte nur, als Bestätigung und fing an, in Richtung der Schiffbruchs-Zone zu gehen.

"Sie haben sich da gerade einen sehr gefährlichen und mächtigen Gegner gemacht, den Sie nicht hätten haben müssen.
Er hat die Pläne geschmiedet, damit No.13, Mineta-Kun und Hagakure-San starben."

Der Held erstarrte.

"Was hast du gerade gesagt?"

"Mineta, Hagakure und der Held No.13 sind verstorben. Durch die Pläne von Surveye und die Hände der Mitglieder der League of Villains.", sagte Shouto so ruhig und langsam wie möglich.

Er hatte niemanden sterben sehen und er war froh darüber.
Er wusste, dass er einen Lehrer und zwei Klassenkameraden für immer verloren hatte, doch noch hatte er die Leichen nicht gesehen.

"Jetzt sind diese Schurken abgehauen, bevor man sie zur Rechenschaft ziehen kann!"

Der Jüngere hatte das unterschwellige Gefühl, dass der Held gleich weinen würde.

"Es ist okay... sie müssen ihre Gefühle nicht unterdrücken.", murmelte er leise und berührte sachte den Arm des Mannes.

Doch er wurde von dem Symbol des Friedens abgeschüttelt und alleine stehen gelassen.

Chapter Text

"Sensei. Ich bin wieder zu Hause."

Im Flur streifte er die Schuhe ab und hängte den Mantel auf, unter dem er sein Kostüm versteckt hatte.

"Gut.", Stain klang so, als würde er versuchen seine Wut zu unterdrücken und Izuku schluckte.

Anscheinend hatten die Nachrichten schon gezeigt was passiert war.

Tatsächlich traf der Junge den Killer vor dem Fernseher an, die Nachrichten zeigten gerade, wie Krankenwagen und Leichenwagen von dem USJ wegfuhren.

"Du bist mit keinem Wort erwähnt worden.", erklärte sein Mentor und die zitternden Knie des Jungen gaben vor Erleichterung nach.

"Was?"

"Niemand hat auch nur ein Wort über Surveye gesagt, diese Toten sind einzig und alleine auf dem Mist der League gewachsen, laut der Nachrichten. Du hast verdammt großes Glück."

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Stains Erbe den Holzboden an und verarbeitete das Gesagte.

Er war in den Augen der Öffentlichkeit nicht einmal anwesend gewesen.

Es war irgendwie erleichternd, dass er weiterhin nur der harmlose Broker und nicht das böse Genie hinter der Ermordung von einem Helden und zwei Kindern war.

Er hatte eigentlich sein Zeichen in der Kontrollzentrale hinterlassen wollen, doch dann kam ihm der Gedanke, dass es üble Konsequenzen mit sich bringen könnte, also hatte er es gelassen.

Es gab drei Schüler und einen Lehrer die wussten, dass er der Kopf hinter dieser Aktion war, sie könnten es jeder Zeit sagen.

"Worüber denkst du nach, Midoriya?"

"Nichts wichtiges, Sensei.
Das... das war etwas einmaliges, ich werde mich nicht weiter mit der League in Verbindung bringen lassen.
Bitte verzeiht mir, dass ich so dumm war, diesen Plan zu entwickeln, ich wollte nur diese Schüler... die Schule... und... ich hätte es nicht tun dürfen."

Er kroch über den Boden bis er vor dem Mann kniete und dort seine Stirn auf den Boden presste.

"Hey. Ist schon gut. Steh auf und setzt dich zu mir. Aber vergiss nicht, was du heute gelernt hast."

Izuku nickte eilig und setzte sich dann neben dem Mörder auf das Sofa.

"Auch wenn keiner es weiß... sind diese Toten in meinem Keller und ihr Blut an meinen Händen.", murmelte der Grünhaarige und musterte seine Handflächen, als könnte er das Blut dort entdecken.

"Nein. Du hast noch saubere Hände.",

sagte Stain desinteressiert, während er durch die verschiedenen Kanäle zappte,

"Du hast noch niemandem die Kehle aufgeschlitzt, oder ihm ein Messer ins Herz gerammt, aber das wird nicht lange so bleiben.
Das Sportfest kommt bald, der Höhepunkt für die Heldengesellschaft. Wir werden die Party sprengen."

"Wie du willst, Sensei. Ich werde dich bei allem unterstützen."

Die Männer zuckten zusammen, als das Handy des Grünhaarigen laut klingelte.

Schnell kramte er das Gerät hervor und nahm das Gespräch an.

"Hallo, Surveye am Apparat. Wie kann ich dienen?"

"Hast du meine Nummer immer noch nicht eingespeichert?"

"Ah... Grian. Nein. Ich speicher keine einzige Nummer, damit man sie nicht zurückverfolgen kann, falls ich mein Handy verliere oder es mir entwendet wird."

"Verdammt seist du, mit deiner Voraussicht.", brummte der alte Mann am anderen Ende der Leitung.

"So oder so. Ich war erstaunt, deinen Namen nicht in den Nachrichten zu hören."

"Nicht nur du.",

murmelte der Lockenkopf düster,

"Aber mir soll es recht sein. Ich will mein eigenes Debüt.
Und jetzt: Was willst du von mir, Grian?"

"Direkt, wie immer.
Ich habe dir schon 500.000¥ überwiesen. Ich will, dass du mir sagst, welcher Schüler deiner Meinung nach der gefährlichste ist, jetzt, wo du alle gesehen hast."

"Bakugo Katsuki.", sagte er, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Es war eine halbe Lüge, doch Grian konnte das nicht wissen.

"Seine Informationen habe ich übrigens freigestellt.",

hing Izuku hinterher,

"Wenn irgendwer etwas über ihn wissen möchte, bekommt er eine Kopie der Seiten umsonst."

Der Mann am anderen Hörer hustete laut, als hätte er sich an etwas verschluckt.

"Warte... WAS?! Ich hab' mich verhört, oder?! Du rückst Informationen über den vielversprechendsten, zukünftigen Helden UAs ohne Bezahlung heraus?! Du?!"

"Er ist der Gefährlichste. Nicht der Vielversprechendste."

"Meine Güte. Du musst den Kerl echt hassen."

Dann legte der Grünhaarige, ohne jeden Abschied auf und ließ sich tiefer in das Sofa sinken.

Gerade sah es so aus, als würde endlich Ruhe einkehren, da klingelte sein Handy erneut.

Stain, der halb eingeschlafen war, krachte vom Sofa, während sein Schüler wütend auf die grüne Taste drückte.

"WAS?!"

"Oho. Hast du jetzt doch meine Nummer eingespeichert?"

"Nein!"

"Ist dein Boss gerade in deiner Nähe?"

"... wie bitte?"

"Stain? Ist der bei dir?"

"Wieso willst du das wissen?", fragte der Einäugige misstrauisch und schaute kurz zu dem Erwachsenen, der mittlerweile wieder auf dem Sofa lag und es sich gemütlich machte.

"Weil Tomura gerade die Bar auseinander nimmt, weil wir ihn weder auf den Straßen, noch in seiner alten Wohnung finden konnten, die, de facto, vollkommen zerstört, verfallen und verlassen ist."

"Wir leben seit fast vier Monaten nicht mehr dort.", erklärte Izuku mit einem Schulterzucken.

"Wie können die euch erreichen?"

"Suchen.", knurrte Stains Schüler genervt und legte wieder auf, und stellte dann Grian für die nächsten 24 Stunden auf stumm.

"Was ist jetzt wieder los?", murrte Stain, von dem Lärm genervt, da er wirklich dringend schlafen wollte, bevor er heute Nacht mit Izuku den finalen Schritt in dessen Ausbildung machte.

"Die League sucht nach dir.", erklärte Izuku und fing an leise zu murmeln, mit einer Hand am Kinn, wie es typisch für ihn war, wenn er angestrengt nachdachte.

"Dann sollen sie Mal suchen.", meinte er kalt und drehte sich auf die Seite.

Heute Nacht würde niemand wichtiges sterben.
Der erste Mord ist zwar etwas besonderes, aber längst nicht so sehr, wie alle denken, denn er ist dreckig, hässlich und schlichtweg abstoßend.

Töten musste man tatsächlich perfektionieren und lernen.

Der erste Mord, der wirklich als einer zählt und wertvoll ist, ist der, den man vollkommen alleine macht und so perfektioniert hat, dass man ihn der Öffentlichkeit zeigen will.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Shouto saß still an seinem Platz, als ein vollkommen eingegipster Aisawa in das Klassenzimmer rein watschelte.

Es waren neben ihm nur Ojiro, Iida, Yaoyorozu, Shinso, Aoyama, Ashido und Bakugo da.

Alle anderen waren im Krankenhaus, oder bei Seelsorgern.

"Wir werden zwar mit dem Unterricht weiter machen.",
erklärte der Klassenlehrer und nahm hinter dem Pult platz,
"Aber nicht heute.
Es ist bemerkenswert, dass ihr trotz gestriger Ereignisse heute erschienen seid und ihr hättet auch nicht kommen müssen.
Aber ich will ehrlich mit euch sein. Das Sportfest wir trotz allem stattfinden und sofern ihr in der Verfassung dazu seid, werdet ihr auch mitmachen müssen.
Heute werden wir allerdings nur reden."

"Worüber?",
knurrte Bakugo und sprang auf, die bandagierten Arme und Hände auf den Tisch gestützt,
"Es gibt nichts zu bereden! Wir sollten trainieren, damit wir diesen Wichsern das Gehirn wegpusten können, wenn sie wieder angreifen!"

Er hatte sich gestern gewehrt, von den Sanitätern verarztet zu werden, und musste letzten Endes ruhig gestellt werden, damit man ihn versorgen konnte.
Doch Shouto hatte gehört, dass sein Klassenkamerad mit einem Amoklauf gedroht hatte, damit man ihn entlässt, nachdem er wach war.

Momo brach bei Katsukis Geschrei in Tränen aus und Hitoshi hielt sich die Ohren zu.

Shouto seufzte und legte den Kopf auf seine Arme.

Die Klasse würde um einiges schrumpfen, jetzt, wo sie alle gesehen hatten, wie gefährlich es wirklich werden konnte

Jemand berührte ihn an der Schulter und der Junge mit dem zwiegespaltenen Haaren schaute auf, Aizawa stand vor ihm.

"Wie geht es dir, Todoroki?"

"Gut, im Vergleich zu den anderen. Einer der Schurken, die in der Feuerzone waren hatte wohl eine höhere Position.
Er klang sehr nach einem Stalker, so, wie er mit mir sprach, aber ließ mich nach einem Gespräch entkommen und gab mir einen Hinweis, wo ich Tsyu-Chan finden kann und wie es Fumikage-kun geht. Er hat mir auch erzählt, wer alles gestorben ist. Ich habe schon mit der Polizei über ihn gesprochen.",
Endeavors Sohn dachte kurz nach und sagte schließlich das, was ihn schon die ganze Zeit verfolgte,
"Surveye hat seine Maske vor mir abgenommen."

Die ganze Klasse starrte ihn jetzt an, doch er ignorierte es und berührte vorsichtig seine Narbe.

"Er hatte auch eine ziemlich üble Narbe im Gesicht und er wirkte so... es war, als würde ich einer bösen Version von mir gegenüberstehen - dabei war es nicht einmal sein Aussehen, sondern einfach nur sein Gesichtsausdruck und was er gesagt hat und die Art, wie er es sagte."

"Du wirst ihn wohl auch an sich erinnert haben.",
murmelte Aizawa,
"Diese Begegnungen vergisst man nie und man sollte es auch nicht.
Solche Schurken zeigen einem, was man hätte werden können, wenn man falsch abgebogen wäre."

"Ich glaube nicht, dass er vollkommen freiwillig so geworden ist, sonder viel mehr, dass er sich dazu gezwungen sah.
Er meinte, er wäre quirklos und dass das das Beste wäre, was je aus ihm werden könnte."

Betretenes Schweigen senkte sich über die Klasse, doch Bakugo unterbrach es mit einem leise gemurmelten: "Diese quirklosen Leute sind alle bescheuerte Vollidioten!"

"In der Tat scheinen sie zu den falschen Entscheidungen zu neigen.", stimmte Iida Bakugo zu.

Weder die Schüler, noch ihr Lehrer, verstanden, was gerade los war.

Tenya und Katsuki waren sich bei etwas einig?!
Ausgerechnet die Beiden, die sonst über alles stritten!?

'Ich würde dir gerne sagen: "Frag die Verursacher, du kennst sie."' , rang Surveyes Stimme durch sein Gedächtnis.

Die Gründe, weshalb ein Teenager in seinem Alter ein Schurke wurde, waren Helden in Ausbildung.
Es waren Iida und Bakugo. Da war Shouto sich plötzlich sicher.

"Vielleicht sollten wir uns dann

Mal im Unterricht mit Statistiken zu Quirklosen beschäftigen.",

meinte Aizawa und nahm an dem freien Tisch neben Todoroki platz,

"Ich frage kurz, ob der Computerraum offen ist. Sich mit dem neuen Gegner zu beschäftigen, klingt nach einem guten Plan."

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Nervös sah Izuku sich in der Gasse um.

Stain stand neben ihm und hatte eine Hand auf seine Schulter gelegt, um ihn ein wenig zu beruhigen.

"Du weißt, was du gleich machen musst?"

Der Grünhaarige schluckte schwer und nickte, während er den Griff um sein Armeemesser nochmal korrigierte.

Sein Herz raste in seiner Brust, drohte zu platzen.

"Spürst du das? Wie dein Herz schlägt?"

Wieder nickte er nur, allerdings schwächer.

"Gut. Jeder Mord ist wie ein Wettrennen; dein Herz, gegen deren.

Am Ende wird nur noch eines schlagen, stell sicher, dass es deines ist."

Zittrig atmete der Teenager aus und lächelte seinen Mentor verwackelt an.

"Schließ deine Augen und konzentriere dich. Bald wird sie kommen und dann hängt es von dir ab."

Der Einäugige nickte knapp und atmete immer wieder tief durch, bis sein Herz ein wenig ruhiger schlug und sein Gehirn vernünftig mit Sauerstoff versorgt war.

Er hörte die Schritte der falschen Heldin vor der Gasse und trat einen Mülleimer um, und schmiss sich gegen eine Wand, wobei er eine Hand vor seinen Mund hielt und ein ersticktes 'Hilfe' hervor stieß.

Stain nickte, als er das Schauspiel seines Schülers sah.

Midoriya war von Anfang an ein guter Akteur gewesen und hatte auf diese Weise viele Helden angelockt.

Die Schritte der Frau kamen näher und der Mörder lehnte sich mit aufmerksamen Blick gegen die Wand.

Izuku hatte die Frau ausgewählt, weil er herausgefunden hatte, dass sie mehrere Kinder nicht gerettet hatte, obwohl diese auf ihrer Route und auf offener Straße vergewaltigt worden waren, während sie eine Patrouille hatte.

Als die Frau in Sichtweite war, zog Izuku sich seine Maske über und blieb still stehen.

"Wer bist du?", fragte sie zittrig und legte eine Hand auf die Wand neben sich.

Der Grünhaarige drehte sich um, den Schal in der Maske eingehakt.

"Guten Abend. Mein Name ist Surveye und Sie haben das Glück, für all ihre Sünden zu zahlen, indem Sie Ihr Leben für einen guten Zweck verlieren."

Die Frau stolperte zurück und wollte den Mund öffnen, doch Izuku war schon los gesprungen und hatte sie innerhalb eines Augenblicks überholt.

Eine Hand presste er auf ihren Mund, mit der Anderen drückte er das Messer an ihre Kehle.

"Ich weiß alles über deine Quirk und du wirst sie nicht einsetzten!", zischte der Teenager während die Frau mit den Beinen strampelte und versuchte, von ihm weg zu kommen.

Er drückte die Klinge fester an ihren Hals und schleifte sie tiefer in die Gasse hinein.

Stain folgte seinem Schützling, um sicher zu gehen, dass der Mord sich richtig entwickelte.

Der Junge warf die braunhaarige Frau zu Boden, die einen kleinen Schnitt ihrem Hals hatte.

Der Mörder war beeindruckt.

Izuku hatte es geschafft die Stimmbänder der Heldin 'Banshee' zu verletzen, ohne dass sie verblutete.

Izuku saß auf dem Bauch der Frau, die Hand, die das Armeemesser umklammerte, zitterte wie ein vertrockneter Ast im Sturm und man konnte sehen, dass der Junge in Sturzbächen schwitzte.

Die Frau krächzte und schüttelte mit tränenden, weit aufgerissenen Augen den Kopf.

Izuku atmete zweimal scharf und hörbar ein, ehe er das erste Mal auf die Frau einstach und das Messer tief in ihrem Körper versenkte, genau in ihren Oberkörper.

Blut breitete sich um die Wunde aus und der Teenager zog keuchend und zitternd die Waffe aus dem Fleisch, ehe er sich Hilfesuchend nach Stain umsah.

Der Herokiller nickte seinem Erben nur aufmunternd zu.

Izuku musste von selbst darauf kommen, wie er weiter machen musste.

Der Maskierte wandte sein Gesicht wieder seinem schluchzenden Opfer zu und legte den Kopf ein wenig schief.

Er merkte, wie es in seinem Brustkorb eng wurde und atmen schwerer wurde.
Angst stieg in ihm auf.

Was sollte er tun?! Was machte Stain immer?!

Wieder zustechen.
Schneiden.
Der Mörder ließ seine Opfer bis zum letzten Atemzug für ihre Vergehen leiden.

Zittrig umklammerte er sein Messer und holte erneut aus.

Das Geräusch, als die Klinge sich in den Körper bohrte war widerlich schön.

Der Widerstand, der sich durch Knochen, Sehnen, Haut und Muskeln bildete, war auf makabere Art faszinierend.

Der kupferne Geruch des Blutes und der Gestank des Urins, hatten etwas ekliges und zugleich berauschendes an sich.

Das Schluchzen und Zittern des Opfers, die Angst und Verzweiflung, die es ausstrahlte, machten den Moment vollkommen überirdisch höllengleich.

Das Schmatzen, Reißen und Schreien, als er die Klinge wieder aus der Wunde, die sie geschlagen hatte, zerrte, jagte ihm Schauder über den Rücken.

Und trotzdem bekam er nicht genug, also nahm er sich mehr.
So lange, bis die Gestalt erschlaffte und aufhörte, sich zu wehren.

Keuchend setzte er sich auf und schloss seine Augen, den Kopf in den Nacken gelegt.

Sein Herz schlug rasend schnell und wurde mit jedem tiefen Atemzug ein wenig langsamer, bis es konstant und gleichmäßig schlug.
Es fühlte sich so an, als würde es zum ersten Mal schlagen; als wäre es ein vollkommen neues Herz.

Lange saß er einfach nur da, irgendwann wurde der Körper unter ihm kälter, doch er fand nicht die Kraft, seinen Muskeln einen Befehl aufzuzwingen.

Und dann fiel plötzlich alles in sich zusammen, das Hoch wurde weggepustet, wie eine Dunstwolke vom Wind und er riss die Augen auf, zerrte sich die Maske vom Kopf und starrte entsetzt auf die Tote unter sich.

Da war so viel Blut...

Sie atmete nicht mehr.

Ihre Augen...

Izuku schluckte und merkte, wie sein Magen sich umdrehte.

Schwankend stand er auf und stolperte von der Leiche weg.

Eine Hand hielt ihm einen Eimer hin und er fragte nicht weiter, griff sich einfach den Behälter und entleerte seinen Mageninhalt hinein.

Keuchend und zitternd starrte er auf die Straße zwischen seinen Knien und versuchte den Anblick dieser Augen zu verdrängen.

Hatte er gelacht, als er das gemacht hatte?!
Bitte lass ihn nicht gelacht haben!

Er wusste es nicht.

Die ersten Tränen fielen, doch sie versiegten sofort wieder.

Da klebte etwas schwarzes... glänzendes... am... an dem... Eimer. War das... war das etwa... könnte es... Blut?

Mit einem erschrockenen Laut versuchte er von dem Eimer weg zu kommen, seine Hand berührte dabei etwas kaltes, zähes, klebriges.

Seine Augen wurden immer größer und er wandte seinen Kopf langsam zu seiner Hand, welche vollkommen schwarz war. Genau wie die Pfütze, in der sie sich befand.

Seine Lungen rangen um Luft, er atmete immer wieder schnappend ein, bei dem Versuch, an Sauerstoff zu gelangen.

Ihm wurde schwindelig während das Zittern immer schlimmer wurde.
Alles drehte sich und blinde Flecken tauchten in seiner Sicht auf.

Ein Knall und plötzlicher Schmerz rissen ihn aus dem Tunnel der Panik.

Verstört schaute er zu Stain auf, der ihn ernst betrachtete.

Endlich bekam er wieder Luft.

Tränen sammelten sich in seinen Augen.

"D-d-dad!", schluchzte er und warf sich heulend an die Beine des Erwachsenen, krallte sich in die schwarze Hose und kniff die Augen zu, um dem Alptraum zu entkommen.

Finger suchten sich sanft einen Weg durch seine Locken, zu seinem Kopf und ließen ihn endlich ein wenig entspannen.

"Du warst wirklich gut, Izuku. Aber du musst es zu Ende bringen.", erklärte der andere Mörder behutsam und löste den Teenager mit sachten Griffen von seiner Kleidung.

Mit verweinten Augen schaute Izuku zu seinem Mentor auf, seine Unterlippe zitterte.

Der Mann kniete sich vor seinen Schüler, der nicht einmal registriert hatte, dass er ihn gerade seinen Vater genannt hatte, und strich ihm weiterhin beruhigend durch die unzähmbare Frisur.

"Sieh sie dir an, Izuku.

Schau dir an, was du getan hast. Nimm es an. Du hast etwa gutes gemacht. Du hast gerade fünfundzwanzig Kinder gerächt, die ihre Unschuld und ihr Leben verloren haben. Daran ist nichts schlechtes."

Endlich beruhigte der Kleinere sich und nickte schwach, ehe er sich auf die Füße helfen ließ.

"Ich werde genau hinter dir sein.", flüsterte Stain und rieb dem Jungen vor sich über den Rücken.

Izuku holte tief Luft und schloss für einige Herzschläge die Augen, ehe er sich entschlossen umdrehte und die flasche Heldin, die nun ihre gerechte Strafe erhalten hatte, betrachtete.

Er hat das Richtige getan.

Der Lehrer betrachtete seinen Schüler aus der kurzen Entfernung und nickte.

Als er Izuku Midoriya, alias Deku, auf der Straße gefunden hatte, war er ein kleiner Junge gewesen, der mit nichts geboren worden war.
Ein Kind, das nichts besaß, außer einer schlechten Vergangenheit und einem brillanten Kopf, mit dem es nicht umgehen konnte.
Jetzt stand vor ihm ein stolzer, junger Mann, mit einem festen Ziel und dem Wissen um seine Fähigkeiten.

Die grünen Augen glühten in der Dunkelheit.

"Ich habe es endlich verstanden, Sensei. Wir können gehen.", erklärte Izuku und kam auf ihn zu.

Es war fast ein wenig schmerzhaft für den Mann, dass sie sich wieder in der Lehrer-Schüler und nicht in der Vater-Sohn Beziehung befanden.

Von der Wand aus, der Izuku den Rücken zugekehrt hatte, starrte die beiden Mörder ein schwarz-glänzendes, durchkreuztes, blindes Auge an.

Chapter Text

Es dauerte eine Woche, bis alle lebenden Schüler der Klasse 1A zurück im Unterricht erschienen.

Die Stimmung war... angespannt. Wenn man es denn freundlich formulieren wollte.

Die Lehrer versuchten es für ihre Schüler so erträglich wie möglich zu gestalten, doch jeder verarbeitet sein Trauma anders und das wussten die Lehrer der UA nur zu gut, da sie alle diese Phase schon hinter sich gebracht hatten.

Da waren solche Leute wie Katsuki Bakugo, die sich in ihrem Hass begruben und arbeiteten, bis sie umfielen, nur um wieder aufzustehen und mit genau der gleichen, selbstzerstörerischen Methode weiter zu machen.

Andere gaben, nachdem sie realisierten, was geschehen war, auf: Hanata Sero verließ die Schule. Zu verstört davon, die Leiche seines guten Kumpels entdeckt und ausgegraben zu haben.

Dann waren da natürlich diejenigen, die weinten, bis sie keine Tränen mehr hatten und sich in einem tiefen Loch der Trauer versenkten.
Momo Yaoyorozu gehörte zu dieser Sorte von Mensch, wie man feststellen musste.

Mache werden vollkommen apathisch und tun nicht mehr, als sie als nötig wahrnehmen, sprechen wenig und verhalten sich kalt - so wie Kojoka Jiro.

Mina Ashiro, war wiederum der Typ von Trauerbewältigung, der sich an allem die Schuld gab und auch nicht darüber argumentieren ließ.

Hitoshi Shinso war einer der wenigen Schüler, die es wirklich in kürzester Zeit schafften, auf gesunde Art und Weise, zu der Phase der Akzeptanz zu kommen und zu sagen 'Wir sollten uns an sie erinnern, aber sie nicht unser Leben kontrollieren lassen'.

Und dann war da Shouto Todoroki.

Der Junge stellte die gesamte Lehrerschaft vor ein Rätsel.

Man plante, Test auf verschiedene Persönlichkeitsstörungen zu machen, denn etwas in diese Richtung würde das ungerührte Verhalten des Jungen am Besten erklären.

Doch bisher hat der Teenager sich jedem Gespräch und Test verweigert und zwingen konnten sie ihn auch nicht.

Aizawa hatte erklärt, was Shouto in der ersten Stunde nach dem Angriff gesagt hatte und viele Lehrer tippten auf PTBS.

Als noch in derselben Nacht der Mord an Banshee begangen wurde, waren die Helden geschockt.

Surveye hatte sein Zeichen bei der Leiche hinterlassen, dazu einen Brief, den mittlerweile ganz Japan mehr oder weniger auswendig kannte.

In Folge von vielen Jahren des Leidens, habe ich den Auslöser der Falschheit unserer Gesellschaft endgültig in den Fokus genommen und beschlossen, ihn auszurotten.
Ich war derjenige, der der 'League of Villains' den Plan gab, den sie zum Überfall des USJ verwendeten und ich bin weder stolz, noch schäme ich mich, dass zwei Schüler und ein Held aufgrund meiner Überlegungen starben.

Doch werde ich nie wieder den Fehler begehen, einem anderen Ziel, als dem meinen und dem meines Mentors zu dienen, welches sehr viel hehr ist, als das der League.
Viele Helden haben sich schuldig gemacht, indem sie “Unbedeutende”, “Wertlose” und Meinesgleichen ignorierten, in dem Streben nach Ruhm und Profit.
Letztenendes macht einen wahren Helden unvoreingenommene Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft aus, wie All Might und einer seiner Schüler sie besitzen.
Ich, Surveye, erkläre als Schüler des Herokillers Stain, hiermit allen falschen Helden den Krieg.
Ich werde jeden Einzelnen von euch auslöschen, indem ich meinen Sensei unterstützte, persönlich gegen euch vorgehe und andere, mit meinem Wissen, gegen euch antreten lasse.

Es war widerlich, den Text zu lesen, trotzdem hatte Aizawa seine Schüler durch eine Analyse dieses Briefs geschleift, damit sie begriffen, gegen wen sie kämpften und wieso.

Shouto hatte nach dem Unterricht mit seinem Klassenlehrer noch einmal intensiver über die Nachricht des Killers gesprochen.

Das Interesse an Surveye von Endeavors Sohn war besorgniserregend, da es sich nicht einschätzen ließ.

Niemand außer Shouto wusste, was in seinem Kopf vorging, doch viele wollten wissen, was dieser Schurke Shouto bei dem USJ Vorfall erzählt hatte.

Dieses Treffen hatte auf jeden Fall einen Hebel in dem Teenager umgelegt und ob das gut gewesen war, wurde immer fraglicher.

Shouto fing öfters Streit mit seinen Klassenkameraden an - vor allem mit Tenya und Katsuki - und hatte deswegen auch schon Nachsitzen müssen.

Er tauchte vier Tage nach dem Angriff mit neuer Frisur in der Klasse auf.

Die Hälfte, die rot gewesen war, hatte er sich schwarz färben lassen, dazu kam ein Undercut, Ohrstecker und Piercings.

Alle bemerkten den Stilwechsel, keiner wusste, was er hieß, bis Shouto an diesem Tag etwas anderes, untypisches machte:

Er verwandte bei dem Training sein Feuer.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Izuku wurde, nach seinem ersten Mord, jede Nacht von Stain mitgenommen, um mehreren Fake-Helden über die Nacht hinweg aufzulauern und sie zu töten, oder zu verstümmeln.

Anfangs bekam der Einäugige es nicht hin, seine Opfer am Leben zu lassen und bei dem ersten, wo es funktionierte, hielt er es nicht aus und gab ihm unter Tränen den Gnadenstoß.

Erst drei Nächte später gelang es ihm, einfach die Zähne zusammen zu beißen und weg zu gehen, während der Möchtegern-Held in der Gasse schluchzte und schrie.

In seiner Freizeit bereitete er sein Zimmer für das Sportfestival der UA vor.

Überall hingen weiß-schwarze Girlanden und Fähnchen, dazu wurden Softdrinks, Chips, Popcorn, Schokolade und andere Snacks gebunkert, außerdem erwarb er diverse Lärmmacher, die man gerne zum Anfeuern bei solchen Festivitäten verwendete.

Sein Computer war durchgängig am laufen und auf der Ticketverkauf-Website, damit er bloß nicht den Start verpasste.

Er hatte mit Stain abgemacht, dass sie die Nacht davor in Hosu einen Helden angriffen und eine Woche lang dort in ein Hotelzimmer eincheckten, um auch einmal in einer anderen Stadt ihre Nachricht zu verbreiten.

Izuku war begeistert gewesen, als Shouto ihn tatsächlich zwei Tage vor dem Sportfest anrief und darum bat, dass sie sich am nächsten Tag in der Stadt treffen.

Natürlich sagte er zu.

Am nächsten morgen stand der Grünhaarige um drei Uhr in der Frühe auf, weil der Shop eröffnet wurde und er konnte stolz behaupten, der Erste gewesen zu sein, der sich ein Ticket gekauft hatte, und dazu noch eins der teuersten, mit einem Sitz, bei dem man super Aussicht auf Bildschirme, Bühne und Heldenloge hatte.

Erst danach ging er duschen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Nein. Nein. Nein. Nein! NeinNeinNein! NEIN! DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN!"

Flehend schaute der Einäugige zur Decke herauf.
Sie gab ihm weder ein Zeichen, noch eine Antwort, auf seine Verzweiflung.

Das Problem war Folgendes:
Er hatte überhaupt nichts zum anziehen, aber er konnte auch nicht nackt zu seinem Date erscheinen.

Hinter ihm war der ganze Inhalt seines Schranks auf dem Boden verteilt.

Er hatte sich jedes Oberteil vorgehalten, jede Hose anprobiert - alles sah scheiße aus!
Sogar seine Lieblingsklamotten erschienen ihm unpassend - es waren ein weißer Hoodie mit dem Aufdruck 'Formeller Anzug' und eine schwarze Jogginghose - und er würde die wahrscheinlich sogar dann tragen, wenn er den Nobelpreis erhielt!

Er vergrub seine Finger in seinen Locken und raufte sich die Haare.

In einer Stunde müsste er bei dem Café sein, er brauchte zehn Minuten dorthin und er fand nichts zum Anziehen!

Ihm war nach Schreien zu Mute.
Vielleicht sollte er wirklich losschreien? Möglicherweise lockt das eine Gute-Mode-Fee oder etwas in diese Richtung an?

Okay. Er war am Panik schieben. Und zwar so richtig!!!

Ob es albern war, dass er, ein Serienkiller und Verteter eines wertvollen Ideals gerade einen teenagertypischen Klamotten-Wahnsinn hatte?
JA!
Dagegen wehren konnte er sich allerdings auch nicht.

Er wühlte sich ein weiteres Mal durch die Stoffberge und suchte etwas, dass auch date-tauglich war, erfolglos.

"Scheiße. Shit, shit, shit! Was mache ich jetzt?!"

Ein verzweifeltes Lachen bildete sich in seiner Kehle.

"Ob ich absagen soll? Das kann ich doch nicht machen! ... oder?"

Gestresst fuhr er sich durch seine Haare und suchte mit seinen Augen den ganzen zerwühlten Haufen ab.

Es musste ja nicht extremst schick sein.

Kurz entschlossen griff er sich einen unbeschrifteten, weißen Hoodie und eine schwarze Jeans (seine einzige), welche extrem viele Taschen hatte.

Als er sich damit im Spiegel betrachtete, musste er in einem Anfall von hysterischem und morbidem Humor kichern.

Er hatte sich dann wohl bei seinem ersten Date für den Jeff-The-Killer-Look entschieden und er hatte sogar Messer dabei!
Allerdings nicht nur ein einzelnes, harmloses Küchenmesser.

Seufzend spritzte er sich im Bad kaltes Wasser ins Gesicht, um seine Nerven zu beruhigen und die roten Flecken zu vertreiben.

Es konnte nur ein Desaster werden.

Eilig versuchte er seine Frisur wenigstens geringfügig zu ordnen, auch das gelang ihm nicht wirklich.

Im Flur zog er schnell seine Schuhe an, welche durch ihre rote Farbe vom JTK-Look abwichen.

Er hinterließ auf dem Tisch noch einen eilig beschmierten Zettel, wo er erklärte, dass er vor 22 Uhr wieder zurück sein würde und genug Geld dabei hatte, dann knallte auch schon die Tür hinter ihm zu und Izuku hüpfte mit schnellen Schritten die Stufen herunter.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Er brauchte zum Café nur sieben Minuten und war neun Minuten vor verabredeter Zeit da, wie ihm seine Taschenuhr verriet.

Jup. Taschenuhr.
Wie der Hase aus 'Alice im Wunderland' eine hatte, allerdings weniger groß und aus versilbertem Messing.
Ein wirklich wunderschönes Exemplar, dass er für einen albernen Preis in einem Antiquitäten-Laden gefunden hatte, der zwei Tage später geschlossen wurde.

Izuku empfand es einfach um einiges angenehmer, die Uhr fest in der Hand zu halten, anstatt sie ständig um sein Handgelenk zu tragen.
So musste er manchmal stehen bleiben und sich eine Sekunde lang konzentrieren, um auch wirklich nach der Zeit zu sehen.

Er ließ die Uhr in einer der vielen Taschen seiner Hose verschwinden, bevor er den Laden betrat und sich einen abgelegenen Tisch suchte.

Er hatte seine Kapuze nicht auf und trug auch keine Atemschutzmaske, wie er es häufig tat.
Heute versteckte er wirklich nur sein Auge und seine Narben mit einem Verband.
Wahrscheinlich musste man nicht anmerken, dass er das sonst nie tat und sich deswegen seltsam entblößt fühlte.

Es dauerte eine kleine Weile des Wartens, die er sich mit dem Mustern des Lokals vertrieb, bis Todoroki die Tür öffnete und sich suchend umschaute.

Sobald er den Schurken ganz hinten im Café entdeckte, hellte sich sein Gesicht auf, wurde jedoch sofort wieder düster, als er den Verband sah.

Izuku gab sich gedanklich eine Ohrfeige, als er Shoutos besorgte Mimik sah.

Wahrscheinlich dachte er jetzt aufgrund der Bandage, dass der Einäugige sich im Gesicht verletzt hatte.

"Hey.", begrüßte er lächelnd den Jungen, der auf ihn zukam, "Sorry, falls dich das-"
- er zeigte auf die weißen Tücher, die sein halbes Gesicht versteckten-
"-erschreckt haben sollte. Ich wollte nur nicht, dass jeder mein Gesicht sieht."

Er musterte den Jungen vor sich, der wirklich extrem heiß aussah.

Der UA Schüler hatte seine weiß-schwarzen Haare zur schwarzen Seite gekämmt und zeigte so, dass er in dieser Woche auch ein 'Tattoo und Piercing' Studio besucht hatte.

Er hatte einen kleinen, schwarzen Ohrstecker und dazu noch zwei Metallringe an der Ohrmuschel.

Als Klamotten trug Shouto eine schwarze Lederjacke mit ein paar Ketten und Stacheln, darunter ein weißes Shirt, das mit einem hellgrauem Totenschädel bedruckt war, der mehr aussah, als wäre er mit Wasser auf den Stoff gemalt worden.
Dazu eine schwarze Jeans mit Löchern und einer verwaschenen Optik und zu guter Letzt schwarze Converse, die auch ein paar Stacheln und einen Jeanslook hatten.

Izuku starrte einen Ticken zuuu lange und kaute sich etwas zu auffällig auf der Unterlippe herum.
Aber wer konnte es ihm schon verübeln?

"Hallo.",

sagte der Größere, der sich ihm gegenüber auf die Bank fallen ließ, 

"Ich hoffe, du musstest nicht lange auf mich warten. Danke, dass du gekommen bist. Und es hat mich in der Tat erschreckt, aber wenn nichts passiert ist, kannst du ja auch den Verband wegmachen."

Der Einäugige blinzelte einige Male, ehe er schließlich noch einmal nachfragte, um sicher zu gehen: "Ich soll den Verband abnehmen?"

Der heterochrome Teenager zuckte mit den Schultern.

"Ich fände schön, wenn du es tun würdest. Ich hatte das letzte Mal keine Gelegenheit, dich bei gutem Licht zu sehen und würde es, um ehrlich zu sein, gerne jetzt tun.
Aber wenn es dir nicht passt, kannst du natürlich auch den Verband lassen."

Der Grünhaarige überlegte rasend schnell hin und her, wog Vor- und Nachteile ab und hob schließlich seine Hände, um den Knoten des Verbandes zu lösen.

"Ich nehme es ab, aber du musst trotzdem bleiben und darfst nicht einfach abhauen. Du hattest deine Chance, den Tag mit mir, ohne meine Narben, zu verbringen!",
erklärte Stains Nachfolger mahnend und wickelte dann vorsichtig die Mullbinde ab.

Shouto lächelte ihn an, als er fertig war.

"Weshalb hätte ich verschwinden sollen? Du siehst gut aus."

Die Röte stieg unaufhaltsam immer weiter in Izukus Wangen an und der Grünhaarige war sich sicher, er leuchtete jetzt schon wie eine reife Tomate.

"Was kann ich euch bringen?", erkundigte sich der Kellner, der auch endlich Zeit für das etwas andere Pärchen in der hintersten Ecke gefunden hatte.

"A-ah. Uhm... für mich e-eine heiße Schokolade mit Sahne und Marshmallows, b-bitte.", stammelte Izuku und lief noch Röter an.

"Ich nehme einen Latte Macchiato.", warf Shouto desinteressiert hinterher und der Kellner verschwand schnell wieder, als er merkte, dass der Größere nicht freundlicher werden würde.

Der Kleinere kam einfach nicht um den Gedanken, dass ihre Rollen von Aussehen und Verhalten her sehr wohl vertauscht sein könnten.

Er, Izuku Midoria, der liebe, freundliche Held der allen half und Shouto Todoroki, der unterkühlte Schurke, der jeden ignoriert und seine Untertanen herumscheucht, wenn er gerade nicht Helden das Leben zur Hölle machte.

Er musste leise lachen. Das Bild war albern und trotzdem vorstellbar.

"Worüber lachst du?"

"Oh... ähm... es ist nichts großes. Mir ist nur aufgefallen, dass wir gerade nach vertauschten Rollen aussehen, du: der Böse, ich: der Gute."

Shouto schmunzelte und Izukus Herz machte ein paar unkoordinierte Sprünge, bei denen es wahrscheinlich auch in seinen Augen auftauchte.

"Wenn ich der Böse bin, sollte ich wohl versuchen, dich mit meinem neu erlangten Wissen zu erpressen.",
sagte Shouto belustigt, ehe er ernst wurde,
"Tenya Iida und Katsuki Bakugo kannten beide einen quirklosen Jungen, der, laut ihnen, ein paar dumme Entscheidungen traf. Sie sind die einzigen aus der Klasse, neben mir, die jemanden ohne jede Quirk kennen.",
fing der Sohn von Endeavor das Gespräch an und wusste, dass er die richtigen Namen genannt hatte, als Surveye zusammen zuckte.

"Hier ist eure Bestellung.", sagte der Kellner leise und stellte eilig die Tasse und das Glas ab, bevor der Delinquent ihm an die Kehle springen konnte.

"Danke.", sagte Izuku freundlich und der Mann nickte ihm nur nach einem gehetzten Blick auf Shouto zu, bevor er wieder zur Theke eilte.

Der Grünhaarige schmunzelte.

"Du scheinst ihm wirklich eine riesen Angst einzujagen, Todoroki-Kun."

"Wenn er sich so leicht verschrecken lässt, ist das nicht meine Schuld.", murrte der Angesprochene mit verschränkten Armen, ehe er sich wieder auf das eigentliche Thema des Treffens konzentrierte und sich mit einem Unterarm auf den Tisch abstützte, während er mit der freien Hand nach dem Glas mit dem Kaffee griff, der wie gemalt aussah.

"Jedenfalls haben wir, in Zusammenhang mit Surveyes Quirklosigkeit und den abfälligen Bemerkungen der beiden über Qirklose, eine Woche lang dieses Thema bearbeitet: Leute auf der Straße interviewt, mit Lehrern gesprochen, Betroffene kontaktiert, Statistiken analysiert, in Instituten angerufen, Gesetzte durchgearbeitet - das volle Programm.", 

er nahm einen Schluck von seinem Getränk und fuhr fort, 

"Ich muss zugeben, ich war überrascht und entsetzt zugleich. Wenn man eine Quirk hat, vergisst man schnell, dass andere überhaupt keine haben.
So oder so, ich habe wirklich interessante Gespräche mit Lehrern und Schulleitern zwei verschiedener Mittelschulen geführt, über den einzigen Quirklosen Schüler, den sie bisher hatten.
Leider erfuhr ich keinen Namen, allerdings wurde an der Ersten gesagt, dass er nur blieb, bis er zwölf wurde und dann, nach einem tragischen Ereignis auf dem Schulgelände, für immer verschwand. Ich konnte allerdings etwas anderes herausfinden. Katsuki Bakugo besuchte diese Institution und war sowohl als Rowdie, als auch als strahlende Zukunft des Helden Business bekannt. Seinen ersten Titel hatte er, neben seinem Allgemeinverhalten, vor allem seinen gewaltsamen Interaktionen mit dem quirklosen Schüler zu verdanken."

Izuku starrte voller Interesse auf seinen Kakao, den er mit größter Sorgfalt umrührte, aber er nickte und summte kurz, als Todoroki eine Pause machte, um auch seine Aufmerksamkeit zu überprüfen.

"Also. Die zweite Schule war eine extrem teure Privatschule, die unter anderem von Tenya Iida besucht wurde. Hier konnte ich den Namen 'Zuko Midori' für den quirklosen Schüler finden, da er eine Trophäe in einer der Vitrinen ausgestellt hat, als-"

"- erster Schüler mit voller Punktzahl in allen Prüfungen der 

Schule. ",

 

flüsterte Izuku gleichzeitig, als der andere Junge es sagte und schaute kurz auf, 

"Ich weiß. 

Ich habe sie alle ziemlich vom Hocker gehauen. 

Ich wünschte nur, ich hätte die Gesichter sehen können."

Der Teenager mit den heterochromen Augen lächelte schwach, als der Schurke endlich auftaute und auch etwas sagte.

"Das interessante war: Dieses Mal schien es dem Jungen wirklich gut zu gehen. 

Er war von den Iidas adoptiert worden, hatte einen netten Bruder, der sich immer um ihn kümmerte, er war schlau, sportlich - trotz seiner Behinderungen - und verhielt sich tadellos; trotzdem verschwand er zwei Monate vor den Prüfungen und tauchte pünktlich auf, um die ganzen Tests zu absolvieren und alle Mitschüler fertig zu machen. Doch als er sein Zeugnis holen sollte, war er nicht da und so gab man es den Iidas."

Shouto trank den nächsten Schluck und betrachtete Surveye über das Glas hinweg, doch der Schurke nippte immer wieder in kleinen Schlückchen an seinem Getränk, die Tasse mit beiden Händen fest umklammert und nicht gewillt, sie zu senken.

Der Held seufzte und stellte sein Glas wieder hin.

"Ich wunderte mich also, ob hinter Zuko Midori nicht auch Bakugos Mobbingopfer stecken könnte. Es dauerte lange, doch ich fand eine andere Spur: Deku."

Der Einäugige verschluckte sich an seinem Schlürfer und stellte hustend die Tasse ab.

"Ich dachte, ich hätte den Namen schon einmal gehört, bevor du ihn sagtest, also suchte ich ein wenig im Internet und fand einen quirklosen Straßenkämpfer, der vor fast zwei Jahren eine große Attraktion im Ring war, da seine Kämpfe immer dazu neigten, beeindruckend intensiv und überraschend zu sein. Er hat Unmengen an Geld mithilfe von illegalen Wetten gemacht, sei aber auch oft besoffen in den Ring gestiegen und habe nach Alkohol gestunken."

Izuku hatte seinen Kopf auf dem Tisch gelegt und schien nur noch verschwinden zu wollen.
Seine Ohren waren rot. 

Ganz offensichtlich schämte er sich.

"Hinter dem Decknamen Deku stand laut Polizei ein Minderjähriger namens 'Izuku Midoriya', der auf die gleiche Schule wie Bakugo ging und verschwand, nachdem er einen Suizidversuch überlebte, bei dem er seine gesamte recht Körperhälfte zertrümmerte und sein rechtes Auge verlor. Danach wurde er immer wieder mit Alkoholvergiftung, oder nach weiteren Suizidversuchen in Krankenhäusern eingeliefert, aus denen er sofort wieder nach der Behandlung verschwand. 

In der Zeit, wo Zuko Midori sich bei den Iidas befand, wurde Izuku Midoriya kein einziges Mal gesichtet.
Und jetzt sag mir, dass das alles nur Zufall ist."

Chapter Text

Izuku schluckte und sein Auge huschte über das Gesicht des anderen Teenagers.

Schließlich atmete er mit geschlossenen Augen aus und entschied sich, es einfach hinter sich zu bringen.

"Es ist kein Zufall. Wie sollte es einer sein? Dafür sind dann doch zu viele Zusammenhänge vorhanden."

Shouto blinzelte erstaunt, anscheinend hatte er erwartet, sich noch mehr anstrengen zu müssen.

"Mein Name ist Izuku Midoriya.",
erklärte der Einäugige mit einem schmerzerfüllten Lächeln und er hielt seinem Gegenüber die Hand hin, der sie nach kurzem, verwirrten Zögern schüttelte.

"Ich bin vierzehn Jahre alt.
Meine Mutter ist Inko Midoriya, meinen Vater habe ich nie kennen gelernt.
Ich bin von Beruf Broker und Mörder, aber als ich klein war, wollte ich unbedingt ein Held werden.
Ich habe acht Jahre intensiven Missbrauchs durch Katsuki Bakugo hinter mir.
Ich habe 13 Monate lang auf der Straße gelebt und vier Monate unter dem Dach der Iidas, bis Tenya sagte, dass ich besser auf der Straße geblieben wäre.
Ich habe einen Alkohol- und einen Drogenentzug hinter mir und die Person, die vor dir sitzt, ist das Ergebnis einer solchen Geschichte.", erklärte der grünhaarige Wuschelkopf sachlich, aber freundlich, um das Thema ohne Konflikt zu beenden.

Shouto musterte ihn nachdenklich und nickte schließlich.

"Ich denke, ich sollte mich irgendwie revanchieren.", murmelte der größere Teenager und nahm noch einen Schluck.

"Rein theoretisch weißt du es ja schon: Mein Vater hat einen ziemlich heftigen Sprung in der Schüssel, weil er es nie geschafft hat, All Might zu übertrumpfen.
Deswegen zwang er meine Mutter in eine Ehe mit ihm, um ein Kind zu bekommen, dass stärker wäre, als All Might selbst.
Ich bin das Ergebnis.
Er nennt mich sein 'Meisterwerk', wenn er ausnahmsweise nicht auf mich wütend ist, oder mich verprügelt.
Als ich fünf wurde, bekam ich meine Quirk und er fing sofort mit seinem "Training" an.
Nachdem ich das erste Mal ohnmächtig wurde, fing meine Mutter an, sich gegen Endeavor zu wehren und mich zu verteidigen - er fand das gar nicht toll und wurde immer brutaler.
Am Ende hielt Mum es nicht mehr aus.
Sie bekam Angst vor meinem Vater, vor meiner linken Hälfte, welche für sie nur ihn darstellte.
Sie hat kochendes Wasser über meine 'unansehnliche' Gesichtshälfte geschüttet und wurde danach in eine psychiatrische Anstalt gebracht.
Also war ich vollkommen alleine mit meinem Erzeuger und bekam Tagtäglich unter die Nase gerieben, dass ich ihm gehöre.
Ich musste dank Endeavor auch nicht die Aufnahmeprüfung für die UA machen, wobei ich das wohl locker geschafft hätte.
Aber ich hatte mir fest vorgenommen ein Held zu werden, indem ich nur die Quirk meiner Mutter verwende... bis... nun ja... bis du aufgetaucht bist."

Zum ersten Mal in seinem Leben sah Shouto ein vollkommen ehrliches, strahlendes Lächeln.
Surveye war glücklich und auch wenn das Lächeln des Kleineren ein wenig seltsam aussah, strahlte es pure Freude aus.

"Es freut mich, wenn ich dir helfen konnte! Es ist deine Quirk!
Es ist bescheuert, dass dein... das dieser - diese Müllverbrennung! etwas anderes gesagt hat!
Du gehörst niemandem!"

Shouto lachte auf und hielt sich eilig eine Hand vor den Mund, als ein Kichern in ihm aufstieg.
Er mochte den Spitznamen des Schurken für Endeavor, er war wirklich passend.

Izuku trank seinen Kakao und lächelte leicht, während er darauf wartete, dass Shouto zuende lachte.
Es dauerte einige Minuten, doch er fand es nicht schlimm.

"Danke... dass du mir sowas... sowas wichtiges erzählt hast, Todoroki-Kun. Das ist ein großer Vertrauensbeweis."

"Nenn' mich ruhig Shouto."

"Nur, wenn du mich Izuku nennst."

Endeavors Sohn zuckte mit den Schultern und nickte.

"Da habe ich nichts gegen, Izuku."

Zum Glück trug der Mörder lange Ärmel, denn sonst könnte Shouto die Gänsehaut sehen, die er gerade mit dem Aussprechen des Namens verursacht hatte.

Sie versanken in angenehmes Schweigen, während sie eine Zeit lang nur an ihren Getränken schlürften und ihren separaten Gedanken nachhingen.

"Hast du für das Sportfestival geübt?", erkundigte der Schurke sich interessiert, nachdem er mit seiner Heißen Schokolade fertig war und erwischte den UA Schüler unvorbereitet.

"Wa...?"

"Naja. Ich habe mir eine Karte für das Festival gekauft - ich kann mir sowas ja nicht entgehen lassen.
Es hat zwar gekostet, aber mittlerweile verträgt mein Geldbeutel so einen Spaß problemlos."

Der Junge mit den Split-Dyed Haaren legte den Kopf schief.

"Ich habe mir vorgenommen zu gewinnen und zwar mit allen Mitteln. Ich werde meine Quirk uneingeschränkt benutzen und mein Bestes geben, mehr kann ich nicht tun."

Izuku berührte nachdenklich sein Kinn.

"Und wenn ich dafür sorge, dass du mehr machen kannst?", bot der Broker mit einem frechen Grinsen an.

Shouto musste über diese Möglichkeit nicht nachdenken.

"Mir ist jede Hilfe von dir recht."

"Gut! Also... weißt du, wer dieses Mal die Rede hält?"

"Von den Schülern? Ich. Wieso?"

"Weil ich etwas weiß, womit du Kacch- Katsuki zur Weißglut treiben kannst.
Mach seine Methode zu siegen schlecht, dann wird er über das gesamte Festival hinweg blind vor Wut sein und in einer Notsituation unbedacht handeln.
Sag, dass ein gewaltsam erzwungener Sieg überhaupt keiner ist und man sich nicht auf Brutalität und Rücksichtslosigkeit verlassen sollte, da sie einen nie auf den ersten Platz bringen."

Der Größere nickte und murmelte beschämt:
"Ich habe sowieso noch keine Ansprache, da ich es nicht sonderlich mit großen Worten habe.
Vielleicht könntest du mir dabei helfen...?"

Das gesunde Auge des Brokers leuchtete begeistert auf und er kramte schnell ein Heft und einen Stift hervor, ehe er sich vorbeugte und es so auf die Mitte des Tisches legte, dass Shouto mit rein schauen konnte.

"Das bekommen wir schon hin.
Es muss kurz und prägnant sein, alle anspornen und einen guten Eindruck hinterlassen. Die Provokation an Kacchan, und vielleicht auch Endeawhore, wird nur unterschwellig sein und für alle anderen nach einem Ideal klingen. Also... ... ..."

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Es dauerte fast eine Stunde, bis sie einen vernünftigen Text zusammen hatten.

In der Zwischenzeit alberten die Jungen herum, tranken und unterhielten sich über Gott und die Welt, nur um im nächsten Moment wieder ernst zu werden.

Trotzdem wichen sie neben allem Gerede nie vollkommen von dem Hauptthema ab.

Danach übte Endeavors Sohn noch ein paar Mal die Betonung, Mimik und den Ablauf seiner Rede mit Izuku, der eine gewisse Ahnung davon hatte, wie man sich gut verkaufte.

"Puh... das wäre dann schonmal erledigt.
Hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, sich eine gute, kurze Ansprache zu überlegen.",
ächzte der Grünhaarige und streckte sich.

Shouto betrachtete besorgt den Zettel, auf dem das erprobte Endergebnis stand.

"Und das Schwierigste habe ich noch vor mir.", meinte er bang.

"Papperlapapp! Das schaffst du mit links!
Die sind alle nur halb so gefährlich wie ich, oder der Mann, mit dem du in einem Haus lebst."

Der Größere erstarrte kurz, doch dann wurde sein Gesichtsausdruck entschlossen und Izuku wusste, er hatte das richtige gesagt, um den zukünftigen Helden anzuspornen.

"Also. Kann ich sonst noch irgendwas machen?",
murmelte der Einäugige und betrachtete sein Gegenüber, ehe er seine Antwort fand,
"Klar! Wie viel weißt du über die Fähigkeiten und Quirks deiner Klassenkameraden, Shouto?"

Der Heterochrome Junge zuckte mit den Schultern und schaute unbestimmt zur Seite, ehe er zugab:
"Nicht sonderlich viel."

Izuku schüttelte seufzend den Kopf.
Das würde noch ein Stück Arbeit werden.

"Weißt du was? Lass uns kurz zu mir gehen, damit ich meine Notizen holen kann, um mit dir alles durchzuarbeiten. Es kann dir wirklich nicht schaden, ein paar Sachen über deine Gegner zu wissen, egal wie stark du bist. 

Mit einem guten Plan kann man jeden noch so starken Gegner schlagen."

"Du musst es schließlich am besten wissen, Deku.", stichelte Shouto, erstarrte aber, als er den Ausdruck in den grünen Augen seines Gegenübers sah.

"Ja. Ich weiß es besser."

Dem Heldenschüler rauschte ein kalter Schauder den Rücken runter.

Er hatte gerade gesehen, was für ein Dämon hinter dieser freundlichen Fassade steckte.

Im Hintergrund wank der Kleinere freundlich lächelnd den Kellner heran und bat darum, bezahlen zu dürfen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Hier lebst du also?", erkundigte der UA Schüler sich, als sie vor einem Haus in einem der besseren Viertel zum Stehen kamen und Izuku einen Schlüsselbund zückte.

"Jup. Selbst Finanziert. Willst du mit rein kommen?
Allerdings kann ich nicht garantieren, dass du dann um ein Treffen mit meinem Dad herum kommst.",
warnte der Kleinere und schloss die Tür auf.

Shouto lachte.

"Hey. Ich verbringe schon meine Freizeit mit Surveye. Was macht es da, ob ich Stain treffe, oder nicht?"

"Wo du recht hast..."

Der Wuschelkopf öffnete die Tür und bedeutete seinem Gast, einzutreten.

"Wir leben in der obersten Etage.", erklärte er, während er die Tür schloss und hörte schon, wie Shouto die Stufen hochstieg.

Eilig folgte er, um auch die andere Tür zu öffnen.

"Tadaa. Trautes Heim, Glück allein. Stell deine Schuhe ruhig dahin und deine Jacke kannst du mir geben."

Wie ein kopfloses Huhn wuselte Izuku in dem Flur herum und lotste den anderen Teenager nach einigem Hin-und-Her schließlich in die Küche.

"Willst du Tee? Wasser? Kaffee?"

"Tee ist gut. Mir egal, welcher."

Izuku nickte und setzte eine Kanne Wasser zum kochen auf, während er nach seinem Früchtetee suchte.

Als Shouto den Tee sah, lächelte er leicht.

"Du magst süße Sachen, nicht wahr?"

Der Schurke wurde rot und bereitete einen Teebeutel vor.

"Nah... ja. Schon.

Ich kann vor allem bittere Sachen nicht ausstehen.
Scharfes Essen ist super.
Ich versuche nur, mich von Lebensmitteln fern zu halten, die vergären können.........
und ich rede gerade vollkommenen Schwachsinn.
Tut mir leid. Ich hatte nur noch nie in meinem ganzen Leben Besuch und flippe deswegen gerade aus.", brabbelte der Einäugige gestresst.

Der Größere tätschelte beruhigend Izukus Kopf.

"Alles gut. Entspann dich. Ich war auch noch nie bei jemandem zu Besuch."

"Izuku? Bist du schon wieder zurück?"

Der Grünhaarige schaute panisch zu Shouto auf.

Wie würde Stain reagieren, wenn ein Schüler von UA hier wäre?!
Was sollte er tun?!

Er hatte sich nicht gerade unauffällig verhalten und gehofft, dass Stain seine frühe Wiederkehr einfach hinnehmen würde.

"J-ja. Ich bin wieder da. Es hat doch nicht so lange gedauert.", rief er und wischte sich über die Stirn, als Schritte näher kamen.

Ob es nicht doch schlauer wäre, Shouto zu verstecken?

"Ah. Hier bist du. ... wer ist das?"

Fuuuuuuuck!

"Shouto Todoroki, Sir. Es freut mich, Sie kennen zu lernen. Ich bin ein guter Freund von ihm und er wollte mir ein wenig bei dem Vorbereiten meiner Ansprache für das Sportfestival morgen helfen.",
stellte der andere Teenager sich vor und machte eine Verbeugung in Stains Richtung.

Der Herokiller wirkte vollkommen überfordert.

"Freund?", wiederholte er und schaute fragend in die Richtung seines Erben, der verwackelt lächelte und schwach nickte.

"Todoroki. So wie Enji Todoroki, alias Endeavor?", erkundigte der Herokiller sich schließlich und Shouto nickte ernst.

"Ja. Endeavor ist mein Vater, aber ich würde es, wenn möglich, nicht mehr, als nötig, ansprechen. Ich bin nicht er."

Die Augen des Killers wurden ein wenig größer und der Mann nickte langsam.

"Wie du sagst.
Fühl' dich ganz wie zu Hause, Todoroki.
Die Freunde meines Sohns sind unter meinem Dach jeder Zeit willkommen."

"Danke.", murmelte der Teenager und bekam von besagtem Sohn eine Tasse Früchtetee in die Hand gedrückt, genau wie Stain.

"Ich habe ein paar Eiswürfel reingeschmissen, damit man es direkt trinken kann.", erklärte Surveye und spielte mit seinen Fingern, ehe er sich zusammen riss.

"W-wir... wir gehen dann mal... in mein Zimmer."

"Willst du echt, dass er jetzt dein Zimmer sieht?", meinte der Mörder belustigt und ließ den Lockenkopf erstarren.

Stimmt. Da war ja was.

"W-weißt du was, Shouto? Lass und d-doch lieber in mein Büro gehen.", stotterte der Schurke und drehte sich auf der Ferse um, griff seinen Freund am Handgelenk und verschwand mit ihm eilig in der entgegengesetzten Richtung zu seinem Zimmer.

Der Erwachsene schaute den beiden Jungen nach und schüttelte den Kopf.

Das mit denen würde noch etwas spannendes werden.

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"Also, was ist das jetzt zwischen euch beiden? Muss ich jetzt das typische Elterngespräch über "Schutz und Verantwortung" vorbereiten?"

Der maskierte Junge sprang von seinem Adoptivvater weg und hielt abwehrend seine Hände hoch, während er mit ihnen herumfuchtelte.

Seine Ohren waren leuchtend rot und ließen darauf schließen, wie der Rest seines Gesichts aussah.

"N-NEIN! Oh Gott! Nein! Bloß nicht! So- so ist das nicht! Ich- ich... er! D-da läuft nichts! So lange kenne ich ihn auch noch nicht! Wir h-haben erst zweimal miteinander gesprochen! Ich bin nicht mal schwul! Wie kommst du- NEIN!"

Kurz wurde es still und schließlich murmelte Izuku: "Und das Gespräch brauche ich auch nicht. Ich weiß das alles schon."

Der Schwarzhaarige lachte leise und wuschelte dem Kleineren durch die Haare.

"Dann wäre das ja schon einmal geklärt. Und jetzt konzentrier dich, da kommt jemand."

Izuku schaute von der Feuerleiter runter in die Gasse, durch die gerade ein Held mit Taschenlampe ging.

Irgendwie kam ihm das Kostüm bekannt vor, doch er wusste nicht woher.

"Willst du, oder soll ich?"

"Tob' dich aus. Der Erste gehört dir, danach musst du auch schon los, wenn du mogen deinem Freund beim Festival zuschauen willst."

Surveye nickte und zog sein Katana aus dem Rückenholster, um dann mit einer fließenden Bewegung von dem Plateau der Feuerleiter zu springen und hinter dem Helden in die Gasse zu landen.

Bei dem Geräusch des Aufpralls drehte der Held sich schnell um und Izuku erstarrte, als er das Kostüm endlich erkannte.

Mit einem hellen Klirren fiel die Waffe zu Boden, nachdem sie der Hand des jungen Killers entglitt.

Eilig riss er sich Schal und Maske vom Gesicht.

"Tensei!"

Der Held zuckte zurück und die Taschenlampe gesellte sich zu dem Schwert.

"Izuku?"

Chapter Text

Begeistert sah der Grünhaarige sich zwischen den Ständen um, probierte alles mögliche, was es zu essen gab und half tatsächlich Mt.Lady mit einer kleinen Spende aus einer finanziellen Krise.

Es war lustig, dass ein gesuchter Schurke einem Helden half und dann nicht einmal von der dazugehörigen Gruppe erkannt wurde.
Dazu kam noch, dass die Meisten der anwesenden Helden als Bewacher für die Schüler da waren, um einen weiteren Angriff durch Schurken zu verhindern.

Izuku war einer der Ersten, die auf ihren Plätzen saßen und fühlte sich nicht im Geringsten schlecht, als er zwischen den ganzen höheren Herrschaften und Damen saß, die ihn anschauten, als wäre er ein widerliches Insekt.

Er hatte eine Tasche bei sich, die bis oben hin mit seinen Vorräten der letzten Woche vollgestopft war und dazu noch einige Plakate enthielt, auf denen Shoutos Name mit einigen blöden Anfeuerungs-Sprüchen draufstand.
(Das, wo er 'Ich liebe dich' und Herzen draufgekrakelt hat, würde er allerdings nie anfassen und unbenutzt nach dem Fest verbrennen.)

"NAAA?! WOLLEN WIR ANFANGEN?!"

Alle brachen bei Present Mics Ansage in Jubel aus.

"DANN WOLLEN WIR MAL MIT DEM DIESJÄHRIGEN SPROFESTIVAL STARTEN!
WIE JEDES JAHR WERDEN SICH UNSERE ZUKÜNFTIGEN HELDEN BIS AUFS BLUT BEKÄMPFEN!
UND HIEEER SIND SIE! DIE BESTEN UND STÄRKSTEN SCHÜLER DER WUNDERKLASSE 1A DER HELDENABTEILUNG, DIE EINEN ANGRIFF DER 'LEAGUE OF VILLAINS' ÜBERLEBTEN!"

Das Stadion tobte und Izuku machte mit.

"ALS NÄCHSTES, DIE KLASSE 1B, EBENFALLS AUS DER HELDENABTEILUNG!"

Der Lautstärke-Pegel sank besorgniserregend und die Schüler, die das Stadion betraten, wirkten niedergeschlagen und genervt.

"DIE KLASSEN C, D UND E DER GENERAL EDUCATION!"

Diese Schüler machten einen aggressiven und streitlustigen Eindruck, wenn sie nicht resigniert waren.

Der Schurke fing an, sich ernsthaft Sorgen zu machen, wie diese Generation enden würde, wenn die Schule ihre Schüler so runter machte.

Andererseits könnte es auch ganz leicht dafür sorgen, dass sich alle ignorierten Schüler gegen ihre Schule wandten und bei dem kleinsten Versprechen von Rache zum Feind überliefen.

"KLASSE F, G UND H DER SUPPORT-ABTEILUNG!"

Diese Schüler wirkten entschlossen und selbstsicher.
Sie gingen gerade und wanken den Leuten zu, obwohl man ihnen kaum Beachtung schenkte.

"UND ALS LETZTES: DIE KLASSEN I, J UND K FÜR MANAGEMENT!"

Diese Schüler sahen nicht so aus, als würden sie den armseligen Jubel überhaupt brauchen.
Sie waren seriös und konzentriert, und keineswegs an dem Trubel um sie herum interessiert.

Nerds, schoss Izuku durch den Kopf.
Er war sich sicher, in diesen Kurs hätte er gut reingepasst.

"Es wird Zeit für die Ansprache!", rief Midnight, die das Podium vor den Schülern erklomm.

Sie war in ihrem Heldenkostüm und viele Anwesende fingen an, sie mit ihren Augen auszuziehen.

Der Grünhaarige schüttelte nur den Kopf.
Das war albern.

"Todoroki, komm bitte hoch."

Einige der Schüler sahen sich verwirrt um und tuschelten miteinander, wahrscheinlich, weil sie jemand anderes vermutet hatten.

Shouto stellte sich vor das Mikrophon, sah sich in der ganzen Arena um und lächelte leicht, als er den Schurken in der Menge entdeckte.

Izuku hatte das Gefühl, sein Herz würde gleich stehen bleiben, dieser Blick... diese Augen.
ER LÄCHELT!

"Ich gelobe hiermit, mein Bestes zu geben.
Ich hoffe, alle stimmen mir zu, wenn ich sage, dass dieser Wettkampf nicht unsere spätere Zusammenarbeit als Helden behindern soll.

Deswegen bitte ich um ein faires Spiel, bei dem alle bedenken, dass Brutalität und ein gewaltsamer Sieg einen nicht zur Nummer eins machen - so ein Gewinn ist einfach nur falsch und hinterlässt keinen einzigen Gewinner.
Viel Glück und gutes Gelingen."

Alle jubelten und Shouto verließ die Bühne, doch Izuku sah Katsukis Blick, der Todesstrahlen auf Endeavors Sohn abschoss.

Dieser Teil hatte also schon einwandfrei funktioniert.

"Dann schauen wir uns Mal das erste Spiel des heutigen Sportfestes an! Bei dieser Runde fließen immer die meisten Tränen!"

Der Einäugige fokussierte den Bildschirm, auf dem die Wettkämpfe angezeigt werden würden.

Es war einfach nur ein Algorithmus, der aus fünfzehn verschiedenen Spielen wählte und wenn Izuku alles richtig gemacht hatte, müsste jetzt-

"HINDERNISLAUF!", verkündete Midnight und Izuku sprang mit einem 'Jas!' von seinem Sitz auf, wobei er ein paar schiefe Blicke einsammelte.

Er hatte recht gehabt!

"Alle elf Klassen nehmen gleichzeitig an diesem vier Kilometer langen Wettrennen teil. Ihr rennt auf der Außenbahn des Stadions.",
erklärte die Lehrerin die Regeln, welche hinter ihr auf dem Bildschirm noch einmal verbildlicht wurden.

"Und da wir einen großen Wert auf Liberalität legen, gibt es keine Regeln."

Der Broker wollte aufspringen und seinen Protest zum Ausdruck bringen.

Das hatte nichts mit Liberalität zu tun!

Doch niemand schien sich darüber Gedanken zu machen und so steckte der Schurke zurück - für jetzt zumindest - denn keine Regeln hießen auch, dass Shouto einen Vorteil hätte.

Die Schüler gingen in die Startpositionen.

"LOS!"

Alle stürzten gleichzeitig auf den Tunnel nach draußen zu.

Aufgeregt ballte er seine Hände zu Fäusten und schaute auf die Bildschirme des Stadions.

Shouto war der Erste, der aus dem Pulk heraus kam und im Freien weiter rannte, während alle anderen in dem Tunnel festgefroren waren.

Das erste Hindernis war damit überwunden: Die grobe Erstauslese.

Sein Blick sank kurz nach unten ins Stadion und er musterte verwirrt die Schüler, die zurückgeblieben waren.

Es waren Schüler der Management-, Support- und Gen.Ed.-Klassen, die sich einfach auf die Wiese setzten und miteinander sprachen, oder, wie die Zuschauer, die Aufnahmen im Auge behielten.

Was stimmte bitte nicht mit dieser Schule, dass sie Kindern eine solche Hilflosigkeit vermittelte?

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Shouto war allen anderen weit voraus, doch er wusste, dass er von seinen Klassenkameraden und ein paar anderen verfolgt wurde.

Aber die meisten hatten es mit Sicherheit noch nicht einmal aus dem Eis geschafft.

Schlitternd kam er vor dem zweiten Hindernis zum Stehen.

Roboter!

Und zwar solche Riesenteile, wie sie angeblich auch bei der Startprüfung vorgekommen waren.

Shouto erinnerte sich an die Gesichte, dass man seinen Klassenkameraden einfach gesagt hatte, dass sie vor dem Ding wegrennen sollen und dass sie auch genau das getan hatten, bis die Zeit um war und die halbe Fake-Stadt in Schutt und Asche lag.

Shouto wartete, bis einer der Roboter ihn bemerkte und sich auf ihn zubewegte. Sobald die Maschine in einer instabilen Position war, fror er sie ein und rannte los, zwischen den Beinen des Ungetüms hindurch und so kam er unbeschadet aus dem Hindernis.

Nach kurzer Zeit spürte er das Beben des Aufpralls unter seinen Füßen, hörte den ohrenbetäubenden Lärm des zerberstenden Metalls und die dazugehörige Explosion, sowie leise, entfernte Schreie.

Er würde es hier als Erster durchschaffen!

Nicht um seinet Willen, oder Endeavors, sondern für Izuku, der ihm jetzt gerade zusah!

Dieser Schurke brauchte keinen Helden, der ihn besiegte, sondern seinen Helden, der ihm wieder Hoffnung gab und Vertrauen in Rettung.

Und genau das wollte Shouto für den Einäugigen werden.

Schwer atmend kam er vor dem nächsten Hindernis zum Halten.

War das eine SCHLUCHT?! Wie haben diese Wahnsinnigen von der UA bitte einen ganzen Canyon nachbauen können?!

...

Warum fragte er überhaupt noch?

Kurz schaute er über seine Schulter, um sicher zu gehen, dass niemand in Sichtweite war, bevor er die Schlucht genauer ins Auge nahm.

Überall waren dicke Seile aufgespannt, und verbanden die einzelnen Plateaus miteinander.
Darüber könnte er sich locker mit seinem Eis bewegen. Das wäre wahrscheinlich auch der schnellste Weg um dieses Hindernis zu überqueren.

Doch für die anderen würde er es nicht so einfach lassen.

Mit einer ausholenden Bewegung aktivierte er seine Flammen und setzte alle Seile, bis auf das vor ihm, in Brand.

Erst dann sprang er auf das Seil und ließ sich von seinem Eis über den Abgrund tragen. Bis das schmolz, würde es dauern und dann wäre das Material wahrscheinlich auch brüchig.

Dumpf hörte er den Lärm aus dem Stadion, als er weiterrannte, bis zu dem vierten Hindernis.

Ernsthaft? Ein Minenfeld? Sicher nicht tödlich, aber wenn er es einfach einfror, würde er allen einen Weg schaffen.
Das war einfach nur ein blöder Scherz, um alle zu verlangsamen.

Seufzend stampfte er auf den Boden und schuf so einen Weg, der mit einer dünnen Eisschicht, die schnell wegschmelzen würde, bedeckt war.

Zu dem Zeitpunkt, wo die anderen ankamen war schon nichts mehr von dem Eis zu sehen und niemand wusste, dass sich auf einem Teil des Minenfeldes deaktivierte Sprengkörper befanden.

Shouto hatte das Minenfeld schon ein paar Meter hinter sich gelassen, als er die Explosionen und das Geschrei hörte.

Er warf im Rennen einen schnellen Blick über seine Schulter und sah seine Vermutung bestätigt.

Bakugo kam wie eine Rakete auf ihn zugeschossen.

Eine Beleidigungen schreiende Rakete in Menschenform.

Seufzend schüttelte er den Kopf und rannte ein wenig schneller.
Bis jetzt hatte er sich keine richtige Mühe geben müssen und auch wenn der andere aufholte, so war der Abstand zwischen ihnen immer noch keine Kleinigkeit.

Das Fluchen hinter ihm wurde immer lauter und der Durchgang in die Arena war nur noch wenige Meter entfernt.

Von weiter hinten konnte man die Explosionen der Landminen hören, als die ersten Schüler das Minenfeld erreichten, doch für ihn waren weder die entfernten, noch die nahen Explosionen relevant.

Er würde Erster werden, für Izuku!

Mit zusammengebissenen Zähnen setzte er zum Sprint an und hörte Bakugo hinter sich zu einer Tirade ansetzten, die nur noch aus Kraftausdrücken bestand.

Es war langsam echt armselig und nervig.

Im selben Moment, als sein Fuß den Boden des Tunnels berührte, riss er die linke Hand hoch und zog so eine dicke Wand aus Eis hoch, die den Durchgang blockierte und er rannte weiter, ohne auch nur einen Blick zurück zu werfen.

"UND AUF DEM ERSTEN PLATZ IST: SHOUTO TODOROKI!"

Das Stadion um ihn herum brach in Jubel aus.

Mit weit aufgerissenen Augen sah er sich um, während er weiter in die Mitte des Platzes ging und sich schließlich einfach schwer atmend fallen ließ.

Er konnte noch.

Er war gerade erst warm geworden.

Doch Izuku hatte es ihm so gesagt:
"Wenn du gewinnen willst, tu' jede Runde so, als ob du schon längst alles gegeben hättest."

Chapter Text

Er musste acht Minuten lang warten, bis die 36 Besten des Wettrennens fest standen.

Irgendwie empfand er es als eine Beleidigung, dass sie noch als "Beste" definiert wurden, da fast die gesamte Schule in zwei großen Klumpen reingerannt war.

01. Shouto Todoroki 10.000.000
02. Katsuki Bakugo 3.000
03. Ibara Shiozaki 2.500
04. Juuzou Honenuki 2.000
05. Tenya Iida 1.900
06. Fumikage Tokoyami 1.800
07. Eijirio Kirishima 1.700
08. Tetsutetsu Tetsutetsu 1.600
09. Mashirao Ojiro 1.500
10. Yousetsu Asawe 1.400
11. Tsuyu Asui 1.300
12. Mezo Shouji 1.250
13. Rikitou Satou 1.200
14. Ochaco Urararka 1.150
15. Momo Yaoyorozu 1.100
16. Mina Ashido 1.050
17. Koji Koda 1.000
18. Kojoka Jiro 950
19. Sen Kaibara 900
20. Kosei Tsuburaba 850
21. Denki Kaminari 800
22. Kojiro Bondo 750
23. Reiko Yanag 700
24. Hitoshi Shinso 650
25. Itsuka Kendo 600
26. Jurota Shishida 550
27. Shihai Kuroiro 500
28. Yui Kodai 450
29. Hiryu Rin 400
30. Nirengeki Shoda 350
31. Kinoko Komori 300
32. Togaru Kamakiri 250
33. Neito Monoma 200
34. Pony Tsunotori 150
35. Setsuna Tokage 100
36. Mei Hatsume 50

Alle anderen mussten sich verabschieden.

Shouto stand auf und schlurfte vor die Bühne, wo Midnight sich wieder aufgebaut hatte.

"Also dann. Meinen Glückwunsch, an die Gewinner. Und das nächste Spiel ist- !"

Der Einarmige-Bandit drehte sich erneut und blieb schließlich stehen.

"REITERKAMPF!"

Shouto konnte es nicht fassen, Midoriya lag auch das zweite Mal richtig.

Für dieses Spiel hatten sie ebenfalls schon einen Plan gemacht und er wusste, wen er fragen würde.

"Die Regeln sind wie bei einem normalen Reiterkampf.
Bildet Teams von zwei bis vier Personen, mindestens einer muss von den anderen getragen werden.
Jeder bekommt Kopfbänder; stiehlt den anderen ihr Band und schützt euer eigenes. 

Allerding! Es wird Punkte geben, abhängig davon, wie gut ihr eben abgeschnitten habt, bis auf eine Ausnahme: Der erste Platz ist zehn Millionen Punkte wert!
Und nur die vier besten Teams mit den höchsten Punktzahlen kommen weiter."

Shouto merkte, wie sein Gesicht zu einer reglosen Maske wurde.

Mit diesem Part hatte Surveye allerdings nicht gerechnet.

Alle starrten ihn an und er wusste, er hatte ein Problem, denn alle würden Angst haben in sein Team zu kommen und jedes Team würde von Anfang an auf ihn losgehen.

"Ihr habt fünfzehn Minuten Zeit, um Gruppen zu bilden."

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Entsetzt starrte Izuku auf die Gruppen im Stadion.

Das war unfair!

So hatte der erste Platz doch gar keine Möglichkeit vernünftige Verbündete zu bekommen, weil alle, die stark genug waren, sich zusammenschließen würden, um ihm sein Kopfband abzunehmen.

Er sah, wie Uraraka auf Todoroki zuging und dann bei ihm bleib.

Das war gut. Sie hatte er eingeplant.

Als nächstes machte Shouto sich auf den Weg zu dem Mädchen aus der Support-Abteilung, die lebensmüde genug zu sein schien, um sich den Beiden anzuschließen.

Nicht eingeplant, aber keine schlechte Idee.

Doch das Team war nicht komplett, sie brauchten eine Person, die entweder stark an der Front war, oder in der Lage war, auf Entfernung zu gehen.

Er war gespannt, wer es werden würde.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Warum können wir nicht jetzt schon eine Pause haben?!"

Shouto fluchte leise und die beiden Mädchen betrachteten ihn interessiert.

"Weshalb willst du jetzte schon eine Pause?", fragte Mei neugierig.

"Weil ich mit einem Freund telefonieren will! Er wüsste, wen ich fragen müsste, und wie.", erklärte der Teenager niedergeschlagen.

"Ich wusste nicht einmal, dass du Freunde hast, Todoroki-Kun."

Der Junge zuckte bei Ochacos Worten zusammen.

"Ich weiß. Ich war nicht gerade nett zu euch allen. 

Ich habe es meinem Freund zu verdanken, dass ich etwas wie Freundschaft überhaupt begreife.

Aber ich hoffe, ich werde mich in Zukunft mit manchen von euch anfreunden können.",
erklärte er und sah sich suchend um.

Das kleinere Mädchen lächelte.

"Es freut mich, dass du endlich jemanden gefunden hast und ich hätte nichts dagegen, mit dir befreundet zu sein."

"Mhm."

Er bahnte sich geschickt einen Weg durch die Gruppen, bis er vor Momo stand, die etwas verloren aussah.

"Denkst du, du könntest etwas herstellen, womit man anderen die Kopftücher stehlen kann? Wir brauchen noch eine Reiterin.", erklärte er und deutete auf seine anderen Teammitglieder.

Momos Blick hellte sich auf.

"Ich könnte einen Haken herstellen, mit dem ich anderen die Tücher abstreifen kann. Danke! Keiner wollte mich in seinem Team haben!"

"Dann wäre das geklärt.
Hatsume-san, hast du etwas im Lager, womit du Uraraka-chans Fähigkeit für uns alle nutzbar machen kannst?
Sie hat Antigravitation, was dafür sorgt, dass alles, was sie mit allen fünf Fingern berührt, nicht an Gravitation und andere physikalische Einflüsse gebunden ist."

Die Brünette starrte Shouto verblüfft an, weil er so viel über ihre Quirk wusste.
Doch der Teenager konzentrierte sich gerade zu sehr darauf, sein ganzes neu erworbenes Wissen zu verwenden, um einen vernünftigen Plan zu erstellen, mit dem sie es in die nächste Runde schafften.

"Ja. Da hätte ich was. Zeit, meine Babys auszuprobieren!"

"Gut. Wir sollten den anderen den Kampf liefern, den sie sich wünschen und rechtzeitig auf Verteidigung umsteigen. Ich werde uns mit meinem Feuer und meinem Eis verteidigen und die gegnerischen Teams mit Angriffen ablenken."

Sie diskutierten ihre Strategie noch ein wenig weiter, genau wie alle anderen Teams, dann verkündete Present Mic das Ende der Vorbereitungszeit: "OKAAAY! ZEIT IST UM! STELLT EUCH JETZT AUF!"

 

Momo kletterte mit Unterstützung von Shouto und der Hilfe vo  Urarakas Quirk auf die Schultern der beiden Mädchen, bevor er sich in Position begab und sie ihr Kopfband noch mal festzog.

"WIR HABEN ZEHN TEAMS AUF DEM FELD! ERASER, WAS HÄLST DU VON DEN KOMBINATIONEN DER SCHÜLER?"

"Einige Gruppen, sind sehr einfältig und voraussehbar... aber ich sehe auch ein paar interessante Kombinationen. Wir dürfen gespannt sein."

"NA DANN! IHR HABT ES GEHÖRT! WIR WOLLEN EUCH AUCH NICHT LÄNGER WARTEN LASSEN! GEBT EUER BESTES KINDER! L O S ! ! ! "

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Present Mics Stimme war noch nicht ganz im Stadion verhallt, da sah sich die Gruppe auch schon einem wütenden Frontalangriff aller anderen Teams gegenüber, aber das war ja schon von Anfang an klar gewesen. Shouto errichtete einfach einen Eiswall im Halbkreis vor sich und lies die anderen Teams dagegen laufen, was sogar ein zweier Team aus der B zum Umfallen brachte.  

 

“Oh! Und es sind noch keine zehn Sekunden vergangen und schon ist das erste Team disqualifiziert! 

 

Tja, Team Tokage, ein zweier Team ist anscheinend doch nicht so stabil. 

 

Damit bleiben nur noch 9 Teams übrig! 

Und während sich die anderen Teams aufeinander stürzen, scheint Team Yaoyorozu sich nach einer beeindruckenden Flucht hinter einem undurchdringlichen Eiswall erst mal auszuruhen!

 

Werden sie sich jetzt auf ihren schwer zu erreichenden 10.000.000 Punkten entspannen, oder werden wir doch noch etwas Action von ihnen erleben?

Wir dürfen gespannt bleiben!”

 

Shouto blendete Present Mic aus. 

 

Die Eiswand war lediglich eine Schutzreaktion gewesen und er hatte keine Ahnung, was er jetzt tun sollte. 

Die Mädchen hinter ihm schienen auch unruhig zu werden, während sie darauf warteten, dass er den nächsten Zug ankündigte. 

Er schnitt eine Grimasse. 

Strategie war eher Izukus Sache. Er fror Dinge ein oder verbrannte sie… Warte!

Das könnte funktionieren. 

 

“Okay, ich hab eine Idee!”, wandte er sich an seine Teamkameraden.

 

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Gespannt beobachtete Izuku seinen Freund unten in der Arena. 

 

Auch wenn er sich mit der Eiswand fürs erste schwer erreichbar gemacht hatte, befürchtete er, dass dieser Zug eher eine Affekthandlung, als ein geplanter Schachzug war. 

Als sie, oder besser gesagt er, sich Strategien für das Sportfestival überlegt hatte, hatte er nicht mit dieser Unverschämtheit von UA gerechnet, die Shouto zu einem Ziel für alle anderen Teams machte. 

 

Shouchan könnte das Spiel zwar hinter der Wand aussitzen, da niemand seine Punktzahl aufholen konnte, aber erstens, würde früher oder später ein Team durch die Mauer brechen und zweitens, würde er damit seinem Versprechen aus der Rede, sein Bestes zu geben, nicht gerecht werden. 

Und wenn er den Schutz der Wand verließ, würden alle wieder über ihn herfallen.

 

Am wahrscheinlichsten würde es Team Bakugo durch die Mauer schaffen. 

Allerdings war dem grade von einem B-Team das Band gestohlen worden und er verfolgte es auf typische Bakugo Art: hirnlos Beleidigungen und Explosionen um sich schleudernd. 

 

Izuku war sich nicht sicher, ob er über die Absurdität lachen, oder weinen sollte. 

 

Es war absolut lächerlich anzusehen, aber es war vor allem traurig, dass ein tollwütiger Spitz eine größere Chance hatte, in die Heldengesellschaft aufgenommen zu werden, als die meisten Anderen. 

 

Er ließ seinen Blick wieder zu Shouto schweifen, der gerade mit den Mädchen aus seinem Team diskutierte. 

Er war gespannt, was sich sein Freund ausgedacht hatte, aber in nächster Zeit schien erstmal nichts zu passieren, also schaute er den anderen Teams zu.

 

Dieses Fest war für ihn besser als Ostern und Weihnachten zusammen. 

Er konnte so vielen Nachwuchshelden zuschauen und ihren Kampfstil analysieren wie noch nie zuvor. 

 

Das einzig traurige war, dass er seine Notizbücher nicht hatte mitnehmen können, das wäre viel zu auffällig gewesen. 

Er würde es sich halt eben alles merken müssen, was auch nicht so schwer war.

 

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“Alle bereit?”, fragte Shouto seine Gruppe. 

 

Die Mädchen nickten entschlossen und Yaoyorozu begann das Seil, welches sie hergestellt hatte, um ihre Hüfte zu binden, während Uraraka sie mit allen fünf Fingern berührte und sie schwerelos machte. 

 

Die Schwarzhaarige stieß sich ab, bis sie ein paar Meter über der Gruppe schwebte, gerade hoch genug, um über die Eiswand zu gucken. 

 

“Und?”, drängten die anderen sofort, doch sie hob beschwichtigend eine Hand. 

 

Die anderen Teams waren im Moment viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und ignorierten den Eiswall deswegen komplett. 

Anscheinend glaubten sie nicht daran, dass sie es durch ihn hindurch schaffen würden. 

Doch sie war geduldig. 

 

Mit einem kleinen Stoß aus Hatsumes Raketenschuhen brachte sie sich zum Rand der Eiswand, so, dass nur ihr Kopf drüber schaute. 

 

Auf der anderen Seite herrschte ein ziemliches Chaos und es war schwer einzelne Personen auszumachen. 

 

Auch die Positionen auf der Anzeigetafel wechselten ständig.

 

Das Team von Monoma hielt sich beständig auf Platz zwei, seit sie Bakugo bestohlen hatten, doch da sie viel zu sehr damit beschäftigt waren nicht von diesem in Stücke gesprengt zu werden, machten sie keine weiteren Punkte. 

 

Während sie viel zu sehr vom restlichen Kampf gefesselt war, merkte sie nicht einmal, wie von der Seite her etwas schwarzes auf sie zugeschossen kam, bis Dark Shadow auch schon mit ihrem Kopftuch verschwand. 

 

Frustriert schlug sie auf die Wand, doch Fumikages Team war immer noch in Reichweite.

Während sie sich noch von der Wand abstieß schrie sie “Todoroki, jetzt!“ und machte sich bereit, blitzschnell zuzustoßen.

 

Shouto hatte Dark Shadow gesehen, aber er war zu schnell gewesen, um ihn aufhalten zu können, daher hatte er schon vor Yaoyorozu’s Aufschrei sein Feuer gezündet und den Eiswall aufgeheizt. 

 

Sobald sie in sicherer Entfernung war, richtete er seine ganze Energie auf die Wand, die aufgrund der schnellen Temperaturänderung schlichtweg explodierte und das ganze dahinterliegende Feld in Eissplitter eindeckte. 

 

Team Fumikage, welches direkt vor dem Eis stand, wäre beinahe weggeschleudert worden, wenn Ibara sie nicht sofort mit ihren Pflanzenhaaren abgeschirmt hätte.

 

Doch Yaoyorozu stieß bereits vom Himmel, wie eine Rachegöttin, die auf den Feuerstrahlen von Hatsumes Raketenschuhen ritt. 

 

Mit einem Kriegsschrei schnappte sie sich zwei der Bänder und durchbrach dank ihrer Geschwindigkeit mühelos die Pflanzenwand und konnte gerade noch so vor dem Boden anhalten, während ihr Team sie an dem Seil zurückzog.

 

Shouto musste Momo und sein Team unterdessen gegen wütende Angriffe von Dark Shadow verteidigen, wobei ihm auffiel, das der vogelartige Schatten respektvollen Abstand zu seinen Feuerstrahlen hielt, in deren Nähe er kleiner zu werden schien. 

Könnte es sein, dass…

 

In diesem Moment brach die Hölle los. 

 

Monoma, der anscheinend die ganze Zeit nur darauf gewartet hatte, dass zwei Teams sich gegenseitig angreifen, damit er wie ein Aasgeier über die Überreste des Verlierers herfallen konnte, preschte zwischen die beiden Teams, dicht gefolgt von Bakugo, der mittlerweile aufgegeben hatte, sein altes Kopfband wieder zu kriegen und sich stattdessen auf die 10.000.000 Punkte konzentrierte. 

 

Shouto bekam nur noch mit, wie Monomas Team abrupt in ihrem Vorstoß unterbrochen wurde, weil Kaminari mit der Hilfe von Tetsutetsu als Leiter, die Gruppe grillte, während Fumikage und Ibara sich mithilfe ihrer Quirk abschirmten, bevor er mit Explosionen eingedeckt wurde, die er nur schwer mit seinem Eis abblocken konnte. 

 

“NOCH EINE MINUTE!“  

 

Shouto war überrascht, dass Present Mic es irgendwie schaffte, über den Lärm der Explosionen um ihn herum hörbar zu sein, aber die Ansage gab ihm auch einen kleinen Hoffnungsschimmer. 

Nur noch eine Minute mussten sie durchhalten, dann hätten sie gewonnen! 

 

Doch jetzt sammelten sich auch die übrigen Teams um sie herum und er verlor den Überblick darüber, wer alles angriff. Es wurde zu riskant hier, sie mussten weg!

 

“Okay, Zeit, hier zu verschwinden!“ rief er den Mädchen über den Lärm hinweg zu. 

 

Uraraka hatte bereits alle schwerelos gemacht und Yaoyorozu zündete ihre Raketenschuhe. 

 

Während sie vom Boden abhoben ließ er sein Eis um die anderen Teams wandern und setzte sie hinter einem perfekt kreisförmigen Wall fest, wobei einige Teams, die es auf sie abgesehen hatten, sich durch ihr plötzliches Verschwinden gegenseitig ausschalteten. 

 

WAS FÜR EIN MANÖVER!  

Erneut schafft Team Yaoyorozu mit einer spektakulären Flucht gleichzeitig zwei Teams auszuschalten! Sieht so aus, als stünde unser Sieger bereits fest!

In wenigen Sekunden ist der Kampf vorbei und die anderen Teams stehen erneut vor einer Eiswand. Man, das muss frustrierend sein…

Oh, scheint als will ein Team das nicht auf sich sitzen lassen - oder zumindest ihr Reiter.“

 

Shouto drehte sich um, nur um Bakugou erneut auf sich zufliegen zu sehen, angetrieben von Explosionen. 

Seufzend aktivierte er sein Eis und wartete darauf, dass Bakugou ihn angriff. Sobald dieser ihm die Hände entgegenstreckte, fror er sie mit einer Schlenker seines Handgelenks ein und sah Bakugou ohne seine Explosionen zu Boden fallen. 

 

Doch sein Team war leider bereits da, um ihn aufzufangen. 

 

UND DAS WARS!  

Was für ein Spektakel! So eine Spannung erlebt man nicht alle Tage, Leute! Aber nun! Lasst uns die Ergebnisse verkünden:

 

 Auf Platz eins! Und wer hätte es anders erwartet - Team Yaoyorozu!

Auf Platz zwei - und nach all ihren Bemühungen mehr als verdient! - Team Fumikage!

Und der dritte Platz, dank zurückgewonnen Kopftuch und vollkommener Zerstörung des Diebes, Team Bakugo!

Platz vier geht an: Team Shinso!

 

Gleich werden wir die Duelle für die letzte Runde anzeigen und ihr habt Möglichkeit an ein paar lustigen Spielen teilzunehmen doch bis dahin - PAUSE!"

 

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Nachdem die einstündige Pause verkündet wurde, damit die Wettkämpfer sich für die Duelle vorbereiten können, die jedes Jahr auf die selbe Weise in jeder Stufe durchgeführt wurden, konnte man auf einem großen Bildschirm über dem Stadion die Verteilung sehen.

Shouto Todoroki würde in der ersten Runde gegen Mashiro Ojiro antreten.

Kaminari gegen Shinso.

Katsuki Bakugo gegen Ochaco Uraraka.

Tetsutetsu gegen Kirishima.

Tenya gegen Mei.

Fumikage gegen Momo.

Mina gegen Ibara.

Ayoama gegen Asui.


Das würde noch spannend werden.

Lächelnd stand Izuku auf und verließ die Ränge.

Abgesehen davon, dass er etwas notieren musste, würde er gerne mit Shouto reden.

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"Hör zu, du verdammter Halb-Halb-Bastard! Du, mit deiner scheiß Narbe und deinem arroganten Verhalten wirst ganz sicher nicht zwischen mir und meiner Medaille stehen! Das wird mein erster Platz, du Hurensohn! Kapiert?!"

Alle Jungen in der Umkleide erstarrten bei der aggressiven Kampfansage.

Doch keiner rechnete mit dem Inferno, das der Angegriffene daraufhin entfachte, welches Bakugo bis an die Wand zurückdrängte; und auch nicht mit dem Eiszapfen, der auf einmal aus dem Boden schoss, die Spitze nur wenige Zentimeter von der Kehle des provokativen Teenagers entfernt.

Todoroki stand mit einem mörderischen Blick, in einiger Entfernung, gegenüber von Bakugo.

Er atmete schwer. Seine Finger zuckten, als müsste er sich konzentriert und mit voller Kraft zurückhalten, die Hand nicht nach vorne zu bewegen, um den anderen nicht wirklich wie Schaschlik aufzuspießen.

"Mach dich über mich lustig. Beleidige mich! 

Meine Narbe, mein Verhalten, meine Art!
Aber wage es niemals, wirklich niemals , etwas gegen meine Mutter zu sagen!"

Die Temperatur in dem Raum fiel um mehrere Grad und alle bekamen eine Gänsehaut, während ihr Atem in kleinen Wölkchen ihren Mund verließ.

Auf einmal wirkte der sonst für seine stählernen Nerven bekannte Todoroki, gar nicht mehr so ruhig und stoisch, sondern bedrohlich, wie ein Pulverfass, das kurz davor war, in die Luft zu gehen.

Er ließ Katsukis berühmt-berüchtigt-gefürchteten Wutanfälle harmlos und nach dem weinerlichen Geschrei eines Kleinkindes aussehen.

Im nächsten Moment schmolz das massive Eis und der Teenager mit dem monochromen Haaren flüchtete Hals über Kopf aus dem Raum, wo er seine Klassenkameraden verängstigt, in erdrückendem Schweigen, zurück ließ.

"Bakugo. So leid es mir tut, aber dieses Mal hast du so richtig verkackt."

Sogar der sonst so unsensible Bakugo gestand sich das im Stillen ein, während ein paar kleine Explosionen in seinen Handflächen knisterten.

Er hatte es in den Augen des Sohns von Endeavor gesehen.
Der andere hätte kein Problem damit gehabt ihn auf der Stelle, vor allen, aufzuspießen; und das war beängstigend.

Alles, was ihn gerade vom Tod getrennt hatte, waren zwei Zentimeter.

Der verdammte Heiß-Kalt-Bastard war doch krank im Kopf!

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Eigentlich war Shouto auf den Flur gegangen, um sich zu entspannen und herunterzukommen.

Aber wie das nunmal so ist, wenn es einem gerade schlecht geht: Es wird einem immer noch mehr reingewürgt.

In diesem Fall war die unerwünschte Extraportion sein herzallerliebster Vater, der ihm entgegen kam.

"Ich bin stolz auf dich, Shouto, dass du endlich dein kindisches Benehmen hinter dir gelassen und meinen Teil angenommen hast. Dein Zug bei dem Hindernislauf war wirklich gut.", dröhnte die Müllverbrennung - wie Surveye Endeavor ja so schön getauft hatte - und legte ihm eine Hand auf seine Schulter.

Angewidert rümpfte er die Nase und hob die Pranke des Mannes mit zwei Fingern von seinem Körper.

"Ich habe dich nicht akzeptiert.
Ich habe nur begriffen, dass ich mich selbst kaputt mache, wenn ich einen Teil unterdrücke, der durch und durch zu mir gehört. Das hat nichts mit dir zu tun.
Zudem würde ich es wirklich willkommen heißen, Körperkontakt mit dir auf ein Minimum zu halten.",
erklärte der Sohn seinem Vater unterkühlt.

"Was auch immer. Hauptsache, du wirst ein Held. Das Übertrumpfen von All Might kommt von selbst."

Endeavor gab nicht nach.

Er stufte die Ablehnung und den Selbstfindungsprozess seiner Kreation einfach nur als irrelevant und unbedeutend ein.

Shouto ging weiter, allerding mit grauenhafter Laune.

Bis er etwas hinter sich hörte.

Unregelmäßige Schritte, der zweite immer leicht schluftend.

So klang Izukus Gang!

Er warf einen Blick über seine Schulter und tatsächlich hinkte der Einäugige gerade in seine und Endeavors Richtung. 


Sein Erzeuger hatte sich noch kein Stück bewegt.

"Was suchst du hier hinten, Kleiner? Du bist keiner der Schüler.", knurrte der 'Held' den winzigen Teenager an, der nicht einmal zurück zuckte.

"Oh... Endeavor!
Erstaunlich, Sie mal in echt und nicht durch einen Bildschirm zu sehen. Hatte bisher nie die Ehre  einen Kampf beobachten zu dürfen!
Ich bin auf dem Weg zu meinem Freund. Ich dachte mir, er könnte ein wenig Gesellschaft gebrauchen, wo ich doch weiß, dass sein Vater bis jetzt alles kritisch beobachtet hat und seine Klassenkameraden nicht gerade angenehme Gesellschaft sind."

Shouto bog in einen Seitengang ab und lugte heraus, um das gesamte Gespräch verfolgen zu können.

Sein Erzeuger wirkte irritiert.

"Dein... Freund?"

"Wir sind nur gute Freunde.", erklärte der Grünhaarige lächelnd, "Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, sein alter Herr wäre nicht begeistert, wenn er mit jemandem seines Geschlechts zusammen wäre.
Jedoch weiß ich auch nicht, worauf er steht.
Er weiß ja auch nicht, dass ich Schwul bin."

Endeavor rückte kaum merklich von dem Kleineren ab.

Shouto wusste, dass Izuku wusste, dass er zuhörte und er fragte sich, ob der Einäugige gerade die Wahrheit sagte, oder einfach nur Spaß dabei hatte, dieses Trauerspiel von einem Helden zum Narren zu halten.

"Ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb du so verkrüppelt wurdest.", brummte sein Vater und der heimliche Zuhörer musste sich ziemlich plötzlich mit einem Anfall des Bedürfnisses seinen Vater schock-zu-frosten herumschlagen.

Doch der Schurke nahm es gelassen und kratzte sich mit einem schmerzerfülltem Lächeln am Hinterkopf.

"Nein nein. Keineswegs. Sehen Sie, mein Leben meinte es nicht gut mit mir. Dass ich so humpel und verunstaltet bin, habe ich leider ein paar der Schüler der 1A zu verdanken. In der Grundschule und Mittelschule missbrauchte mich einer von ihnen regelmäßig, weil ich quirklos bin."

Es klang so leicht von Izukus Lippen. 

So vollkommen unbeschwert, als würde er über eine schlechtere Note auf seinem Zeugnis sprechen. Als wäre es eine Kleinigkeit.

Endeavor war vollkommen überrumpelt und auf einmal schien ihm diese ganze Situation noch unangenehmer zu sein.

"Uhm... ver-verzeihung. Mein... mein Beileid."

Der heimliche Zuhörer biss sich auf einen Fingerknöchel um das Lachen zu unterdrücken, dass in seiner Kehle aufstieg, als er das Gesicht seines überforderten Peinigers sah.

"Sie können ja nichts dafür.", meinte Izuku mit einem Lächeln, dass die Sonne blenden könnte, "Aber Sie können sehr wohl verhindern, dass anderen das selbe Schicksal wie mir und meinem Freund passiert: Von Freunden und Familie misshandelt und gefoltert werden.
Schließlich sind Sie ein Held, nicht wahr, Endeavor?
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag."

Damit ging der Wuschelkopf an dem doppelt so großen Helden vorbei, der der kleinen Gestalt perplex nachschaute.

"Ah. Hallo, Shouto. Hier bist du also.", begrüßte der Schurke ihn lächelnd, als wäre Endeavor längst nicht mehr im Flur.

Bei dem Teenager schrillten sofort alle Alarmglocken, doch er erinnerte sich erneut, dass war nicht mehr nötig.

Sollte es hart auf hart kommen, war er jetzt schon auf dem selben Level wie sein Erzeuger, dass hatte Surveye persönlich ihm bestätigt.

"Hey, Izuku. Ich hätte Lust auf einen kleinen Spaziergang, willst du mitkommen?"

"Klar! Gerne. Wenn ich darf?"

"Sonst würde ich dich nicht fragen."

"Na dann los!", damit wurde er von dem Kleineren am Arm gepackt und weggeschleift.

Lachend stolperte er Stains Erben hinterher.

"Izuku! Wir - haha - wir müssen in die andere Richtung, Dummkopf."

"Oh... ähm...",
der Grünhaarige lockerte seinen erstaunlich festen Griff um den Arm des Helden in Ausbildung,
"Vielleicht ist es besser, wenn du die Führung übernimmst."

"Ja, ist es."

Shouto hatte überhaupt kein Problem damit, seinen Vater zu ignorieren, als er mit seinem Freund wieder an dem Helden vorbei ging und sich dabei mit dem Kleineren über allen möglichen Blödsinn unterhielt.

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"Du bist also schwul?"

Der Grünhaarige lief rot an und schaute beschämt zu Boden, was eigentlich schon Bestätigung genug war.

"Uhm... n-naja... es... ich fürchte, ich habe mich in einen Jungen verknallt... a-also liegt der Gedanke nahe, das... und... tja."

Beruhigend wuschelte er durch die wilden Locken und lächelte den Schurken an.

"Alles gut.
Man ist, wie man ist und liebt, wen man liebt.
Und was meine Präferenzen angeht: Ich habe keine Ahnung.
Ich fühlte mich eigentlich noch nie groß zu diesem Thema hingezogen. Was meinen Alten wahrscheinlich früher oder später noch richtig nerven wird, da er sicherlich verlangt, dass seine kostbaren, in mir verankerten Gene vererbt werden."

Izuku schüttelte bei diesem Gedanken den Kopf und sein Blick zeigte eine Mischung aus Abscheu, Sorge und Unverständnis.

"Dein Vater ist bescheuert! Und zwar so richtig! Ich kann den Anblick dieser Müllverbrennung einfach nicht ausstehen! Er hat sich seine Position als Nummer zwei nicht verdient!"

"So ist er halt, da kann man nichts machen.", meinte der Schüler.

Sie gingen eine Zeit lang noch schweigend weiter, doch der Größere wurde immer langsamer, sank dabei kaum merklich in sich zusammen und blieb schließlich stehen, mit hängenden Schultern, sein Haar fiel in sein Gesicht und verdreckte seine Augen, während er sich selbst mit einem Arm umarmte.

Augenblicklich war Izuku neben ihm und rieb seinen Rücken zwischen den Schultern mit einem besorgten Blick.

Wurde das alles zu viel für Shouto?
Vielleicht sollte er ihn krank melden und mit zu sich nach Hause nehmen, damit er sich einmal in einer ruhigeren Umgebung erholen konnte? Naja - zumindest einer weniger feindseligen.

"Du kennst Bakugo doch schon lange."

Die Aussage erwischte ihn unerwartet.

Was hatte Kacchan, dieser herzlose Bastard, jetzt schon wieder gemacht?!

"Ja?"

"Das heißt doch, dass du ziemlich viel über ihn weißt."

"Naja. Es ist zehn Jahre her, dass wir vernünftigen Kontakt hatten, und zwei, dass ich ihn überhaupt gesehen habe.
Doch ich denke, ich bin gut im Bilde."

"Aber du hast ihn in einem deiner Hefte?"

"Ja, habe ich. Shouto, was ist los?"

Der Größere hob seinen Kopf ein wenig und Izuku konnte neben unvergossenen Tränen und meerestiefem Schmerz, einen eisgekühlten Hass und brodelnde Mordlust erkennen.

Zögernd streichelte er mit einem Daumen über Shoutos Wange,  wenige Millimeter unter der Brandnarbe.

Der Held in Ausbildung schloss seine Augen und schmiegte sich mit einem entspannten Ausatmen an die Hand des jungen Mörders.

"Ich will ihn töten.",
murmelte der Sohn Endeavors leise, doch in den Ohren von Stains Schüler klang dieser Satz nach einem so endloß verlockendem und süßen Liebesschwur, dass er sein Herz endgültig an den jungen Mann vor sich verlor.

Chapter Text

Er atmete tief durch, bevor er nach draußen auf den Platz trat.

Die Zuschauer waren am Jubeln und er hörte am Rande, dass Present Mic ihn vorstellte.

Er ließ die ganzen Eindrücke einfach nur an sich vorbei rauschen und blieb noch etwas länger in seiner kleinen Blase der Entspannung und Befreitheit.

Es hatte nicht lange gedauert, bis alle Dämme sich aufgelöst hatten und er weinend vor dem Schurken zusammen gebrochen war und unter Schluchzen alles erzählte, was er bis dahin noch nicht gesagt hatte.

Doch Surveye hatte sich einfach nur um ihn gekümmert und ihm die Zeit gegeben, die er brauchte, um sich wieder zu fangen.

Die ganze, restliche Pause lang haben sie nur auf dieser verlassenen Treppe gesessen, sich in den Armen gelegen und den Trost durch die Nähe des Anderen genossen.

Izuku hatte ihm, kurz bevor er zu seinem Platz zurückgekehrt war, noch einen Kuss auf den Kopf gegeben und viel Glück bei den Kämpfen gewünscht.
Dann war er gegangen, doch die gemeinsame Zeit hatte ein schönes Gefühl von Wärme zurück gelassen; von Wärme, versiegten Tränen und bedacht schlagenden Herzen.

Ojiro stand auf der anderen Seite der großen Betonplattform.

Sein Schwanz zuckte träge, wie der einer Katze, wenn sie sich entspannt sonnte.

Sein Klassenkamerad wirkte selbstsicher.

Was ihm wohl das Gefühl vermittelte, er könne gewinnen?

"Also, die Regeln sind einfach.
Wenn ihr es schafft euren Gegner aus dem Ring zu schieben, oder ihn unbeweglich zu machen, habt ihr gewonnen. 

Ihr habt jederzeit die Möglichkeit auszugeben.
Sollte jemand von euch bedroht sein, ernsthaft verletzt zu werden, brechen wir den Kampf ab.
Verstanden? Gut."

Die Frau machte einen Schritt zurück und ließ ihre Peitsche durch die Luft sausen.

"Kämpft!"

Sofort ließ er die Blase hinter sich und breitete beide Arme aus, während Ojiro auf ihn zusprang.

Und es war schon vorbei.

Mit einer fließenden Bewegung erschuf er eine Kuppel aus Feuer, um seinem Gegner den Fluchtweg nach oben abzuschneiden und gleichzeitig ließ er das Eis auf den anderen Teenager zurasen, um ihn zu ergreifen und einzuschließen.

Er ließ die Arme fallen und betrachtete den Eisberg, der seinen Klassenkameraden vollkommen Bewegungsunfähig machte.

"Ojiro, kannst du noch weiter kämpfen?", fragte Midnight, wahrscheinlich aus Formalität.

"W-wie s-s-sollte ich?", erkundigte sich der Andere mit klappernden Zähnen.

"Ojiro kann nicht mehr Kämpfen, gewonnen hat: Todoroki!"

Der Gewinner hatte schon den Großteil des Eisklotzes wegschmelzen lassen und drehte sich mit stoischer Mine um, während Ojiro sich aus der letzten, dünnen, gefrorenen Wasserschicht heraus kämpfte.

Die Leute waren still.

Anscheinend hatten sie mit mehr gerechnet.

Doch dann fing eine einzelne Person aus einem besten Ränge an, zu klatschen und zu jubeln.

Shouto sah, wie sein Vater an die Absperrung ging und ebenfalls langsam zu klatschen begann.

Zögernd stieg der Rest der Masse ein und der Teenager musste lächeln.

Danke, Izuku.

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Der nächste Kampf war Shinso gegen Kaminari.

Man konnte sich eigentlich schon anhand dieser Kombination denken, wie es lief.

Als die beiden Kontrahenten sich gegenüber standen, rief der Junge mit den lilanen Haaren nur: "Auf einen guten Kampf."

"Ja-...!"
Und die enthusiastische Antwort wurde von einem leeren Blick ersetzt.

"Geh aus dem Ring."

Sofort drehte sich die Marionette um und tat wie befohlen.

"Kaminari ist aus dem Ring. Der Gewinner ist: Shinso!"

Erneut hielt sich die Begeisterung in Grenzen.

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Und dann kam Bakugo gegen Uraraka.

Als alle dieses kleine, weiche, süße Mädchen sahen, konnten sie sich nur schwer vorstellen, dass sie eine Chance gegen diesen aggressiven Kerl haben könnte, und sahen sich bestätigt, als Bakugo sich auf sie stürtzte und ihr eine Explosion entgegen schleuderte, die den Boden aufriss.  Uraraka wich geschickt aus und versuchte sich zu ihm durchzukämpfen, um ihn zu berühren. Ein kurzes Antippen und der Kampf wäre vorbei, Bakugo würde bewegungsunfähig in der Luft hängen und sie hätte gewonnen, doch dieser schleuderte sich mit einer Explosion außer Reichweite und zwang sie dazu erneut zurückzuweichen. 

 

Dieses Spiel ging eine Weile so weiter. Immer wenn Uraraka fast an Bakugo heran kam, katapultierte er sich außer Reichweite und deckte sie dann mit Explosionen zu, denen sie mehr oder weniger geschickt auswich.

Izuku konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

Diese Leute waren allesamt so auf den Kampf fixiert, dass keiner auch nur einen Blick nach oben warf, wo sich die Stücke, die Bakugo aus dem Boden sprengte, wie ein Teppich ausbreiteten, bereit, auf das Spielfeld niederzuregnen.

Und Kacchan war noch blöder, weil er kein einziges Mal seine Aktionen überdachte und wie ein Berserker einfach drauf los ballerte, was ihm langsam aber sicher die Missgunst des Publikums sicherte, die nicht verstehen konnten, wie er immer wieder scheinbar blind vor Wut tödliche Explosionen auf seine zierliche Gegnerin schleuderte.

Die Lehrer fingen an die Leute zurecht zu weisen, dass es sich immernoch um einen Wettbewerb handelte und dass Bakugo wohl kaum solche Kräfte einsetzten würde, wenn er sie nicht als nötig empfinden würde.

Das stellte die Menge kurz ruhig -

- und dann ließ Ochako Uraraka die Schwerkraft wieder die Kontrolle übernehmen.

Alle waren vollkommen perplex, als das ganze Geröll vom Himmel regnete und Izuku hatte für einen Moment wirklich erwartet, dass Kacchan von den Steinen begraben werden würde - und er hätte absolut nichts dagegen gehabt.

Doch der Blonde hatte einiges an Kraft zugelegt. Mit einem Knurren schickte er eine Explosion in den Himmel, die sämtliches Geröll sofort pulverisierte und eine Schockwelle durch das ganze Stadion sandte.

Der Grünhaarige sprang ungläubig auf, als er die Ausmaße von Bakugos Kraft sah.

Das war Unmenschlich! Dämonisch!

Der Rauch lichtete sich und die Brünette versuchte sich wieder aufzurichten, wieder auf die Beine zu kommen. Doch ihre Beine trugen sie nicht mehr. Sie hatte alles auf diese Karte gesetzt und nicht damit gerechnet, dass Bakugo ihren Plan einfach zu Staub zermalmen würde. 

 

Doch trotzdem versuchte sie weiterzukämpfen, irgendwie noch zu gewinnen, aber ihre Beine knickten unter ihr weg.
Sie brach zusammen und musste auf einer Trage davon transportiert werden. 

 

Und Kacchan konnte nicht anders, als ihr anerkennend zuzunicken. Ihr Plan war verdammt gut gewesen, und hätte auch bei den meisten anderen funktioniert. Doch er war nicht “die Meisten“. Er war die Nummer 1, und er würde es ihnen zeigen. 

Er grinste.

Izuku verzog das Gesicht. 

Kacchan hatte immer noch dieses Grinsen. 

Diesen Gesichtsausdruck. 

Diese teuflischen Augen.

Der Applaus war verhalten, doch dieses Mal aus einem anderen Grund.

Bei diesem Duell war eindeutig zu viel passiert.

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Tetsutetsu gegen Kirishima.

Was sollte man zu dieser Kombination sagen?


Dieser Kampf war... spannend.

Zumindest in den ersten Minuten.

Anfangs war es wirklich unterhaltsam den beiden Jungen zu zu schauen, wie sie versuchten einander zu übertreffen, wenn sie auch gegen ihr Spiegelbild, oder eine Kopie hätten kämpfen können.

Doch nach und nach wurde es einfach nur ermüdend und langweilig.

Seufzend wühlte der Grünhaarige die Snacks und Getränke aus seiner Tasche heraus und verteilte sie an die Leute, die um ihn herum saßen und fing an ein wenig Smalltalk zu starten, um etwas zu tun zu haben.

Und es war wirklich amüsant mit den ganzen Leuten zu sprechen, bis die Kontrahenten sich unten im Ring gegenseitig KO schlugen.

Danach ließ man die Gespräche fallen, um sich wieder auf das Festival zu konzentrieren, doch der Schurke wagte es, dies als seine gute Tat des Tages zu betiteln.

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Als nächstes trat Tenya gegen Mei an und der Grünhaarige flehte im Geiste, dass die Erfinderin das jüngste Mitglied der Iida Familie aus dem Rennen brachte, einfach nur, damit dessen Stolz einen riesen Riss bekam.

Das, was kommen würde, war sehr, sehr, sehr viel besser, als ein einfaches 'Besiegt werden', wie der Broker feststellen musste.

Es war schon auffällig, dass der Brillenträger mit diesem komischen Gerät in den Ring kam und Izuku ahnte, dass etwas Gutes auf sie alle wartete.

Und dann fing Mei mit ihrer Show an und Tenya war unfreiwilligerweise die Hauptattraktion.

 

Während er noch auf sie zurannte, kamen aus ihren Schuhen teleskopische Stelzen, die sie außer Reichweite brachten.

 

Doch Tenya ließ sich davon nicht beirren und startete einen neuen Angriff auf Mei, dem sie natürlich mit Leichtigkeit auswich, wobei sie das Publikum auf die Wendigkeit aufmerksam machte, die ihm ihr Gerät verlieh, während sie selbst einige ihrer “Babys“ an ihm demonstriert, was von den Geschäftsleuten in den obersten Reihen gespannt beobachtet wurde.

Lachend hielt sich der Einäugige eine Hand vor den Mund.

Tränen liefen über sein Gesicht und er versuchte möglichst still zu sein.

Es ging nicht.

Er war an dem Punkt eines Lachanfalls angekommen, wo man nur noch klatschend, mit bebenden Schultern und heulend vor und zurück wackelt, ohne Luft, oder einen einzigen Ton heraus zu bekommen und deswegen aussieht, wie eine geistig zurückgebliebene Seerobbe.

Er holte tief Luft und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, noch immer war es nicht vorbei und er konnte schon stolz auf sich sein, dass er es geschafft hatte, im Stuhl zu bleiben.

Niemand nahm es ihm wirklich übel, dass er so gelacht hatte - er war längst nicht der Einzige.

Mei würde ihnen allen für immer in Erinnerung bleiben und dies war wohl das Wichtigste für die Erfinderin mit den pinken Dreadlocks.

Sie hatte ausgezeichnete Werbung für ihre Erfindungen auf der größten Bühne gemacht, die sie jemals finden könnte.

Man sah, dass die Schülerin vollkommen zufrieden mit sich war, als sie den Kampfplatz verließ und so Tenya Iida gewinnen ließ, der vollkommen fertig mit der Welt zu sein schien.

Wenn das nicht Mal ein schöner Anblick für Surveye war.

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Der Kampf: Tokoyami gegen Momo entwickelte sich ähnlich zu dem von Ojiro und Todoroki.

Das Mädchen versuchte bei dem Kampf mitzuhalten, wurde von dem Schatten allerdings innerhalb weniger Sekunden aus dem Ring gedrängt.

Es war unverständlich für Izuku, dass sie es nicht hinbekommen hatte.

Sie hatte mehr als genug Vorbereitungszeit für ihre Quirk, sie hätte einen Flammenwerfer, eine Fackel und ein Feuerzeug, eine Blendgranate, irgendetwas in diese Richtung locker in der Pause planen und erschaffen können und nicht erst so einen simplen Schild, wenn sie sich schon im Ring befand.

Der Schwarzhaarigen fehlte die nötige Intelligenz und Voraussicht.
Sie machte nicht das, was bei ihrer Quirk am geeignetsten war, nämlich 'planen'.

Vielleicht würde der Broker ihre diese Information zukommen lassen - natürlich gegen Einforderung eines vernünftigen Preises.

Mal sehen.

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Ashido gegen Shiozaki war schnell entschieden.

Das Mädchen mit den Pflanzenhaaren hatte nicht wirklich eine Chance gegen ihre Gegnerin.

Ashidos Haut war von oben bis unten mit Säure bedeckt und damit unantastbar.

Ibara versuchte zwar, ihre Kontrahentin zu umschlingen und dann aus dem Ring zu schleudern, doch die Pinkhäutige verätzte einfach nur die Ranken und schlitterte dann auf der Säure auf das andere Mädchen zu, um es aus dem Ring zu stoßen.

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Der letzte Kampf war Aoyama gegen Asui und möglicherweise der beliebteste Kampf der Vorrunde, mit genau genug Action, Quirk nutzten und länge, dass er nicht als brutales Abschlachten, oder unspektakuläres Überwältigen eingestuft werden konnte. 

 

Asui stellte ihre Flexibilität und Agilität zur Schau, indem sie auf der Plattform herum hüpfte, bis Aoyama kurz davor war wegen seiner Bauchschmerzen zusammen zu brechen und dann schmiss sie ihn einfach mit ihrer Zunge aus dem Ring.


Danach erklärte Midnight, dass Eijiro Kirishima mittlerweile wieder bei Bewusstsein und kampfbereit war, während Tetsutetsu Tetsutetsu immer noch ohnmächtig in der Krankenstation lag.

Also würde der Rothaarige weiter kommen.

So wurde die Vorrunde beendet und die nächsten Paare standen automatisch schon fest.

Shouto gegen Hitoshi.

Bakugo gegen Kirishima.

Iida gegen Fumikage.

Tsuyu gegen Mina.

Und für Izuku könnte es nicht besser laufen, denn nach Allem, was er von Shouto gehört hatte, hatte Katsuki Bakugo zum ersten Mal in seinem Leben wirklich etwas, dass man als Freund bezeichnen könnte, und diese Person war Eijiro Kirishima.

Wie würden wohl die Beiden damit klar kommen, sich im Ring gegenüber zu stehen?

Surveye war sich sicher bei dem, was Kacchan tun würde, doch dessen 'Kumpel' könnte dabei ziemlich übel verletzt werden, in mehrfacher Hinsicht.

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Shouto wusste, dass er den nächsten Kampf locker gewinnen könnte, die Frage war nur, wie?

Bei seinem Klassenkameraden lohnte es sich eigentlich nicht, eine Quirk zu verwenden.

Es könnte schnell so wirken, wie der Kampf zwischen Ochaco und Bakugo: Brutal, herzlos, unfair.

Er konnte nicht wirklich zustimmen, da er wusste, aus welchem Holz seine Klassenkameradin geschnitzt war - und es war härter, als das einiger Anderer.

Er, an Bakugos Stelle, hätte nur nicht den ganzen Boden in die Luft gejagt und ihr so eine Möglichkeit für diesen Meteoriten-Regen gegeben.

Also musste dieser Kampf wohl oder übel mit Fäusten gewonnen werden, wenn er nicht auch wie ein Monster dargestellt werden wollte - nicht, dass Kampfsport für ihn wirklich ein Problem wäre, dank seines Vaters.

Mit zusammengebissenen Zähnen erinnerte er sich an die ganzen Trainingsstunden.

Das ständige Üben, bis seine Muskeln brannten und zu reißen drohten, bei dem er nicht selten sich nach einem Tritt oder Schlag in den Magen übergeben musste, wo er häufig mit Nasenbluten, blauem Auge, oder einer ausgekugelten Schulter endete und dann einfach liegen gelassen wurde.

Ein Held müsste über solchen Dingen wie Schmerz stehen können.

Der Hass kochte in ihm hoch und er grub sich schnell die Nägel in die Handflächen, ehe etwas unkontrolliertes passierte.

Er würde Hitoshi sicher leicht verprügeln können.

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"KÄMPFT!"

"Du bist eben ganz schön ausgerastet, als Bakugo deine Alte erwähnte. Ist das ein wunder Punkt?"

Shouto würde Hitoshi das überhebliche Grinsen noch früh genug von dem Gesicht wischen.

Ohne auf den Anderen einzugehen, setzte er sich in Bewegung.

"Ich meine ja nur… Es hat echt so ausgesehen, als würdest du ihn jede Sekunde aufspießen, also wird schon was wichtiges dran sein.
Was hast du dir dabei gedacht? Wolltest du ihn wirklich umbringen?"

Ich will ihn immer noch umbringen.

Doch die Worte blieben ungesagt.

Der Lilahaarige ging in Angriffsstellung und starte einen weiteren Versuch, indem er seinen Vater, seine Geschwister, ihn und schließlich seine Mutter beleidigte.

Doch er biss sich auf die Zunge.

Er würde nicht wegen so etwas verlieren!

Der erste Schlag kam von Hitoshi und war um einiges präziser, als Shouto erwartet hatte.

Nicht, dass ihm das Probleme bereiten würde, aber es blieb die Frage: Woher?

Die Antwort würde er nie finden, doch es war leicht.

Hitoshi Shinso wurde außerhalb der Klasse von einem gewissen Untergrundhelden und Lehrer unterstützt, der in ihm ein außerordentlich großes Potential sah.

Doch keiner konnte erahnen, was Endeavor mit seinem Sohn gemacht hatte, seit dieser ein kleines Kind gewesen war.

Shouto hatte beide Hände zu Fäusten geballt, den Daumen draußen, in dem Moment, wo der Puppenspieler ausholte, hob er beide Arme und wich mit einer geschickten Bewegung aus, um noch in dieser Bewegung auf die Leber des anderen Jungen zu zielen.

Allerdings traf er nicht, weil sein Gegner rechtzeitig zurück sprang.

Jedoch er sah in den violetten Augen, dass Hitoshi nicht mit dieser Kampfausbildung gerechnet hatte.

Er zögerte nicht weiter, kam nach und holte mit dem rechten Bein zu einem Kick aus.

Er traf und sein Klassenkamerad lag am Boden und rappelte sich eilig, aber mühsam, wieder auf.

"Wann... wie... woher kannst du das?!"

Er zuckte mit den Schultern und lockerte seinen Nacken ein wenig, ehe er mit einer Bewegung seinen Kontrahenten stumm zum Weiterkämpfen aufforderte.

"Dich werde ich wohl nie zum Antworten bekommen."

Ein Kopfschütteln und ein gerader Schlag ins Gesicht waren die bestätigende Antwort.

Der Lilahaarige torkelte zurück.

"Willst du mich etwa den ganzen Weg aus dem Ring rausprügeln?!"

Ein spöttisches Lächeln seinerseits und ein Tritt, dieses Mal unterstützte er ihn allerdings mit Feuer.

Hitoshi wich schnell zurück.

Bald wären sie an der Grenzen angekommen.

Entschlossen ging der Teenager mit der Wuschelfrisur tiefer und stürzte sich auf Shouto.

Er wich dem Schlag aus, setzte selber nach, blockte, verwandte Feuer und Eis, um seinen Kampfpartner immer weiter zurück zu drängen. 

 

Nicht angreifen. Bloß nicht angreifen und es so aussehen lassen als würde er ihn abschlachten. 

Aber er sollte dem anderen sehr wohl seinen Respekt erweisen und das ging nur, indem er seine Quirk verwandte.

Und dann überschritt Hitoshi die Linie und er drehte sich um.
Der Kampf war vorbei.

"Shinso ist aus dem Feld, gewonnen hat: Todoroki!"

Dieses Mal musste der Schurke in der Arena nicht alle zum Jubel auffordern, es kam von selbst.

"Woher konntest du das?
Ich übe Tag für Tag, mehrere Stunden lang in einem Verein und alleine, seit ich elf bin. Du warst besser, als einige der Erwachsenen dort!"

Shouto warf einen Blick über seine Schulter und antwortete schließlich: "Ich hatte schon seit langem einen gnadenlosen Lehrer, Shinso-Kun.
Man lernt; und sei es nur, um nicht schon nach fünf Sekunden auf die Matte kotzen zu müssen."

Dann ging er.

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Bakugos zweiter Kampf schockierte die Zuschauer und widerte sie gleichermaßen an.

Letzten Endes blieb er als grausamer Dämon in ihren Köpfen zurück.

Für einen grünhaarigen, einäugigen Schurken, der sich unter die Menge gemischt hatte, weckte das gebrüllte "STIRB!" und "VERRECKE!!!" allerdings nichts weiter, als vertraute Kindheitserinnerungen.

Kacchan war, wie für ihn typisch, einfach auf Eijiro losgegangen und hatte nicht einmal einen Wimpernschlag daran verschwendet, zu bedenken, dass sein Gegner sein erster Freund und der größte Helfer bei dem Erreichen der letzten Runde war.

Jede Explosion war lauter, größer und stärker, als die davor und lange sah es so aus, als würde es den Rothaarigen mit der Verhärtungs-Quirk nicht im geringsten beeinflussen.

Doch dann fing die steinähnliche Haut an zu bröckeln und die weiche, verletzliche frei zu geben.

Katsuki hatte sein Ziel gefunden.

Izuku hatte mit morbider Faszination zugesehen, wie sein Kindheitsfreund zu dem Teufel persönlich mutierte und Salve um Salve auf seinen Gegner abfeuerte.
Immer wieder noch mehr Kraft, noch mehr Schweiß und Energie, noch mehr Hitze und Druck erzeugte, bis der Rothaarige sich nicht mehr halten konnte und mit übel aussehenden Verletzungen aus dem Ring geschleudert wurde.

Auch Eijiro Kirishima musste auf einer Trage weggebracht werden, während Katsuki Bakugo mit einem Gesichtsausdruck purer Rage mitten im Ring stand und wie der Zorn in Persona wirkte.

Die Ovation war formell und erzwungen.
Vielmehr hatten alle Zuschauer Angst, der wahnsinnige Teenager mit der Explosions-Quirk würde als nächstes auf sie losgehen, wenn sie nicht klatschten und seinen 'Sieg' anerkannten.

Stumm und mit verschränkten Armen sah Izuku sich das Trauerspiel an.

Seine Gesichtsausdruck war gedankenverloren und melancholisch.

Er erinnerte sich daran, wie Katsuki schon früher immer dafür sorgte, dass alle ihm ihren Beifall gaben.

Er musterte die selbstgefällige Mine Kacchans und empfand einen unangenehmen Schmerz, den er nicht richtig lokalisieren konnte.

Was hatte diese Heldenschule nur für ein Monster; einen Dämon; was für einen Bösewicht, hatte sie da erschaffen?

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Bei dem Kampf Tenya gegen Fumikage hatte Izuku felsenfest darauf gewettet, dass der Junge mit dem Vogelkopf gewinnt.

Wie sich zeigte, konnte sogar Surveye sich irren.

Woher hätte er auch von diesem Angriff wissen sollen?

In demselben Moment, als der Kampf begann, schoss Dark-Shadow auf den Gegner los... nur, dass dieser nicht da stand, wo er es vor einer Sekunde noch tat.

Tokoyami wurde mit einer enormen Geschwindigkeit getackelt und aus dem Ring rausgeschoben, bevor seine Quirk eingreifen konnte.

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Als Ashido und Asui kämpften, schienen alle überzeugt zu sein, dass die Pinke gewinnen würde, nur Surveye war von dem Froschmädchen überzeugt.

 

Seine begründung war simpel.

 

Mina war zu aufgeregt und zu voreilig, was für eine Kontrahentin wie Tsuyu, die bedacht und ruhig war, eine leicht gefundene Schwäche ist. 

 

Der Kampf war mehr eine Sorte von einem Fangspiel, bei dem die Grünhaarige das andere Mädchen durch den Ring schlittern ließ und dabei Säure-Pfützen vermied, bis sie sie mit einem Tritt in den Rücken aus dem Ring katapultierte.

 

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Shouto musste danach noch gegen Tsuyu Kämpfen und Katsuki gegen Tenya. 

 

Im gleichen Moment wo der Start verkündet wurde und Shouto seine Quirk aktivierte, sagte sie ruhig, dass sie aufgab, weil seine Fähigkeiten ihre größte Schwäche waren und sie sich nicht in einem verlorenen Kampf ernsthaften Schaden zuziehen wollte.

 

Bakugo wich Iidas Spezialattacke mit einer Explosion aus und beförderte ihn mit einer weiteren über die Grenze.

 

Dementsprechend war die vorletzte Runde nicht nur die schnellste von allen, sondern auch die langweiligste.

 

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Midnight stolzierte auf die offene Bühne und verkündete das weitere Vorgehen: "Und hiermit stehen der dritte und vierte Platz fest, da Iida Tenya auf Grund von Familienangelegenheiten den Wettkampf vorzeitig abbrechen musste.

Shouto Todoroki und Katsuki Bakugo werden noch einmal gegeneinander antreten, um den ersten und den zweiten Platz fest zu legen.
Davor gibt es noch eine dreißig minütige Pause, damit die Kontrahenten sich ungestört vorbereiten können."

Sofort stand Izuku auf und schaute zu Shoutos Vater, der blieb, wo er war.

Wenigstens so viel Vertrauen hatte die Müllverbrennungsanlage in seinen Sohn.

Eilig rannte der Einäugige aus dem Zuschauerbereich und nach hinten, wo er den Raum fand, der für Todoroki ausgeschildert war und sein Herz rutschte irgendwo in die Nähe des Erdkerns.

Kacchan stand in der Tür. 

Chapter Text

"Hey! Icyhot! Was zum Teufel suchst du in meinem Raum?!"

"Das ist meiner. Du hast dich in der Tür vertan. Ich wäre auch fast in deinen rein gegangen. Verzeihung deswegen."

"Hah?!"

Der Blonde schaute nach draußen auf das Schild, tatsächlich hatte er die falsche Tür erwischt.

"Ist ja auch egal!
So oder so, wehe, du hältst dich bei mir zurück! Wag' es nicht! Sonst bringe ich dich um! Verstanden?!"

Der Teenager mit den heterochromen Haaren zuckte mit den Schultern und deutete ein Nicken an, doch dann blieben die verschiedenfarbigen Augen an etwas hinter Bakugo hängen und wurden ein wenig größer.

Sofort fuhr der Blonde herum und sah sich erstmal der Wand gegenüber.

Sein Blick wanderte nach unten und er musterte grüne, lockige, verwuschelte Haare und merkte, wie sich kleine Explosionen in seinen Händen bildeten.

Das konnte nicht wahr sein!

"Hey!"

Der kleine Typ vor ihm zuckte zusammen und machte sich zitternd etwas kleiner.

"Bitte tu' mir nichts! Ich habe keine starke Quirk! Bitte! Ich wollte echt nicht- ich..! Ich wollte nicht im Weg stehen!", quiekte der Junge und stolperte gehetzt zur Seite, ohne den Kopf zu heben.

"Schau mich an, wenn ich mit dir spreche, Pisser!", knurrte der Junge mit der Explosions-Quirk und sorgte so dafür, dass der Andere den Kopf hochriss.

Grüne Locken, grüne Augen, Sommersprossen.
Die Narben, die Augenringe und das blinde Auge waren neu, aber er war sich sicher.

"Du!"

"I-ich? W-was... ich... ich kenne Sie nicht! Ich schwöre, es war ein anderer! Ich- ich wollte- ich bin nur- ich!"

Eine kühle Hand schob Bakugo, der kurz davor war sein Gegenüber in die Luft zu jagen, aus dem Weg.

"Zuko, was suchst du hier? Eigentlich sollen wir alleine sein."

Katsuki erstarrte.

War Shoutos Stimme etwa warm und freundlich? Was war mit ihrem Klassen-Eisklotz passiert?!

Warte... Zuko?

"Wie heißt du?!", fuhr er den Wuschelkopf an.

"Z-zuko I-idori!", stammelte der Grünhaarige und klammerte sich an Shoutos Hand.

"Komm schon, Bakugo, du machst ihm Angst. Er ist vollkommen harmlos."

Der Blonde musterte die beiden Jungen vor sich und schnaubte schließlich abfällig.

"Du hast mich an einen alten Bekannten erinnert.
Quirkloser Scheißnerd. Dachte immer, mir erzählen zu können, was gut und was schlecht ist.", erklärte der Rowdie und betrachtete erneut das Paar vor sich.

"Ich lass euch Narbengesichter dann Mal alleine, aber wehe ich muss mir das Fischauge anhören, wenn er durchgefickt wird!",
damit verschwand er, wobei er ihnen noch den Mittelfinger zeigte.

Kaum war er verschwunden, entspannte sich Izuku und lächelte zu dem Größeren hoch.

"Das lief doch richtig gut."

Shouto hob eine Augenbraue. Irgendwie lagen ihre Definitionen von 'Gut' trotz gewisser Gemeinsamkeiten weit auseinander.

"Gut? Das war sogar für sein übliches Benehmen schlimm."

Die Augen des Grünhaarigen wurden groß und er zeigte in die Richtung, in die Bakugo verschwunden war.

"W-wie? Das war schlimm?
E-er hat normal mit mir geredet! Das war mehr als gut!"

"Was hat der dir bitte angetan?",
fragte Shouto entsetzt und zog den Jungen in den aufgeräumten Raum, in dem ein rötlicher Tee auf dem Tisch in der Mitte stand.

"Oh! Uhm... i-ich glaube das zeigt man besser.", murmelte der Einäugige und wurde ein wenig rot.

"Dann zeig es mir. Ich hasse diesen Kerl so oder so und ich werde ihn gleich spüren lassen, wie es ist, von mir gehasst zu werden."

Das lebendige Auge von Izuku wirkte umwölkt und er sah mit einem leeren Gesichtsausdruck zu ihm auf.

"Alles okay?"

Der Kleinere schüttelte den Kopf, um wach zu werden, und nickte.

"Ha... das... das wird jetzt komisch.", murmelte Stains Erbe dann leise und zog sich seinen Hoodie aus.

"Du darfst die ganzen Narben auf der rechten Seite nicht beachten, die sind von dem Sturz, und die... die... die wulstigen? - diese, die so rau und unschön sind, die sind vom Ring, oder der Straße."

Der Teenager mit den heterochromen Augen sagte nichts und untersuchte den Oberkörper seines Freundes mit seinen Augen.

Das war heftig.
Sogar für seine Verhältnisse und sein Verständnis.

Das waren zu viele, zu große, zu auffällige, als dass man auch nur eine dieser Narben übersehen, oder ignorieren könnte.

Am auffälligsten waren drei.

Die sich kreuzenden Schnitte in Izukus Gesicht.

Eine große Brandwunde an seinem Oberarm, die so aussah, als hätte man ihm das Fleisch aus nächster Nähe einfach weggesprengt.
Diese stammte ganz sicher von Bakugo.

Und dann eine an seinem Bauch, welche aus vielen kurzen bis mittleren, tiefen Schnitten bestand.

"Was ist bei dieser passiert?"

"Die? Ähm... durch diese habe ich Stain kennen gelernt.
Ich habe einen Laden ausgeraubt und der Besitzer ist mir nach. Ich weiß mittlerweile, dass ich wegen Spinnenseide gestolpert bin, und die ganzen Flaschen, die ich bei mir hatte sind halt... zu Bruch gegangen und haben mich aufgespießt. Und... nun... eigentlich wollte man mich zum Sterben in der Gasse liegen lassen, doch dann kam Stain und hat mich zu sich nach Hause genommen und verarztet. Ich verdanke ihm, in mehrfacher Hinsicht, mein Leben..."

Und an all dem war vor allem Bakugo schuld, der dafür gesorgt hatte, dass Izuku die Straße und den Tod seinem zu Hause und dem Leben vorzog.

Zögernd streckte er seine Finger nach der verheilten Verletzung aus, zog aber, noch bevor es wirklich bemerkbar war, die Hand weg.

Es war unhöflich und zudem nichts, was man unaufgefordert tat.

"Eigentlich wollte ich dich noch ein wenig aufheitern, bevor der Kampf losgeht.", 

meinte der Schurke niedergeschlagen, 

"Doch ich fürchte, ich habe nichts in diese Richtung getan.
Es ist zwar nicht viel, aber ich würde dir Raten, alles zu machen, was du kannst, um Bakugo aus dem Ring zu kriegen. Schlag ihn auf gar keinen Fall KO, sonst hat er, was er will.
Er greift immer zuerst mit einem rechten Haken an, danach geht er mit einer Explosion zurück um aus großer Entfernung eine Weitere zu feuern.
Versuch' ihn runter zu kühlen und seinen Schweiß einzufrieren, dann kann er keine Explosionen verursachen.

Ah! Und verletzte ihn an den Handgelenken, sie müssen immer noch dem Druck der Detonationen standhalten müssen.
Ich hoffe, das wird dir ein wenig helfen."

Surveye lächelte aufmunternd und umarmte den Größeren dann (er hatte immer noch kein Oberteil an).

"Du bist mein Held, Shouto. 

Du hast jetzt schon so viel mehr für mich getan, als die meisten Menschen.
Ich hoffe, dass du am Ende derjenige sein wirst, der mich ins Gefängnis bringt, oder mich tötet. Niemand anderes als du sollte das für mich tun."

Die Freude, die bei den ersten zwei Sätzen in dem Größeren aufgestiegen war, zerbrach unter der Bedeutung der folgenden Zwei.

"Bitte sag das nicht.
Ich werde dich weder töten, noch dich gefangen nehmen. Das hast du nicht verdient. Ich werde das tun, was ein Held tun sollte und dich retten."

Der einäugige Teenager trat zurück und musterte ihn.

"Vielleicht schaffst du auch das.",
räumte der Lockenkopf dann ein,
"Aber dafür wirst du sehr viel mehr geben müssen und ich weiß nicht, ob ich das will.
Der Früchtetee war übrigens eine gute Wahl."

Dann küsste er Shouto flüchtig auf die Wange und verschwand aus dem Zimmer, während er sich seinen Hoodie überzog.

Der Schüler fasste sich an die Wange, wo ihn der andere Junge eben mit den Lippen gestreift hatte.

Machte man sowas unter Freunden? 

Die Mädchen gaben sich häufiger Küsse auf die Wangen... aber bei Jungen hatte er es bisher noch nie beobachtet.

Izuku hat es sicherlich lieb gemeint.

Lächelnd nahm er den Tee und trank einen kleinen Schluck.

Für diese Sekunde war er einfach nur in der heimeligen Wohnung von Stain und Surveye, einen Tee in der Hand und mit den Beiden in der kleinen Küche.

Für ihn waren diese paar Stunden mehr Heimat gewesen, als alles, was er bisher hatte.

"Todoroki? Es ist so weit."

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Der Lärm war Ohrenbetäubend.

Das Zweite, was Shouto bemerkte, war, dass der Kampfplatz noch weiter erhöht worden war.

Ohne zu zögern stieg er die Stufen rauf und sah sich oben auch schon Katsuki gegenüber, der wohl genau zur selben Zeit, wie er, oben angekommen war.

"Na? Viel Spaß mit deinem 'Freund' gehabt?", fragte der Blonde feindselig.

Er zuckte nur mit den Schultern und sah in die Richtung, in der er Izukus Platz in Erinnerung hatte.

Es dauerte nicht lange und der sah den grünen Wuschelkopf zwischen allen anderen Zuschauern.

"Reicht euch die Hände, auf einen fairen Kampf!"

Sofort machte er sich auf den Weg in die Mitte, während der Blonde sich verspätet in Bewegung setzte.

"Bitte lass das Ganze nicht unsere, so gut wie nicht vorhandene, Beziehung noch verschlimmern.", sagte er und hielt seinem Klassenkameraden die Hand hin.

"Schlag mich einfach mit allem was du hast!", knurrte sein Kontrahent und schlug seine Hand weg.

Das ganze Stadion schnappte nach Luft, als Bakugo sich umdrehte und einfach auf die Startlinie ging.

Der zweigeteilte Teenager stand noch eine kurze Weile länger da, ehe er seinen Arm fallen ließ und mit zusammengebissenen Zähnen zu seinem Platz ging.

Alle Zuschauer, egal ob anwesend, oder vor dem Fernseher, jeder einzelne von ihnen bemerkte mit einem Schaudern den plötzlichen Stimmungswechsel von Höflichkeit auf Hass.
Da brach innerhalb von einer Sekunde so viel Wut, Ablehnung und Verabscheuung aus dem Sohn Endeavors hervor, dass es eigentlich nur zerstörerisch sein konnte.

"Es sind immernoch die selben Regeln und jetzt: KÄMPFT!", damit brachte die Lehrerin sich in Sicherheit, gerade noch rechtzeitig, denn die beiden UA Schüler stürzten innerhalb von dem Bruchteil einer Sekunde aufeinander, wie zwei gut abgerichtete Kampfhunde, die schon seit Stunden darauf warteten, endlich eingesetzt zu werden.

Bakugos rechte Hand schoss vor und Shouto berührte den Arm mit seiner Rechten.
Sofort war der Junge mit der Explosions-Quirk von einer leichten Eisschicht überzogen, die allerdings seine Bewegung nur so verlangsamte, dass Shouto wieder zurückweichen konnte.

Erneut gingen sie aufeinander los, Flammen schossen an dem Blonden vorbei, das Eis schmolz, eine neue Schicht bildete sich.

Immer und immer wieder kam dieser Wechsel aus länger anhaltender Kälte und kurzer Hitze, die immer noch mehr Kälte mit sich brachte.

Katsuki kühlte immer weiter aus und seine Explosionen waren so gut wie nicht mehr vorhanden.

Die Leute im Stadion fingen an zu jubeln, als sie bemerkten, dass der grausame Dämon bezwungen wurde.

Bakugo sah sich ungläubig um und ging ein weiteres Mal auf seinen Kontrahenten los.
Er würde gewinnen und den ersten Platz kriegen!
Er würde die Nummer Eins werden!
Er würde allen beweisen, dass er Besser war!

Mit einem wütenden Aufschrei schlug er zu, seine Hand knackte und er taumelte fluchend zurück.

Dieser verdammte Halb-Halb-Bastard hatte sich in Eis gehüllt, damit er sich die Hand daran brach!

Wieder versuchte er an seinen Gegner heran zu kommen, doch sein Arm wurde zur Seite geschlagen und er bekam eine Faust mitten in sein Gesicht und einen Tritt gegen die Schläfe.

Feuer bildete sich und drängte ihn zurück.

Shouto stand sicher in diesem höllischen Inferno und grinste zufrieden.

Sein Puls raste und er merkte, wie sich wieder ein wenig Schweiß in seinen Händen sammelte.

"STIRB, DU BASTARD!"

Er katapultierte sich diesem verdammten Hurensohn entgegen, holte aus, schulg zu, traf allerdings nicht und landete unsanft auf seinen Füßen, aber er stand! Er würde bis zum Schluss in diesem verdammten Ring stehen bleiben!
Man würde ihn schon auf einer Bare abtransportieren müssen!

Dann sah er die Augen von dem Größeren und wich zurück.

Das war blanker Wahnsinn, der in ihnen flackerte!
Wahnsinn und Mordlust.

Im nächsten Moment wurde er in die Luft geschleudert und er konnte den Sturz nicht fangen!

Seine Arme waren eingefroren, doch er konnte nicht ...!

Noch hatte er Zeit!

Er schlug seine Hände gegeneinander, befreite sie so von dem Eis, wischte sich über seine Stirn und schaffte es gerade noch so, sich kurz vor die Grenze zu katapultieren.

Er keuchte und zitterte.

Ihm war kalt, sein Herz raste, alles glühte und er wusste, gleich kommt der nächste Angriff und der könnte ihn raus befördern.

Er wollte auf gar keinen Fall bei Bewusstsein sein, wenn er aus dem Ring flog.

Todoroki sollte alles geben und ihm seinen gebührenden Abtritt gönnen!

Im nächsten Moment schaute er auf und sah seinen Klassenkameraden nicht einmal einen Meter entfernt.

Feuer und Eis umgaben Todoroki wie die Flügel eines gottverdammten Racheengels und dann war da dieser Blick und er versuchte nur, gerade stehen zu bleiben, sich auf den Füßen zu halten und nicht einzuknicken.

Er war noch nicht die Nummer eins! Noch hatte dieser Bastard nicht gewonnen!

Mit einem Kampfschrei rannte er los.

Er war zu weit runtergekühlt, seine Quirk konnte er vergessen, doch er hatte auch noch Muskeln, die er sprechen lassen konnte!

Wieder kassierte er mehr Schläge, als er überhaupt zu austeilen gedacht hatte und dann packte ihn eine kalte Hand an der Kehle.

Shouto legte den Kopf schief, als er die blutroten Augen von Katsuki, voller Panik, weit aufgerissen und mit Tränen in den Augenwinkeln, sah.

Auch wenn der andere die Zähne fletschte und knurrte, fluchte, spuckte, versuchte nach ihm zu schlagen, er war ziemlich armselig.

'Die sind alle nur halb so gefährlich wie ich, oder der Mann, mit dem du in einem Haus lebst.' , rangen Izukus Worte durch seinen Verstand und er begriff erst jetzt, dass der Broker recht gehabt hatte.

Er ließ Bakugo fallen, hüllte sich ein letztes Mal in die Wärme seines Feuers, damit das Eis ihn nicht zu sehr unterkühlte und schleuderte den auf der Seite liegenden Blonden aus dem Ring und über den Rand der Plattform.

Im selben Moment, wo der andere drohte herunter zu fallen, schickte er sein Eis hinterher um Katsuki zu "retten".

"Bakugo ist aus dem Ring.
Damit hat Shouto Todoroki gewonnen!"

Dieser Jubel übertraf jeden Vorherigen.

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Mit einem Jauchzen sprang er von seinem Platz auf und rannte an das Geländer, holte tief Luft, machte beide Hände zu einem Trichter, damit man ihn auch wirklich würde hören können als...

"GUT GEMACHT SHOUTO! ENDLICH HAST DU DEINE BESTIMMUNG AKZEPTIERT, MEIN SOHN! ICH BIN STOLZ AUF DICH! DU WIRST UNS ALLE ÜBERTRUMPFEN!"

Das durfte doch nicht...!

"HEY! DU RIESENARSCHLOCH!"

Alles wurde still, als Izukus Stimme durch das Stadion schallte, wie Endeavors kurz zuvor.

"WAGE ES JA NICHT AUCH NUR EINEN TEIL SEINES SIEGES AUF DEINE FAHNE ZU SCHREIBEN!

HALTE EINFACH DIE FRESSE UND GÖNN’ IHM SEINEN MOMENT!

NICHTS VON HEUTE HATTE IRGENDWAS MIT DIR ZU TUN!!!"

Keuchend stand er da und spürte die Augen des gesamten Stadions auf sich.

Doch er wischte sich einfach nur schwer atmend die Spucke aus den Mundwinkeln und murmelte: "Scheiße hat das gut getan."

Dann ging das Getuschel los und Endeavor stapfte davon.

Izuku wusste, dass er gleich ein zweites Mal dem "Helden" gegenüber stehen würde und es würde nicht so locker enden, wie das letzte Mal.

"Uhum. Also. ZEIT FÜR DIE PREISVERLEIHUNG!"

Present Mic versuchte irgendwie die Lage zu retten, was ihm hoch anzurechnen war.
Das sollten Helden schließlich tun.

"UND DAMIT STEHEN UNSERE GEWINNER FEST! MIT TSUYU ASUI AUF DEM DRITTEN PLATZ!

KATSUKI BAKUGO ALS ZWEITER!!!

UND AUF UNSEREN ERSTEN PLATZ, DER WOHLVERDIENT UND HART ERKÄMPFT IST: SHOUTO TODOROKI!!!
UND DIESES JAHR WERDEN DIE MEDAILLEN VON NIEMAND GERINGEREM VERGEBEN ALS ALL MIGHT !" , verkündete der Voice-Hero.

Izuku hörte schwere Schritte hinter sich und lächelte schwach.

"Ich weiß, du willst mich jetzt verprügeln, Enji Todoroki, und ich bin mir sicher, du hast Fragen an mich und sicherlich hasst du mich, aber das beruht auf Gegenseitigkeit.
Aber lass uns bitte noch dabei zusehen, wie die Medaillen vergeben werden, ehe wir Kämpfen, oder etwas anderes tun, das sind wir Shouto schuldig."

Ein Grunzen war die einzige Antwort, ehe der große Mann sich neben ihn stellte.

"Was zum Teufel stimmt mit diesem Bengel nicht?!",
fragte der Held entgeistert, als er die Person auf dem Podest für den zweiten Platz sah.

Der Schurke neben ihm musste kichern: "Das ist typisch Kacchan. Wahrscheinlich will er die Medaille nicht, weil er nicht mit voller Anstrengung den ersten Platz erreicht hat."
- er warf einen Seitenblick auf den Erwachsenen neben sich -
"Ihr beide seid euch wirklich sehr ähnlich."

Katsuki Bakugo war mit einem Knebel und in einem Kasten eingeschlossenen Händen an einen Metallpfosten gekettet worden und rüttelte an seinen Fesseln wie ein Wahnsinniger, während er schwer atmete und in den Knebel schrie.

Todoroki war auf seinem Podium näher zu Asuki gerückt, die trotz ihres eher ausdruckslosen Gesichtes sehr stolz und zufrieden, sowie erstaunt aussah.

Shouto wirkte gefasst, grüblerisch und nachdenklich.

"Ich hätte den Mülleimer erst später anbrüllen sollten.
Jetzt macht er sich sorgen.
Ob ich ihn auf uns aufmerksam machen soll, damit er weiß, dass alles gut ist?
Andererseits ist seine Beleidigung von einem Vater nur schwer zu übersehen.
Es wird schon schief gehen.
Ich hoffe, er freut sich wenigstens ein wenig... ",
murmelte der Grünhaarige Wuschelkopf gedankenverloren und eigentlich wollte Endeavor dem Bengel eine für die Beleidigungen reinhauen, doch dann bemerkte er die Blicke der Leute um sie herum und das eine, lebendige Auge, das einzig und allein auf sein Meisterwerk geheftet war und er konnte erkennen, dass dieser Junge sehr wohl um den Wert hinter Shoutos Existenz wusste und ihn bewunderte.

"Asui-Shojo, deine Geschick und dein kühler Kopf haben dich zuverlässig durch deine Käpfe getragen - übe weiter deine Schwächen auszugleichen und habe vertrauen in deine Fähigkeiten. Du hast das wirklich sehr gut gemacht.", 

sagte All Might und hing dem Froschmädchen die Bronzemedaille um, ehe er sie umarmte und noch dranhing, 

"Aus dir wird mit genug training eine ausgezeichnete Heldin werden."

Das Symbol des Friedens ging zur anderen Seite des Podiums und schien ein wenig überfordert mit dem Anblick Bakugos.

Man sah den fragenden Blick des blonden Profihelden, auf den Midnight eine ungehörte Antwort flüsterte und damit anscheinend den muskulösen Mann mehr oder weniger zufrieden stellte.

"Bakugo-Shounen.
Du botest allen Mitschülern einen harten Kampf und gabst bis zum Schluss dein Bestes. Allerdings könnte es dir nicht schaden, an deinem Vokabular und deinem Temperament zu arbeiten."

Er nahm dem Schüler den Knebel ab und Izuku musste sich ein Lachen verkneifen, als er die Reue in All Mights Gesichtsausdruck entdeckte, da Kacchan sofort eine ganze Flut von Beschimpfungen ausspuckte.

Als der Nummer eins Held dem Zweitplatzierten die Medaille umhängen wollte, wand dieser sich, so gut er konnte und schließlich löste der Held zwei Probleme mit einer Handlung, und überreichte seinem Schüler die Medaille, indem er sie in seinen Mund hängte und ihn so auch noch zum Schweigen brachte.

"Todoroki-Shounen. Dein Einsatz und deine Mühe, dein Kämpferwille, aber auch deine Hilfsbereitschaft, als du am Ende deinen Gegner vor einem schlimmen Sturz bewahrtest, sind bemerkenswert.
Du hast dich in den letzten Wochen enorm verbessert und heute allen gezeigt, wie sich Mühe und Fleiß auszahlen können.
Es freut mich außerordentlich, dir, von allen meinen Schülern, die Goldmedaille für den Ersten-Platz überreichen zu dürfen."

Todoroki senkte ehrfürchtig den Kopf und nahm die Medaille an.

"Und jetzt, lass es uns alle gemeinsam sagen, zwei Worte."

"PLUS ULTRA!", riefen der Held und alle Zuschauer gemeinsam.

"All Might-Sensei."

- Die Audienz erstarrte, als Shouto sofort wieder sprach. -

"Dürfte ich jemanden aus dem Publikum runter holen?
Er hat mir heute sehr geholfen, in vielerlei Hinsicht, und er hat sich auch ein wenig Aufmerksamkeit und Lob verdient."

"Öh... sicher. Ich hole ihn. Wo ist er?"

"Neben Endeavor."

"... oh."

Der Nummer Eins Held sah sich um und Izuku starrte einfach nur Shouto an.

Sein Kopf war leergefegt, weil:

...

...

...

WAS?!

All Might sprang vom Boden ab und landete auf der anderen Seite von Izuku, sofort zuckte dieser vor dem noch größeren Mann zurück und fühlte sich zwischen den beiden riesenhaften Helden richtig winzig und zwergenhaft.

"A-a-all... All M-might!
G-genau- genau vor mir!
Ich glaub', ich werd' ohnmächtig..."

Der Grünhaarige zitterte am ganzen Körper und wusste nicht, ob er umkippen, kotzen, kreischen, oder weglaufen sollte.

DA WAR ALL MIGHT VOR IHM!

"Bist du der Junge, den Todoroki-Shounen erwähnte?"

Hilflos nickte er und wurde von dem Mann mit einem breiten Grinsen hochgehoben.

In diesen kräftigen Armen fühlte er sich wie ein Kleinkind.

Dann sprang der Held wieder runter und stellte ihn neben seinem Freund ab.

"Alles okay, Zuko? Du wirkst etwas blass um die Nase."

"Bitte halt mich fest und kneif mich. Ich glaube mir ist schlecht. 

All Might hat gerade mit mir gesprochen. 

Ich weiß nicht, ob ich von Endeavor umgebracht wurde und gerade im Himmel bin, oder einfach nur träume.",
murmelte er vernuschelt und schwankte bedrohlich.

Sofort legte sein Held einen stützenden Arm um seine Hüfte.

"Ich werde deine Geschichte ein wenig abändern.", hauchte Shouto und Izuku war zu benebelt, um ihn zu verstehen.

"Das hier, ist Zuko Idori. 

Er ist ein Waise, quirklos und verkrüppelt, wie unschwer zu erkennen ist.
Auf seinem rechten Auge ist er blind und sein rechtes Bein funktioniert nicht mehr richtig, weil er beides sich sehr stark verletzte, als er sich von einem Dach stürzte, um seinen Mobbern zu entkommen.",
Shoutos kräftige Stimme hallte dank des Mikrofons, dass er bekommen hatte, durch das gesamte Stadion.

"Er wurde seit seinem vierten Lebensjahr immer und immer wieder Missbraucht und sah nach neun Jahren des Leidens keinen Sinn mehr in seinem Leben und wollte es beenden.
Seinen Vater lernte er nie kennen und seine Mutter kümmerte sich nie richtig um ihn, auch im Krankenhaus versorgte man ihn nach dem Sprung nur notdürftig, ohne jede psychologische Maßnahme, da er ja nur quirklos ist.
Dieser Junge hier, hat einen Alkohol und einen Drogenentzug hinter sich! Beides hat er alleine geschafft, nachdem er ein Jahr lang auf der Straße und nur von dem nächsten Rausch lebte.
Zuko ist klug, er hat mir bei dem Verfassen der Rede, die ich am Anfang hielt, geholfen und er hat mir einiges, was heute während der Wettkämpfe geschah, genau so prophezeit.
Also ich frage mich: Warum musste er so leiden?
Wegen einer Laune der Natur?
Oder weil unsere Gesellschaft tatsächlich von dem Glanz dieser ganzen Fähigkeiten so geblendet ist, dass sie nicht sieht, welchen Schaden sie anrichten?!
Ich bitte jeden von euch, sich einmal meinen Freund anzusehen, der sich diese Medaille sehr viel mehr verdient hat, als ich, weil er sein ganzes Leben Tag um Tag härter kämpfte, als ich es heute tat.
Er hat mir geholfen, als niemand anderes überhaupt merkte, das etwas nicht stimmte, also wenn er kein Held ist, was ist er dann?
Danke, dass ihr mir zugehört habt.",
damit trat der Teenager vom Mikrofon weg und machte Anstalten, sich die Medaille abzustreifen.

Panisch hielt Izuku seine unterschiedlich temperierten Hände fest.

"Sh-shouto. Das... das ist wirklich... w-wirklich lieb von dir...",
erklärte er, mit Tränen in den Augen.
An der Stelle, wo er eben noch gestanden hatte, befand sich eine Pfütze aus Salzwasser.

"... aber bitte mach' nichts dummes, indem du mir diese Medaille gibst.
Du bist emotional! I-ich... ich finde es wirklich nett, aber ich bin nicht dafür bestimmt, so etwas zu berühren!
Es ist schön, dass du sie gewonnen hast, dass du sie tragen kannst, während ich weiß, dass du sie auch ein wenig mir zu verdanken hast, ist mehr als... nein!
Du trägst sie nur aufgrund deiner eigenen Fähigkeiten!
I-ich habe absolut nichts damit zu tun! Es ist deine! Es ist deine!"

Alles, was der kleine Junge stammelte, war laut im Stadion zu hören und als er seine eigene Stimme widerhallen hörte, zuckte er zusammen und wich mit rasendem Herzen zurück.

Das war FALSCH!
Er gehörte nicht hierher! Er gehörte nicht in das Rampenlicht, zu Shouto! Er sollte nicht in den Augen der Öffentlichkeit sein, wo jeder ihn identifizieren könnte.

Ihm wurde schlecht und er hielt sich eine Hand vor den Mund um nicht sofort zu kotzen.

"Shouto. Ich muss hier weg!", flehte er, leise, aber eindringlich.

Sein Freund sah traurig aus, nickte aber und half ihm vom Podest runter und brachte ihn vom Platz, zur nächsten Toilette, wo er sich gerade noch rechtzeitig in eine Kabine retten konnte, ehe sein Magen sein Inneres nach außen kehrte.

"Das war wirklich beeindruckend, Todoroki-Shounen.", hörte er All Mights Stimme von weiter weg sagen. 

Shouto seufzte.

"Nicht wirklich.
Ich habe nur dafür gesorgt, dass er bloßgestellt wird und eine Panikattacke bekommt, aber ich wollte einfach nur irgendwas machen, damit er nicht mehr so leiden muss."

"Das ist das Hauptmerkmal für Helden: Sie mischen sich in Sachen ein, die sie überhaupt nichts angehen.
Du hast heute viele Leute nachdenklich gemacht, Todoroki-Shounen."

Izuku fand es schön, die Hoffnung in Shoutos Stimme zu hören, als dieser fragte: "Wirklich? Das… denken Sie, ich habe etwas bewirkt?"

"Das wirst du wohl haben."

Izuku spülte ab und kam aus der Kabine heraus. Schnell wusch er seine Hände und trank ein wenig Wasser, gegen den Geschmack, dann schlurfte er zu den Helden.

"Ich bin froh, wenn wenigstens einer etwas für solche wie mich tut.", sagte er lächelnd und sorgte so dafür, dass die beiden Männer sich zu ihm umdrehten.

"Idori-Shounen. 

Ich muss mich bei dir bedanken. Du hast meinem Schüler anscheinend sehr geholfen.", sagte der Lehrer und machte Anstalten sich vor ihm, Surveye, zu verbeugen.

Eilig hielt er den Helden auf.

"Bitte! Bitte verbeugen Sie sich nicht vor mir! Nicht... nicht vor mir ! Vor jedem, den Sie respektieren, nur nicht mir. Mein Mentor würde das sicher als Schande empfinden, Sie gebeugt zu sehen!"

Apropos Stain…


Er holte seine Taschenuhr heraus.

Bald müsste er in Hosu sein.

Bald würde er ein Massaker veranstalten und bald würde er wohl auch seine Maske verlieren, wenn es so weiterging, und dann wäre Shouto richtig in der Tinte.

Er holte tief Luft.

"Tun Sie mir bitte einen gefallen: Kümmern Sie sich gut um Shouto und führen Sie ihn weiter auf den rechten Pfad, verschwenden Sie ihre Energie nicht an hoffnungslose Fälle.
Er wird Ihre und meine Hilfe dringender brauchen, als ein Bakugo.", sagte er mit einer tiefen Verbeugung in All Mights Richtung.

Er legte sein Auge auf Shouto und richtete sich wieder auf.

"Ich muss jetzt los. 

Mein Sensei und ich, wir werden die nächsten Wochen in Hosu verbringen, wir haben gestern schon eingecheckt, aber ich bin noch einmal zurück, um mir das Festival anzusehen.
Ich wünsche dir viel Glück bei deinem Praktikum, Shouto.
Bitte wähle eine gute Agentur. Ich bin mir sicher, du wirst überschwemmt werden.
Bis demnächst."

Lächelnd drückte er Shouto einen weiteren, hastigen Kuss auf die andere Wange und verschwand, bevor er etwas dummes tat, wie, sich zu stellen, oder den Jungen richtig zu küssen.

Nicht jetzt.

Noch nicht.

Noch war er nicht die Nummer eins.

Chapter Text

Auf einmal war er in aller Munde.

Jeder kannte ihn, einige sprachen ihn einfach auf den Fluren an, viele fragten ihn nach Idori-Kun, und wie es dem Jungen ginge.

Er erklärte immer das Selbe:
Sein Freund hatte für ein paar Wochen spontan die Stadt verlassen, wahrscheinlich um unter zu tauchen, bevor er zu viel Aufmerksamkeit auf sich zog.

Doch etwas anderes erregte sehr viel mehr seine Aufmerksamkeit, als die plötzliche Freundlichkeit der Leute: Tenya Iida war erst zwei Tage nach dem Festival, umgeben von einer düsteren Aura, in die Klasse zurückgekehrt.

Sein Bruder war in Hosu von Surveye und Stain angegriffen worden, laut der Medien. Weiteres war nicht bekannt.

"Wie geht es deinem Bruder, Iida-Kun?", fragte er schließlich leise, als er vor dem Tisch ihres Klassensprechers stand. 

 

Lass ihn noch in falscher Freundlichkeit etwas mehr Salz in die Wunde reiben.

"Es geht ihm im Vergleich zu allen anderen Opfern gut.
Er hat lediglich einen festen Schlag auf den Hinterkopf bekommen und das Surveye wurde in seinen Rücken eingeritzt.
Aber er wird arbeiten können, wenn er wieder gesund ist, es wird nur dauern, bis er wieder aufwacht.", erklärte der Brillenträger, ohne auch nur eine kleine Geste zu verwenden.

"Setzt euch auf eure Plätze.
Heute wird der Unterricht etwas anders.", sagte Aizawa gelangweilt und fing an etwas an die Tafel zu schreiben.

Shouto war erleichtert, fest zu stellen, dass ihr Lehrer endlich von den Bandagen befreit war und nur eine eher kleine Narbe im Gesicht behalten hatte.

Sofort nahmen alle an ihren Tischen platz und sahen zu, wie er Namen und Zahlen aufschrieb.

"Hier könnt ihr sehen, von wie vielen Agenturen ihr angefragt wurdet, für die Praktika.
Alle, die keine Anfrage haben, werden sich zwischen vierzig von der Schule gestellten Plätzen entscheiden müssen. 

Lest euch alles genau durch und entscheidet euch vor dem Wochende."

Shouto Todoroki: 5.214

Seine Augen wurden groß.

Er hatte 5.214 Anfragen!
Das hieß wohl, es müssten Unmengen Internationaler Anschriften dabei sein. Heiliger...! Das war heftig.

Ochako Uraraka: 2.854
Tsuyu Asui: 2.636

Fumikage Tokoyami: 2.595
Hitoshi Shinso: 2.192

Sie waren die vier Besten nach ihm, wobei es ihn erstaunte, dass Ochako so beliebt war.
Doch er gönnte es ihr, sie war stark und entschlossen.

Er musste schmunzeln, fast jeder hatte eine Anfrage erhalten, Aoyama war der Schlechteste, der auf der Tafel aufgelistet war, mit nur einer einzigen Anfrage.

Ein Name war allerdings überhaupt nicht zu sehen: Katsuki Bakugo.

Es war fast schon albern.
Aber anscheinend hatte die gesamte Heldengemeinschaft sich gegen den Schläger aus der 1A verschworen.

Eraserhead verteilte die Stapel an Briefen zusammen mit dem Zetteln für die vierzig Hauptangebote, auf die jeder sich immer berufen konnte.

Schnell blätterte er durch seinen Stapel und spürte schon bald, wie sein Kopf brummte.

Da waren einige wirklich berühmte Namen dabei und es ließ sich nur schwer sagen, wo er wohl am Meisten lernen konnte.

Letzten Endes hatte er es geschafft den Stapel zu achteln, indem er Agenturen, die über 2 Stunden mit dem Flugzeug entfernt waren, aussortierte und zudem alle ausschloss, die, seiner Meinung nach, zu passend für ihn waren.

Er wollte etwas lernen und sich neue Vorgehensweisen ansehen.

Vielleicht sollte er in 'Rettung' gehen und ausprobieren, wie er anderen Menschen mit seiner Quirk bei Katastrophen helfen konnte?

Sein Blick blieb an einem eher billigen Brief hängen.
'Gran Torino, Geschwindigkeits-Held im Ruhestand'

Kurz musterte er den Umschlag, ehe er ihn auf den Stapel für die engere Auswahl legte.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Nun, da ihr kurz vor euren Praktika steht, ist es Zeit, dass ihr euch Gedanken über eure Heldennamen macht.", erklärte Midnight während ihr Klassenlehrer sich in seinem Schlafsack verkroch.

"Verzeihung, aber warum machen Sie das nicht mit uns, Aizawa-Sensei?"

Der Held lugte aus seinem Kokon heraus um zu antworten: "Ich bin nicht gut mit sowas.
Meinen Namen habe ich mir auch nicht selber ausgedacht."

Damit wurde das Thema auch schon fallen gelassen.

"Also, bei euren Namen müsst ihr folgendes beachten:

Er sollte einprägsam und kurz sein. Ihr wollt euch vermarkten und das geht nicht gut, mit einem endlos langen Namen.

Euer Name sollte euch repräsentieren, an euch euch erinnern und zeigen, wer ihr seid.

Als nächstes müsst ihr beachten, dass ihr niemand anderem seinen Namen stehlt, oder einen Film, Buch, oder ähnliches neben euch als Namensträger habt, am besten recherchiert ihr das im Internet.
Wählt ruhig etwas bedeutendes für euch und bedenkt, dass dieser Name euch durch das ganze Jahr und vielleicht noch länger verfolgen wird."

Damit teilte die Lehrerin Tafeln aus, auf die sie ihre Namen schreiben sollten.

Fast alle zückten ihre Handys und fingen an zu recherchieren, einige wenige schrieben sofort.

Er dachte lange nach, was für ihn wirklich eine Aussage hatte.

Gerne würde er zeigen, dass er frei von seinem Vater war und seine Vergangenheit hinter sich hatte.

'Deliverance', 'Riddance' und 'Liberation' waren die Wörter, die er am passendsten fand und mit einem englischen Namen würde er irgendwie doch noch an Endeavor erinnern.

Ein weiteres Wort kam auf seine Liste, in Anbetracht des Namens seiner Erzeugers.

Fray, wie 'Auseinandersetzung', 'Schlachtgetümmel'.

Endeavor bedeutete schließlich 'Bemühen' und Shouto musste dabei sofort an Kämpfen denken.

Ob er zwei der Worte verschmelzen sollte?

Frayation? Also eine Mischung aus 'Auseinandersetzung' und 'Befreiung'?

"Midnight-Sensei? Dürfte ich bei jemandem anrufen?", fragte er leise, als die Lehrerin gerade an ihm vorbei ging.

"Du kannst kurz auf dem Flur telefonieren, Todoroki-Kun.", sagte sie lächelnd und er stand mit einem Nicken auf, um den Klassenraum zu verlassen.

Sobald die Tür hinter ihm geschlossen war, wählte er Surveyes Nummer.

"Hallo? Surveye hier. Wie kann ich dienen?"

Er musste lächeln.

"Hey. Ich könnte einen Rat bei meinem Heldennamen gebrauchen."

"Wie...? Oh! Hallo, Shouto.
Ich weiß nicht, ob ich dir da helfen kann, aber ich kann es versuchen.
Willst du wirklich, dass ich dir bei so einer wichtigen Entscheidung helfe?"

"Wer, wenn nicht du?", konterte er und der Schurke am anderen Ende der Leitung seufzte.

"Da hast du einen Punk.
Also: Schon irgendeine Idee, oder vollkommen ratlos?"

Shouto kramte den Zettel mit den vier Wörtern heraus, wobei er noch 'Surveye?' und 'Deku?' dazu gekritzelt hatte, bevor er raus ging.

Er würde gerne an den Schurken erinnern, auch wenn nur auf eine subtile Weise, doch ihm fiel in diese Richtung absolut nichts ein.

"Ich hätte gerne etwas, dass an dich erinnert, dazu habe ich 'Fray', 'Liberation', 'Riddance' und 'Deliverance' gefunden. Ich hatte 'Frayation' überlegt, aber das klingt seltsam und ich glaube nicht, dass die Leute den Sinn dahinter verstehen."

Er konnte Izuku murmeln hören, leise und schwer verständlich, doch es war klar, dass sein Freund sich mit der Problematik auseinandersetzte.

"Du könntest natürlich noch das 'N' streichen, 'Frayatio' klingt schon wieder ganz anders.
Ich mache mir ein wenig Sorgen, dass du dich mit dem Stil zu sehr an deinen Vater kettest, wobei die Grundidee wirklich bemerkenswert ist.
Split-Hero Frayatio... Split-Hero Frayation... Teil-Held... nah... Spalt-Held, Halb-Held, Hälften-Held...?
Weißt du was?
Bleib bei der englischen Version: Split Hero... und jetzt der Name...
Frayation? Das hat was.
Hmmm... Suuuurrrveeeyee~
Ich habe keine Ahnung, wie die damals auf meinen Namen gekommen sind, aber es bietet sich auch irgendwie an… ich meine… survey, wie Beobachten, passt zu mir und mein Auge ist halt auffällig und es passt einfach.
Du meintest, du willst an mich erinnern...
...

Weißt du was?!
Scheiß drauf! Nimm es! Die Idee ist super! Es ist deine Idee! Dein Name! Mir wird am Ende nichts besseres einfallen und es ist wirklich gut!"

Er hatte ein paar Probleme, dem Broker gedanklich zu folgen.

"Also... soll ich den Namen nehmen?", erkundigte er sich.

"Ja.",
sagte sein Freund am Telefon entschlossen,
"Du hast dir diesen Namen nicht einfach so ausgedacht!
Er bedeutet etwas wichtiges für dich. Der Kampf um Freiheit.
Split-Hero: Frayation.

Ich muss jetzt leider weg, für heute Nacht etwas vorbereiten."

Das ließ den Helden in Ausbildung aufhorchen.

"Apropo: Warst du das, mit Iidas Bruder? In Hosu?"

Lange war es still, doch schließlich fing Izuku zu sprechen an: "Ja. Das war ich. Ich musste Stain, aufhalten, damit er ihn nicht tötet.
Das hatte üble Konsequenzen, doch ich bin mir sicher, Tensei erinnert sich nicht mehr an mich."

"Warum warst du so nett zu ihm?", fragte er verständnislos.

"Ah... nun...", 

Izuku schien nach den richtigen Worten zu suchen, 

"... ich... ich denke, dass schuldete ich ihm. Er hat mich nicht in den Knast gebracht, sondern entkommen lassen... da... das musste ich ihm zurückzahlen."

"Ich verstehe."

Und das tat er wirklich.
Der Grünhaarige hatte dem älteren der Iida Brüder immer noch sein Leben zu verdanken, also hat er dessen gerettet, so weit er konnte und angebracht fand.

"Ich muss wirklich weg.
Stain war schon ungehalten, als er sah, wie viel Aufmerksamkeit ich bei dem Sportfest auf mich zog.
Wir werden uns sicher bald wieder treffen!
Bis dann."

Dann war auch schon der Piepton zu hören, der signalisierte, dass das Gespräch beendet war.

Mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck und den Augen noch immer auf das Handy in seiner Hand fixiert, kehrte er in den Klassenraum zurück, wo ihm einige entgegen sahen, als er die Tür öffnete.

"Mit wem hast du gesprochen, Todoroki-Kun?", fragte Ochako mit einem freundlichen lächeln.

"Mit Zuko. Ich wollte hören, wie er meine Idee findet."

Mina kam angesprungen und schaute neugierig zu ihm hoch.

"Oh! Vornamenbasis! Wie skandalös! Und?"

Er musste leicht lächeln.

"Anfangs war er unsicher, doch am Ende fand er es gut."

Katsuki hatte seinen Stuhl auf die Hinterbeine Gekippt, die Füße auf dem Tisch verschränkt und einen Arm ließ er baumeln, während der Andere über seinen Augen lag.

Doch jetzt hob er den Arm, der ihm die Sicht verdeckte und starrte Shouto feindselig von der Seite an.

"Pft! Dein Boy-Toy hat also grünes Licht gegeben.
Scheint mir fast, er wäre deine Mutter, so wie du dich an ihn klammerst."

"Komm schon, Bakugo! Das ist langsam echt...! Hör endlich auf ständig alle anzugreifen und alles und jeden zu beleidigen, das ist nicht cool! Vorallem hat Todoroki-Kun dir nichts getan!"

"Ha!", der Blonde nahm den Arm ganz runter und die Füße von Tisch. Der Stuhl krachte wieder auf den Boden und der Delinquent stand mit einer bedrohlichen Körperhaltung auf.

Shouto schob sich ein wenig weiter nach vorne, bis er genau neben Ochako stand, beide waren in einer weitaus weniger auffälligen Verteidigungshaltung.

"Anscheinend hat jeder seinen Namen!
Nehmt platz und dann besprechen wir.", griff Midnight ein, bevor überhaupt etwas passieren konnte.

"Also, wer von euch würde gerne anfangen?"

Alle Hände blieben unten.

"Kirishima. Wie wäre es mit dir?"

Der Rothaarige zuckte mit den Schultern und stand auf.

"Geht klar."

- Er stellte die Tafel auf den Tisch und drehte sie um, sodass alle das Geschriebene sehen konnten -

"Ich habe mich für 'Red Riot' entschieden."

"Wahrscheinlich an den Helden 'Crimson Riot' angelehnt?"

"Ja. Er ist mein großes Vorbild."

"Das ist wirklich gut.
Aber du wirst dadurch auch dafür sorgen, dass die Leute viel von dir erwarten werden."

"Damit werde ich schon klar kommen."

Aoyama hatte einen ganzen Satz als Namen, der schließlich auf 'Sparkel' gekürzt wurde.

Tsuyu stellte sich als 'Regenzeit Heldin: Froppy' vor, was wirklich niedlich und gut gewählt war.

Momo Yaoyorozu wählte den Namen 'Die alles-erschaffende Heldin: Cerati', welcher einfach und simpel, aber auch vollkommen passend war.

'Alien-Queen', von Ashido, wurde durch 'Pinkie' ersetzt.

Ochaco bekam großen Lob für ihren Namen: 'Weltraum Heldin - Uravity'.

Mashirao Ojiro machte den eher vorhersehbaren Schritt, sich 'Martial Arts Hero: Tail-Man' zu nennen, dicht gefolgt von Rikido, der sich für 'Sugar-Man' entschieden hatte.

Kojoka wählte den Namen ihrer Quirk und nannte sich dementsprechend 'The Hearing Hero: Earphone Jack'.

Denki nannte sich 'The Stun-Gun Hero: ChargeBolt' und war verdammt stolz auf sich, weil er sogar eine Erklärung dafür dazu geschrieben hatte.

Shouto nahm die Idee auf und notierte auch die Wörter, aus denen sein Name bestand.

Mezo sorgte mit seiner Idee, sich 'Tentacole' zu nennen, nicht wirklich für Verwunderung.

Koij nannte sich 'Anima' und Fumikage hatte die interessante Idee, den Namen des Gottes der Nacht, 'Tsukuyomi' zu nehmen.

Und dann kam Bakugo.

"Ich hatte zwei Ideen.", führte der Blonde von vorne herein an und zeigte seinen ersten Namen.

'Lord of Explodo-Kills'

Shouto prustete los und schlug sich eilig eine Hand vor den Mund, doch auch seine Klassenkameraden bissen sich bebend auf die Unterlippe, um ein Lachen zu unterdrücken, oder regten sich lautstark über den Namen auf.

Midnight schien verzweifelt zu sein, da ihr der vorherige Prozess recht gut gefiel, aber Bakugo hatte die Party, im wahrsten Sinne des Wortes und ganz typisch nach seinem Verhalten, gesprengt.

"Das ist keine gute Idee.", sagte sie vorsichtig und der Blonde zuckte mit den Schultern, wischte seinen ersten Namen weg und schrieb etwas neues hin.

"Ich mag die Idee nicht sonderlich, da ich sie von einer Person aus meiner Kindheit habe, die ich von tiefstem Herzen hasse, aber ich hoffe, es wird ihn aufregen, wenn er es sieht.", erklärte Katsuki und Shouto wusste augenblicklich, von wem diese Idee stammte.

Alle waren still, nachdem sie den neuen Titel sahen.

'Nuklear-Held: Ground Zero'

"Der ist wirklich gut.", murmelte Mina ungläubig und Denki nickte mit großen Augen.

Bakugo ließ eine Explosion los.

"Wollt ihr euch etwa über mich lustig machen?!!", schrie er streitlustig, wurde aber von der Lehrerin verscheucht, mit den Worten, dass er den zweiten Namen behalten sollte, da er echt gut wäre.

Als nächstes ging Hitoshi nach vorne und stellte sein Schild auf das Pult.
Er hatte sich für 'Kontroll-Held: Puppeteer' entschieden.

"Das lief sehr viel besser als erwartet.", meinte die Heldin zufrieden und sah sich um.

"Und so bleiben nur Iida und Todoroki. Würdet ihr bitte auch sagen, was für Namen ihr habt?"

Tenya stand als erstes auf und ging steif nach vorne.

"Ich habe den Namen "Bequest" gewählt, angelehnt an meinen Bruder, Ingenium."

Midnight nickte nachdenklich ehe sie fragte: "Beides kann als 'Bestimmung' und 'Erbe' übersetzt werden, nicht wahr?"

"Genau."

"Todoroki, würdest du uns bitte deinen Namen zeigen?"

Nervös ging er nach vorne und präsentierte der Klasse sein Schild und schaute schnell zur Seite.

"Ich habe mich für 'Split-Hero: Frayation' entschieden. Den Namen habe ich aus den Wörtern 'Fray' und 'Liberation' entwickelt, mit der freieren Übersetzung: Kampf um Freiheit.", erklärte er und wartete mit pochendem Herzen auf die Korrektur.

"Dein Name ist wirklich gut. Du hast dir viele Gedanken dabei gemacht.", sagte Midnight beruhigend.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Er war der Erste, der den Raum verließ und er wurde mit einem eher untypischen Anblick begrüßt.

All Mights Gesicht war genau vor ihm.

"Todoroki-Shounen. Ich müsste kurz mit dir sprechen. Wäre das möglich?"

"Uhm... ja?", murmelte er verwirrt und schloss die Tür hinter sich, um dem Lehrer zu folgen.

"Es ist so, du hast eine Anfrage von einem Helden erhalten, der 'Gran Torino' heißt.", fing der Held an.

Er nickte und unterbrach das Symbol des Friedens: "Stimmt. Ich habe ihn in die engere Auswahl genommen. Er ist ein Held im Ruhestand."

All Might fing an zu zittern und dreht ihm den Rücken zu.
Verwirrt legte er den Kopf schief.

"Es ist so. Er hat ein Jahr lang an der UA unterrichtet.
Gran Torino war mein Klassenlehrer.", erklärte der Erwachsene und klang fast schon verängstigt.

Dieser Mann muss echt beeindruckend sein.

"A-aber es gibt keinen besseren Lehrer als ihn, wenn du dich also für ihn entscheidest sind deine Chancen für eine gute Karriere sehr groß."

"Ich werde es mir überlegen."

Chapter Text

Genervt staubte Izuku seine Hose ab.

Er stand mit Stain in der Bar von Kurogiri, nachdem sie eher unsanft aus ihrer Mission für diese Nacht gerissen und hier her teleportiert worden waren.

"Also stimmt es wirklich: Surveye ist Stains Schoßhund.", sagte Shigaraki belustigt und beugte sich ein wenig auf seinem Barhocker vor.

Der Grünhaarige knurrte und wollte nach seinem Katana greifen, doch sein Mentor hielt ihn auf.

"Wir haben gesagt, wir reden mit ihnen, wenn sie uns finden.", erinnerte er seinen Erben, woraufhin der Einäugige seine aggressive Haltung fallen ließ, aber aufmerksam und alarmiert blieb.

"Du sagtest zwar, du würdest nie wieder einem anderen Ziel, als dem deines Lehrers folgen, Surveye, doch ich denke, wir alle verfolgen das Selbe.", setzte Kurogiri an.

"Das stimmt nicht!"
- Der Grünhaarige duckte sich wieder ein wenig, um in Angriffsposition zu gehen -
"Ihr wollt All Might töten. Einen der wenigen, wahren Helden, die es heutzutage noch gibt. Ich will alle Betrüger auslöschen."

"Ah... aber auch wir wollen die Welt und die Gesellschaft so ändern, dass es keine falschen Helden mehr gibt und wir sind uns sicher, dass das nur möglich ist, wenn man dieses Symbol des falschen Friedens aus dem Weg räumt."

"Ihr wollt also, dass wir eure Gruppe unterstützen, da unsere Ideale auf dem ersten Blick denselben Weg einschlagen?
Ihr seid die Personen, die wir am Meisten verabscheuen.
Schurken, die, wie Kleinkinder bei einem Wutanfall, ohne jeden Gedanken alles kurz und klein schlagen und es mit einem falschen, nicht ernst gemeinten Argument begründen.", erwiderte Stain und sein Schüler nickte bestätigend.

Tomura fing an, sich an seinem Hals zu kratzen und schon bald klebte Blut unter seinen rissigen Fingernägeln.

"Du nervst mich.", meinte der Silberhaarige und streckte eine Hand nach dem Heldenmörder aus, der von seinem Schüler wusste, was passieren würde, wenn dieses Riesenbaby ihn berührte.

Innerhalb eines Herzschlages war der Anführer der League zu Boden geschmissen und hatte eine Klinge durch seinen Oberarm gebohrt.

Izuku hatte sich hinter Kurogiri geschlichen und den Mann mit einem Wurfmesser abgeworfen, in dem Moment, wo der Nebelmann seinem Schützling zur Hilfe eilen wollte, hatte Stain schon das Messer, das sich neben ihm in den Boden gebohrt hatte, aus dem Holz gezogen und das Blut davon abgeleckt.

"Kurogiri! Mach' etwas gegen ihn!", zeterte der von Händen bedeckte Mann am Boden und versuchte sich freizukämpfen.

"Verzeihung! Ich... kann... mich... nicht... bewegen...", presste das Warpgate hervor.

Surveye durchsuchte in der Zwischenzeit die Vorräte der Bar und bediente sich schließlich an ihnen, indem er sich einen Orangensaft einschenkte, bevor er auf der Theke Platz nahm, die Beine baumeln ließ und in aller Ruhe trank.

"Wir haben keinen Vorteil davon, eurer kleinen Partie beizutreten.
Es würde unsere Ideale durch den Dreck ziehen und ihr würdet anfangen Helden zu vernichten, die sich auf dem rechten Pfad befinden, weil sie für euch die größte Bedrohung darstellen.", stellte der Grünhaarige klar und setzte sein Glas etwas abrupter auf dem Holz ab, als eigentlich nötig.

"Uns geht es nur um die Formalitäten."

Izuku erstarrte und spürte einen ekligen Schauder über seinen Rücken kriechen. Es fühlte sich so an, als hätte jemand ein gekühltes Ei über seinen Kopf zerschlagen.

Diese Stimme klang... unschön.

Er wollte die Person dahinter nie kennen lernen und war dementsprechend froh, dass sie aus dem Fernseher in der Bar erschallte.

"Eure Namen sind mächtige, in unseren Kreisen.
Wenn man sagen könnte, ihr wärt Teil der League, hätte sie einen besseren Ruf und ihr könntet euer Ideal und Prinzip sehr viel weiter verbreiten."

Schüler und Lehrer tauschten einen Blick.

Die neue Person hatte gute Punkte, doch sie waren nicht das, was sie unbedingt hören wollten.

"Ihr würdet so oder so behaupten, wir wären euch beigetreten, nicht wahr?"

"Die Gerüchte über dich scheinen zu stimmen, Surveye.
Du bist schlau und gut darin die Absichten von Leuten zu erkennen.", erklärte die Stimme des Computers mit leisem Glucksen.

Der Einäugige verzog sein Gesicht.

Eigentlich mochte er Komplimente.

"Wir haben heute noch etwas vor.
Hosu ist voller Betrüger, von denen die Gesellschaft gesäubert werden muss. Sie kommen wie die Termiten, die sie nun einmal sind, angekrochen, auf der Suche nach uns, auf der Suche nach Ruhm und Geld.", erklärte Stain, vollkommen aus dem Kontext gerissen, doch Izuku verstand - er wollte aufbrechen, so lange die Nacht jung war.

Der Grünhaarige übersetzte: "Wir wollen zurück. Kurogiri soll uns zurück nach Hosu bringen, sobald er fähig ist, sich zu bewegen."

"Und was, wenn ich noch mehr dieser falschen Helden auf die Straße locken könnte?"

"Unter der Bedingung, dass wir euch beitreten?", erkundigte der Teenager sich bei der Stimme.

"Unter der Bedingung, dass ihr uns beitretet.", 

bestätigte der Mann, der weit entfernt in einem Labor saß, "Also?"

"Wir treten euch nicht bei.", sagte der Heldenmörder und stand auf.

Es war eine verlorene Diskussion.
Nichts würde die Killer von ihrem Standpunkt entfernen.

Kurogiri bewegte sich endlich wieder.

"Bring sie da hin, wo du sie gefunden hast, Kurogiri.", befahl die Stimme.

Sofort öffnete sich einer der Durchgänge und die Heldenmörder durchschritten ihn, ohne einen weiteren Blick zurück.

Shigaraki lag noch immer am Boden und fing wieder an, sich am Hals zu kratzen.

"Die nerven mich.
Ich will sie nicht als Sprungbrett für die League benutzten, ich will sie loswerden, mit ihren bescheuerten Idealen.
Sensei, ich will sie töten."

"Alles gut, Tomura.
Ich habe drei weitere Nomus vollendet und du hast noch den Ersten.
Wenn du mit ihnen Hosu angreifst, kannst du sicherlich etwas gegen sie unternehmen.
Wir brauchen nur Gerüchte und ihre Ideale. Letzten Endes ist es egal, ob sie uns wirklich beigetreten sind, oder nicht."

Genau das hatte Shigaraki hören wollen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Falsches Gesindel!", knurrte Stain und wollte zum finalen Schlag ausholen.

Izuku war nicht bei ihm.

Surveye war ein paar Gassen weiter und wartete auf einen weiteren, falschen Helden, der auf der Suche nach ihnen war, um sich aufspielen zu können.

Doch bevor er etwas machen konnte, rammte sich etwas mit enormer Geschwindigkeit in seine Seite.

Sofort holte der Heldenmörder aus und schlug die Maske der Person weg, die eingegriffen hatte.

In der Ferne war ein markerschütterndes, animalisches Schreien zu hören.

Ein Blick nach oben ließ einen ein geflügeltes Monster sehen.

Die Nomus griffen in der gesamten Stadt an.

Doch Stain ignorierte das und konzentrierte sich auf den Jungen vor sich, der nun keine Maske mehr trug.

"Ein Schüler. Ein Kind in einer Helden-Rüstung.", murmelte er, "Geh nach Hause, Kleiner. Das hier ist nicht dein Kampf. Komm zurück, wenn du dich als würdig herausgestellt hast."

Er kam nicht umhin, das Gesicht bekannt zu finden, doch er hatte jemanden zu erledigen, und so ging er wieder auf sein Opfer zu und holte ein weiteres Mal für den finalen Schlag aus.

Doch wieder stürzte sich der Schüler dazwischen, doch dieses Mal erkannte er ihn, erkannte die Quirk, die Rüstung, das Gesicht.

Er sprang hoch und ließ die Metallkappe seines Schuhs auf den Arm des Jungen krachen, der sofort brach.

"Ingeniums Bruder... natürlich. Aber du bist schwach, im Gegensatz zu ihm."

"SEI STILL! DU HAST IHN ANGEGRIFFEN! ER IST IMMER NOCH NICHT AUFGEWACHT UND DAS IST DEINE SCHULD!", schrie der Schwarzhaarige unter ihm.

"Da hat Surveye wohl seine Kraft unterschätzt.", meinte Stain, holte mit seinem Katana aus und zog es durch den Oberarm des Jungen.

"Mein Schüler war sich sicher, Ingenium wäre mittlerweile wieder wach."

"Ist er nicht! Ich werde dich umbringen und Surveye gleich mit!"

Der Heldenmörder schüttelte den Kopf. Er begriff jetzt gerade, warum sein Erbe sich so sicher gewesen war, dass aus dem Großteil dieser Klasse nichts werden würde.

"Du bist auch nur einer dieser Fakes. Eigentlich wollte ich dich laufen lassen, aber du bist schon längst verloren.",
erklärte der Mörder,
"Siehst du den Mann dort?"
- Er zog den Kopf des Teenagers hoch, sodass dieser den Helden an der Mauer sehen musste -
"Wenn du wirklich ein Held werden könntest, hättest du deine Rache ziehen lassen und ihn gerettet: Wie es die Pflicht eines Helden ist."

Das jüngste Mitglied der Iida Familie wirkte sprachlos.

Stain sagte nichts weiter, sondern hob seine Klinge um den Kind die Kehle durch zu schneiden, damit es wenigstens schnell ging.

Das Feuer, dass auf ihn zuraste, ließ ihn ausweichen, bevor er den Schüler töten konnte.

Eigentlich erwartete er Endeavor zu sehen, als er aufschaute, doch es war dessen Sohn, der auf seinen Klassenkameraden zulief und vor ihm Stellung bezog.

"Wie geht es euch beiden?", fragte der Neuankömmling, ohne die Angesprochenen anzusehen.

"Ich bin verletzt und kann mich nicht bewegen.", erklärte Native.

"Verschwinde, Todoroki! Das ist mein Kampf!", schrie Ingeniums Bruder, der paralysiert am Boden lag.

"Ich bin hier, um dich zu retten, Hohlkopf!", brüllte Shouto den verletzten Teenager an.

Stains Augen wurden groß.

Izuku hatte recht gehabt.

Auch wenn er die Interaktion seines Schülers mit diesem Jungen immer nur skeptisch betrachtet hat, so hatte er dem Einäugigen bis zu diesem Moment nicht geglaubt; aber Shouto Todoroki hatte die Merkmale eines wahren Helden.

Endeavors Sohn hatte das Potential genau so zu werden wie All Might.

"Ich wünschte, wir wären jetzt in der Küche für eine Tasse Früchtetee und müssten nicht gegeneinander kämpfen.", sagte der Junge mit den zweifarbigen Haaren, ging aber in Angriffshaltung.

"Es steht dir frei zu gehen. Ich will nur diese beiden Betrüger töten, nicht dich."

Der Teenager schüttelte den Kopf.

"Ich fürchte, dann kann ich nicht gehen."

Der Mörder sprang auf den zukünftigen Helden zu, der sofort seine Quirk aktivierte und eine hohe Mauer aus Eis zog, um sich und die beiden Opfer des Killers zu beschützten.

Er betrachtete den Wall.

Stain würde nicht lange brauchen um über ihn zu kommen, doch es müsste reichen, um Iida und Native in Sicherheit zu bringen.

Schnell kniete er sich neben seinen Klassenkameraden und hob ihn von Boden auf, ehe er zum Ausgang der Gasse rannte, wo der den heulenden Schwarzhaarigen an eine Mauer angelehnt absetzte.

"Renn weg, sobald du dich bewegen kannst und hol Hilfe!
Ich bin ihm längst nicht gewachsen! Er ist zu stark und zu schnell, ich kann nur hoffen, dass Surveye nicht bald kommt, denn ich werde jetzt schon ums Überleben kämpfen müssen. Hast du das verstanden?! Schluck deinen Stolz und mach dich nützlich!",
mit diesen Worten ließ Shouto seinen Klassenkameraden sitzen und spurtete zurück in die Gasse, gerade noch rechtzeitig, um mit einem weiteren Flammenstoß zu verhindern, dass Stain den paralysierten Helden tötete.

Die heterochromen Augen wurden groß, als das Feuer sich lichtete und nichts mehr von seinem Eis zu sehen war, bis auf zerhackte Klumpen.
Doch das, was ihn wirklich aus der Bahn schmiss, war eine vertraute, weiße Halbmaske, mit einer grünen Linse und zwei roten Linien über dem anderen Auge.

"Surveye..."

"Shou- ah... nein. Frayation, nicht wahr?", sagte der grünhaarige Teenager und stellte sich neben seinen Lehrer, die Hände hinter seinem Rücken gefaltet.
"Vater, ich habe einen Helden, der auf den Namen 'Manual' hört, getötet. Leider sind keine weiteren Opfer erschienen, diese ganzen 'Helden' sind viel zu sehr von den Nomus abgelenkt."

Stain nickte und deutete mit dem Katana auf Shouto, der Schüler machte einen Schritt zurück.

Dieser Anblick, die Stimmung - es war beängstigend.

Bald würden die Helden kommen, doch bis dahin, war er aufgeschmissen.

Izuku ging neben Akaguro in die Hocke. Bereit, sich auf seinen Freund zu stürzen.

Wenn Shouto sich seinen Namen als Helden wirklich verdienen wollte, würde er gegen Stain und Surveye antreten müssen.

Der Held in Ausbildung schien dies zu begreifen.

Der Heldenmörder machte den ersten Schritt, indem er ein Messer auf Todoroki warf und den Jungen auch an der Wange erwischte.

Der Erwachsene sprang direkt seiner Waffe hinterher und versuchte dem verletzten Schüler das Blut von der Wange zu lecken - doch kurz bevor ihm dies gelang, setzte Shouto sich in brand und vertrieb so den Mörder.

Surveye folgte seinem Ausbilder und verwickelte Shouto für längere Zeit in einen kleinen Kampf, bei dem der UA Schüler das Gefühl bekam, seine Quirk wäre vollkommen irrelevant.

Egal wie er sein Feuer und sein Eis einsetzte, der junge Mörder wich aus, parierte und verwandte es sogar gegen ihn.

Keuchend wich Shouto zurück, nachdem sein Freund ihn mit seinem Messer am Arm erwischt und dazu mit einem Eisklumpen eine Platzwunde an seinem Kopf hinterlassen hatte.

Er kam nicht um das Gefühl des Verrats herum, als das Blut aus seiner Kopfwunde sickerte und ihm über das Gesicht lief.

Der Grünhaarige richtete sich schwer atmend auf.

"Stop! Er ist meiner! Du hast dir ein Bild von ihm machen können und ich weiß, zu welchem du gekommen bist! Dir gehört All Might! Frayation gehört mir!"

Shouto fuhr herum und sah, wie Stain das Messer, welches er nach ihm geworfen hatte, an seiner Hose abwischte.

"Einverstanden. Aber überschätze dich nicht."

"Werde ich nicht."

Und damit ging der Kampf von Neuem los.

Ein geschmeidig, glatter Tanz brutaler Eleganz, durchzogen von silbrig glänzenden Klingen, kalt funkelndem Eis und der Hitze von Feuer.

Und Shuoto begriff es einfach nicht.

Warum kämpften sie überhaupt? Worum? Wofür?

Die ganze Zeit musste er sich selbst und Native verteidigen, denn Stain versuchte immer noch den Helden zu töten und das konnte Endeavors Sohn nicht zulassen.
Dann könnte er sich nicht einen Helden nennen!

Und irgendwann rannte etwas weiß-silbernes in die Gasse, warf damit alle Kämpfer aus dem Konzept, während es sich nur Native schnappte und wieder aus dem Geschehen verschwand.

"Das kann doch nicht wahr sein!", knurrte der Mörder und fing an zwischen zwei Gebäuden hoch zu springen, "Surveye, ich suche mir neue Betrüger!"

"DAS LASSE ICH NICHT ZU!"

Eis rankte sich an dem Gebäude hoch und umschloss den Mörder bis zur Hüfte.

"Izuku! Was soll das werden?! Ich will nicht gegen dich kämpfen!"

Der Grünhaarige schob die Maske hoch und wischte sich mit einem bandagierten Arm über sein verschwitztes Gesicht.

"Es muss sein! Es geht um die Reinigung der Gesellschaft! Wenn du es schaffst, mich zu besiegen, bleibe ich im Gefängnis. Wenn du mich tötest, werde ich endlich sterben.", der Kleinere sah mit Tränen in den Augen zu ihm auf, eine Hand auf die Brust gepresst und das Gesicht so unerträglich offen und ehrlich.

"Ich liebe dich, Shouto!"

Ihm wurde schlecht.

Das war alles so vollkommen falsch, verdreht und verzerrt.

Er musste sich konzentrieren, aber wie sollte er?

"SURVEYE! ICH WERDE DICH UMBRINGEN UND MEINEN BRUDER RÄCHEN, DU BASTARD!"

Das Weiße, dass eben Native in Sicherheit gebracht hatte, war Tenya gewesen, der sich mittlerweile wieder bewegen konnte.

Bevor irgendwer reagieren konnte war der Einäugige von dem Brillenträger gerammt und zu Boden geschmissen worden.

Die blauen Augen des kleinen Bruders von Ingenium wurden groß.

"M-midoriya? Aber... wie? Was?"

Der Mörder grinste.

"Na? Gab es eine große Party, als ich endlich weg war? Wie hast du gefeiert? Du hast dich doch sicher gefreut, dass ich wieder auf die Straße gegangen bin, da ich eigentlich nie zu euch hätte kommen sollen !", die letzten Worte spuckte er dem Größeren förmlich ins Gesicht.

Der Schüler war aus allen Wolken gerissen worden.

Er hatte nicht mit einem vertrauten Gesicht gerechnet.

Nicht mit diesem Gesicht!

Nicht mit dem Jungen, mit dem er vier Monate lang zur Schule gegangen war und dessen Zeugnis eingerahmt neben einer Trophäe, die ebenfalls ihm gehörte, im Flur stand.

"Wir... wir haben so lange nach dir gesucht. Wir wussten nicht, was los war. Aber..."

"BULLSHIT!"

Der Held in Ausbildung zuckte vor dem hasserfüllten Ausruf zurück.

"DU HAST GANZ SICHER NICHT NACH MIR GESUCHT! DU WARST DERJENIGE, DER GESAGT HATTE, ES WÄRE BESSER GEWESEN, WENN ICH IN DER GOSSE VERRECKT WÄRE! Und damals habe ich dir tatsächlich zugestimmt. 

Aber jetzt nicht mehr, Tenya. Ich habe ein Ziel. Einen Sinn! Ich werde alle, die so sind wie du, alle, die so sind wie Kacchan, ich werde jeden von euch falschen Helden auslöschen!"

Er wollte gerade sein Messer in den Bauch des Schwarzhaarigen über sich rammen, als dieser von ihm runter gezerrt wurde.

Shouto ergriff die Flucht und nahm Tenya mit sich.

Wohl nicht die schlechteste Idee, wenn Izuku so darüber dachte.

Dieser Kampf war vorbei und es wäre wohl am Besten, wenn er jetzt seinen Vater zurück holte.

Flink kletterte er die Eissäule rauf, bis er vor seinem Lehrer auf der Dachkante hockte.

"Geht es dir gut, Dad?", fragte er besorgt und reichte dem Mann eines der zwei Wurfmesser, die er zückte, damit dieser beim Wegschlagen des Eises helfen konnte.

Akaguro seufzte und nahm die Waffe entgegen, während der Grünhaarige sich schon an sein Werk machte.

"Meine Beine sind taub, doch ich werde keine größeren Schäden davon tragen.", erklärte er und unterstützte seinen Sohn.

"Frayation ist strak."

Kurz hielt der Einäugige still, ehe er antwortete: "Das ist er. Und die Prinzipien eines Helden sind ihm in die Seele gebrannt.
Ich traue es ihm durchaus zu, irgendwann sogar All Might zu übertreffen."

"Dass du dich in ihn verliebt hast ist vollkommen in Ordnung, mein Junge. Aber bitte lass deine Gefühle nicht unser Ziel vergiften. Am Ende ist das große Ganze mehr wert, als ein einzelnes Herz.", fuhr der Mörder fort.

"Das ist mir bewusst.",
sagte der Einäugige ernst,
"Ich habe auch nicht vor, ihn auf den falschen Weg zu führen, oder meine Pflicht zu vernachlässigen.
Ich weiß, dass die Gesellschaft korrigiert und gereinigt werden muss, Dad. Ich weiß es besser, als die Meisten."

Lange war nur das Schaben von Metall auf Eis zu hören und das Knacken, als Teile des gefrorenen Wassers abbrachen.

"Ich fürchte, es nicht noch nicht vorbei. Wahrscheinlich haben sie Verstärkung gerufen und werden auf uns warten.", murmelte Izuku leise, während Stain immer mehr freigelegt wurde.

Der Mann schaffte es ein Bein aus dem Eis zu ziehen und zerrte an dem anderen. Sobald beide draußen waren, gaben sie allerdings unter seinem Gewicht nach und der Erwachsene knurrte frustriert.

"Wahrscheinlich.
Deswegen sollten wir unsere Kräfte sammeln, so gut es geht. Diese Stadt werden wir nicht problemlos verlassen können."

Surveye wusste, was sein Adoptivvater sagte und nickte, wobei er widersprechen wollte.
Akaguro sollte ihn noch nicht alleine lassen.

"Wir können es versuchen, Dad."

Es würde schon alles gut werden.

Er musste nur hoffen.

Chapter Text

Sie verbrachten insgesamt fünfzehn Minuten in Ruhe auf dem Dach, bis sie die Stimmen hörten.

Viele Stimmen.

In so einer Situation, sicherlich Helden.

Izuku schloss sein grünes Auge und versuchte ruhig zu bleiben.

Doch er hörte es und er wusste, wenn er auf die Straße schauen würde, könnte er es sehen - da waren zu viele ausgebildete Helden für ihn und Stain.

Selbst wenn sie es schaffen sollten an das Blut jeder Person zu kommen, es würde nicht reichen.

Es gab kein Szenario, in dem sie zusammen Heim kehrten.

"Ich schaue nach, ob die andere Straßenseite frei ist.", sagte er leise, mit gebrochener Stimme und stand auf.

Mehr blieb ihm nicht übrig, wenn er etwas tun wollte.
Sie hatten ja nicht einmal eine Geisel, mit deren Leben sie sich die Freiheit erpressen könnten.

Es gab keinen Ausgang.

Wenn sie sich über die Dächer bewegen würden, wären sofort irgendwelche dieser Betrüger hinter ihnen und sie hätten einen ungeschützten Rücken.

"Wenn wir schon kämpfen müssen, dann will ich wenigstens entscheiden wann!", presste der Teenager mit zittriger Stimme hervor.

Nicht nur seine Stimme zitterte - sein ganzer Körper tat es.

Er hatte Angst vor dem, was auf sie zukommen würde.

"Izuku. Komm her.", sagte der Mann leise und breitete die Arme aus, sofort schmiss sich der Junge an den Mörder und umarmte ihn bebend, mit Tränen in den Augen und leise wimmernd.

"Ich habe Angst!"

"Izuku. Izu- Izuchan... bitte. Schau mich an."

Der Junge erstarrte.

...Izu-Chan?

Verheult schaute er dem Mann, dem er sein Leben zu verdanken hatte, in die Augen.

"Hör zu- Nein. Schau nicht weg. - Sieh mich an und hör zu.",
Stains Stimme klang väterlich, war voller Sorge, aber am schlimmsten war es, dass sie sich nach Abschied anhörte,
"So ist es gut... ich bin da.
Du bist ein starker Junge. Es ist okay zu weinen, egal wie stark man ist. Weinen ist kein Zeichen von Schwäche - Angst ebenfalls nicht. Du darfst Angst haben."
- Die rauen Finger fanden, wie so oft, einen Weg durch die dichten, grünen Locken und glitten mit einem vertrauten Gefühl durch sie hindurch, mit dem stummen Versprechen von Heimat -
"Ich habe selber manchmal Angst. Aber das darf einen nicht aufhalten. Man muss weiter Kämpfen, bis man die Furcht hinter sich gelassen hat.
Bitte schau mich an... wie schon gesagt: Du darfst weinen.

Ich weiß, dass hier ist sehr viel härter für dich, als für mich, aber ich werde dich vermissen, Izuchan.
Du bist ein schlauer, aufgeweckter junger Mann und für mich der Sohn, den ich nie haben konnte.
Ich bin wirklich froh, dass ich dich bei mir haben durfte und dass du ein wenig Abwechslung in mein Leben gebracht hast.

Tu, was du für richtig hältst.
Folge deinen Überlegungen und deiner Intuition. Du wirst sicher größer werden, als ich es je hätte sein können.

Es tut mir leid, dass du schon wieder deine Familie verlieren musst und glaube mir, ich will bei dir sein.
Ich werde alles versuchen, damit wir zusammen raus kommen, aber wenn nicht..."

Der Griff des Mannes wurde fester und er drückte den Jungen, der ihn noch immer innig umschlungen hielt, enger an sich.

Der Heldenmörder Stain konnte nicht verhindern, dass seine Schultern bebten, doch er war lautlos und die Tränen versickerten in dem Tuch, dass er als Maske um seine Augen gebunden hatte.

Niemand würde je wissen, dass dieses Monster, in dieser Nacht, auf diesem Dach, geweint hatte.

Niemand, außer Izuku Chisome, der auch - vor allem - diese Erinnerung an Akaguro Chisome, wie einen Schatz hütete und bis zum Ende seines Lebens wahrte.

Die Erinnerung an den ersten, vernünftigen Abschied von einer geliebten Person.

"D-dad!",
schluchzte er und krallte sich in die Kleidung seines Lehrers, seines Vaters,
"K-können wir nicht ei- einfach hier b-b-blieben?! Ich- ich- ich will nicht, d-dass dU gEhSt!"

So fand das Kamerateam in dem Helicopter sie:
Voreinander kniend, sich umarmend, Surveye wild schluchzend und laut heulend, zutiefst verzweifelt.

Und es wäre gelogen, wenn man sagen würde, es wäre kein herzzerreißender Anblick gewesen - denn zu sehen wie dieses Kind panisch weinte und sich an den Mörder krallte, als wäre dieser der einzige Halt in seinem Leben, sorgte sogar dafür, dass die Reporter einen kleinen Stich im Herzen verspüren, obwohl gerade Leute aus diesem Beruf für ihr nicht vorhandenes Mitgefühl bekannt waren.

Es war Izuku, der die Umarmung löste und tief Luft holte, während er seine Maske ein wenig anhob, um seine Tränen wegzuwischen.

Schließlich räusperte er sich, um den Klumpen in seinem Hals los zu werden und schniefte ein letztes Mal, bevor er endgültig in seine Rolle als Schurke schlüpfte.

Sie mussten hier lebend und ohne Gefangennahme rauskommen und er war noch am ehesten in der Lage einen Plan dafür zu entwickeln.

"Also... wir sind zahlenmäßig unterlegen;
wir haben nur eine Quirk, die zwar große Gruppen lahm legen kann, aber nur in Form von ganz vielen Einzelkämpfen;
wir haben nicht die fortschrittlichsten Waffen und befinden uns dazu noch, von Position her, mehr oder weniger auf dem Servierteller.",
fing der Broker an, ihre Lage zusammen zu fassen,
"Die League wird nicht eingreifen. Sie haben die Nomus her geschickt, um diese ganzen Helden her zu locken und sie wollten uns nur haben, damit wir heute Nacht fallen und dabei das Scheinwerferlicht auf sie werfen.
Das war, so oder so, von Anfang an ihr Plan.

Wir haben auch sonst keine Kontakte, die uns unterstützen werden und den Teufel werde ich tun, hier und jetzt Shoutos Karriere zu zerstören!
Wir sind umgeben von ausgebildeten Fake-Helden, einem richtigen Helden und der Polizei, alles wird live aufgenommen.",
gegen Ende wurde er immer leiser und rutschte schließlich in seine Gewohnheit des Murmelns.

Stain hörte genau zu, während der Teenager mit sich selber einen Plan ausdiskutierte.

Doch alle Pläne wurden zerstört, als ein Geflügelter Nomu durch den Himmel schoss, in den Sturzflug in Richtung der Helden ging und sich ausgerechnet Todoroki kralle.

"Ich werde ihn retten! Improvisation ist auch ein Plan!", rief Surveye und zückte sein Katana, während er auf die Dachkante zurannte und sich direkt auf das fliegende Ungeheuer schmiss.

Sein Lehrer seufzte und machte sich kampfbereit.

Izuku hatte es selbst gesagt:
Sie befanden sich auf verlorenem Posten und hatten keine Chance vollkommen unbeschadet raus zu kommen.

Man konnte eigentlich nur versuchen so die Welt zu verlassen, wie man gekommen war:
Schreiend, um sich tretend und bedeckt mit dem Blut einer anderen Person.

Er sah, wie sein Erbe den Nomu mit einem gezielten Hieb in das offene Gehirn erledigte und so zum Absturz brachte, doch was als Nächstes kam, hatte er nicht erwartet.

Midoriya packte Todoroki an den Haaren und zerrte ihn auf die Füße, eine Klinge an dessen Kehle.

"DAD! Ich habe für uns einen Weg nach draußen!", schrie der Teenager aus vollem Hals und Stain begriff.

Der Grünhaarige wollte seinen Freund als lebenden Schutzschild und Geisel verwenden, damit sie flüchten konnten.
Verdammt listig, aber kein schlechter Einfall.

Sofort sprang er von dem Dach und hetzte auf den einäugigen Jungen zu, der wackelig lächelte.

"Es tut mir wirklich leid, Shouto. Ich wünschte, es wäre jemand anders, aber ich kann nicht meinen Vater verlieren.
Das begreifst du, oder?
Ich habe endlich wieder eine Familie, das darf ich nicht verlieren.", flüsterte Izuku heiser, mit Tränen in den Augen an der Schulter des Größeren, der einfach nur angespannt nickte und sich nicht dazu überreden konnte, seine Flammen zu verwenden.

"Du darfst nicht zu lange gehorsam bleiben. Sie wissen, welche Quirk du hast und dass du mich leicht vertreiben kannst, noch kann man sagen, dass du Angst hast und verwirrt bist, aber bald gilt diese Ausrede nicht mehr.", erklärte der Schurke leise und zog sich langsam rückwärts zurück, wobei er Shouto noch immer fest hielt und Stain für ihn überprüfte, dass er keinen Fehltritt machte.

Izuku hatte recht.

Shouto überlegte nicht weiter als er zischte: "Ich werde nicht ein Ticket in die Freiheit für Verbrecher!"

Damit setzte er seine linke Hälfte in Brand und ließ die beiden Schurken die Flucht ergreifen.

Beide waren extrem schnell, doch sie wussten nicht, dass sich unter den Helden einer befand, der mit ihrer Geschwindigkeit mithalten konnte.

Izuku bemerkte den gelben Schemen kaum, als er auf sie zugerast kam und als er es sah, war es schon zu spät und die Gestalt hatte Stain am Rücken getroffen und nach vorne geschleudert.

Der Junge blieb stehen, allerding waren seine Knie gebeugt und er drehte sich seinem Retter nur halb zu, jeder Zeit bereit, wieder die Flucht zu ergreifen.

"RENN! Um diese Betrüger kümmere ich mich!"

Surveye machte einen Schritt auf seinen Vater zu und sorgte mit dieser einen Bewegung schon dafür, dass alle Helden sich auf ihn fixierten und ihre Quirks aktivierten.

Die Unterlippe des Jungen fing an zu zittern und man sah, dass er kurz davor stand, wieder in Tränen auszubrechen.

"IHR SEID KEINE HELDEN! IHR SEID VERDAMMTE FÄLSCHUNGEN!", war aber alles, was er seinen Gegnern an den Kopf schmiss, bevor er davon rannte und seinen Adoptivvater zurück ließ.

Die Helden sahen sich verwirrt an, weil dieser Junge jetzt doch einfach abgehauen war, doch Gran Torino, der Stain zum Fall gebracht hatte, wurde in seine Kollegen geschleudert, während der Heldenmörder schwer atmend aufstand.

"Ihr seid ein grauenhaftes Gesindel, ihr ganzen Helden!
Ihr und diese Schurken, die ohne jedes Ziel ihre Macht ausleben und ausnutzen!
Die Gesellschaft muss von solchen störenden Teilen befreit werden!
Ich muss mich mit dem Blut meiner Feinde beflecken, um eine gerechte und bessere Welt zu erschaffen!
Irgendwer muss die Bürde dieser Aufgabe tragen und das hat Surveye erkannt! Er wird dafür sorgen, dass jede Fälschung, jeder Betrüger, all jene, die ihr Leben nicht verdient haben, die gerechte und verdiente Strafe erhalten, die ihnen diese verwilderte und verblendete Öffentlichkeit nicht geben wird. Unser... unser Ziel wird siegen und der einzige Held, der mich aufhalten kann ist All Might! Der einzig wahre Held!"

Der Mörder blieb mitten auf der Straße stehen, erstarrt.

Später würde sich herausstellen, dass er sich bei Gran Torinos Angriff eine Rippe gebrochen hatte und er so viel Blut schlucken musste, dass sich seine eigene Quirk an ihm aktivierte.

Doch seine Ansprache war von den Journalisten aufgezeichnet worden und verbreitete sich innerhalb weniger Minuten wie ein Leuchtfeuer um die ganze Welt.

Izuku würde heulend in seiner Wohnung zusammenbrechen, sobald er die Tür hinter sich zugeschlagen hatte.

Surveye war ein Feigling und auch wenn mittlerweile jeder wusste, dass unter seiner Maske ein Teenager steckte, so wusste niemand, dass er ein einfaches Kind; ein schlauer, gebrochener, verlorener Junge war, der sich nun heulend im Bad verbarrikadierte und eine grausame Panikattacke durchlebte, für die er eigentlich Unterstützung gebraucht hätte.

Zitternd verkroch er sich in der engsten Ecke.
Hyperventilierend versuchte er seine Tränen und das Schluchzen zu unterdrücken.
Mit fahrigen Händen löste er die Verbände von seinen Armen, riss sie sich eher herunter, als dass er sie abwickelte.

Seine Fingernägel scharbten über die vernarbte Haut und er grub sie stärker in sein Fleisch, unkontrolliert zitternd bei dem verzweifelten Versuch irgendwie das Gefühl von Grauen und Schuld aus seinem Körper zu vertreiben.

Er war nutzlos!
So verdammt nutzlos!

Seine Faust kollidierte mit seinem Kopf und er versuchte nicht einmal sich aufzuhalten.

Schreiend rollte er sich auf den kalten Fliesen zusammen, Tränen flossen in kleinen Sturzbächen über sein Gesicht, Blut verteilte sich auf den grauen Steinen, als er auf den Boden einprügelte und seinen Kopf dagegen schlug.

Es tat weh, doch es war vertraut und ließ ihm einen festen Anker in diesem Chaos zurück.

Letzten Endes wurde er ohnmächtig und blieb reglos im Bad liegen - doch dieses Mal würde niemand kommen und ihn in sein Bett tragen, das würde nie wieder passieren.

Aber nachdem Izuku wieder aufgewacht war und sich in sein Bett geschleift hatte, träumte er wenigstens davon.

Chapter Text

"Die Lage ist wirklich bedenklich.", 

fasste er die Situation für sich selbst zusammen, 

"Dass Stain endlich gefangen genommen wurde, hat die Gesellschaft nicht beruhigt, sondern angestachelt.
Diese ganzen Leute, die einen Vorwand für ihre Schandtaten brauchten, haben ihn in Stains Rede gefunden und dieses Video will einfach nicht aus dem Internet verschwinden."

Das mausähnliche Wesen tapste alleine in seinem Büro auf und ab, während es sich den Kopf darüber zerbrach, wie es auf Surveyes Botschaft antworten sollte.

"Surveye hat mit seinem Abschied von Stain die Herzen der Leute im Sturm erobert und die Tatsache, dass der Heldenmörder sich für dieses Kind geopfert hat, bringt auch noch mal Sympathiepunkte."

Der Schulleiter blieb stehen und schaute aus dem Fenster.

"Die Agentur, die er angegriffen hatte, war berüchtigt dafür, geldgierige Betrüger einzustellen. Jeder einzelne von ihnen hat öfters für Schlagzeilen gesorgt, weil er irgendwo nicht eingegriffen hat, als es benötigt wurde.
So hat dieser Bengel natürlich seine Botschaft nochmal verdeutlicht und alle denken, er würde helfen!
Die ganzen guten Helden, die seinetwegen gestorben sind, werden gerne ignoriert und die Tatsache, dass Ingenium wieder aufgewacht und bei bester Gesundheit ist, macht es auch nicht besser."

Das nicht identifizierbare Tierwesen mit der erhöhten Intelligenz machte sich wieder auf seinen ziellosen Weg durch den Raum.

"Wenn wir sagen würden, Surveye steckte nicht nur hinter der Planung der League bei dem USJ-Vorfall, sondern, dass er auch anwesend war und alles geleitet hat, würden wir zwar vermitteln, dass er Kinder getötet hat, aber die Schule würde dadurch als vollkommen unfähig eingestuft werden, weil er immer noch quirklos ist!"

Er musste sich beruhigen. Wenn er schrie, brachte es auch nichts, doch es war unglaublich nervenaufreibend.

Surveye war intelligent, keine Frage.
Der Junge hinter der Maske war nicht einfach nur eine programmierte und gedrillte Tötungsmaschine, sondern auch noch ein Genie!

Nedzu wusste von Surveyes Heften. Diese Notizen waren legendär und Best Jeanist hatte fast seine gesamte Agentur an diese Informationen verloren.

Er hatte ihm anvertraut, dass er 'sein' Heft erworben und vernichtet hatte, doch die ehemalige Laborratte bezweifelte, dass die Seiten lange verbrannt geblieben waren und war sich sicher, dass das Heft mittlerweile wieder existierte, wenn es nicht sogar verbessert war.

Man hatte ihm einen Gegenspieler auf das Brett gestellt, der wirklich gefährlich war.

Mittlerweile befand Surveye sich auf einer ähnlichen Stufe wie All For One und das war bedenklich, bedrohlich, beängstigend.

Was würde aus diesem Kind werden, wenn es erwachsen war?

'UA-High hat zwei Schüler in ihrem Heldenkurs A, die schon vor langem ihre Chance vertaten, Helden zu werden.
Ich verlange, dass Sie ein Exempel an ihnen statuieren, dass dieser Abschaum der Gesellschaft nicht die Möglichkeit erhält einen so wertvollen Beruf auszuführen.' , rief er sich wieder Surveyes Nachricht in den Kopf.

Das interessante war, dass der Mörder keine Namen nannte.

Rein theoretisch könnten sie jeden rausschmeißen und behaupten, es wären die verlangten Schüler.

Doch dass war nicht die Absicht des Mörders.

Nedzu war sich sicher, dass Surveye dafür sorgen wollte, dass die Schule einen Background-Check an ihren Schülern vollzog, damit sie die richtigen Individuen entfernten.

Anscheinend war der Erbe Stains überzeugt davon, dass die Vergehen dieser Schüler so schlimm waren, dass selbst die Schule es nicht ignorieren könnte und sich zum Handeln gezwungen sehen würde.

Die offene Anschuldigung setzte den Schulleiter dazu unter zusätzlichen Druck.
Er musste machen, was der Maskenträger verlangte, doch wenn es wirklich so schlimm sein sollte, dass eine Schulverweisung nötig war, würden alle sagen, Surveye hätte die Schule unter Kontrolle und dass sie schwach wären.

Eine wirklich gut platzierte und nicht leicht erkennbare Zwickmühle, wenn einem die Weitsicht fehlte.

Doch letzten Endes hatte auch UA eine Figur im Feld, die gegen Surveye verwendet werden konnte:
Shouto Todoroki, alias Frayation.

Stains Nachfolger schien sich einen Narren an dem Schüler gefressen zu haben und hatte ihm bei dem Hosu-Vorfall sogar seine Liebe gestanden, wie Enjis Sohn berichtete.

Das Tier seufzte bei dem Gedanken an Shouto.

Der Sohn von Endeavor war auch eines seiner Sorgenkinder.

Das Treffen mit Surveye, dann noch die Sache mit Todorokis Freund bei dem Sportfest.

Sein Telefon klingelte und er sprang auf seinen Stuhl, um es zu erreichen.

"Hallo, Naomasa hier.
Ich habe wegen Zuko Idori nachgesehen, wie du mich gebeten hast.
Diesen Jungen hat es nie gegeben.
Es gab allerdings einen Zuko Midori, der von der Iida-Familie adoptiert und vier Monate nach adoption vermisst gemeldet wurde. Er sieht Todorokis Zuko sehr ähnlich."

"Die Übereinstimmung ist also groß genug, um von ein und derselben Person aus zu gehen?"

"Ja.
Was mich allerdings sehr viel mehr wundert ist folgendes: Zuko Midori ist aus dem Nichts aufgetaucht. Keine Geburtsurkunde, keine Krankheitsfälle, keine Zahnarztkosten und dann, auf einmal, ganz plötzlich, gab es Zeugnisse von einer Schule eines Kinderheims und er wurde adoptiert.
Ich habe bei diesem Heim angerufen-"

"Sie hatten diesen Jungen wohl nie in ihrer Obhut, nehme ich an?"

"Exakt."

"Vielen Dank, bitte schaue dich weiter nach Informationen um."

Damit wurde das Telefonat beendet und der Schulleiter schaute eine Zeit lang nur auf die Tischplatte, um sein neues Wissen einzusortieren.

Shouto war mit einem Geist befreundet.
Den Jungen, den er auf dem Sportfest vorgestellt hatte, gab es gar nicht.
Trotzdem hatte ganz Japan den Jugendlichen gesehen und gehört.

Es wäre wohl am Besten Tenya zu fragen, der so oder so in der ganzen Sache verwickelt war.

Er würde nur warten müssen, bis Iida-Shounen wieder in der Schule war.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

In der dunklen Bar saß Shigaraki in vollem Kostüm auf einem Barhocker, während Kurogiri hinter der Theke ein Glas polierte.

Weiter hinten, in der düstersten Ecke war, wenn man sich große Mühe gab, eine dritte Gestalt zu erkennen, die es sich auf dem Boden bequem gemacht hatte und die ganze Szene aufmerksam durch grünes Spiegelglas musterte.

Die Tür in die Bar schwang auf und präsentierte einen Mann mit schmierigem Grinsen, fehlendem Zahn, Zigarette im Mundwinkel, grauen Haaren und lilanem Blazer.

Grian spürte sofort, dass ein Besucher mehr da war, als eigentlich sein sollte und eine kurze Reflektion des Kneipenlichts weiter hinten im Laden bestätigte sein Gefühl.

Die Frage war nur, was Surveye hier zu suchen hatte, wenn es doch eigentlich darum ging, Mitglieder für die League vorzustellen.

Doch es interessierte ihn auch nicht weiter und er wank seine beiden Vorschläge herein.

"Also. Hier sind sie. Stellt euch Mal vor.", meinte er und ließ den beiden jungen Erwachsenen den Vortritt.

Ein leises Rascheln war aus der schwarzen Ecke zu hören.

Das Mädchen mit den katzenartigen Augen und dem blonden Haar, dass sie zu zwei unordentlichen Knoten hochgebunden hatte, verbeugte sich spielerisch, mit einem breiten Lächeln, dass problemlos ihre scharfen Eckzähne präsentierte.

"Mein Name ist Toga Himiko. Ich bin ein großer Fan von Stain-Sama. Ich liebe Stainy. Ich will Stainy werden! Ich will ihn töten.", sagte sie überschwänglich und voller Begeisterung, wobei ihre auffällig rosigen Wangen noch ein wenig röter wurden.

Grian schaltete sich ein, um das Mädchen noch ein wenig besser zu verkaufen.
Denn letzten Endes ging es einzig und allein darum, dass er nur Kohle bekam, wenn er auch Mitglieder brachte, die angenommen wurden.
"Erinnert ihr euch an diese blutigen Morde, von denen in letzter Zeit die Rede war? Die sind ihr Verdienst."

Shigaraki nahm das Mädchen, dass mit ihrem Messer seltsam grinsend in der Gegend rumstand, noch hin und wandte sich deswegen dem Mann des Duos zu.

"Und er hier, hat zwar noch nichts großes gemacht.", erklärte der Broker weiter, "Aber er ist durch und durch Stains Ziel treu ergeben."

Er hatte schwarze, wild abstehende Haare, trug einen zerfetzten, schwarzen Mantel und hatte auffällig türkise Augen.
Das war das Normale an ihm, denn dann waren da die ganzen Stücke von totem, verbranntem Fleisch, die so aussahen, als hätte er sie sich wieder angetackert, als sie drohten, von ihm abzufallen.
Die Stellen unter seinen Augen, sein gesamter Unterkiefer und Hals, sowie Teile seiner Arme bestanden aus dem violetten, vernarbten Fleisch.

"Und wer bist du?", knurrte der Silberhaarige diesen, doch etwas grotesken, Gesellen an.

"Muss dich nicht interessieren.", war der passiv-aggressive Konter.

"Hey. Du hältst dich wohl für sehr erwachsen.", 

zischte Tomura und deutete auf Himiko, 

"Die Kleine da geht wahrscheinlich noch in die Mittelschule und war schlau genug, um uns ihren Namen zu sagen!"

Der Mann vergrub die Hände in den Jackentaschen, ehe er sagte: "Momentan höre ich auf den Namen Dabi."

Shigaraki fing an sich am Hals zu kratzen.
Ganz offensichtlich gefiel ihm die rebellische Verhaltensweise des Schwarzhaarigen nicht.

Unbemerkt von allen stand Izuku im Hintergrund auf und trat näher heran, blieb aber im Schutz der Finsternis.

"Ich will deinen richtigen Namen wissen! Das kann doch nicht so schwer sein!", keifte Tomura und ließ so bei Grian und Kurogiri die Alarmglocken losschrillen, wenn auch aus verschiedenen Gründen.

"Ich habe hier genau die zwei Sorten von Mensch vor mir, die ich am wenigsten ausstehen kann!"

- Ein Finger wurde auf das Mädchen gerichtet -

"Nervige, alberne Bälger!"

- Das Zeig-Werkzeug wanderte zu dem Mann -

"Und großkotzige Arschlöcher, die sich für was besseres halten!
Ich habe keine Lust mehr auf euch!"

Die todbringenden Hände streckten sich nach den beiden Personen aus, im gleichen Moment zückte das Mädchen ihr Messer und der Mann ließ kleine, blaue Flammen in seinen Händen auflodern, doch bevor irgendwer irgendwen angreifen, oder erreichen konnte, flog ein Messer durch die Luft und blieb genau zwischen zwei teuren Whisky Flaschen in dem Holz des Regals stecken.

Kurogiri hatte zwar vor allen Streitenden Portale geöffnet, die deren Hände quer durch den Raum verteilt hätten und es ihm rein theoretisch auch ermöglicht hätten, jedem Kämpfenden seine Hände abzutrennen, doch die Gestalt, die jetzt endlich ins Licht trat, machte solche Maßnahmen unnötig.

"Sie gefallen mir.",
sagte der Maskierte und schob das Spiegelglas, dass sein funktionierendes Auge versteckte, nach oben,
"Sie gefallen mir sogar sehr und wenn du so ein Potenzial verschwenden willst, Tomura, nehme ich mich gerne ihrer an."

Die beiden Rekruten legten die Köpfe schief, doch Dabi schaltete schneller als Toga, denn seine Augen wurden groß und mit nur wenigen, langen Schritten stand er vor dem sehr viel kleineren Mörder.

"D-du bist...! Es ist mir eine Ehre! Ich hätte nicht... ich...!"

Lächelnd schüttelte der Grünhaarige die Hand des Mannes vor sich und war froh, dass die Maske sein Unwohlsein vertuschte.

Es war eher unüblich in seinen Kreisen, richtige Fans zu haben.

Immer noch lächelnd entwand er dem Schwarzhaarigen seine Hand und verbeugte sich in Himikos Richtung.

"Wenn ich mich vorstellen dürfte: Ich bin Surveye. Stains Adoptivsohn und Erbe. Ich bin Momentan dabei, eine Gruppe zu versammeln, die die Lehren meines Vaters aufrichtig schätzt und Shigaraki Tomura war so freundlich, mich einen Einblick in die Rekrutierungen der League haben zu lassen, da es einige Verwirrungen bezüglich der Anwerbebotschaften gab."

Die Blonde errötete ein wenig mehr und fing an schwerer zu atmen, während die den Grünhaarigen vor sich fixierte.

Er war perfekt!

Seine Maske ließ einige kleine Narben in seinem Gesicht erkennen und sie wusste, dass sich unter dieser weißen Maskerade und den Bandagen und dem Stoff noch viel mehr Verletzungen verbargen.

Surveye humpelte auf Grian zu und zückte einen Zettel und einen Stift.

"Geld oder Informationen?"

Der Broker schüttelte den Kopf und legte einen Arm auf der Schulter des Jungen ab, der nicht einmal das Geschehen zu bemerken schien.

"Geld, Kurzer. Nicht alle haben sich so gut versteckt, dass sie sich einfach eine Villa und ein paar Unternehmen kaufen können."

Der Maskierte zuckte mit den Schultern und kritzelte darauf hin eine angemessene Zahl auf den Check.

"Man muss nur vorsichtig sein, Asse und ganz viele Pässe im Ärmel haben, Grian.
Allerdings fürchte ich, meine Maske wird bald einen großen Riss bekommen, nur so als kleine Info am Rande.", sagte der Lockenkopf leicht hin, ehe er seinem Kollegen den Zettel mit dem Geldbetrag überreichte.

"Der große Surveye wittert seine Enthüllung? Dass ich das noch erlebe, dann werde ich wohl bald erfahren, welches Gesicht hinter dieser Maske steckt und wie ich dich nennen kann.", der ältere Mann klopfte dem Teenager auf die Schulter und verschwand aus der Bar.

Tomura hatte sich schon längst schmollend zurückgezogen und nur Kurogiri stand noch hinter den Bar.

"Damit kann ich noch zwei weitere von euch rekrutieren, sollte ich es als nötig empfinden.", erinnerte Stains Erbe den Nebelmann, ehe er bat: "Wärst du so nett und würdest uns da hinbringen, wo du mich abgeholt hast?"

Der Mann ging nicht darauf ein, doch der erwünschte Durchgang öffnete sich.

"Danke.", 

sagte der Grünhaarige zu dem Barkeeper, ehe er zu seinen neuen Rekruten schaute,

"Geht vor, ich komme nach."

Sowohl Toga, als auch Dabi, durchschritten ohne zu zögern den Nebel.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Sie traten in einer Seitenstraße eines schickeren Viertel heraus und Toga war gespannt, was sie wohl hier suchten.

Grian hatte eben eine Villa erwähnt. Besaß Surveye etwa wirklich eine?

Der Kleinere trat hinter ihnen aus dem Portal und der Nebel verschwand.

Sofort nahm der Junge seine Maske ab.

"Dich kenne ich doch!", rief sie überrascht.

Das war der kleine Freund des Siegers von dem UA Sportfest!

"Es gibt niemanden mehr, der mich nicht auf die eine, oder andere Weise kennt.",
grummelte der Einäugige und fuhr sich durch seine strubbeligen Haare,
"Aber das ist nicht wichtig. Kommt, wir sind immer noch einen zehn Minuten Marsch von meinem Haus entfernt und ich habe keinen Bock zu spät zum Abendessen da zu sein."

Die beiden Schurken hatten tatsächlich nach wenigen Minuten Probleme damit, mit dem Kleineren mit zu halten und mussten ihm schwer atmend hinterher hasten, damit er ihnen nicht davon rannte.

Das peinlichste an der Sache?

Surveye redete durchgängig, ohne auch nur im Geringsten aus der Puste zu kommen.

"Wie ihr euch nennt, wer eure Familie war, was ihr früher alles verbrochen habt - dass ist mir und den anderen sowas von egal.
Wichtig ist nur, wie ihr euch jetzt verhaltet.
Neben mir gibt es noch drei Andere, die mehr oder weniger so aussehen wie ich. Wagt es nicht, euch über sie lustig zu machen - sonst...!
Gut.
Wenn das geklärt ist:
Wie genau das Haus aufgebaut ist, werdet ihr dann sehen, wenn ihr da seid - Ich bin sicher, jemand wird euch eine Rundführung geben, wenn ihr fragt.
Es gibt täglich fünf feste, davon drei warme, Mahlzeiten.
Ihr müsst zu keiner erscheinen, doch sollte es bedenklich werden, weil ihr überhaupt nichts esst oder trinkt, habe ich kein Problem damit, euch KO zu schlagen und vor einem Krankenhaus liegen zu lassen."

So, wie der Junge es sagte, klang es, als hätte er es schon Mal machen müssen.

"Um das Essen kümmern sich immer vier Leute, es wird wöchentlich gewechselt.
Zu diesem Dienst gehört es: einkaufen zu gehen, Geschirr zu spülen, den Tisch zu decken, zu kochen und Küche und Esszimmer sauber zu halten.
Es sind immer Viererzimmer und um die Ordnung darin müsst ihr euch selber kümmern, in Absprache mit euren Zimmernachbarn natürlich.
Jede zweite Woche ist allerdings Großputz.
Was Wäsche betrifft: Ein genauer Plan hängt in der Waschküche, oder lasst es euch von jemandem erklären, ich habe gerade keine Lust.
Trainingshalle und Spiellounge sind 24/7 offen und dürfen so viel benutzt werden, wie ihr wollt, sofern ihr eure Aufgaben im Haushalt erfüllt habt.
Aufgestanden wird um 8:30 Uhr, wann ihr Schlafen geht, ist eure Entscheidung."

Endlich wurde er still und nachdenklich, während er leise murmelte: "War das alles? Ich habe das Gefühl, ich habe neben den Regeln was vergessen... was habe ich nur...?"

Surveye wurde ein wenig langsamer und die beiden Schurken atmeten tief durch, als sie wieder zu ihm aufschlossen und eine kleine Verschnaufpause bekamen, doch dann zog der Teenager schon wieder das Tempo an, mit den Worten: "Ach ja! Das war's!"

"Mein Büro und mein Zimmer sind tabu.
Sollte ich jemanden unerlaubt darin erwischen, etwas in diese Richtung zu Ohren bekommen, oder es auf den Videos sehen, seid ihr tot.
Außer es war ein Notfall.
Damit hätten wir das abgehakt.
Also:
Die Meisten in der Villa sind Quirklos. Das macht sie nicht nutzlos, schwach, oder minderwertig.
Sie sind Menschen, und das reicht!
Sollte jemand im Haus hilfe benötigen: Hilft!
Solltet ihr um Hilfe fragen, wird man euch auch immer helfen.
Niemand wird einfach so, oder aus Spaß, angegriffen!
Wenn ihr Freude daran empfindet, diese ganzen Fakes zu beseitigen: Super.
Aber ich .will nichts von Morden an Zivilisten hören!
Solltet ihr jemanden töten wollen, müsst ihr erst zwei Wochen Training hinter euch haben und mich um Erlaubnis fragen, dann gebe ich euch ein Ziel, oder Ziele - je nachdem, wie ihr euch fühlt.
Dad scheute nicht vor Strafen zurück, wenn ich etwas in diese Richtung plante und ich werde genau dieselben Strafen auch für andere verwenden.
Und damit: Wir sind da. Herzlich willkommen in eurem neuen zu Hause."

Mit einem strahlenden Lächeln präsentierte der Broker den beiden Schurken seine Villa; ihren neuen Wohnort.

Chapter Text

**************Rückblick**************

 

Wie lange es dauerte, bis die Polizei das Video von Stains Rede erfolglos vom Internet entfernte?

Drei Tage.

Wie lange es dauerte, bis Midoriya anfing, sich an dem Bearbeiten, Kopieren und Versenden der Nachricht seines Lehrers zu beteiligen?

Achtzehn Stunden.

Bis die League ihr Video, dass dem von Surveye widersprach, veröffentlichte?

Einundzwanzig Stunden.

Und wie viel Zeit der Erbe Stains benötigte, um wieder in die Schlagzeilen zu kommen, nachdem sein Mentor offiziell im Gefängnis war?

Zwanzig Minuten.

"- hinter dem Angriff steht wahrscheinlich der Mörder und Broker 'Surveye', der mit großer Sicherheit ein familiäres Verhältnis zu dem 'Heldenmörder Stain' hatte."

Die Nachricht flutete die gesamte Stadt.

Jemand war vor einer Viertelstunde in eine eher kleine Heldenagentur eingebrochen, hatte die Türen und Fester wohl schon irgendwann im Vorraus sabotiert und verriegelt und heute alle Leitungen des Gebäudes gekappt.
Die Türen waren von innen verschlossen und über den Haupteingang war das Surveye in roter Farbe geschmiert worden.

Das Massaker, dass hinter diesen Mauern stattfand, war genau geplant worden und die eher schwachen Helden, die sich in dem Büro befunden hatten, wurden nach und nach mit einer erschreckenden Präzision abgeschlachtet.

Keuchend wischte der Mörder sich das Blut von dem Glas seiner Maske, um wieder etwas sehen zu können.

Das war Nummer elf. Damit wären nur noch zwei übrig.

Mit leisen, dennoch auf dem mit Blut durchtränkten Teppich gut hörbaren, schmatzenden Schritten, ging der Einäugige durch die Räume.

Überall lagen Leichen mit verdrehten Armen und Beinen, toten Augen und aufgeschlitzten Kehlen.

Die Leute, die eine physische Quirk besaßen, hatten dieses Körperteil verloren und die zwei Fälle, die vollkommen verändert aussahen, waren zerhackt und verunstaltet worden, sodass es schwer werden würde, sie zu identifizieren.

Izuku zog verschiedene Vorteile aus seinem Leben als Killer.

Und einer war, dass er seinen Hass auf Quirknutzer an eben solchen auslassen konnte.

Die Maske vertuschte gut, wie erschöpft der Mörder aussah.
Seine Augen waren blutunterlaufen, glasig und geschwollen, darunter lagen schwarze Augenringe, seine Lippen waren rissig, und seine Haut war wieder so ungesund blass, wie sie es gewesen war, als er noch zu der Gang gehörte.

Doch er ließ nichts von seinem Leiden nach außen dringen, indem er alles sichtbare an sich sorgfältig pflegte.

Seine Haare waren gewaschen, gestutzt und gekämmt, er war durchtrainiert wie eh und jeh, die Bandagen um seine Arme waren frisch, seine Kleidung gewaschen, seine Waffen waren in einem einwandfreiem Zustand.

Er konnte sich nicht den Luxus gönnen, sich gehen zu lassen.
Er hatte eine Aufgabe, eine Pflicht, die er erfüllen musste.

Er blieb stehen und schloss sein Auge.

Eine der wichtigsten Lektionen die Stain ihm beigebracht hatte: Alle Sinne nutzen.

Unterdrückter, keuchender Atem wurde hörbar, zusammen mit einem leisen Wimmern.

Er hat wohl seine verbliebenen Ziele gefunden.

Sein Gesicht war ernst, als er den kleinen Schrank umriss und ein Loch durch die Rückwand trat.

Er hatte das Poltern und die Aufschreie gehört, als der Holzkasten umkippte und wusste, wo sich welche Person befand.

Mit einer einzigen, fließenden Bewegung stieß er seine Klinge durch das Holz und spießte so einen der Helden auf, der Andere befand sich genau unter seinem Fuß, zitterte und schluchzte erbärmlich.

Falsches Gesindel!

Surveye nahm seinen Schuh von der zertrümmerten Schulter der Mannes unter sich, bückte sich und zerrte sein letztes Opfer für diesen Tag aus dem Schrank.

Der Mann war größer als der Teenager und man hätte meinen müssen, er wäre auch stärker als der kleine Junge vor ihm, doch dem war nicht so.

Mit Leichtigkeit konnte Stains Erbe den Helden gegen die Wand schubsen, wo dieser einfach nur bebend und voller Furcht stehen blieb.

"D-du wirst nicht d-d-davonk-k-ko-ommen! A-all Might w-wird dich z-zur Strecke bringen!", schrie der Mann panisch, ehe er mit dem Schwert an die Wand gepinnt wurde.
Der Maskierte hatte es durch die Schulter des Helden gerammt.

"Das will ich doch hoffen. Du musst wissen, ich bin ein großer Fan von ihm.",
sagte der Junge und kurz schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen, bevor er wieder Ernst wurde und leise, nur für sich, murmelte:
"Töten ist nicht zum Spaß. Du darfst keine Freude daran empfinden. Sonst bist du nicht besser als sie."

Der Held hatte das Gefühl, sein Herz würde gleich zwischen seinen Rippen hindurch springen, oder zerplatzen. Zu schnell schlug es, zu viel Blut pumpte es, mit zu viel Kraft.

Dieser Junge... dieses Kind - dieser Mörder, war kurz davor ihn zu töten, oder für immer zu verstümmeln und das war so vollkommen surreal und erschreckend.

Es konnte nicht passieren.
Es durfte nicht passieren!

Es konnte nicht wahr sein, dass ein Teenager so viel Mordlust, Hass und Sadismus in sich hatte!

"Du warst doch derjenige, der dieses Höllenloch erfunden hat.", meinte der Kleiner, der sich endlich wieder gefangen hatte und schob schließlich mit einer behandschuhten Hand das grün-spiegelnde Glas über seinem linken Auge weg, sodass man ein intelligentes, lumizierendes, müdes, blutunterlaufenes Auge sehen konnte.

"Du warst derjenige, der diese Gruppe an Halbstarken versammelt hat und dann die Stadt terrorisieren ließ.
Ich lasse dich am leben - jetzt zumindest - damit du allen von meinem Werk erzählen kannst.
Und damit du folgende Nachricht überbringst: 

 

'UA-High hat zwei Schüler in ihrem Heldenkurs A, die schon vor langem ihre Chance vertaten, Helden zu werden.
Ich verlange, dass sie ein Exempel an ihnen statuiert, dass dieser Abschaum der Gesellschaft nicht die Möglichkeit erhält einen so wertvollen Beruf auszuführen.'
Ich will, dass das noch heute in den Nachrichten zu hören ist! Wort für Wort! Genau so! Verstanden?!"

Der Mann nickte panisch.

Er würde alles tun, damit er einfach nur am Leben blieb.

Der Grünäugige lächelte und tätschelte die Wange des Erwachsenen etwas zu hart, dann zog er ein längeres, gezacktes Messer aus einem der Holster an seinem Bein.

Das schluchzen, beben und laute Flehen des Mannes wurde kurz darauf von einem grauenhaften Kreischen ersetzt, dass bis nach draußen zu hören war und allen in Hörweite eine Gänsehaut der Angst über den Rücken jagte.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Verdammt! Ich habe mich schon wieder gehen lassen.", murmelte der Lockenkopf und fuhr sich mit beiden Händen über sein Gesicht.

Der Mann lebte; allerdings war er Querschnittsgelähmt und seine Hände fehlten, dazu kam, dass Schnitte seine Arme von Handgelenk bis Schulter in grotesken, sinnlosen Mustern zierten, die nichts weiter als Schadenfreude und Sadismus ausdrückten.

Gerade lief Surveyes Botschaft auf jedem Kanal rauf und runter.
Viele Analytiker nahmen seine Worte in Talkshows auseinander, untersuchten sie bis ins kleinste Detail.
Kriminologen und Helden wurden zu Stains Erben befragt, die Meinungen waren ähnlich, wobei es interessant war zu beobachten, wie manche professionell blieben, während andere offen und ungefiltert ihre Meinung herumbrüllten.

Und das Schlimmste: Es gab keine Antwort von der angesprochenen Schule.
UA hüllte sich in undurchdringbares Schweigen und ließ so Reporter und Journalisten fast schon durchdrehen.

Der Grünhaarige saß auf dem Sofa vor dem Fernseher und schaute sich eine der Analysen an, die er als spannend und nicht vollkommen an der Haaren herbeigezogen empfand.

Seine Gedanken wanderten zurück zu dem Moment, wo er endlich von seinem letzten Opfer abließ.

Er hatte sich zusammenreißen müssen um nicht seiner neu entdeckten Seite, die Spaß an dem Leiden anderer empfand, noch mehr nach zu geben.
Er hätte sonst etwas getan, wofür Stain ihn wahrscheinlich eine richtige Strafe erleben lassen hätte.

Normalerweise war der ältere Mörder sehr freundlich, väterlich und fürsorglich gewesen, doch als Izuku einmal meinte, dass er vielleicht einen Zivilisten zum Üben töten könnte, hatte sich das schlagartig für eine ganze Woche geändert.

Er hatte in der Abstellkammer schlafen müssen, ohne Matraze, Decke oder Kissen, hatte weniger Essen bekommen, (es war nur so viel gewesen, dass er nicht seine Form verlor) sein Trinken, welches für diese Woche nur Wasser gewesen war, war rationiert worden, er hatte nicht an den Fernseher, Computer, Handy, Telefon oder Bücher gedurft und dazu hatte sein Lehrer sich geweigert, mit ihm zu sprechen.

Natürlich hatte er gewusst, was auf ihn zukam.
Akaguro hat ihm genauestens erklärt, was genau er falsch gemacht hatte und wie die Strafe deswegen aussehen würde.

Zu behaupten, Izuku hätte es klaglos über sich ergehen lassen, wäre falsch, doch er hatte es verstanden und die Strafe, welche auch als eine Auszeit für ihn gedacht war, akzeptiert und stumm leidend angenommen.

Was am schlimmsten gewesen war?
Niemanden zum reden zu haben, da er auch die Wohnung nicht hatte verlassen dürfen.

Trotzdem wünschte er sich jetzt, Chisome wäre da und würde ihn durch genau so eine Tortur schicken.

Alles wäre besser, als zu wissen, dass sein Vater... - als dass sein Vater im Gefängnis war, damit er selbst hier draußen sein konnte.

Er hatte es sich nicht wirklich verdient, dieses Ideal und Ziel weiter zu tragen.
Dafür hatte er es heute als zu befriedigend empfunden diese ganzen Leute aufzuschlitzen.

Nachdenklich schaute er auf sein Handy.

Ob er Shouto anrufen sollte?
Durfte er das überhaupt?

Er würde sich gerne mit seinem Freund treffen.
Vielleicht sollte er sich einfach mit einem kleinen Geschenk in das Krankenhaus begeben, in dem Shouto lag?
Das klang nach keiner schlechten Idee.

Und so schnappte Izuku sich eine Jacke, zog sich seine Schuhe an und ging nach draußen, um eine Kleinigkeit für seinen Helden zu kaufen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Durchaus zufrieden mit sich verließ der Grünhaarige den Laden.

Er hatte ein kleines Gesteck, bestehend aus drei Blumen, die angeblich in dieser Kombination so viel wie "Hab' dich lieb, bitte werd' schnell gesund" hießen.

Der Teenager musste feststellen, dass er keine Ahnung hatte, ob es stimmte, aber am Ende zählte doch schließlich der gute Wille, nicht wahr?

Die andere Hälfte seines Geschenks waren Bücher.

Früher war es wohl eine große Serie gewesen, die viele Jugendliche begeistert hatte, doch mittlerweile waren die massenproduzierten, literarischen Werke selten und von großem antiken Wert - vorallem wenn sie vom Autor signiert waren, so wie die fünf Bücher, die er mit Hilfe seiner Kontakte erworben hatte.

Er hoffte, die 'Percy Jackson' TM -Reihe würde Shouto gefallen, aber es klang so, als würde sein Freund sich mit dem einen oder anderen Charakter identifizieren können.

Mit guter Laune also, ging er mit einem schweren Holzkasten und einem Blumenstrauß zu dem Krankenhaus, von dem er wusste, dass Shouto sich darin befand.

War schon eine kleine Weile her, dass er so ein Gebäude von innen gesehen hatte.

Nervös schaute er nach oben zum Dach, als er vor der Klinik stand.

Ihm fiel auf einmal wieder ein, weshalb es so lange her war.

Er hasste Krankenhäuser.

Seine Erinnerungen an diese Orte waren schlecht, düster und verzerrt von Alkohol, Schmerzen und Drogen.

Seufzend zog er sich eine bedruckte Atemschutzmaske über und setzte dann die Kapuze seines Hoodies auf.

Er wusste, in welchem Zimmer Shouto lag und musste einfach nur unbemerkt dorthin kommen und hoffen, dass der Held ihn nicht so sehr hasste, dass er die Polizei rief.

So unauffällig wie möglich mischte der Einäugige sich unter die Besucher und tatsächlich nahm ihn niemand wahr, während er sich durch die Lobby zu dem Flügel der Patientenräume begab.

In den Fluren dieser Station war es sehr viel ruhiger, doch der Schurke traute sich nicht, sich zu enthüllen und so vielleicht Kameras, oder Personal in die Augen zu fallen.

Vor der Tür von Shouto’s Zimmer war niemand, doch er war sich sicher, dass dieser Raum der richtige war, da unter der Zahl ein kleines Schild mit dem Aufdruck 'Shouto Todoroki' hing.

Anscheinend war es ein Einzelzimmer.

Nach kurzem Zögern und einem tiefen Luftzug klopfte der Mörder an und wartete unsicher darauf, herein gebeten zu werden.

"Wer ist da?"

Er runzelte die Stirn.
Das war nicht Shoutos Stimme.

Zögernd öffnete er die Tür und sah einen Arzt, der gerade dabei war, den Verband an Shoutos Kopf zu wechseln.

Bei dem Gedanken daran, dass er an dieser Wunde schuld war, bohrte sich eine kleine Nadel in sein Herz.

"Zuko Idori.

Ich bin ein Freund von Shouto und wollte ihn Besuchen, weil ich von seiner Verletzung gehört habe. Aber anscheinend komme ich ungünstig. Ich warte im Flur, bis Sie fertig sind.", sagte er, wobei er gegen Ende hin immer leiser wurde, dann zog er sich zurück und setzte sich vor die Wand, die gegenüber von Shoutos Zimmer war.

Er wusste, dass er gerade ein großes Risiko einging, da der Teenager dem Arzt jetzt alles mögliche erzählen könnte, doch er hatte Vertrauen.

Nach einiger Zeit ging die Tür auf und der Kittelträger schien erstaunt, ihn genau hier, auf dem Flur und am Boden vorzufinden.

"Du kannst jetzt zu Todoroki, aber versuche ihn nicht zu sehr aufzuregen."

"Ich werde ganz vorsichtig sein.", bestätigte Surveye lächelnd und stand auf, ehe er seinen Holzkasten und die Blumen hochhob.

Bevor der Mann noch mehr sagen konnte, hinkte der Junge an ihm vorbei in das Zimmer, wo Endeavors Sohn in aufrecht sitzend im Bett erwartete.

"Was willst du, Izuku?", fragte Shouto kalt, sobald der Lockenkopf die Tür mit einem Fuß hinter sich geschlossen hatte.

Der Kleine zuckte mit den Schultern, legte die Blumen auf einen Tisch und öffnete den Holzkasten, in dem sich neben den Büchern auch eine kleine Plastikvase befand.

Ohne auf die Frage einzugehen ging er in das Badezimmer, füllte das Behältnis mit Wasser, schüttete den Dünger, den die nette Verkäuferin ihm mitgegeben hatte rein und stellte dann das kleine Gesteck in die lebensspendende Flüssigkeit, um am Ende die kleine, kunstvolle Vase auf Shoutos Beistelltisch zu drapieren.

Danach holte er den Holzkasten und platzierte ihn auf einem Stuhl, den er in die Reichweite des Verletzten zog.

"Ich wollte wohl mit dir reden.", 

murmelte der Einäugige und schaute unbestimmt zu Boden, während er fortfuhr, 

"Außerdem wollte ich mich entschuldigen. Wegen mir bist du verletzt und konntest deine Feldwoche nicht beenden."

Der UA Schüler zog seine Augenbrauen hoch.

"Und deswegen riskierst du es, gefangen und weggesperrt zu werden, wie dein hochgeschätzter Vater?"

"Ja."

Das schien den Größeren aus der Bahn zu schmeißen.

Eilig versuchte der Schurke des Thema zu wechseln, indem er zu seiner Holzkiste stackste und sie öffnete.

"I-ich habe dir ein wenig mehr als nur die Blumen mitgebracht!", würgte er aufgeregt hervor und merkte wie sich Schweiß auf seiner Stirn bildete.

Er hoffte, Shouto würde sein Geschenk gefallen, doch er konnte sich nicht sicher sein... und was wenn Shouto die Bücher schon besaß?
Sein Vater war immerhin Endeavor, Held Nummer zwei in der Rangliste und eine der bestverdienenden Personen der Welt. Sicherlich hätte er genug Geld, um sich so etwas zu leisten.

Seine feuchten Hände rutschten von dem polierten Holz ab und der Kasten krachte zu, während der Broker mit einem verzweifelten Blick auf seiner Unterlippe kaute.

Er wollte, dass seinem Freund die Bücher gefielen, aber wahrscheinlich würde Shouto sie ihm um die Ohren schmeißen, sobald er sie sah.

Nervös fing er an mit seinen Fingern zu spielen, bis sich eine kühle Hand auf seine legte.

Verängstigt riss der Grünhaarige den Kopf hoch, doch Shoutos normalerweise harter Blick, war sanft und weich.

"Zeige es mir doch erstmal, bevor du dich deswegen schlecht machst.", sagte der andere Junge und gab Izuku so die benötigte Bestätigung.

"N-na g-gut.", stotterte der Kleinere und öffnete die Kiste erneut, wobei er vorher seine Hände an seiner Hose abwischte.

Als der Kasten offen war, blieb sein Blick fassungslos an seinen zitternden, vernarbten Händen hängen.

Wo waren seine Handschuhe?!

Seine Gedanken rasten und er merkte, wie eine Panikattacke sich von hinten heranschlich, mit gezücktem Messer und bereit, die vergiftete Klinge ein weiteres Mal in seinen Verstand zu rammen.

"Izuku."

Er konnte sich nicht mehr bewegen.

Er hörte Shouto seufzen und kurz darauf waren zwei weiße Gummihandschuhe in seinem Sichtfeld.

Dankbar nahm er sie an und zog sie sich über, wobei er dafür ein wenig brauchte, weil seine Hände nervös zuckten und er sie nicht still halten konnte.

"D-danke.", er holte tief Luft und ließ seine Nerven erst einmal wieder still werden, bevor er sich wieder auf das konzentrierte, was er eigentlich tun wollte.

"Danke, Shouto. Ich bin die letzten Tage ein nervliches Wrack gewesen. Ohne... ohne Dad komme ich zwar klar- aber... es ist... schwer. Er hat immer auf mich aufgepasst... weißt du?", er zwang sich unter der Maske zu einem schmerzlichen Lächeln, ehe er seinen Blick auf die fünf gebundenen Bücher senkte.

"Es war schwer und teuer, ich habe ziemlich viel blechen und erzählen müssen, damit man sie mir gab, aber ich hörte, es würde sich auf jeden Fall lohnen.
Sie sind gebunden, jedes Einzelne ist signiert und von der ersten Auflage."

Die verschiedenfarbigen Augen wurden groß, als Shouto begriff, was Izuku andeutete.

Mit einem beschämten Lächeln zog Surveye das erste Buch heraus: 'The Lightning Thief' TM .

"Es ist auf Englisch, also in der Originalsprache und mittlerweile sind diese kleinen Schätze hier wahre Raritäten.
Ich dachte mir, es könnte dir Spaß machen, sie zu lesen, während du dich auskurierst, aber jetzt ist mir eingefallen, wie reich du bist und dass du dir viel ältere, bessere und seltenere Bücher holen kannst und diese Reihe vielleicht sogar schon längst besitzt und-"

Weiter kam er nicht, da er mit Hilfe einer Umarmung halb auf das Krankenbett gezogen wurde.

"Danke, Izuku. Dass ist wirklich nett von dir, dass du so etwas wertvolles für mich geholt hast.", flüsterte der Größere und der Schurke wurde knallrot.

Stammelnd versuchte Stains Erbe zu vermitteln, dass es halb so toll wäre und dass er damit den Kampf nicht wieder gut machen könne, aber dass es ihn auch freue, wenn es Shouto gefiel, doch der Teenager mit der Brandnarbe lächelte einfach nur und wartete darauf, dass sein zwielichtiger Freund sich aussprach.

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Es war spät am Abend, als Izuku das Krankenhaus verließ.

Shouto hatte ihn gebeten, ihm Gesellschaft zu leisten und er war über glücklich gewesen, dass der Held in Ausbildung ihn nicht hasste.

Auf dem halben Weg nach Hause wurde er von einem schwarzen Nebel überrascht.

"Surveye. Shigaraki verlangt, mit dir zu sprechen.", teile Kurogiri ihm mit verschränkten Armen mit.

"Mehr als verlangen kann das Riesenbaby auch nicht.", grummelte der Teenager und stolzierte einfach an dem anderen Schurken vorbei.

"Man hat mir erlaubt, Gewalt anzuwenden, solltest du nicht kooperieren."

Der Broker erstarrte bei diesen Worten und drehte sich langsam um, ein gruseliges Grinsen auf seinen Lippen.

"Das würde ich zu gerne sehen."

Der wahnsinnige Klang in Surveyes Stimme ließ den zweiten Anführer der League nicht kalt und seine diffuse Gestalt flackerte kurz, um sein Unwohlsein auszudrücken.

"Aber-",
setzte der vermummte Junge an und seine Stimme war plötzlich ganz harmlos und fröhlich,
"- ich werde mit dir gehen, damit am Ende nicht sonst-was passiert. Allerdings müsste ich kurz zu mir nach Hause und in mein Kostüm wechseln, denn so will ich nicht vor Shigaraki Tomura auftreten, wenn es sich vermeiden lässt."

"Ich bringe dich hin.", sagte das Warpgate und Izuku lag ein Widerspruch auf der Zunge.

Er wollte nicht, dass die League sein zu Hause kannte.

Andererseits...

Die Villa war fertig gebaut. Er könnte auch einfach in das Haus einziehen, in dass er eigentlich schon seit ein paar Monaten wollte.

"Ich wohne in der obersten Etage in Haus Nummer YY in der Straße XYXYX."

"Anscheinend verdienst du nicht schlecht.", meinte Kurogiri erstaunt und öffnete ein Portal.

"Ich verdiene noch viel mehr, aber ich habe mittlerweile die alberne Angewohnheit, alles Geld, dass ich verdiene, zu sammeln.", gestand der Teenager mit einem Schulterzucken und ging vor, um in seinem Flur wieder heraus zu treten.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Shigaraki~!",
sagte der Maskierte lächelnd, mit ausgebreiteten Armen, als würde er einen alten Freund nach Jahren wieder sehen,
"Wie geht es dir, Kumpel? Wie kann ich dir dieses Mal helfen?"

Der Ältere biss hinter seiner Hand-Maske die Zähne zusammen, genervt von dem Auftreten Surveyes.

"Dein Video, zieh es zurück. Verschwinde aus den Medien! Dein Massaker heute macht meine ganzen Pläne kaputt!"

Der Teenager schaute erstaunt von seinem Handy auf, mit dem er zu spielen angefangen hatte, sobald er auf einem Barhocker platz genommen hatte.

"Du kannst planen?", frage er belustigt und Shigarakis Hände zucken, als ihn das Bedürfnis durchfuhr, dem Kleineren beide Hände einfach um die Kehle zu legen und ihm beim Zerfallen zuzusehen.

"Ja.", zischte er und erinnerte sich genau an die Worte Senseis, dass dieser Bengel vor ihm ein wichtiger Teil in seinen Plänen war, obwohl er es noch nicht merkte.

Das Spiegelglas der Maske reflektierte das Licht der Kneipenbeleuchtung als der Junge den Kopf schief legte und sein Lächeln gefährlich scharf wurde.

"Wenn dem so ist, kannst du mir gerne jeden deiner Pläne mitteilen und ich werde versuchen, ihnen nicht im Weg zu stehen."

Auch davor hatte Sensei Tomura gewarnt.
Surveye würde sehr wahrscheinlich versuchen an Informationen zu kommen, damit er sie verkaufen und verbiegen kann, wie es ihm passt.

Langsam begriff der Silberhaarige, welche Position der Erbe Stains in dem Spiel hatte.

All Might war der Endboss.
Die ganzen anderen Helden waren Zwischengegner.
Die Schüler waren die verbesserte Gegner-Generation, sofern sie erwachsen werden sollten.
Sensei war sein Unterstützer und Berater.
Seine Untergebenen waren die Spielfiguren.
Er war der Spieler.
Anfangs hatte er gedacht, Stain und Surveye wären nichts weiter als Händler und Zwischenquests, da sie ganz offensichtlich keine simplem NPCs waren, doch er hatte falsch gelegen.

Das war nicht nur ein RPG sondern auch ein Multiplayer und Surveye war einer der anderen Spieler.

Natürlich machte ihn das zu einem indirekten Gegner, aber vor allem zu einer größeren Gefahr und einem unbestimmbaren Faktor.

"Meine Pläne laufen gut und du wirst nur dann wirklich dazwischen gehen, wenn du diese blöden Schüler unterstützt, oder einen Helden rettest."

Der Grünhaarige grinste selbstzufrieden, ehe er mit vor Honig triefender Stimme meine: "Man kann sich nie sicher sein, was als nächstes kommt, Todeshand.
Aber - wie fändest du einen Handel?"

Der Anführer der League dachte kurz nach.

Ein Deal klang interessant.

"Was würdest du vorschlagen?"

"Ich werde mein Video zurückziehen und euch Informationen zu der Klasse 1A geben.",
bot der Grünhaarige an und ging auf den Silberhaarigen zu, bis er schließlich mit gehobenem Zeigefinger vor dem Älteren stehen blieb,
"Und im Gegenzug darf ich dabei sein, wenn sich eure Rekruten vorstellen. 

Jedes Mal, wenn Leute hier reinstürmen, um sich euch anzuschließen, weil sie dem Ruf meines Vaters folgen, werde ich sofort von Kurogiri abgeholt, an einer Stelle, die ich bestimme, und hierher gebracht.

Ich werde so frei sein, die vier Bewerber, die ich am unpassendsten für die League empfinde, unter meine Obhut zu nehmen."

Der Heldenmörder hielt dem zukünftigen Zeichen des Schreckens eine behandschuhte Hand hin, während er mit der anderen das Spiegelglas nach oben schob, sodass sein gesundes Auge sichtbar wurde.

"Deal?", fragte Izuku grinsend.

Tomura ergriff seine Hand, den kleinen Finger abgespreizt.

"Deal."

Sie schüttelten die Hände mit einem festen Druck und Surveye zog sich als erstes zurück, mit einem zufriedenen Grinsen, das der Schurke schon von Grian kannte.

"Na dann.", sagte der Grünhaarige, schlug die Hände zusammen und rieb sie kurz aneinander, bervor er aus einer seiner viele Taschen ein paar gefaltete Zettel rauskramte und auf die Theke legte.

"Die versprochenen Informationen. Sollte ich sie in den Händen von einer Person finden, die nicht zur League gehört, seid ihr alle tot. Aber diese Bedingung ist ja mittlerweile Allgemeinwissen.", damit wandte der Junge sich zum gehen und winkte ihnen locker zum Abschied zu.

Das Spiel kam langsam ins Rollen.

Chapter Text

****************Rückblick*************

 

Nachdem Izuku die Bar verließ, suchte er sich einen Baumarkt, der trotz der späten Stunde geöffnet hatte.

Nach einigem Rumfragen, weil Goggle-Maps nicht so wollte, wie er, hatte er tatsächlich den Laden gefunden und konnte sich einen Vorschlaghammer besorgen.

Es war eine blöde Idee, die er hatte, doch es musste funktionieren.

Er brauchte mehr Personen, die ihm ähnelten, damit er nicht mehr als Einziger als Surveye verdächtig war.

Alle Welt wusste, Surveye ist: Klein, männlich und humpelt.
Die Narbe kannte keiner, niemand wusste, dass er halb blind war, doch man konnte es in seine Maske und sein Zeichen hinein interpretieren.

Was machen dann also vernünftige Verbrecher mit gesundem Menschenverstand?

Genau.

Sie ziehen los und verstümmeln einige Personen, die in das Profil passen, damit sie genau die selben Merkmale haben, wie man selbst.

Es war nicht wirklich schwer Obdachlose zu finden.

Personen ohne Quirk nahmen die Mehrheit der Straßenbewohner ein, also war das auch noch leicht.

Obdachlose in seiner Altersklasse waren schon schwieriger, doch auch davon gab es einige, da viele zwischen zwölf bis sechzehn verstanden, dass ihr Leben nichts Gutes für sie bereit hielt.

Ab der Größe wurde es kompliziert.

Izuku fand es beleidigend, dass es kaum Jungen in seiner Größer gab.

Was war denn so schlimm daran, nur 158 Zentimeter groß zu sein?
War es so schwer, klein zu wachsen?
Können die dann nicht einfach… aufhören ?

Aber nach ungefähr drei Stunden wurde er fündig.

Eine Gruppe Obdachloser Jugendlicher im Getto, alle würde er zwischen dreizehn bis achtzehn schätzen und sechs von ihnen waren ungefähr in seiner Größe.

Jetzt kam nurnoch die Frage nach den Quirks.

"Darf ich mich zu euch setzten?", erkundigte er sich mit einem vorsichtigen Lächeln.

Die Maske hatte er abgenommen, sobald er das Schurken-Viertel verlassen hatte und der Großteil seines Kostüms wurde von seinem Mantel versteckt.
Er musste nur hoffen, dass niemand seine Schuhe erkannte.

"Klar. Jeder, der fragt, ist an unserem kleinen Feuerchen willkommen.", sagte einer der Älteren und rückte ein wenig zur Seite, sodass der Neuankömmling sich zu ihm auf die Pappe setzen konnte.

Izuku streifte seinen gelben Rucksack ab, den er bis oben hin mit Essen und Trinken vollgestopft hatte.
Es gab kein besseres Lockmittel auf der Straße.

"Habt ihr hunger?"

Er öffnete umständlich seine Tasche und kramte ein paar Sachen für Sandwiches heraus.

Die ganzen Jugendlichen um ihn herum starrten den Grünhaarigen an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen.

"Ja, haben wir. Woher hast du das?"

Er kratzte sich am Hinterkopf und holte ein paar Plastikbretter hervor und reichte sie dann zusammen mit den Lebensmitteln herum.

"Ich arbeite.", 

erklärte er, 

"Es ist vielleicht nicht schlau, aber es bringt viel Geld und ich muss nicht mehr auf der Straße hocken.
Aber, weil ich weiß wie es ist, dachte ich mir, ich tue anderen 'was Gutes und gebe ein wenig Geld aus, um ihre Bäuche zu füllen."

Die Gruppe interessierte es nicht, was Izuku für einen Job machte, sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, die gebrachten Vorräte zu vernichten.

Ein Mädchen wollte Izuku ein wenig von ihrem Essen abgeben, doch er lehnte dankend ab, er habe schon gegessen. (Hatte er auch.)

"Danke für die Mahlzeit!", rief einer der Jüngeren, die er als Ziel ins Auge genommen hatte.

Der Junge hatte schwarze, strubbelige Haare, die vor seine rechte Gesichtshälfte hingen, er wirkte eher gebrechlich und machte einen verstörten, sowie verstörenden Eindruck.

"Nichts zu danken. 

Aber eine Frage hätte ich an euch: Weshalb seid ihr hier? 

Ich bin damals von zu Hause weg, weil ich quirklos bin und meine Mutter nicht länger enttäuschen wollte."

"Oh. Wir alle sind quirklos, bis auf Luke. Aber er hat eine 'Schurken-Quirk', laut seiner Mutter.", sagte der Junge und Izuku musste sich zusammenreißen, um nicht zu grinsen.

Er hatte den Jackpot geknackt.

"Was für eine Quirk denn genau?"

"Meine Quirk ermöglicht es mir, Personen, die ich küsse eine Woche lang vollkommen zu kontrollieren.", erklärte Luke, der vorher für ihn Platz gemacht hatte, damit er sich zu der Gruppe setzten konnte.

Izukus Augen wurden groß und er musste sich zusammenreißen, nicht sofort Stift und Zettel zu zücken, um alles zu notieren und den Älteren weiter auszufragen.

"Ganz schön mächtig. Das könnte man sicher gut als Polizist einsetzten, um Under-Cover zu arbeiten, oder Verbrecher zu einem Geständnis zu bekommen.", sagte der Einäugige und riss so den Schäfer der kleinen Gruppe aus allen Wolken.

"W-wah-?"

Er nickte begeistert.

"Man könnte so viel damit machen! Es ist albern, dass du verstoßen wurdest.",
die grünen Augen glühten im Schein des Lagerfeuers auf,
"Wie fändest du es, etwas mit deiner Quirk zu bewirken? Ein großes Ziel zu erreichen? Leute zu retten?"

Alle um das Feuer herum wurden skeptisch und nahmen eine angespanntere Haltung an, doch Surveye ließ sich nicht beirren und machte eine ausschweifende Bewegung, die dafür sorgte, dass der Mantel kurz einen Blick auf sein Kostüm und die Waffen frei gab.

"Ich suche schon die ganze Woche nach so einer tollen Gruppe wie euch. Ich würde euch gerne helfen. Ihr habt euch die Hilfe verdient. Genau so, wie ihr Akzeptanz und Freundschaft verdient."

"Wer bist du?", knurrte Luke, ohne auf die begeisterte Ansprache einzugehen. Er hatte die Messer, Schwerter, Schlagringe und Stacheln an den Schuhen gesehen - dieser Junge vor ihnen war gefährlicher, als sich erahnen ließ.

"Mein Name lautet Izuku Chisome, ich bin aber auch unter den Namen Izuku Midoriya, Zuko Midori und Zuko Idori bekannt."

Alle wurden still. Mehrere Namen heißen immer, dass mindestens eine der Identitäten gefährlich ist.

"Wer bist du noch?"

Die Stille war erdrückend und hing über dem vorher noch fröhlichen Lagerfeuer wie ein tonnenschwerer Stein, der kurz davor stand herab zu fallen.

Izuku schloss sein Auge, das andere blieb leblos und offen, wie es war und erinnerte auf einmal alle Kinder um das Feuer herum an ein Symbol des Horrors.

"Ich bin Surveye. 

Und ich bin auf der Suche nach Leuten, die von Helden und Gesellschaft verstoßen wurden, obwohl sie es nicht verdient haben. Ich bin auf der Suche nach solchen wie euch, weil ich mir vorgenommen habe, etwas zu ändern."

Er hielt Luke mit flehendem Blick eine Hand hin.

Der Ältere musterte den anderen Jungen mit gerunzelter Stirn.

Surveye, Heldenmörder, Broker, Monster, Stains Sohn und Schüler - quirklos und trotzdem gefährlich.

Zögernd öffnete er den Mund.

"Und was... willst du von uns?"

Der Grünhaarige ließ seine Hand sinken, er wirkte ein wenig genervt. Wahrscheinlich wollte er sich nicht in seine Karten schauen lassen.

"Ich will folgendes:
Dass ihr bei mir einzieht.
Ich habe vor einiger Zeit ein Haus errichten lassen, dass ich als Unterkunft verwenden wollte, wenn sich mehr Leute mir und meinem Vater anschließen.
Ich will, dass ihr euch von mir ausbilden lasst.
Ich würde euch kämpfen beibringen, damit ihr in einer Welt voller Quirks überleben könnt.
Und ich will, dass ein paar von euch zu meinen Doppelgängern werden."

Auch der letzte Teil war für alle verständlich.
Manche würden sich auf die gleiche Weise verunstalten müssen.

War der Schmerz nicht ein gerechter, vernünftiger Preis für ein Dach, Verpflegung und eine Chance?

Auch wenn es albern klang.
Ja.
Es war ein vollkommen akzeptabler Preis.

"Wen willst du für deine Doppelgänger haben und wirst du sie medizinisch versorgen?"

"Ich würde zwei nehmen.",
sagte der Grünhaarige und deutete dabei auf die kleinsten Jungen der Gruppe, die eher langes und wuscheliges Haar hatten, es war auch der Junge dabei, der ihm am Anfang aufgefallen war,
"Und natürlich würdet ihr die nötige Versorgung für eure Wunden erhalten. Ich kann euch zwar nicht in ein Krankenhaus bringen, weil es dann zu auffällig wäre, aber ich kann euch auch so versorgen, da ich nicht alles an euch zerstören würde, was auch bei mir kaputt ist."

Die elfköpfige Gruppe warf sich einen letzten Blick zu, bevor Luke Izuku die Hand hinhielt.

"Dein Vorschlag klingt gut.
Wir werden dich unterstützen, so gut wir können."

Der Teenager lächelte daraufhin in die Runde und jeder hatte das Gefühl, sein Herz würde gleich schmelzen.
Das Lächeln war offen, euphorisch und süß, dazu strahlender, als die Sonnte es jemals sein könnte.

Dann schlug er ein.

"Na dann. Ich würde sagen, gehen wir schon einmal zu unserem neuen Haus, nicht wahr?"

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Er war lange her, dass einer ihrer Gruppe in einem Haus gewesen war und jetzt standen sie alle zusammen in dem Flur dieser kleinen Villa und versuchten zu begreifen, woher sie dass Glück hatten, sich in so einer Situation zu befinden.

"Zieht bitte eure Schuhe aus und hängt die Jacken auf.", verlangte Surveye und sie beeilten sich, seinem Wunsch nach zu kommen.

Es war seltsam, sich ganz bewusst in der Nähe eines gesuchten Kriminellen und Killers zu befinden, aber er hatte ihnen eine unglaubliche Möglichkeit geboten, da konnte man so ein Massaker, bei dem man nicht einmal dabei gewesen war und wo man niemanden Bekanntes verloren hatte, gerne ignorieren.

"Es ist auch schon alles eingerichtet und in Betrieb.", erklärte der Grünhaarige und zog seine Handschuhe aus, bevor er im Inneren des Hauses verschwand.

Die Haut, die unter dem schwarzen Leder versteckt gewesen war, sah fürchterlich entstellt aus und war von deutlich sichtbaren Narben durchzogen.

Der Jüngste der Gruppe, der als einer der Doppelgänger gewählt worden war, musste schlucken.

Würde der Erbe von Stain auch seine Hände so übel zurichten, oder würde er davon verschont werden?

Das Wissen darum, was mit ihm geschehen würde, ließ ihn die Situation längst nicht so sehr genießen, wie den Rest seiner Familie.

Auch der andere Ausgewählte stand mit bedrücktem Gesichtsausdruck daneben, wohl wissend, was bald auf sie zukommen würde.

"Okay, ihr könnt rein kommen. Ich führe euch rum", sagte - wie hatte er sich noch einmal vorgestellt... Shisoma? Chisore? Chisomi? Chisome! - sagte Chisome-Sama freundlich und wank sie weiter herein.

Es gab eine große Küche, mit zwei Spülmaschinen, einem doppeltürigem Kühlschrank, einem eigenen Schrank für das Eisfach und zwei Öfen.

Das Esszimmer, dass an die Küche angrenzte, war überdimensional und hatte einfach nur einen einzigen, langen Tisch, an dem mindestens zwanzig Stühle standen.

Das Wohnzimmer war an zwei Wänden mit Sofaecken eingerahmt, die alle dicht an dicht standen, jede mit eigenem Beistelltisch, die andere Wand, in der die Tür war, war für eine überdimensionale Leinwand reserviert und die andere freie Wand bestand aus Fenstern, welche den Blick auf eine große Terrasse und einen überschaubaren Garten boten.

Dazu gab es ein Bad, den Eingangsbereich und eine Abstellkammer.

Außerdem befand sich im Erdgeschoss Chisome-Samas Büro, in das er sie allerdings nur kurz reinschauen ließ, wobei es trotzdem den größten Eindruck hinterließ.

Es war sehr streng und erdrückend, im Vergleich zu den restlichen Räumen, die in weiß, creme und grau Tönen gehalten wurden und nur mit schwarzen, grünen, blauen und roten Akzenten versehen waren, damit man es nicht zu eintönig fand.
Aber dort war der Boden nicht aus hellem Holz oder grauen Fliesen, sondern aus schwarzem Stein.

Die Wände waren weiß, doch wirkte es bedrohlich in Kombination zu dem dunkelbraun-roten Holztisch, den meterhohen Regalen voller Bücher, Hefte und Ordner und den schwarzen Ledersitzen mit Eisenrahmen.
Auch die Schwarzen Bildschirme mehrer Computer, die auf einer zweiten Schreibtischplatte, hinter der Ersten, aufgereiht waren, ließen dieses Büro nur strenger erscheinen, und selbst der Fernseher, der in einer Ecke hing, die von dem Schreibtisch aus gut zu sehen war, änderte nichts daran.

Der Einäugige hatte angedeutet, dass er wohl die meiste Zeit dort verbringen wird, wenn er nicht etwas anderes macht.

Die Führung bracht sie als nächstes in den Keller, in dem es einen Trainingsraum, eine Waffenkammer, eine Vorratskammer und eine Waschküche gab, wobei sich in der Waschküche neben vier Waschmaschinen und vier Trocknern noch ein Geheimgang befand.

Surveye hatte ihnen gezeigt, wie man an den versteckten Tunnel kam und erklärt, wofür dieser gut war.

Es handelte sich dabei um einen Weg in einen Notbunker und nach draußen.

Sollten Helden oder Polizei ihnen auf die Schliche kommen, könnten sie sofort das Haus räumen und verschwinden, ohne verfolgt zu werden, da der Tunnel mit Sprengsätzen versehen war, die man am Ausgang aktivieren konnte.

Danach ging es in die zweite Etage, die aus vier Badezimmern und zehn Schlafzimmern bestand.

In jedem Schalfzimmer hatten vier Personen genug Platz, um sich nicht zu nerven und die Badezimmer waren, ähnlich wie bei Jugendherbergen, für Gruppennutzung ausgelegt.

Surveye war beschämt gewesen, als er ihnen das erklärte.
Jedoch konnte man wenigstens einfach sagen: Eine Hälfte für die Männer, die Andere für die Frauen.
Dann käme sich zumindest keiner in den Weg.

Das Dachgeschoss war mit einem kleinen Schlafzimmer und einem nicht sehr viel größeren Bad für Surveye reserviert.

Der Rest dieser Etage war allerdings ein Spielraum, mit einem Billardtisch, Kicker, Carrara-Bahn, Tischtennis-Platte, Pokertisch, ein paar gemütlichen Stühlen und Sesseln, die zu der Theke gehörte , die eine recht noble Kopie einer Bar darstellte, sowie einem beachtlichen Balkon, von dem man auf die Stadt schauen konnte.

Es machte die Badezimmer mehr als wett.

"Also gut. Lebt euch ein.
Duscht oder badet, wie es euch beliebt. Ich habe genug Geld, um die Kosten zu decken. Plündert den Kühlschrank, morgen machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um euch Klamotten zu holen.", beendete Chisome die Tour, doch als Mikumo Akatani, alias Yamikumo, sich, wie die Anderen, auf den Weg machen wollte, hielt der Grünhaarige ihn am Handgelenk fest.
Sein grünes Auge war hart wie ein Diamant und kalt wie das gefrorene Wasser eines Bergsees.

"Du bleibst bei mir. Mit dir fange ich an."

Er merkte, wie seine Knie weich wurden und seine Kehle sich zuschnürte.

Er wollte nicht.
Er hatte fürchterliche Angst und wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen, oder schreiend weggerannt.

Doch er biss tapfer die Zähne zusammen und nickte abgehackt, worauf hin der Mörder schwach lächelte und durch seine Haare wuschelte.

"Es ist okay, Angst zu haben und es ist okay zu weinen.", sagte der Einäugige und ließ den kleineren Jungen erstarren.

"Ich entschuldige mich jetzt schon für die Schmerzen, die du die nächsten Monate ertragen musst - Aber ich verspreche dir, sie werden aufhören.

Ich werde dir helfen."

Chapter Text

Wie sich herausstellte, war die kleine Gesellschaft in Surveyes Villa sehr... eigen.

Izuku Chisome - oder, Chisome-Sama, wie alle den Sohn von Stain nannten, wenn dieser nicht anwesend war - wurde von seinen Schützlingen verehrt wie eine Gottheit.
Von manchen mehr, von anderen weniger, und Toga und Dabi kamen nicht umhin, selbst eine gewisse Faszination bezüglich des Einäugigen zu entwickeln.

Es war etwas an seiner Art, die jede Person in seinen Bann zog und dazu brachte, sich geliebt zu fühlen und noch mehr nach diesem Gefühl zu streben.

Trotzdem waren alle aus der Gruppe für Tratsch, Klatsch und Gerüchte zu haben - vor allem, wenn es um Surveye ging.

Verschwörungstheorien bis Fakten, alles war bekannt und wurde gerne ausdiskutiert, wenn der Grünhaarige sich nicht in Hörweite befand.

Mikumo Akatani, der allerdings darauf bestand von allen Yamikumo genannt zu werden, war der wahrscheinlich Schlimmste von den Läster-Schwestern.

Luke war auf Platz zwei.

Die Bronzemedaille gehörte den restlichen Bewohnern des Hauses.

Dabi musste allerdings eingestehen, dass er selbst sich nicht mehr auf der Siegertreppe befand, genau wie Surveye selbst.

Doch er hatte sich vorgenommen aufzuholen.

"Also. Wie war eure erste Woche hier?", fragte Luke, während er in einem Topf mit Curry rührte.

Yamikumo hatte alleine einen zweiten, kleineren Topf vorbereitet, der gerade leise vor sich hinköchelte und weil Dabi zusammen mit Toga das Schneiden der Zutaten übernommen hatte, hatten sie alle jetzt Zeit, sich einfach zu unterhalten.

"Nah~ Machst du dir Sorgen um uns? Wie süß von dir.~♡"

Himiko hatte sich nicht wirklich verändert, aber sie war - durfte man es wirklich wagen, es so zu formulieren? - ... fast schon etwas wie 'bodenständig' geworden.

"Aber um deine Frage zu beantworten, Luke-Chan.
Mein Start war etwas holprig. Meine Zimmernachbarinnen mochten mich nicht wirklich, dabei bin ich doch sooo lieb.
Aber Izuchan hat alles wieder hinbekommen und jetzt sind wir alle beste Freundinnen~"

Toga dachte an ihre ersten Tage zurück, in denen sie sich eingerichtet und eingelebt hatte.

Die ganzen Jungs waren süß, die anderen Mädchen locker.
Doch aus irgendeinem Grund wollten ihre Mitbewohnerinnen nicht mehr mit ihr zu tun haben, als unbedingt nötig.

Auch wenn nur Izuku es wusste, der Grund war gewesen, dass Toga den anderen wirklich suspekt vorgekommen war.

Das Wissen darum, sich mit einer wahnsinnigen Serienkillerin das Zimmer zu teilen, war etwas anderes, als dass man mit einem Mörder unter demselben Dach lebte und Himikos Zimmergenossinnen waren nicht sonderlich gut damit umgegangen.

Also hat Izuku etwas dagegen unternommen.
In Form von einem Mädelsabend.

Er hatte sich an einem Nachmittag einfach die vier Frauen aus dem Zimmer geschnappt und sie mit sich in die Stadt geschleift, wo sie zuerst Make-Up, Schuhe und Kleider gekauft haben.
(Ja, auch Chisome.)

Danach blieben sie lange in einem schicken, kleinen Café und hatten sich über heiße Männer unterhalten und wie der Traum-Freund aussehen und sich verhalten sollte.

Gegen Abend waren sie wieder nach Hause zurückgekehrt, wo Surveye sie allerdings in sein eigenes Bad scheuchte, um sie alle zu schminken und zu stylen
(Die Frage, woher er das so gut konnte, blieb unbeantwortet.)
und dann los zu schicken, damit sie sich ihre Kleider anzogen.

Es war ein ziemlicher Schock gewesen, als ein Grünhaariges Mädchen mit einem blinden Auge und in einem Kleid, dass verdächtig nach dem von Izuku aussah, auf fünfzehn Zentimeter hohen Highheels mit Pfennigabsätzen in dem Raum der Mädchen reinstolzierte und sie alle abholte, um mit ihnen noch irgendwo hin zu gehen.

Am Ende war es tatsächlich Izuku Chisome, der allerdings darauf bestand 'Izumi' genannt zu werden, der mit ihnen in eine Bar ging, die ein beliebter Anlaufpunkt für Teenager war, wo er auf die Vier aufgepasst hatte, damit sie sich nicht zu sehr abfüllten, niemanden verletzten und nicht mehr als eine wilde Knutscherei anfingen.

Es war ein wirklich gelungener Abend gewesen und auch wenn sie erst irgendwann um vier Uhr morgens lachend und kichernd, mit ihren Stöckelschuhen in den Händen, nach Hause wankten; das Eis zwischen Toga und den anderen Mädchen war gebrochen.

Letzten Endes war die sadistische Mörderin halt auch nur ein Mädchen.

Toga fragte sich, ob sie Izuku/Izumi vielleicht irgendwann mal wieder zu so einer Nacht überreden könnte, es war wirklich lustig gewesen.

"Das freut mich.
Und du, Dabi? Wie lief es bei dir?"

"Du bist einer meiner Zimmernachbarn, sag' du's mir.
Wobei ich finde, ich habe mich gut eingelebt. Es ist angenehm, hier zu sein.
Und es ist sehr viel schöner als... als früher."

Der andere Mann lächelte und nickte.

"Du hast dich in der Tat gut eingelebt, und ich muss dir gönnen, dass du ein wirklich angenehmer Mitbewohner bist."

"Es gibt nur wenige hier, die 'Früher' nachtrauern.", warf das Surveye-Double von der Seite her ein und probierte dann von seinem Curry.

"Und? Schmeckt's?"

Der Junge mit den schwarzgrünlichen Haaren nickte und hielt Dabi einen kleinen Löffel hin.

Lukes elektrisch-blaue Augen wurden groß.

"Das ist keine gute Idee, Kumpel! Lass das, wenn dir dein Leben lieb ist!"

Der Schwarzhaarige winkte ab und nahm den Löffel mit einem 'Danke' entgegen, während Yamikumo nur meinte, dass Luke übertreiben würde.

Ohne etwas schlimmes zu ahnen, nahm der junge Mann mit der Feuerquirk das Curry in den Mund -

Seine Augen wurden groß und fingen an zu tränen, während sich Schweiß auf seiner Stirn bildete und er krampfhaft zu schlucken versuchte, weil er sich nicht die Blöße geben wollte, dass Essen auszuspucken.

- und bereute es sofort.

Es grenzte an ein Wunder, dass ihm nicht der Rachen, Mund oder die Zunge verbrannte.

Keuchend fasste Dabi sich an den Hals zu stürzte zu den Kühlschränken, um wahllos von einem die Tür aufzureißen und eine Milchtüte rauszuzerren, um sie mit tiefen, langen Schlucken vollkommen leer zu trinken.

Erst als der letzte Tropfen weg war, fühlte es sich nicht mehr so an, als hätte man ein Feuer in seinen Innereien entfacht.

Yamikumo und Toga lachten sich krumm und schief, wie der Älteste aus der Runde feststellte, als er sich endlich wieder auf etwas anderes konzentrieren konnte, als die brennende Schärfe des Currys.

Luke schüttelte einfach nur mit einem besiegten Gesichtsausdruck den Kopf.

"Sorry, Buddy, ich fürchte, dass müssen wir alle auf die harte Tour lernen. Akatani und Chisome sind die Einzigen, die dieses Teufelszeug verzehren können, ohne sofort zu sterben.
Du hast es erstaunlich gut im Vergleich zu den anderen weggesteckt, meinen Respekt."

Schwer atmend wischte der Blauäugige sich mit dem Handrücken über den Mund und schloss dabei den Kühlschrank.

"H-haben die... haben die das auch mit dir gemacht?"

Der Brünette zuckte mit den Schultern und warf ihm ein wehleidiges Lächeln zu, dass genug aussagte.

Ja. Yamikumo hatte das auch mit Luke gemacht.

Dabi seufzte und schüttelte den Kopf.

"Surveye mag also Scharfes Essen und Kerle. Was mag er noch?"

"Crossdressing!♡", warf Toga begeistert ein.

"Shouto Todoroki."

"All Might."

"Ach kommt schon. Ich will endlich mitreden können. Erzählt mir ein paar Sachen, die mich weiterbringen."

Der Jüngste der Runde grinste.

"Du willst also das Beste vom Besten und das Neuste vom Neusten?
Nun, mein lieber Schüler, lass mich dich in die Geheimnisse der Gerüchteküche einführen."

Der Feuerbändiger nahm die Worte des Grünhaarigen einfach mit einem Augenverdrehen hin.

"Also... das wahrscheinlich größte Geheimnis um Chisome-Sama... hmmmm..."

"Wie wäre es, wenn ihr mit den Spekulationen aufhört und stattdessen serviert. In fünf Minuten fängt Mittag an und wir haben ein neues Mitglied.
Ich würde zudem gerne heute in diese große Einkaufshalle gehen und einen Großeinkauf machen, sobald wir fertig gegessen haben."

Eilig machten sie sich bei Surveyes Worten ans Werk.

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"Hallo, mein Name ist Spinner.
Es freut mich sehr, so viele, die Stains Ideal folgen, kennen zu lernen und ich freue mich schon auf ein Zusammenleben mit euch."

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Wir bilden Vierergruppen.
Keiner baut Scheiße und niemand lässt irgendwen zurück!
Es ist genug Geld da, also denkt nicht einmal daran etwas zu stehlen!
Wir treffen uns noch einmal in zwei Stunden am Eingang und die, die dann keine Lust mehr haben, nehmen dann die Einkäufe mit nach Hause, während der Rest sich einen schönen Abend macht.
Einwände?"

Alle schüttelten am Ende von Izukus Instruktionen den Kopf und er lächelte belohnend.

"Ich nehme Yamikumo, Dabi und Toga mit mir.
Luke, Spinner gehört zu dir."

Die Angesprochenen nickten, während sich die einzelnen Gruppen zusammenstellen.
Bei manchen griff der Anführer der Gemeinschaft noch ein und mischte etwas anders, damit sich neue Leute kennen lernten, oder mögliche Streitereien verhindert wurden, doch schon nach wenigen Feineinstellungen gab er das grüne Licht und betonte nochmal, dass sie in zwei Stunden da sein sollten.

An einem anderen Eingang der Einkaufshalle betrat eine Gruppe von Schülern das Gebäude, mit dem Plan Notwendigkeiten für einen anstehenden Schulausflug während der Sommerferien zu besorgen.

Und wieder woanders, in einer kleinen Gasse, zwischen zwei Läden, öffnete sich ein schwarzes Portal, aus dem eine einzelne Person trat, genervt, dass sie eine weitere Spielfigur für ihr Brett einfach vor der Nase weggeschnappt bekommen hatte.

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Kopfschüttelnd, aber mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, folgte Shouto seinen Klassenkameraden in die Mall.

Es war Ochacos Idee gewesen, ihn mit zu nehmen und Tenya hatte diese Überlegung mit voller Kraft unterstützt.
Wie hätte er da 'Nein' sagen können, wenn er doch endlich Freunde haben konnte und wollte?

"Anscheinend sind alle außer Bakugo-Kun und Kirishima-Kun da.

Ich vermute einfach Mal, dass er es sich nicht anders überlegt hat und sie beide deshalb nicht kommen werden.", erklärte der Brillenträger und machte dabei die für ihn typischen Armbewegungen.

Die Klasse besprach, wer was benötige und löste sich kurz danach auf, mit dem Versprechen, sich später an der selben Stelle zu treffen und Shouto blieb alleine zurück, bevor er es überhaupt richtig bemerkte, doch er fand es nicht schlimm, er wusste, dass sie alle da waren und nichts dagegen hatten, ihn bei sich zu haben.

In Gedanken ging er seine Einkaufsliste durch.

Viel benötigte er nicht, doch ein paar Kleinigkeiten müsste er sich noch besorgen.

Ein Arm um seine Schulter riss ihn aus seinen Gedanken mit Plänen für die Zukunft.

"Verhalte dich ganz unauffällig.", raunte eine kratzige Stimme, weshalb er nur aus dem Augenwinkel zur Seite sah und einen Mann mit schwarzem Hoodie erkannte.

Der Fremde hob leicht den Kopf und die heterochromen Augen wurden groß.

Shigaraki, League of Villains, Nomu, Angriff auf All Might!
Das war der Mann unter den Händen!

Unterbewusst bemerkte er die Narbe am Mund des Älteren, die rissigen, trockenen Lippen, die glutroten Augen; doch sein präsenter Verstand dachte nur eins: AAAAaahhhh!!!!

Vier Finger legten sich an seinen Hals und kurz durchzuckte ihn das Bild von Aizawa-Senseis Haut, die unter diesen Fingern einfach zu Staub zerfiel.

Doch noch geschah nichts.
Wahrscheinlich brauchte er fünf Finger, um etwas zerfallen zu lassen.

"Wenn du etwas machst, worauf ich keinen Bock habe, laufe ich Amok. Was denkst du, wie viele ich töten kann, bis die Helden auftauchen? Fünfzehn? Zwanzig? Fünfundzwanzig? Willst du es ausprobieren?"

Der Jüngste der Todorokis schluckte und schüttelte leicht den Kopf.

"Na dann, lass uns reden. Du bist immerhin Surveyes Schoßhund."

Er wollte widersprechen, doch kein einziger Laut kam über seine Zunge.

Anscheinend hatte sich in den Schurkenkreisen herumgesprochen, dass Stains 'Sohn' Anspruch auf ihn erhoben hatte.

"Hallo, Shouto! Was machst du denn... hier...?
Wer bist du?!"

Am liebsten wäre der Junge mit den zweifarbigen Haaren in Tränen ausgebrochen, als er Izukus vertraute Gestalt in seinem Augenwinkel entdeckte.

"Oh... ich bin nur ein guter Freund von ihm.", sagte Shigaraki mit einem so freundlichen Lächeln, dass man fast schon Blumen und Glitzer um ihn funkeln sehen konnte.

Der Junge mit den grünen Locken schüttelte den Kopf und legte die Lüge mit folgenden Worten frei:
"Das kann nicht sein. Ich war Shoutos erster Freund und ich kenne seine Klassenkameraden. Du bist keiner von ihnen und ein Schüler der UA, bist du auch nicht.
Also nimm deine Hand von seinem Hals."

Shigaraki erstarrte und löste schließlich seine Finger von der Haut des zukünftigen Helden.

Vorsichtig, aber immer noch schnell, ging der zweifarbige Teenager zu seinem Freund und rette sich hinter den Kleineren.

"Tomura Shigaraki, oder auch Tenko Shimura.
Der offizielle Anführer der League.
Surveye hat uns vor dir gewarnt."

Der junge Mann mit den silbrig-blauen Haaren erstarrte und musterte die Teenager, die sich vor dem UA-Schüler aufgebaut hatten.

Die beiden Rekruten, die Surveye ihm abgeknöpft hatte und zwei kleine, basse Jungen mit Sommersprossen, grünen Locken und gekreuzten Narben über dem rechten Auge.

"Wir haben die Erlaubnis, dich jeder Zeit zu eliminieren.", verdeutlichte der andere kleine Bastard, der seine Haare zu einer albernen Emo-Frisur geschnitten hatte, die sein verwundetes Auge halbwegs verdeckte.

Tomura machte einen Schritt rückwärts, als er die Feindseligkeit spürte, die ihm zugewandt war.

Eilig, bevor etwas passieren konnte, machte er kehrt und verschwand ohne jedes weitere Wort zwischen den Leuten.

Auch wenn die kleine Gruppe es nicht sah, er würde sich wieder dorthin begeben, wo Kurogiri ihn ausgesetzt hatte und würde sich dort abholen lassen.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Erleichtert atmete der Schüler auf und umarmte seinen Freund von hinten.

"Danke, Izuku. Du hast mir gerade das zweite Mal das Leben gerettet."

Der Einäugige Mörder lächelte und Tätschelte einen der Arme, die um seinen Hals gelegt waren.

"Kein Problem, Shouchan.
Ich helfe dir gerne und ich kann diesen Typen echt nicht ausstehen."

"Weiß er nicht, wer du bist?"

"Nein. Und er soll es auch nie erfahren."

Toga schlich sich grinsend von hinten an das Pärchen an und sprang Shouto auf den Rücken, wobei sie seine Hüfte mit ihren Beinen und seine Schultern mit ihren Arme umklammerte.

Reflexartig spannte der Teenager seine Muskeln an und schaffe es so, ein Umkippen zu verhindern, doch er löste seine Arme von Izuku, der sich sofort umdrehte, um zu sehen, was geschehen war.

"Toga-chan. Muss das sein? Hör auf an ihm zu riechen, du bekommst sein Blut nicht!"

Kichernd glitt das Mädchen von dem durchtrainierten Rücken des Jungen, an den sie sich geklammert hatte und hüpfte zu dem Halbblinden, der sie genervt betrachtete.

"Kooomm schon, Izuchan~♡ nur ein wenig. Nur probieren. Ich sag dir auch, wie er schmeckt~ Du darfst selbst kosten, wenn du willst.", säuselte sie und jagte Endeavors Sohn eine Gänsehaut über den Körper.

Wie konnte man so begeistert von dem Blut einer Person sprechen?!

Der Größte der Runde, der große Brandnarben im Gesicht und wahrscheinlich auch am restlichen Körper hatte, schlug der Blonden gegen den Hinterkopf und zog sie ein wenig von dem Grünäugigen weg.

"Er will nicht, dass du seinen Lover tötest, du dummes Huhn!"

Surveye und Frayation wurden bei diesem Satz beide rot.

"Könnten wir aufhören über Mord und Blut zu sprechen? Wir befinden uns in der Öffentlichkeit, nicht zu Hause und hier rennt eine ganze Klasse von zukünftigen Helden herum, die sicherlich nichts von Leichen hören wollen.", knurrte der zweit Kleinste von Izukus Begleitern, der ein wenig wie die Emo-Version von Stains Sohn aussah.

"Tut mir leid, aber... wer seid ihr?", fragte der heterochrome Teenager in die Ansammlung grotesker Gesellen herein und zog so die gesamte Aufmerksamkeit auf sich.

"Also, wie wäre es, wenn wir uns irgendwo für einen Kaffee oder Tee reinsetzten und in aller Ruhe gegenseitig vorstellen?", schlug Izuku lächelnd vor und griff nach der Hand seines Schwarms.

Dabi zuckte mit den Schultern.

"Klar. Klingt gut."

Kurz darauf fanden sie einen Sunbucks-Laden und nahmen eine der eher abgelegenen Ecken für sich ein, jeder mit einer großen Tasse seines lieblings Getränks.

Der Jüngste der Tordorokis musterte Izukus neue Freunde genauer.

Das blonde Mädchen, welches sich für einen Iced Caramel-Macchiato entschieden hatte, nahm lächelnd einen Schluck von ihrem Getränk.
Ihr Lächeln hatte etwas bedrohliches, vor allem wegen ihrer unnatürlich spitzen Eckzähne, welche dazu auch noch gefährlich scharf aussahen.

Der junge Mann mit den schwarzen, stacheligen Haaren und Brandnarben hatte einen Espresso Con Panna gewählt, während das Izuku-Double eine Premium Hot Chocolate hatte.

Izuku hatte einen Chai Latte gewählt und er selbst, war eher klassisch, mit einem Espresso.

Der Größte der Runde fing an.

"Mittlerweile heiße ich Dabi. Freut mich, dich wieder zu sehen, Shouto."

Alle betrachteten den Schwarzhaarigen verwirrt, außer Surveye, der traurig in seine Tasse lächelte, als er das Unverständnis in den verschiedenfarbigen Augen seines Freundes sah.

"Du kannst es ihm ruhig erklären.", sagte er leise und trotzdem zuckte der Schwarzhaarige mit den türkisen Augen zusammen, als hätte der Broker ihn geschlagen.

"Woher weißt du es?", fragte er fast schon lautlos und spielte stumm mit seinen Fingern.

"Deine Augen.
Und ich dachte daran, was mit allen anderen passiert war, also konnte ich mir deine Wunden erklären.
Ich wusste, dass jemand fehlt und es war klar, dass jeder alles tun würde um ihn unzufrieden zu machen."

Der Älteste der Teenager nickte nur, während er den Tisch anstarrte und schluckte trocken.
Es sah so aus, als würde er jeden Augenblick in Tränen ausbrechen.

"Sollen wir kurz gehen?", fragte Izuku mit weicher Stimme, doch Dabi schüttelte verneinend den Kopf.

"Ich hätte nicht erwartet... ich... ich habe dich echt vermisst, Brüderchen."

Toga verschluckte sich an ihrem Getränk.

Chapter Text

"W-was?"

Er hatte sich verhört!
Das war ein Missverständnis!
Ein Scherz!
Genau, sie wollten ihn nur auf den –

...
Es war kein Witz, oder?

"Mein eigentlicher Name ist Touya Todoroki.",
erklärte der Schwarzhaarige leise, wobei er immer wieder flüchtig seinen Blick hob, um Shoutos Mimik zu lesen, doch nie traute er sich, in die vertrauten und trotzdem so vollkommen anderen Augen seiner Eltern zu blicken,

"Ich... ich war Enjis Favorit, bevor du es warst.
E-es tut mir so unendlich leid, dass ich dich nicht retten konnte. Ich hätte... da sein müssen!
D-da war s-so viel... ich hätte alles ändern können - ändern müssen!
Ich hätte dir das ersparen sollen, doch... doch ich war... ich war zu schwach.
Und dann... Mum hätte dich retten sollen, nicht mich. Sie hätte sich selbst retten sollen, nicht ihr missratenes Kind.
Und... und als dann... ich wollte zurück - wirklich!
Ich wollte das alles wieder gut machen, aufholen, nach arbeiten - aber ich hatte Angst.
Offiziell bin ich ein Schurke, ein Verbrecher. I-ich habe nie jemandem etwas schlimmes getan, a-aber-"

Eine Hand legte sich auf seine und brachte ihn so zum schweigen.

Stumm tropfen kleine Tränen auf seinen Schoß und er hatte das Gefühl, ein Geschirrtuch geschluckt zu haben.

"Es ist okay.",
sagte Shouto, die Stimme des jüngsten Bruders war warm und verständnisvoll,
"Ich weiß, wie es ist, der Liebling unseres alten Herrn zu sein und ich kann mir denken, dass das der Grund für deine Narben ist.
Ich bin froh, dass wenigstens einer von uns es aus seinen Fängen geschafft hat. Das zeigt, dass wir alle uns irgendwann endgültig von ihm befreien können.
Es ist nicht deine Schuld, was mit uns allen passiert ist, sei einfach froh, dass du es nicht weiter ertragen musstest."

Der Schwarzhaarige riss den Kopf hoch und nickte mit großen Augen, aus denen weiterhin ungehindert Tränen kullerten.

Dann musste Dabi lächeln und es war eines der Strahlendsten, die die Welt wohl je gesehen hat.

"Und du wusstest es?", fragte Shouto schließlich mit leicht belegter Stimme, während er sich verstohlen über die Augen wischte.

Der Grünhaarige lächelte schwach und zuckte mit den Schultern.

"Es hätte nichts gebracht, wenn ich euch einfach zusammengeschmissen hätte.
Ich wusste ab dem Punkt, wo ich ihn sah, dass er dein verschollener Bruder ist, aber es ging ihm nicht gut, dir auch nicht, ihr wart noch nicht bereit, euch zu sehen.
Wahrscheinlich hätte ich bis nach eurem Sommerausflug gewartet, um ihn dir vorzustellen, aber so geht es auch."

Dabi und Shouto warfen dem Broker düstere Blicke zu, doch dieser lächelte sie einfach weg.

"Sollen wir es bei der Familienzusammenführung belassen, oder willst du auch noch meine neue Familie kennen lernen?"

Der zwiegespaltene Teenager legte den Kopf schief.

"Deine Familie?"

Izuku strahlte und deutete auf die anderen Teenager.

"Ich habe eine neue Familie!
Sie alle sind meine Familie, wir kümmern uns umeinander. Jeder hilft jedem und jeder trägt etwas zur Gemeinschaft bei.
Surveyes Villa ist wirklich schön.
Du musst uns unbedingt irgendwann Mal besuchen kommen und dir alles ansehen!"

Shouto nickte lächelnd und nahm einen Schluck von seinem Kaffee.

"Gerne, aber wie wäre es, wenn sich die verbliebenen Anwesenden auch vorstellen.
Mich scheinen ja alle schon zu kennen."

Toga winkte kichernd ab und hielt sich eine Hand vor den Mund.

"Es ist schwer, nichts von dir zu wissen, Süßer~♡ Aber ich kann dir gerne alles sagen, was ich über dich gehört habe.
Mein Name ist Toga Himiko, aber du kannst mich Toga-Chan nennen, ich bin eine gute Freundin von Isumi hier."

Izuku wurde rot während sein Freund ihn mit hochgezogenen Augenbrauen fragend ansah.

Isumi war, soweit er wusste, ein Mädchenname.

"Es ist kein verbrechen, wenn man Crossdresser ist, Toga.",
meinte der Jüngste der Gruppe, während er seine Nägel betrachtete, ehe er sich in Shoutos Richtung verneigte,
"Man nennt mich Yamikumo. Freut mich, endlich deine Bekanntschaft zu machen."

Der Größere erwiderte die Verneigung und während Toga zwischen Touya und Yamikumo irgendwas über Blut und heiße Jungen kicherte, musterten ein graues und ein türkises Auge aufmerksam einen halbblinden Jungen, der gerade Tee trank.

Crossdressing also?

Das hätte Shouto nicht von Izuku erwartet.
Andererseits, der kleine Teenager steckte voller Überraschungen und wahrscheinlich würde es ihm auch keiner zutrauen, dass er der berühmt-berüchtigte Surveye war.

Surveye, der anscheinend im Besitz einer Villa war, die von mehreren Teenagern bewohnt wurde.

"Surveyes Villa?", raunte er in Izukus Richtung, um das Gespräch ihrer drei Begleiter nicht zu unterbrechen.

Stains Sohn nickte lächelnd und stellte seine fast leere Tasse ab.

"Ja.
Ich habe mir schon immer eine Villa gewünscht, also habe ich eine in Auftrag gegeben, damit wir irgendwann da hin ziehen können.
Einige Tage, nachdem Dad gefangen wurde, fand ich eine Gruppe obdachloser, quirkloser, jugendlicher auf der Straße und habe sie zu mir eingeladen. Ein paar Tage später kam die Nächste. Später schlossen Dabi und Toga sich uns an und heute ist noch jemand angekommen."

Endeavors Sohn musste schmunzeln.

Das klang sehr nach Izuku.
Fremden Leuten zu helfen, so gut er konnte.

Sein Blick streifte die Narbe von dem Jungen, den er am Anfang für eine kurze Sekunde mit Izuku verwechselt hatte.

Der Schurke folgte dem Blick des Helden.

"... er humpelt auch.
Diese Narbe haben einige von uns, aber nur wenige können nicht normal gehen."

"Warum?"

"Weil ich dann nicht mehr als einziger verdächtigt werden kann.
Sie wussten, worauf sie sich einließen."

"Trotzdem ist es grausam."

Das funktionierende, grüne Auge wurde von düsterer Trauer und Reue umwölkt.

"Ich weiß.", hauchte der Kleinere und trank eilig weiter, um sein schlechtes Gewissen nicht wieder hochkochen zu lassen.

Shoutos Blick fiel auf eine Uhr in dem Laden und seine Augen wurden groß.

In ein paar Minuten musste er an dem Treffpunkt sein!

Schnell schüttete er sich seinen Espresso in den Mund und stand auf.

"Tut mir leid, aber ich bin mit den anderen aus meiner Klasse verabredet.
Ich muss jetzt los!"

"Wir kommen mit.", legte Dabi/Touya fest und stand auf, wobei er sich mit einer fließenden Bewegung seinen Mantel überzog.

Schnell tranken auch Toga und Yamikumo aus, ehe sie sich hinstellen und so als Bereit für den Aufbruch präsentierten.

Als letztes stand Surveye auf und stellte sich neben Shouto.

Der UA-Schüler musterte noch einmal kurz die Schurken, mit denen er befreundet war, ehe er ihnen ein Lächeln zuwarf.

"Na dann los."

Auf der Strecke blieb den Teenagern nicht wirklich Zeit zum Reden, weil sie sich beeilen mussten, da das offizielle Mitglied der Todoroki-Familie auf gar keinen Fall zu spät kommen und so seine 'hoffentlich-bald-Freunde' enttäuschen wollte.

Sie waren sehr viel früher da, als der Großteil der Klasse, doch Tenya, Hitoshi, Ochaco und Momo warteten schon und drehten sich um, sobald sie die Schritte hörten, die sich ihnen schnell und zielstrebig näherten.

Izuku sah einfach über den Brillenträger, den er von früher kannte, hinweg.
Jetzt gerade war er Zuko Idori, Shoutos erster Freund und der Junge, der dafür gesorgt hatte, dass Endeavors Sohn sein Feuer nutzte.

Yamikumo war eine wirklich praktische Begleitung, denn so konnte der Jüngere der Iida Brüder sich nicht sicher sein, ob er wirklich gerade Izuku Midoriya vor sich hatte.

"Hallo, Todoroki-Kun.
Pünktlich auf die Sekunde. Sehr lobenswert.
Wer sind deine Begleiter?", begrüßte der Schwarzhaarige sie.

Er machte immernoch diese roboterartigen Bewegungen, wie der Grünäugige feststellte, genau wie damals.

"Mein Name ist Toga Himiko♡~ Bitte nennt mich Toga-Chan~"

"Dabi."

"Ich heiße Akitani Mikumo, aber bitte nennt mich Yamikumo. Freut mich."

"Zuko Idori.
Ich bin so froh, euch alle endlich leibhaftig kennen zu lernen!
Shouchan hat mir schon viel von euch erzählt und ich habe euch schon beim Sportfestival gesehen - es war wirklich beeindruckend."

Izukus Lächeln war blendend fröhlich und zauberte auch den Helden in Ausbildung ein Schmunzeln auf die Lippen, wobei sie alle nur eine Sache dachten: Shouchan?!

"Du bist also Todoroki-Kuns Freund, von dem er die ganze Zeit beim Sportfestival gesprochen hatte.",
stellte ein kleines Mädchen, mit zu einem Bob geschnittenen, vollmilchschokoladen-braunen Haaren und weichen Gesichtszügen, fest und verneigte sich in die Richtung des Grünhaarigen,
"Mein Name ist Ochako Uraraka. Freut mich, dich endlich kennen zu lernen."

Lächelnd nickte der Angesprochene in ihre Richtung und dann ging die Vorstellungs-Runde weiter; und jedes Mal, wenn weitere Schüler eintrudelten, ging sie für die Schurken von Neuem los, doch die vier Teenager ließen sich davon nicht aufhalten und wiederholten jedes Mal ihre Namen und wie froh sie waren, die Schüler der Klasse 1A kennen zu lernen.

"Hier ist ein Kino in der Nähe.
Wir würden hingehen und Karten besorgen und bis zur Vorstellung noch irgendwas zusammen unternehmen.
Hättet ihr Lust, mit zu kommen?"

Izukus Auge leuchtete auf und Toga schmiss sich begeistert an den Arm des blonden Jungen, mit dem Schwanz, der den Vorschlag gemacht hatte.

Kurz schauten die männlichen Schurken sich an, zuckten mit den Schultern, oder nickten.

"Klar. Wieso nicht?
Wir müssen nur in ein paar Minuten bei unserer Wohngruppe Bescheid sagen, dass wir noch etwas unternehmen werden.", erklärte Yamikumo.

Die Klasse warf sich bei dem Wort 'Wohngruppe' fragende bis skeptische Blicke zu.
Die Fremden wirkten nicht so, als wären sie schon alt genug, um sich alleine zu versorgen, trotzdem folgen sie den vier Jugendlichen, die sich zu dem verabredeten Treffpunkt ihrer Gruppe begaben.

"Es ist erstaunlich, dass du es so leicht durch Todoroki-kun’s Mauern geschafft hast.",
meinte Uraraka mit einem freundlichen Lächeln, während sie zwischen Idori und Iida ging,
"Ich hätte nie gedacht, dass ich es Mal erlebe, jemanden seinen Vornamen sagen zu hören, oder sogar einen Spitznamen, ohne schockgefrostet zu werden!"

Der Grünhaarige musste kichern und schüttelte den Kopf.

"Shouchan ist sehr umgänglich, wenn er sich verstanden, oder zumindest akzeptiert, fühlt.
Man muss ihm seine Zeit lassen, aber meistens sucht er dann schnell Kontakt, weil er sich im Allgemeinen vollkommen abschottet.
Viele Menschen die ich kenne, sind so.", erklärte er und sorgte dafür, dass die beiden Söhne Endeavors verächtlich schnauben.

Yamikumo musste leise lachen, als er das hörte.

"Du redest von ihm, wie von einem Hund."

Der Einäugige musterte den Sprecher mit weit aufgerissenem Auge, wurde rot und sah sich hektisch in der Gruppe um, während er stammelnd zu erklären versuchte, wie es eigentlich gemeint war.

Alle, bis auf Zuko und Tenya, mussten aufgrund dieses Verhaltens lachen.

Beschämt, mit hochrotem Kopf und leuchtenden Ohren versteckte der Lockenkopf sich hinter seinen Armen.

"Zu welcher Schule geht ihr?", fragte Tenya die Gruppe der Unbekannten und sorgte dafür, dass Todorokis Freund erstarrte, sodass die beiden Jungen, die hinter Shouto, Ochaco und Zuko her gegangen waren, in diese reinrannten.

Der Gesichtsausdruck des Grünhaarigen, der ganz offensichtlich inoffiziell der Anführer der kleinen Gruppe war, sah so aus, als hätte er einen Geist gesehen.

"Schule?", fragte er gepresst, mit gehetztem Gesichtsausdruck und Bequests Augen verengen sich misstrauisch.

Zuko Idori sah nicht nur wie Izuku Midoriya aus, sondern verhielt sich auch so wie der Quirklose es getan hatte.

Doch dann fiel sein Blick auf die anderen Gesichter.

Alle Neuankömmlinge sahen entsetzt aus.

"Ich darf nicht mehr zur Schule.", erklärte das blonde Mädchen mit einem Lächeln, dass zum ersten Mal wirklich erzwungen wirkte.

"Zu hohes Risiko.", knurrte der Schwarzhaarige mit den Brandnarben, während er sich angespannt in der Einkaufshalle umsah.

Der andere Grünhaarige hyperventilierte und hatte sein sichtbares Auge zusammengekniffen, Zuko versuchte ihn, mit Shoutos Hilfe, zu beruhigen.

So konnte man eine Frage natürlich auch beantworten.

Seine Klassenkameraden sahen entsetzt aus, nur Shouto verarbeitete die Reaktion der anderen Teenager, als wäre sie normal und machte alles, um die Stimmung zu entschärfen.

"Verzeihung. Das war unangebracht."

Zuko fuhr sich durch die Locken und lächelte schwach, zittrig, erzwungen.

"Nein nein. Entschuldige dich nicht. Es ist eine ganz normale Frage, du konntest ja nicht wissen..."

Der schwarzhaarige Musterschüler nickte abgehackt und richtete sich aus seiner 90° Verbeugung auf.

"Das scheint ein echt intensives Thema zu sein.", murmelte Mina abseits zu Kojoka die stumm nickte und die anderen Jugendlichen aufmerksam musterte.

"Ich wüsste zu gerne, was mit ihnen los ist.", flüsterte Ochako, die sich zu den anderen Mädchen ihrer Klasse zurückgezogen hatte, um der komischen, kleinen Gruppe Luft zu lassen.

"Es wäre unhöflich, zu fragen. Das ist ihre Angelegenheit.", zische Momo, während sie die fünfköpfige Ansammlung betrachtete - niemand hatte Shouto vertrieben und ihr Klassenkamerad hatte es anscheinend auch nicht als nötig empfunden, seine Bekannten zu verlassen.

"Ich bin mir sicher, dass ist eher etwas, was man guten Freunden erzählt und keinen Fremden ~ Quero."

Die Mädchen nickten und öffneten ihren Kreis ein wenig, sofort gesellten sich Denki und Sato zu ihnen.

"Wie findet ihr das?", fragte der blonde Junge mit dem Blitzzeichen in seinen Haaren.

"Was genau?"

Der Elektrisier-Quirk-Nutzer machte eine vage Handbewegung in Richtung der auffälligen Gruppe.

"Das alles.
Todrokis neue 'Freunde'; deren Reaktion auf ein einzelnes, harmloses Wort; diese Wohngruppe, mit der sie sich angeblich gleich treffen wollen.
Wer sagt uns, dass die nicht alle Schurken sind und wir gerade mitten in eine Falle reinrennen?!
Wahrscheinlich sind diese vier gesuchte Verbrecher und wir gehen auch noch mit ihnen ins Kino!"

Daran hatten die Helden in Ausbildung noch überhaupt nicht gedacht.

"Ich wollte eigentlich nur sagen, dass mir irgendwas an diesem Idori komisch vorkommt.",
murmelte Rikido kleinlaut, nach der großen Ansage von Kaminari,
"Er hat so eine Aura... und auch die anderen wirken seltsam. Und zwar nicht gut-seltsam, sondern halt-dich-davon-fern-seltsam.
Es ist zwar nicht nett, ein Versprechen zu brechen, oder eine Verabredung abzusagen, aber ich würde sie echt gerne wieder ausladen."

Jetzt gesellte sich auch noch Tenya zu der Lästergruppe. Sein Gesicht war ernst und er wirkte ziemlich unglücklich.
"Mir ist etwas aufgefallen, was ihr nicht mögen werdet und ich würde umständlichst dazu auffordern, jedlichen Kontakt zu den Neuen abzubrechen."

"Was hast du gefunden, Rep. ?"

"Wir wollen eh nicht viel mit ihnen zu tun haben."

Der Schwarzhaarige schien überrumpelt, doch er nahm die Meinung seiner Mitschüler gerne an, da sie seine eigene nur unterstützen.

"Die Narbe von Idori-Kun und von Yamikumo - ich habe die schon Mal so ähnlich gesehen.",
erläuterte der Klassensprecher düster für seine Klassenmitglieder, die gespannt zuhörten,
"Mein Bruder hatte ein durchgekreuztes Auge in seinen Rücken geritzt, neben ihm war ein Brief in dem stand, dass er sich noch irgendwann dafür bedanken würde.
Dasselbe Symbol wird an allen Tatorten Surveyes gefunden.
Es ist das 'Surveye', wie es mittlerweile genannt wird.
Die gehören zu Stain und seinem Sohn."

Chapter Text

Die Gruppe aus Surveyes Villa fand sich pünktlich ein.

Keiner kam auch nur eine Minute zu spät und es war verblüffend für die zukünftigen Helden, als auf einmal auf einmal sechs vierköpfige Gruppen wie aus dem Nichts auftauchten und sich, wie auf ein unhörbares Signal hin, zusammenfanden.

Sie alle sahen so... normal aus, auch wenn einige wenige der Jugendlichen hinkten, viele hatten die Narbe über ihrem Auge.

Der Einzige, der von Optik her auffällig war, war ein junger Mann, der wie eine überdimensionale, riesige Echse aussah.

Zuko begrüßte lächelnd die große Gruppe und fragte sich durch, ob alles gut gelaufen wäre und ob jeder das besorgt hätte, was er kaufen sollte.
Alle Teams hatten ihre Aufgabe einwandfrei ausgeführt und Tenya empfand fast schon so etwas wie einen Stich im Herzen, als er vorgeführt bekam, wie viel besser diese Wahrscheinlich-Schurken zusammenarbeiteten, als sie, die zukünftigen Helden.

"Also:
Wer geht jetzt alles nach Hause?"

Einige Hände hoben sich und diejenigen, die sich gemeldet hatten, bekamen in kurzer Zeit alle Einkäufe in die Hände gedrückt, trotzdem lief es geordnet ab. Ältere, Stärkere bekamen automatisch mehr und schwereres überreicht, als die Jüngeren und Schwächeren.

Es war eine perfekt eingespielte Gemeinschaft und ihr Verhalten grenzte fast schon an ein kollektives Denken, was wirklich gruselig und erschreckend anzusehen war.
Andererseits war es unglaublich beeindruckend.

'Stell dir vor, wie sie zusammen kämpfen würden.'
Der Gedanke erschreckte Tenya und der Schwarzhaarige schüttelte eilig den Kopf, um die möglichen Szenarien aus seinem Kopf zu vertreiben.

Es würde vielleicht nicht reichen, um All Might zu besiegen, aber wenn so eine große Gruppe im Gleichklang arbeitet, ohne überhaupt miteinander kommunizieren zu müssen, würden sie, mit, oder ohne Quirks, es sicherlich schaffen, einzelne, starke Gegner oder kleinere, halb starke Gruppen mit Leichtigkeit zu besiegen.

"Okay." ,sagte Zuko lächelnd und schaute sich um, während der eine Teil seiner Gruppe sich zum Bahnhof aufmachte, während der andere Teil sich wieder zerstreute, um noch den Tag und die Nacht zu genießen.

"Wir wären jetzt aufbruchbereit."

Der kleine Bruder Ingeniums schloss kurz die Augen und atmete durch.

Er hatte Respekt vor Zuko - um nicht Angst zu sagen - und wollte es sich nicht mit den Grünhaarigen verscherzen, indem er unfreundlich oder unhöflich war.

Trotzdem wäre jede weitere Interaktion zwischen den Fremden und seiner Klasse ein zu großes Risiko.

"Es tut mir wirklich unendlich leid, aber wir haben uns noch einmal unter der Klasse besprochen und sind zu dem Schluss gekommen, es wäre sicherer für uns und für euch, wenn wir hier unsere Wege trennen."

Die Gesichtszüge von Zuko zeigten kurz Verblüffung, ehe er den Kopf senkte und seine wilden Locken einen Schatten über einen Großteil seines Gesichts fallen ließ.

"Oh... ich... ich verstehe."

Er schaute wieder auf, mit einem erzwungenen Lächeln, dass seine Wangen auf schmerzhaft aussehende Weise hoch zerrte. 

In seiner Mimik spiegelte sich eine ermüdete Resignation wieder, die vielen der Schülern ein schlechtes Gewissen machte und dann tat Idori-kun etwas, dass einem Tritt in den Magen gleich kam.

Er verbeugte sich.

"Danke, dass wir ein wenig Zeit mit euch verbringen durften. Es war eine große Ehre, zukünftige Top-Helden begleiten und mit ihnen sprechen zu dürfen - gerade für uns. Wir machen uns dann auf den Weg. Sicherlich wäre es nicht gut für euren Ruf, Leute, die ihr ganzes Leben in der dunkleren Grauzone verbringen, zu kennen."

Dann richtete der kleine Teenager sich auf und verschwand mit großen, schnellen Schritten inmitten des wilden Farbenstrudels der heiteren Menschenmasse und ließ die zukünftigen Helden mit reuevollen Gesichtern und Shouto mit einem Brief an den Klassensprecher zurück.

Der Duale Teenager räusperte sich und gesellte sich zu seiner Klasse.

"Zuko hat mir das hier für dich hinterlassen, Iida-kun."

Zögernd nahm der Schwarzhaarige den Zettel aus einem schweren, eher alt aussehendem Papier an, dass dazu noch sehr teuer wirkte.

'Letzten Endes werdet ihr uns nicht loswerden, liebe Klasse 1A.
Auf eine gute, zukünftige Zusammenarbeit und danke, dass ich Shouchan so früh schon wieder sehen durfte.
Ich hoffe, ihr besteht den nächsten Test besser.
Herzlichen Glückwunsch zum bestehen euer schulischen Prüfung, wenn wir schon dabei sind.
<X> '

Verwirrt laß er sich den Text durch.

Dann ein zweites Mal.

Das Zeichen war eindeutig das Surveye.

Er musste schlucken.

"Todoroki-kun. Bist du sicher, dass dein… Freund… kein Schurke ist?"

Endeavors Sohn zuckte einfach nur mit den Schultern als wolle er sagen: 'Und selbst wenn...'

Tenya räusperte sich und verkündete laut, was Zuko ihnen als Schrift zurückgelassen hatte und die Momo runzelte die Stirn.

"Welcher Test?"
"Quero ~ hat er wirklich mit dem Surveye unterschrieben?"
"Zusammenarbeit?!"
"Sie sind... ... . . . loswerden?!"
waren die Fragen, die der Klassensprecher aus dem folgenden Ansturm heraushören konnte, und es gelang ihm nur mit großer Anstrengung.

"Wir sollten einfach schnell nach Hause und uns auf den Ausflug vorbereiten.
Es wäre nicht ratsam, jetzt noch in der Öffentlichkeit zu bleiben, wo wir leicht angreifbar sind."

Alle nickten und die Gruppe löste sich innerhalb weniger Sekunden auf, weil alle es auf einmal sehr eilig hatten sich in Sicherheit zu bringen.

Seufzend schüttelte Shouto den Kopf und sah sich um, auf der Suche nach den Schurken.

Er würde sich nicht den ersten Ausflug seines Lebens verderben lassen.

Eine kurze Weile lang wanderte er ziellos an Läden und Gruppen vorbei, bis ihn jemand am Arm streifte und er seinen Kopf drehte, um sich Yamikumo gegenüber zu sehen.

"Bist du nicht verduftet, so wie deine tollen Klassenkameraden?"

Der größere Teenager schüttelte den Kopf und das Double seines besten Freundes grinste.

"Lust, noch etwas Zeit mit uns zu verbringen?"

Er nickte bestätigend und wurde auch schon von dem Jüngeren am Handgelenk durch die Gegend geschleift, bis er sich wieder vor einer vertrauten, kleinen Gruppe befand und endlich entspannen konnte.

Gemeinsam streiften sie durch die Mall, verließen sie irgendwann und schlenderten stattdessen durch die Straßen der Stadt.

Izuku konnte viel über die Stadt erzählen.

Zu fast jeder Gasse, zu jedem Kiosk, jeder dunklen Seitenstraße, schien er eine eigene, kleine Geschichte zu haben.

Es waren nur selten schöne Erinnerungen, doch sie zeigten wenigstens etwas genauer, warum Izuku Chisome so war, wie er war und Shouto nahm jedes Wort auf, wie einer vertrockneter Schwamm Wasser aufsaugte.

Er wollte seinen Freund endlich etwas besser verstehen.

"... es war fast schon albern!
Ich meine, es war folgendes Bild:
Ich, ein kleiner, halbblinder Obdachloser Junge stand da mit einem einfachen Taschenmesser zwischen einer Gruppe erwachsener Schläger und dieser jungen Frau, welche mir mit ihrer Umklammerung fast die Luft abschnürte und die-haha-diese Kerle hatten tatsächlich gezittert! Aus Angst vor mir! Ich meine, wie armselig ist das bitte?"

"Oh! Oh oh oh oh~! Hast du sie getötet Izuchan? Hast du? Hast du?!"

"Nein. Es lief also so ab: ..."

Touya stieß sanft seinen Oberarm gegen Shoutos, um die Aufmerksamkeit seines kleinen Bruders zu erlangen.

"Es ist wirklich interessant ihm zuzuhören, nicht wahr?"

"Schon... neben seinem Leben wirkt meins sooooo... so harmlos."

"Ich bin wirklich froh, nicht in seiner Haut stecken zu müssen.",
meinte der Schwarzhaarige bestätigend,
"Aber in deiner will ich auch nicht gesteckt haben. Warum ziehst du eigentlich nicht aus? Ich bin mir sicher, Zuko hätte eine Möglichkeit dich legal von dem Sodbrennen wegzubekommen."

"Wo sollte ich dann hin?", fragte der junge Bruder zweifelnd, wobei er bei der Beschreibung seines Vaters ein kleines Zucken im Mundwinkel nicht unterdrücken konnte.

Ihr Gespräch hatte die Aufmerksamkeit der Gruppe erlangt.

"Du bist in der Villa herzlich willkommen, Shouchan! Du kannst jederzeit bei uns einziehen, wir haben genug freie Betten."

Was für eine Versuchung.

"Ich glaube nicht, dass Fuyumi es mir erlauben würde. Und Endeawhore zu überzeugen wäre auch ein Stück Arbeit.", murmelte er leise.

Izukus Gesichtsausdruck war helle Begeisterung und er stolperte wie ein ungeschickter Welpe auf seinen Freund zu.

"Nein nein! Das wird klappen! 

Ich bin mir sicher, du darfst zu uns! Immerhin sind wir eine therapeutische Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit traumatischer- /gewalttätiger- und missbrauchs-Vergangenheit! Du wärst super bei uns aufgehoben! Ich habe ein paar vom Jugendamt auf meiner Seite, ich könnte sie wegen Missbrauchsverdacht zu euch schicken und dann deinen Erzeuger erpressen, dich uns zu übergeben, sofern er keinen öffentlichen Prozess will!"

Auch Toga und Yamikumo nickten begeistert, nur die Todoroki-Brüder sahen skeptisch aus, doch dann musste Shouto lächeln und er nickte.
"Wann legen wir los und wie bald muss ich packen?"

Izuku jubelte und sprang in einer Siegerpose in die Luft, woraufhin er von vielen Umstehenden komische Blicke zugeworfen bekam, doch die Gruppe musste einfach nur lachen.

Wer hat gesagt, das Schurken nicht auch albern sein können?

Begeistert fing der Serienkiller an, seinem Helden-Freund die ganzen Regeln der Villa zu erklären, wie das Haus aussieht, wie die anderen Mitbewohner sind.

Außerdem erzählte er ihm von den Lücken und Abkürzungen im Jugendschutzgesetz.

Ein endloser Schwall aus Wörtern sprudelte aus dem Adoptivsohn Stains heraus, manchmal verständlich, manchmal nur als leises Gemurmel, die anderen Schurken wandten sich ab einem gewissen Punkt mit genervter Belustigung ab, weil sie dieses Verhalten ihres Bosses schon gewohnt waren, doch Shouto ließ den Kleineren einfach reden; solange und soviel er wollte.
Es war schön, ihm einfach nur zu zu hören, vorallem, weil er sich nie wiederholte.

Izuku dachte immer weiter, immer länger, immer komplexer, nie sagte er etwas doppelt.

Die Leute warfen dem Grünhaarigen schiefe Blicke zu, doch dieser steckte so tief in seinem eigenen Kopf, dass er nichts mehr bemerkte und sein größerer Begleiter hatte es sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, mittels sanften Ziehens und Schiebens seinen Freund vor Kollisionen mit Fremden zu retten.

Noch immer hörte er ihm aufmerksam zu.

Es war so reine, unbefleckte Begeisterung, dass man sich nicht wirklich dagegen wehren konnte und als seine neuen Freunde ihn zu seinem Haus begleiteten, gemeinsam mit zwei Angestellten des Jugendamts, um mit seiner Familie über die Aufnahme in der Villa zu diskutieren, konnte er sich dagegen auch nicht wirklich wehren und nahm sie mit, wobei er allerdings darauf bestand, dass Touya und Toga bitte draußen warteten.

Sein Bruder hatte nichts dagegen und wirkte fast schon erleichtert.

Das Mädchen war enttäuscht, nahm es allerdings am Ende doch hin und wartete schmollend vor der Tür.

Fuyumi fand die Idee, anders als Shouto erwartet hatte, allerdings nicht schlecht sondern war begeistert davon, ihren Bruder mit seinen Freunden zusammen leben zu lassen, an einem Ort, wo er von Teenagern umgeben wäre, die wussten, wie sich sein Leben anfühlte.

Sein Vater hielt nichts von der Idee doch die Beamten und Izuku legten genug Erpressungsmaterial vor, dass der “Held” nachgeben musste.

Sie verabredeten, dass Shoutos Aufsichtspflicht auf den Leiter der Villa übertragen würde und dass er schon am nächsten Tag in die Villa ziehen dürfte und dass sie an diesem Tag auch alles nötige mitnehmen würden, allerdings mussten sie auch versprechen, dass er jeden Samstag mit seiner Familie verbrachte.
Es war kein sonderlich schweres Versprechen.

Und so war Izuku am nächsten Tag mit allen Bewohnern der Villa im Schlepptau aufgetaucht, damit mit sie Shouto kennenlernen und beim Tragen helfen konnten. 

Chapter Text

"Bist du sicher, dass du mit deiner Schule und nicht mit uns fahren willst?
Ich bin mir sicher, unser Trainingscamp wird genau so gut wie eures, wenn nicht sogar besser."

"Ja, Izu, ich bin mir sicher.
Ich bin immer noch ein UA-Schüler und kann mich nicht einfach dem Unterricht verweigern."

"Meh... na gut.
Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Höllentrip. Ich bin mir sicher, deine Schule wird nichts tolles im Sinn haben.", kicherte der Junge mit den grünen Locken, während er den Kofferraum des gemieteten Busses schloss.

Die ganze Villa wollte für die Sommerferien einen Ausflug zu einer Berghütte machen, wo ein Helden-Quartett ein Trainingscamp für Schüler anbot, sofern man genug zahlen konnte.

"Aber wir fahren dich noch zur UA! Darauf bestehe ich!"

Shouto seufzte, nahm allerding sein Schiksal an und stieg ein.

Wie er herausgefunden hatte, gab es tatsächlich fünf Bewohner in Surveyes Villa, die in der Lage waren zu fahren, allerdings waren nur zwei von diesen im Besitz eines Führerscheins und nur einer dieser Führerscheine war vollkommen Legal erworben und nur Drei der Fünf waren überhaupt alt genug, um legal fahren zu dürfen.

Dementsprechend klemmte Spinner, der Einzige, der es auch wirklich-wirklich durfte, sich hinter das Lenkrad und startete den Motor des Fahrzeuges, nachdem alle saßen.

"Nun denn, meine Freunde!
Zwischenstopp UA und dann geht es in einem durch!", rief der Echsenmensch begeistert und trat dann auch schon auf das Gaspedal.

Alle Jubelten und feuerten ihren Fahrer an, Shouto konnte nur schmunzeln.

Der letzte Monat, den er in der Villa verbracht hatte, war die schönste Zeit seines Lebens gewesen und er war, ohne es überhaupt zu bemerken, immer weiter aufgetaut.

Er lächelte mehr, war entspannter, zuckte nicht bei jeder Kleinigkeit zusammen, Körperkontakt war immer noch heikel, doch wenn Izuku, oder Dabi ihn streiften, setzte er sich nicht aus Versehen in Brand oder schockfrostete sie.

Sie hielten mit ihrem etwas heruntergekommenen VW-Bus vor den Toren der UA-High an, wo sehr viel modernere Busse, mit denen die Schüler wohl zu ihrem Camp fahren würden, standen.

Izuku und Dabi stiegen mit Shouto aus und halfen ihm dabei, seine Tasche aus dem Kofferraum zu zerren.

Der Schwarzhaarige wuschelte seinem kleinen Bruder zum Abschied durch die Haare und verschwand dann wieder in dem kläglich farbenfrohen Gefährt, während der Anführer der Villa bei ihrem neuesten Mitglied blieb und den dualen Jungen noch die letzten Meter begleitete.

Die ganze 1A spannte sich an, als sie die halbwegs vertrauten Gestalten, die mit Shouto gekommen waren, erkannten.

Izuku folgte seinen Freund bis zur Grenze des Schulgeländes und drückte ihm dort einen flüchtigen Kuss auf die Wange, ehe er den ganzen Schülern den Rücken zuwandte und wieder zu dem schäbigen Bus zurückkehrte.

Er drehte sich noch einmal um und winkte mit einem strahlenden Lächeln.

"Viel Spaß, Shouchan! Pass auf dich auf und trainier so gut du kannst!"

Zum Entsetzten aller, erwiderte Shouto mit einem herzlichen Lächeln und machte die Armbewegung seines Freundes genauso enthusiastisch nach.

"Mach ich! Pass gut auf alle auf, Zu! Wir sehen uns dann wieder in drei Wochen!"

Mehr als einer musste seine Kinnlade wieder vom Boden aufsammeln.

Während Shouto sich mit seinen Mitschülern unterhielt sah Izuku aus der Ferne mit einem kalten Blick zu und stellte sich nach kurzer Zeit in den Durchgang des Busses, sodass alle ihn sehen konnten und schlug seine Hände zusammen.

"Kann ich bitte eure Aufmerksamkeit haben?"

Es wurde still.

"Danke.
Also:
Wie ihr alle wisst, werden wir zu einem Sommer-Trainings-Camp fahren, das regelmäßig Heldenschulen aufnimmt.
Wir werden bei der Ausbildung der UA-Heldenkurse helfen und dabei auch selber trainieren.
Alle von uns, die eine Quirk haben, werden von dem Heldenteam in ihrer Nutzung ausgebildet werden.
Ich erwarte von euch mehr, als einfach nur auf euch selbst zu achten und die Helden zu ignorieren. Wir haben eine ausgezeichnete Chance ihre Augen zu öffnen und die werden wir auch nutzen.
Verstanden? Super. Aber vergesst nicht. Es sind auch Ferien. Habt Spaß, wenn sich die Möglichkeit bietet!"

Alle Jubelten und verkündeten lautstark ihre Zustimmung.

Mit einem Seufzen ließ er sich auf seinen Sitz fallen und massierte seine Schläfen mit geschlossenen Augen.

Er würde den Bewohnern der Villa gerne einen schönen Aufenthalt gönnen, in dem sie sich mit normalen Teenagern anfreunden konnten und etwas Kontakt zur Außenwelt hatten, während sie auch noch stärker wurden.

Doch seine Quellen und auch sein Instinkt sagten Stains Erben etwas anderes.

Sein Vater hatte ihm immer geraten auf sein Bauchgefühl zu hören, weshalb er sich in der Woche vor dem Ausflug besonders gründlich umgehört hatte.

Die League hatte den Vertrag mit ihm gekündigt und er hatte sofort der Bar einen Besuch abgestattet und alles, was mit seinen Notizen zusammen hing, mit Hilfe von Säure vernichtet und dafür gesorgt, dass das Video seines Vaters aus dem Internet verschwand.

Doch jetzt hatte er keine Ahnung wer alles zur League gehörte, welche Güter sie besaßen und welche Kontakte.

Der Untergrund war - vor allem anderen - ein Minenfeld, wo eine einzige falsche Drohung oder Bewegung einen ganzen Krieg auslösen konnte.

Shigaraki wurde besser.

Er hatte begriffen, dass ein einfaches 'Ich töte, was ich hasse' nicht reichte und das machte ihn zu einem stärkeren Gegner.

Surveye wusste, dass die League ein Ziel unter den Schülern der Klasse 1A hatte, die Frage war nur: Wer?

Shouto? Momo? Ochaco? Tenya?... Katsuki?

Hastig kramte er einen Block heraus und fing an zu schreiben.

Aber natürlich war es Katsuki Bakugo!
Das Monster des Sportfestivals, das irgendwie zu einem Helden dressiert werden sollte.

Kacchan hat den Leuten wirklich Angst gemacht und keiner hatte es hinnehmen wollen, dass dieses Ungeheuer, das dort unten in der Arena wütete, sie irgendwann retten sollte.
Viele hatten gesagt, der Junge wäre mehr Schurke als Held, und wenn genau das passieren würde, hätte die gesamte Helden-Gesellschaft ein Problem, weil viele von ihnen sich auf die UA-High stützen!

Es war simpel und brillant zugleich!

Und er musste es verhindern; noch besser - zu seinem Zweck nutzen.

Ein klares Statement und vielleicht eine kleine Forderung.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

"Ihr seid also die Jugendgruppe für Quirklose/ToBes - Gewalttätige & Gewaltopfer?", fragte Ragdoll heiter und streifte die Gruppe mit ihren unfokussierten Augen.

"Ja, Ragdoll-Sama. Das sind wir. Es freut uns, Sie und Tiger-Sama kennen zu lernen."

Die Frau machte lachend eine wegwerfende Handbewegung, welche durch die Katzenpfoten ihres Kostüms um einiges beeindruckender wirkte, als wenn sie es nur mit ihren Händen getan hätte.

"Alles gut, Kätzchen. Nennt uns einfach bei unseren Heldennamen."

Die Kinder nickten und entspannten sich ein wenig mehr, was Tiger, der bis jetzt in einiger Entfernung gestanden hatte, als Einladung sah, um näher zu treten.

Es war eine Überlegung seiner Kolleginnen gewesen, dass er den Kätzchen erst einmal etwas Raum ließ, bevor sie sicher waren, dass die Kinder sich von seiner Präsenz nicht bedroht fühlten.

Doch er sah, dass diese Jungspunde robust waren.
Sie würden nicht vor jemandem wie ihm Angst haben, dafür wirkte jeder einzelne viel zu selbstsicher und standhaft.

"Ich bin der Hausleiter unserer Gruppe.",
erklärte ein Junge mit grünen Haaren, vernarbtem Gesicht, blindem Auge und Sommersprossen lächelnd,
"Mein Name ist Zuko Idori, freut mich, Bekanntschaft mit einer so ausgezeichneten Heldengruppe zu machen. Wir werden sicherlich viel über Zusammenarbeit von euch lernen können.
Wie können wir denn bei der Ausbildung der Helden helfen? Es wurde etwas in diese Richtung in der E-Mail erwähnt…?"

"Du warst also derjenige, mit dem Pixie-Bob geschrieben hat?"

Der Teenager nickte und schloss die Augen, während er breit grinste.

"Zuko hier, kümmert sich um fast alles im Haus alleine.", erklärte ein Schwarzhaariger mit Brandnarben über den ganzen Körper und legte eine halb abgestorbene Hand auf die Schulter des Kleineren.

Die Erwachsenen blinzelten verblüfft.
Das war doch eher unerwartet.
Sie hatten mit wenigstens einer professionellen Aufsicht gerechnet, aber alles schienen Kinder bis junge Erwachsene zu sein.

"Wie ihr uns helfen könnt:
Bitte klettert hier runter und versteckt euch im Wald.
Die Klasse 1B wird sicher bald ankommen und wir werden sie dann zu euch runter schicken.
Sie müssen versuchen den Wald zu durchqueren um zur Berghütte zu kommen.
Ihr werdet versuchen sie aufzuhalten."

Alle Kinder nickten und schauten den Helden entgegen, als wären sie Soldaten, die gerade befehle von ihren Vorgesetzten erhielten.

"Wann dürfen wir zur Hütte?", fragte der Echsenmensch, der extrem aus der Gruppe hervorstach.

"Sobald der Erste der B ankommt."

Die Jugendlichen kicherten hinter hervorgehaltenen Händen und stießen sich gegenseitig an, während der wahrscheinlich Älteste der Gruppe enttäuscht den Kopf schüttelte.

"Ja. Aber wenn wir darauf warten, kann es das gesamte Trainingscamp durch dauern.
Und ich glaube nicht, dass die Helden-Schüler so lange im Wald überleben."

"Sollte dieser Fall eintreten, meine Kätzchen, dann werden wir euch mit Mandalays Quirk um sechs Uhr ein Signal geben, dass ihr mit dem Kämpfen aufhören und zur Hütte kommen könnt."

"Ist das nutzten von Quirks erlaubt?", fragte einer der Älteren. Er hatte honigfarbenes Haar.

"Sicher. Die andere Klasse wird ihre Quirks auch nutzen!"

"Darf der Rest seine Waffen nutzten?", erkundigte sich Zuko - nein. Warte.
Das war nicht Zuko. Der Anführer der Gruppe stand immer noch bei dem Verbrannten und dem blonden Mädchen mit den Katzenaugen.

Tiger nickte bestätigend.

"Wenn ihr sie dabei habt, dürft ihr sie nutzen. Idori-San hat schon alles im Voraus abgeklärt.
Ihr solltet euch jetzt allerdings vorbereiten und auf den Weg machen."

"Und verletzt niemanden! Ich weiß es, wenn ihr etwas tut, dass ihr nicht dürft!"

Die Gruppe ging zu ihrem Bus und die Wenigen, die wohl so etwas wie den Inneren-Kreis bildeten, verteilten die harmlosen Waffen, sowie Kunstblut unter allen Anwesenden.

"Nun denn.
Das Kunstblut wird Ihnen dann später zeigen können, wie oft welcher der Schüler getroffen wurde und wo.
Ich werde Ihnen nach der Übung auch einen Ausführlichen Bericht der Kämpfe geben.
Analysieren von Kämpfen und Quirks ist ein Hobby von mir, dass ich gerne verfeinern würde.", teilte der einäugige Anführer des Trupps mit, während die Bewohner der Villa sich schon an den Abstieg machten, danach drehte er sich mit einem spielerischen Salutieren um und kletterte ihnen nach.

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"Ihr müsst einfach nur zur Berghütte. Dort gibt es auch Essen! Wir würden es bis vier Uhr schaffen. Kätzchen die es vor fünf schaffen, bekommen ihre Mahlzeit!", erklärte die Grünhaarige Frau begeistert.

Die Schüler sahen sich entschlossen an und gingen dann auf die Klippe zu, um runter zu klettern.

Erst, als sie mehr als die Hälfte hinter sich hatten schrie Ragdoll ihnen noch die wichtige Kleinigkeit hinterher.

"UA ist dieses Mal nicht alleine hier!
Im Wald befindet sich eine 28 köpfige Gruppe. Aber nur vier von ihnen haben überhaupt Quirks.
Sie haben Messer, Gewehre und Pistolen, aber die nicht-tödliche Version!
Die meisten dieser Kinder sind auf der Straße groß geworden, also unterschätzt sie nicht!"

Viele der Schüler erstarrten, zwei verloren den Halt und einer stürzte aus der Luft, wo er sich mit seiner Quirk gehalten hatte.

Sobald der Erste von ihnen auf dem Boden aufkam waren mehrere Schüsse zu hören und man sah, wie sich rote Flecken über dem Brustkorb und am Kopf bildeten.

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Die B Klasse wurde um sechs von den Bewohnern der Villa zu der Berghütte geschleppt.

Sie waren alle Bewusstlos und von oben bis unten mit Kunstblut beschmiert und wenn ihre Haut nicht intakt gewesen wäre, hätte man gedacht, dass sie tot, oder zumindest schwer verletzt wären.

Zuko lieferte am selben Abend bei den Lehrern und Pussycats noch ein Notizbuch ab, dass mit detaillierten Aufzeichnungen zu dem Verhalten, Charakter, Kampfstil und dem Nutzen der Quirk der Schüler gefüllt war, sowie das Angebot, dasselbe für die A Klasse zu machen.

Es war ein entsetzlicher Anblick für Vlad King gewesen, seine Klasse so zu sehen und EraserHead hatte den Leiter der Villa darum gebeten, so eine Übung auch mit seinen Schülern durchzuführen, natürlich sagte Izuku zu.

Jetzt gerade befand er sich in den Umkleideräumen des Bades, alle Schüler und auch die Jungen der Villa befanden sich schon in den heißen Quellen und er hatte Angst, dass Katsuki oder Tenya ihn an den Narben erkennen könnten.

Mit einem tiefen Seufzen fuhr er sich durch die Haare.

Wahrscheinlich würden ihn die Schüler der B umbringen, bevor Kacchan es konnte, schließlich hatte er persönlich fast alle von ihnen KO geschlagen.

Mit einem schlichten, schwarzen Handtuch um die Hüfte gewickelt, trat er nach draußen, in den vernebelten Bereich.

Keiner bemerkte, dass er überhaupt anwesend war, bevor er sich bei Dabi und Shouto in das Wasser gleiten ließ.

"Hey.", murmelte er leise und starrte auf das Wasser.

Unter seinen Rippen pumpte sein Herz das Blut mit einem untypischen Enthusiasmus, mit dem es ihm wohl einen Vorsprung im Falle einer Flucht sichern wollte.

Die einzige Person, die alle seine Narben gesehen hatte, war sein Vater gewesen.

Er wusste nicht, ob er sich für sie schämte, sie waren schließlich ein Zeichen für sein Überleben - jede dieser Verletzungen war immerhin ein Versuch ihn zu töten, der nicht gelungen war - doch es war seltsam, sie offen vor Fremden und Freunden zu zeigen.

"Yo, Boss.", meinte Dabi und hob eine Hand zu einem Zwei-Finger-Salut, während ein träges Grinsen seine Lippen umspielte.

Der Jüngste der Todorokis lächelte warm und nickte ihm zu.

"Hey, Zu-Chan."

"Zuko! Mein Kumpel! Diese Wahnsinnigen hier wollen einfach nicht einsehen, dass wir sie besiegt haben!", heulte Yamikumo von der anderen Seite des Beckens, wo er bis jetzt hitzig mit ein paar der Heldenschülern diskutiert hatte.

Der Grünhaarige blinzelte langsam und legte mit hochgezogenen Augenbrauen den Kopf ein wenig schief.

"Das wäre mir neu.", meinte er locker.

"Tolle Helden! Kommen nicht Mal damit klar, wenn sie besiegt werden!", rief Luke dazwischen.

Stains Erbe schüttelte den Kopf und watete unangestrengt durch das Wasser, um zu seinem Double zu gelangen.

Seine Augen wanderten über die Körper der anderen Jungen und er hätte nicht einmal geübt sein müssen, um zu erkennen wie schwach die UA-Schüler waren.

Missbilligend schnalzte der Einäugige mit der Zunge und schüttelte seinen Kopf ein wenig.

"Es war klar, dass ihr gegen uns verlieren würdet.
Die Villa existiert seit fast vier Monaten und seitdem haben wir ununterbrochen Trainiert um perfekt zusammenarbeiten zu können.
Und ich bin fast zwei Köpfe kleiner als die Meisten von euch und habe trotzdem dreifach so viel Muskelmasse."

Das ließ viele der Jungen genauer hinschauen.

"Wie männlich ist das denn?! Was für ein Training machst du? Und seit wann?!", rief der Rothaarige mit spitzen Zähnen beeindruckt und kam auf den Schurken zugestürzt, wie ein übereifriger Golden Retriever.

Tetsutetsu aus der B folgte Eijiro Kirishima auf Schritt und Tritt und schon bald war Izuku in eine Diskussion mit den beiden und Sato, der sich etwas später dazu gesellt hatte, verwickelt, wo sie verschiedene Übungen und ihre Vor- und Nachteile, sowie eigene Tricks zur Verbesserung von diesen besprachen.

Yamikumo musterte Stains Adoptivsohn mit einem Schulterzucken und fing an mit Denki, Asawe und Kosei über Streiche und mögliche Anschläge auf diverse Schüler zu sprechen.

Ja, er hatte einen pechschwarzen Humor und neigte dazu Sachen pessimistisch zu sehen, doch andere in ihr Verderben zu stürzen hellte seinen Tag auf und machte, laut ihm zumindest, sein Leben wieder lebenswert.

Luke fing an sich mit Tenya zu unterhalten und Spinner verwickelte einen Großteil der B in ein animiertes Gespräch, auch die restlichen Bewohner der Villa schlossen sich einer Unterhaltung mit ihrem Lieblingsthema an. Am Ende saßen Fumikage, Shouto und Touya abseits von allen anderen und sahen ihnen bei Sozial-Sein zu.

"Ewww... zwischenmenschlicher Kontakt.
Ich glaube, ich ertränke mich.", murrte der Schwarzhaarige und tauchte unter Wasser und ließ Blubberblasen aufsteigen.

Die beiden UA-Schüler sahen kurz zu und lachten.

Chapter Text

Die Bewohner der Villa mussten sich mit den beiden UA-Klassen ihre Zimmer teilen, nur Mädchen und Jungen waren getrennt.

In dem Jungen Schlafzimmer versuchten sich die beiden Klassen so gut es ging zu vermeiden, der Großteil der Schurken nahm sich den Platz dazwischen, je nachdem, mit welcher Gruppe sie sich besser vertragen hatten.

Nur Izuku Chisome hielt sich abseits von allen anderen.
Immer, wenn Katsuki Bakugo, oder Tenya Iida etwas sagten, machte er sich noch ein wenig kleiner.

Er wusste nicht, wieso die beiden ihn nicht erkannten, aber er hatte Angst vor dem Moment, wo sie es tun würden.

In dem Nebenzimmer hatten sich alle Mädchen in einem großen Kreis zusammengesetzt und waren am Reden.

Welche Farbe passt zu wem und weswegen?
Welche Kleidung eignet sich gut zum Kämpfen?
Wie kann man Kostüme verbessern?
Welcher der Jungen ist am heißesten, die beste Partie und der stärkste Kämpfer?
Was kann man sich von den Herren abschauen und worin ist man selbst besser?
Welche Waffe passt am besten zum eigenen Kampfstil und was sagt das über den Charakter aus?

Typische Mädchenthemen eben.

"Ich bin leider nicht gut mit sowas.",
erklärte Toga mit einem bedauernden Lächeln.

"Aber Zu-Chan ist ein Ass in Make-Up, Frisieren und Outfits.
Vielleicht wird sie auch hier rüber kommen, sofern sie sich danach fühlt!"

"... Zu-... Chan?", fragte Kendo mit einem angespannten Lächeln.

Ochaco strahlte bei der Idee noch ein Mädchen aus der Villa kennenzulernen.

Sie waren alle ausgezeichnete Kämpferinnen!

"Hast du Idori-San nicht so genannt?", erkundigte sich Tokage besorgt.

"Hai!"

"Der Boss mag crossdressing.",
erklärte eines der Mädchen aus der Villa mit einem Lächeln,
"Er steht auch nicht auf Frauen.
Er war mit Toga-Chan, Sakushi-Chan und mir einen ganzen Tag lang unterwegs.
Shoppen und in ein Café, danach kurz nach Hause zum Umziehen und Stylen, und dann in einen Club.
Wenn er sich als Mädchen, also Izumi, verkleidet, verhält er sich auch wie ein Mädchen."

"Aber man sollte Izumi nicht unterschätzen, sie kann einen auch in Stilettos fertig machen!", warf eines der Mädchen dazwischen, sie hatte eine Surveye-Narbe und dazu noch eine recht frisch verheilte Wunde an ihrer rechten Wange, die eindeutig genäht aussah.

"Stimmt. Du hast die Wunde doch von deinem Privattraining mit Izumi.
Aber du bist ja noch gut davon gekommen, auch wenn es nicht hübsch aussieht."

Das vernarbte Mädchen musterte die Sprecherin, ehe Erkenntnis ihre Augen erhellte.

"Stimmt! Bei dir ist doch auch mal was passiert!"

Die Rothaarige nickte und hob ihr Shirt, sodass alle einen guten Blick auf eine ältere Narbe bekamen, die sich von über ihrem Bauchnabel zu ihrem Hüftknochen zog.

"War nur ein blöder Unfall, hätte nicht so nah gehen sollen, während Zuko einen Alptraum hat."

"Aber wenn man ihn nicht weckt, ist er morgens immer noch schlechter gelaunt.", zirpte eine der Jüngeren dazwischen und brachte alle aus der Villa zum nicken.

Die Schülerinnen der UA-High warfen sich ein paar bestimmte Blicke zu, bevor sie möglichst subtil das Thema wechselten, doch diese kleinen Geschichten von dem gewaltsamen Verhalten ihrer Aufsichtsperson blieben vermerkt.

~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~•~

Am nächsten Morgen, um halb fünf in der Frühe, standen alle Gruppen versammelt vor den Helden.

Die Heldenschüler waren kurz davor im Stehen einzuschlafen, wobei die B-Klasse ein wenig besser aussah als die A.

Und dann war da Surveyes Elite.

Manche gähnten ab und zu, ein paar hatten ihre Haare noch nicht gemacht, doch sie alle sahen eher frisch und so aus, als wären sie bei vollem Bewusstsein.

"Also gut, ich will mich kurz fassen: Bakugo, wirf den Ball."

Alle Schüler flüsterten begeistert und Kirishima rief, dass der Ball jetzt mindestens einen Kiloneter weit fliegen müsste.

Izuku musterte die ganze Szene mit versteinerter Mine, wobei er seine Augen allerdings in dem Schatten seiner Haare versteckte.

Mit einem Schrei, der von einer Explosion übertönt wurde, schmiss der Blonde den Ball so weit, wie er konnte.

Aizawa hielt mit einem alptraumhaften Grinsen die Messanzeige hoch, welche 709,87m als Distanz verkündete.

Nur zwei Meter mehr, als zu Beginn des Jahres.

Izuku hielt sich eilig eine Hand vor den Mund, um sein Grinsen und Kichern zu vertuschen.
Armer Kacchan, muss jetzt ja richtig enttäuscht sein.

Tatsächlich sah Katsuki sehr irritiert aus und schien alles andere als zufrieden mit seiner Leistung zu sein.

"Was soll man denn erwarten?
Ja, ihr habt viel gekämpft und coole Techniken gelernt, aber eure Quirks befinden sich immer noch auf dem selben Level - oder habt ihr sie etwa in letzter Zeit so sehr genutzt, dass euch alles weh tat und euch bei dem Gedanken schlecht wurde, sie jemals wieder zu verwenden?"

Shouto wurde bei dem Gedanken an sein eigenes Training übel; sein Vater und Izuku waren beide extrem brutal - auch wenn auf andere Art und Weise.

"Ich will, dass Dabi den Ball wirft.",
verkündigte der Grünhaarige mit verschränkten Armen,
"Als er zu uns gekommen ist, hat er mit seiner Quirk 592.77 Meter geschafft. Allerdings ist dabei unser Messgerät geschmolzen."

Aizawa schmiss dem Schwarzhaarigen einfach nur einen Ball zu, der Teenager griff ihn Problemlos aus der Luft und rollte seine Schultern und seinen Kopf, bevor er sich an den selben Platz stellte, wo vorhin noch Katsuki war.

"Dann lass uns mal sehen, was mir dein Höllentraining gebracht hat, Zuko.", murmelte er kaum hörbar und schmiss den Ball einige Male in die Luft, um sein Gewicht zu überprüfen.

Bei dem Spruch des Jungen schossen Shoutas Augenbrauen bis zu seinem Haaransatz, doch mit dem, was kommen würde, rechnete er wirklich nicht.

Der Blauäugige drehte sich weg und holte Schwung, indem er sich mehrmals um seine eigene Achse drehte, als würde er einen Diskus werfen wollen, mit einem Schrei und einer blauen Stichflamme ließ er den Ball los - und das Geschoss verschwand irgendwo im Himmel.

Erst einige Sekunden später konnte er eine Anzeige, die 940.13 Meter verkündete, hochhalten.

Dabi grinste selbstgefällig und knackte mit seinem Nacken.

Zuko sah allerdings nicht vollkommen überzeugt von der Leistung aus und fing an sich auf dem Daumen zu kauen, während er atemlos etwas hauchte, was niemand verstand. Schließlich nickte er leicht und lächelte.

Shouta bemerkte, dass der Schwarzhaarige sich erst nach dem bestätigendem Lächeln entspannte, ehe er das weitere Vorgehen erklärte: "Also gut. Jeder von den Quirknutzern wird ein individuelles Training erhalten.
Zuko kann jederzeit Veränderungen vorschlagen, sagt nur einem der Helden Bescheid, wenn ihr versuchen wollt, was er sagt.
Alle Quirklosen werden von mir und Mandalay in Teamwork, Nahkampf und Waffennutzung unterrichtet."

Danach wurde der Tag zur Hölle.
Das Training, durch das die einzelnen Gruppen geschleift wurden, war erschöpfend und erniedrigend.

Izuku hatte nicht Unrecht gehabt, als er meinte, dass man danach nicht mehr seine Quirk nutzen wollte.

Shouto hatte das Gefühl jeden Moment ohnmächtig zu werden und sein Kopf fühlte sich seltsam vollgestopft an, aufgrund des ständigen Temperaturwechsels. Doch er biss die Zähne zusammen und fror das Wasser, in dem er sich befand, erneut ein.

Katsuki zischte und fluchte, als seine Haut wieder mit dem zu heißen Wasser in Kontakt kam und sich rot verfärbte.
Es brannte.
Ob er eine Explosion hervorrief, das Wasser auf seiner Haut kochte, oder das überhitzte Fleisch von der Luft gestreift wurde.
Es brannte.

Ochaco schwankte und versuchte ihren Mageninhalt noch etwas länger in sich zu behalten.
Doch ihr Körper wollte nicht länger mitmachen und sie beugte sich zitternd vornüber.
Es war schon anstrengend genug für sie, sich nicht in die Lache vor ihren Füßen fallen zu lassen.

"Vielleicht solltest du dich kurz setzten.", murmelte eine leise Stimme und dann wurde auch schon ein Arm um ihre Schultern gelegt und das Mädchen an den Rand des Waldes geführt.

"Hier."

Durch den Tränenschleier vor ihren Rehaugen sah sie eine behandschuhte Hand mit ein paar goldigen Bonbons.

"Nimm dir alle. Es hilft gegen die Übelkeit und unterdrückt deinen Würgereflex."

Ihre Finger zitterten, als sie versuchte nach den Süßigkeiten zu greifen und der Bonbon, den sie sich genommen hatte, entglitt ihrem schwachen Griff.

Die fremde Hand fing den Drop auf, bevor er mit dem Boden in Berührung kam.

"Mach den Mund auf."

Sie gehorchte, ohne darüber nachzudenken und bekam die drei Bonbons auf die Zunge gelegt, ehe das warme Leder ihren Unterkiefer streifte und mit sanftem Druck ihren Mund für sie schloss.

Bald schon wurde der Geschmack von Magensäure durch die schärfliche Würze von Ingwer und die Süße von Honig ersetzt.

Tatsächlich fing ihr Magen an sich ein wenig zu beruhigen und sie wischte sich die wenigen Tränen vom Gesicht, die vergossen worden waren.

"Besser?", fragte Zuko mit einem Lächeln, während seine Hand beruhigend über ihren Rücken strich.

Ochaco krächzte ein "Ja. Danke.", das den Grünhaarigen kurz grinsen ließ.

"Ich bin aus dem Training rausgeschmissen worden, weil ich es geschafft habe EraserHead, Mandalay und Tiger zu schlagen.", meinte er mit einem bedauerndem Ton, während sein Blick stur auf das Training der Helden gerichtet war.

Sie blinzelte.

Er hatte es geschafft... Helden in einem 1-zu-1-Kampf zu besiegen?

"Wusstest du, dass ein paar aus der Villa Angst vor dir haben?", fragte Ochako während sie Tsuyu beim Klettern zusah.

Sie schlug den gleichen Ton wie Izuku an.

"Sie wären dumm, wenn sie keine Angst hätten.
Wir sind keine Helden, Uravity. Und ich, von allen in der Villa, am Wenigsten."

Er sah auf und bemerkte Hitoshi, der seine Übungen machte und ebenfalls so aussah, als würde er gleich zusammenbrechen.

"Geh wieder trainieren, wenn du dich besser fühlst.", sagte er noch und schmiss ihr eine 500-Stück-Tüte der Ingwer-Honig-Bonbons zu.

Dann stand er auf, klopfte sich die Hose ab und ging zu dem Lilahaarigen, der mittlerweile bedrohlich schwankte

Gerade als Hitoshi keuchend und zitternd und gleichgewichtslos dem Wunsch seiner Beine nachgeben wollte, kam der Grünhaarige an und stützte ihn, indem er einen seiner schwachen Arme über seinen Nacken legte.

"Na los, Kumpel. Machen wir mal eine kleine Pause.", sagte er aufmunternd, mit einem lockeren Ton, der den Insomniac stöhnend den Kopf hängen ließ.

Es war erst 11 Uhr morgens und die meisten der Klasse konnten nicht mehr.

Der Größere des Gravitationwiedersetzenden-Haar-Duos wurde von dem Kleineren vor einem Baum abgesetzt, an den er sich bequem anlehnen konnte.

"Weshalb machst du kein Quirk-Training?", erkundigte Zuko sich mit großen Augen.

"Meine Quirk ist falsch eingestuft worden - es ist 'Willensstärke' und nicht 'Gehirnwäsche'. Sobald ich mit dem Training anfing, habe ich Superstärke und Geschwindigkeit entwickelt.", stöhnte der Wuschelkopf.

"Also trainiert man - ganz die Heldenschule - den Teil deiner Quirk, der als besonders heldenhaft gilt. Vollidioten.
Und du kannst dich direkt dazu zählen!
Warum hast du dich nicht geweigert diesen Plan zu machen?! Du solltest nicht deine Muskelmasse sondern deine Stimme und deine Komplexität und Kapazität verbessern!"

-kurz musterte der Grünhaarige den UA-Schüler -

"Kannst du schon stehen?"

Mit einem wehleidigen Geräusch, welches von tiefster Seele kam und einem Ächzen stand der Lilahaarige auf und nickte.

"Gut. Dann lass uns Mal an dem wichtigen Part deiner Quirk arbeiten; außerdem will ich dir noch ein wenig extra Unterricht geben, wie man Situationen schnell erfassen und Personen einschätzen kann, damit du weißt, wann es sich lohnt mit dem Reden anzufangen, und wann man einfach zuschlagen muss."

Izuku schleifte Hitoshi zu Tenya, den er ohne große Rücksicht anhielt.

"Befiehl ihm, so zu rennen, wie er es eben tat.", kommandierte Stains Erbe und ließ Eraserheads und All Mights Lieblingsschüler verblüfft blinzeln.

"Öhmm... hi, Iida-Kun."

"Hallo -"

"Renn genau so wie eben weiter."

Sofort drehte der Brillenträger sich um und rannte los.

"Hmmm... Shouchan und Kacch- und Bakugo-kun müssen fühlen, was sie tun. Es wäre nicht fair Uraraka-san zu benutzten und Tokoyami-kun ist ebenfalls von seinem Bewusstsein abhängig.
Wen können wir noch nehmen...? Wen nur...? Ah! Komm mit!"

Und so stolzierte der kleine Anführer schon wieder los und ließ Hitoshi Kontrolle über Aoyama übernehmen.

Nach und nach übernahm Hitoshi für immer mehr seiner Mitschüler die Aufgaben und er musste feststellen, dass die Idee, sich durch seine Quirk eine Armee zu erstellen, eine verdammt blöde war.

Es benötigte seine gesamte Konzentration um die Kontrolle aufrecht zu erhalten und es war fast schon so, als würden die Aktionen der Marionetten aus seiner eigenen Ausdauer und Kraft nähren, denn schon bald saß er keuchend neben einem Baum während Schweiß in Sturzbächen über seinen Körper floss und es fühlte sich so viel schlimmer als All Mights und Aizawas Training zusammen an.

"Halten.", hörte er Zuko befehlerisch knurren und hätte am liebsten losgeheult, doch Iida war kurz davor aus seiner Kontrolle zu gleiten und er durfte niemanden los lassen, ehe Zuko es gestattete.

Es brannte.

Sein Kopf war mit pulsierender Magma gefüllt, das Nasenbluten hatte schon vor zwei Ewigkeiten angefangen und er spürte kaum noch wie die Flüssigkeit seine Lippen runterrollte, um von seinem Kinn auf seine Kleidung zu tropfen.

"Lass los."

Genau das tat er.

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Es war erst Stunden später, als der Lilahaarige auf einem Sofa aufwachte, um von Tenya eine Mitleidsbekundung zusammen mit einer Schale selbstgemachten Currys überreicht zu bekommen.

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"Shouchan, wärm das Curry für mich auf.", verlangte Izuku und der größere Teenager musste seinen Kopf zurückziehen, um nicht seine Nase in die Schale zu rammen, die ihm ins Gesicht gehalten wurde.

Ohne zu fragen nahm er Stains Erben das Essen ab und brachte es mit seiner Quirk auf seine Originaltemperatur.

Der Wuschelkopf bedankte sich daraufhin und verschwand in dem Wald, in den auch das Kind, um das die Pussycats sich kümmerten, gegangen war.

Es war so typisch für den Grünäugigen.

Er musste lächeln.

Izuku folgte den Fußabdrücken des Water-Hose Kindes und er war sich sicher, dass das eine gute Idee war.

Der Junge hasste ganz offensichtlich Quirknutzer und Helden - wie gut, dass er beides nicht war.

Stumm stellte er die Schale voll Curry neben dem Jungen ab, der in sicherem Abstand zu der Klippe saß.

"Iss. Aber Achtung, es ist ein wenig scharf."

Der Junge machte ein missbilligendes und genervtes Geräusch, bevor er den Kopf weg drehte.

"Verpiss dich, du möchtegern Held! Das ist meine Geheimbasis, du hast hier nichts verloren!"

"Keine Lust zu gehen und ich gehöre außerdem nicht zur UA."

Das ließ das Kind innehalten und ihn verwirrt ansehen.

"Bist du nicht?"

Lächelnd schüttelte der Grünhaarige den Kopf.

"Nein. Keiner aus der Villa. Wir wollen auch keine Helden werden.
Zudem sind die Meisten von uns Quirklos und die Wenigen, die eine Quirk haben, wünschten, sie hätten keine.", 

erklärte er mit einem freundlichen Gesichtsausdruck, ehe er dem Kind das Essen etwas näher schob und sich dann neben den Jungen setzte,
"Aber bevor wir weiter reden, iss, Kleiner. Ich erzähle dir danach alles, was du wissen willst."

Der Junge mit der Kappe nickte und vergrub sich in dem Essen, was der Teenager mit einem brüderlichem Tätscheln auf dem Kopf kommentierte.

"Dapf ipft lecker!", erklärte der Kleine begeistert und schaufelte noch mehr von dem Curry in sich hinein.

Izuku lachte leise und wartete geduldig, bis der Heldensohn aufgegessen und die Schale weggestellt hatte.

"Was hat es mit dieser Villa auf sich, Nii-san?"

Der Kosename ließ den Älteren Jungen wie bescheuert grinsen und er legte einen Arm um die Schulter des Jüngeren, um ihn vor den kalten Winden, die den Berg umstreiften, zu schützen.

"Darf ich dir ein Geheimnis verraten?", fragte er mit tiefer Stimme und verschwörerischem Grinsen.

Der Schwarzhaarige nickte begeistert.

"Hast du schon Mal von Surveye gehört?"

Die Augen des Jungen wurden kugelrund, als er nickte.

"Die Villa gehört ihm. Beziehungsweise: Sie gehört mir."

Kouta sah so aus, als wolle er wegrennen, doch er blieb sitzen.

"D-du bist... uhm... S-surveye...?"

"Jup. 

Mein eigentlicher Name ist Izuku Chisome, aber hier heiße ich Zuko Idori, angelehnt an meinen Geburtsnamen, bevor ich adoptiert wurde."

"Wissen die alle, dass du ein Mörder bist?"

"Die Bewohner der Villa schon, nur die UA-Leute nicht; müssen sie aber auch nicht, nicht wahr?
Es ist ja irgendwie UAs Schuld, dass die Villa überhaupt so voll ist. Würden die Helden nicht so mit ihren Quirks angeben, würden Quirklose mehr respektiert werden und, wer weiß? Wenn man nicht so einen Wert auf Quirks legen würde, wäre es auch sicherlich nicht so verlockend für so viele, Schurken zu werden. Und dieser ganze mörderische Kreislauf hätte ein Ende."

"Genau das sage ich auch die ganze Zeit!”, rief Kota aufgebracht, ehe er verstumme und mit dem Schirm seiner Kappe zu spielen begann,

“Uhm… könnte ich auch in die Villa einziehen und bei euch leben? Ich mag die Pussycats, a-aber..."

Lächelnd nahm er dem Jungen die rote Kappe ab, um ihm durch die strubbeligen, schwarzen Haare zu wuscheln, bevor er sie ihm wieder schief auf die ehemalige Frisur setzte.

"Wenn du willst, rede ich mit den Pussycats, ob sie gewillt wären, deine Obhut auf die Villa zu übertragen, wie klingt das?"

"Super!"

Grinsend klatschte der Grünhaarige und stand auf.

"Na dann, Kumpel, auf nach unten, bevor es viel zu spät wird, oder die sich noch Sorgen um uns machen.", verkündete der Schurke strahlend und hob den Jungen auf seine breiten Schultern.

Der Weg nach unten und durch den Wald wurde von Gelächter, Geschichten und Witzen durchzogen, bis sie vor der Hütte standen und Izuku den Jungen wieder auf den Boden stelle.

Bevor sie sich etwas später trennten, sagte er seinem neuen, kleinen Freund noch genau eine Sache:

"Du kannst übrigens jederzeit mit jedem aus der Villa reden, wenn du willst, sie werden sich sicher freuen, Zeit mit dir zu verbringen."

Chapter Text

Izuku saß gemeinsam mit den Helden in der Küche und erzählte ihnen von den Übungs-Verbesserungen, die er sich überlegt hatte, sowie die Fortschritte von den Schülern, auf die er geachtet hatte und wie deren Quirks genau funktionierten.

Auch erzählte er von seinem Fortschritt mit Kota, den er auf Wunsch hin noch ins Bett gebracht hatte, und dass der Junge ihn darum gebeten hatte, zu fragen, ob er nicht in die Villa einziehen könnte.

Die Pussycats waren von der Offenheit des Kleinen begeistert, doch der Gedanke, ihn an psychisch instabile Teenager, ohne erwachsene Aufsicht, zu übergeben, missfiel den Helden zutiefst.

"Ich würde morgen Abend dann deine Klasse durch die gleiche Hölle wie die B schleifen.", erklärte er Shouta Aizawa mit einem Lächeln, auf das der Lehrer neidisch war.

"Ich würde es gerne mit der ganzen Klasse anstatt der Mutprobe machen, die könnt ihr dann ja auf übermorgen verlegen."

Pixie-Bob verschränkte die Arme.

"Warum macht ihr es nicht übermorgen?"

Der Junge stützte seinen Ellenbogen auf den Tisch und sein Kinn auf seine Faust, während er die Heldin mit seinem gespenstisch leblosen und seinem, nicht minder gruseligem, funktionierenden Auge fixierte.
Seine freie, vernarbte Hand streckte sich nach seiner Tasse aus und Zuko trank in aller Ruhe einen Schluck seines Tees, ehe er die Tasse neben seinem Gesicht in der Luft hielt und erklärte: "Meine Villa ist sehr viel fitter als die Bläger von UA-High, aber nach zwei Tagen intensivem Training mit Helden sind auch sie erschöpft und nicht mehr in der Verfassung, in der ich sie für einen funktionierenden Anschlag auf die 1A benötigte.
Vergesst nicht, die Meisten von uns sind immernoch Quirklos."

Die Heldin musste ihre ganzen Nerven zusammenkratzen, um nicht unter dem unterschwelligen Gefühl von Blutlust und Bedrohung zusammenzubrechen und auch ihre Kollegen hatten Schweiß auf der Stirn, als der Grünhaarige seine Tasse abstellte.
Das Klirren von Keramik auf Holz war in der angespannten Stille unerträglich laut.

"Es ist schon sehr spät, Idori-Shounen. Solltest du nicht auch langsam schlafen gehen?"

"Ich bin es gewohnt, an die zwei Tage wach zu bleiben und dann in einer Nacht alles nachzuholen.
Das sorgt dafür, dass man keine Alpträume hat, wisst ihr?"

Die Erwachsenen wurden von unangenehmem Schaudern geschüttelt.

Der Junge sah mit einem melancholischen Gesichtsausdruck zum Fenster hinaus und musterte den düsteren Wald.

"Manchmal vermisse ich mein zweites Auge.",
erklärte er nachdenklich und ließ die Erwachsenen noch ein wenig bleicher werden,
"Mein Bein vermisse ich auch - ich meine, ich habe es noch! - aber es wäre schön, es richtig und ohne Schmerzen bewegen zu können."

Er seufzte und fuhr die Narben um sein Auge herum mit einem Finger nach, wie er schon so oft zuvor gemacht hatte.

"Aber am Ende habe ich jede ernsthafte Verletzung an meinem Körper mir selbst zu verdanken.
Ich bin dem Mann dankbar, der mich damals von der Straße auflas, gesund pflegte und dann wieder auf den rechten Pfad führte. Er hat viel für mich getan und ich werde alles Mögliche tun, um anderen so zu helfen, wie mir geholfen wurde…
Ich denke, ich verabschiede mich hier.
Habt eine gute Nacht und einen erholsamen Schlaf, ich werde die Zeit nutzten, um für morgen vorzukochen und ein wenig zu trainieren."

Nachdem der Junge gegangen war, wechselten die beiden Lehrer einen Blick.

"Der Junge hat wahrscheinlich die größten psychischen Probleme aus der gesamten Gruppe.", meine Vlad trocken.

Shouta schaute aus dem Fenster, aus dem eben auch Zuko geblickt hatte.

"Das ist nicht auszuschließen.
Schwere Selbstverstümmelung ist selten ein Anzeichen einer gesunden Mentalität. Wer weiß schon, wie diese ganzen Kinder aufgewachsen sind?"

Ragdoll tippte sich ans Kinn. Sie war sehr viel ruhiger, als normalerweise.

"Alle Kätzchen aus der Villa haben Schmerzen.
Manche schlimmer, als andere, aber Zuko und Dabi hat es am schlimmsten erwischt."

Tiger musterte die Runde und starrte auf den Tisch.

Er war von Zuko innerhalb weniger Minuten geschlagen worden, Eraser Head hatte sich von allen am Längsten halten können - und das kam ihm suspekt vor.

Von allen Pussycats fiel er immer am meisten heraus. Der direkte Nahkämpfer, der Muskel, der einzige Mann.
Doch bei dem Einäugigen bekam sogar er ein komisches Gefühl und er war sich sicher, die Mädels ebenfalls.

"Mir gefällt es überhaupt nicht, dass er sich an Kota ranmacht.", knurrte er und Mandalay nickte zustimmend.

"Es wird übel enden, wenn wir ihn der Villa überlassen."

"Kota bleibt bei uns."

"Seid ihr euch sicher, dass ihr da überhaupt noch eine Wahl habt?", fragte Shouta düster und Kan verschränkte neben ihm die Arme.

"Zuko hat euren Jungen schon längst auf seiner Seite und er wird ihn ganz sicher nicht mehr verlassen."

"Wir müssen es versuchen!"

"Er kann ihn ja schließlich nicht einfach entführen."

Aizawa zog daraufhin eine Augenbraue hoch, beließ es aber dabei.
Wie sollte er auch schon erklären, dass er das Gefühl hatte, dass die Villa ihm schon Shouto Todoroki entrissen hatte?

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Die Schüler der A Klasse standen in erschöpfter Nervosität vor Zuko, der sie gelassen angrinste und herrabblickend einschätzte.

Tenya konnte nicht anders, als sich unter dem vertrauten Augen unwohl zu fühlen.

Er wusste, dass Zuko Idori eigentlich Izuku Midoriya, und somit Surveye, war.

Doch er würde es niemals laut sagen und sich somit eingestehen, was damals passiert war.

Sein Bruder war ein Held ohne jede Lücke oder Fehltritt - zumindest in seinen Augen - und so würde es bleiben.

Zuko Idori sah Izuku Midoriya dementsprechend einfach nur ähnlich und war nicht weiter von Bedeutung.

Der Junge, der da vor ihnen stand und die Instruktionen bezüglich der Prüfung gab, war ein stiller Held, der Verstoßenen ein Dach über dem Kopf und offene Arme bot.

Ganz sicher nicht Alkoholiker, Straßenkämpfer, Broker, Krimineller, Mörder Izuku.

"Also gut. Ich will, dass ihr alles gebt!
Quirks, Tricks, Schmutziges-Kämpfen, alles erlaubt. Am Ende müsst ihr nur eine mit Leuchtstäben markierte Strecke durch den Wald ablaufen.
Ich werde mich mit dem Rest der Villa im Wald verstecken und versuchen euch zu ‘töten’”, 

die Anführungszeichen waren deutlich in seiner Stimme zu hören,

"KO-Schlagen und bewegungsunfähig machen ist erwünscht, aber bitte, bitte , gibt dann ein Signal durch die Funkgeräte."
- er zeigte kurz an seinem Gerät, wie man ein Signal absenden konnte -
"Geht zusammen rein, oder alleine. Uns egal, am Wichtigsten ist nur, dass ihr euch nicht treffen lasst."

Das Grinsen des Grünhaarigen entsprang aus einem Alptraum, als er ihnen ein letztes Mal zuwinkte, ehe er in den Schatten der Bäume verschwand.

"Nun denn, wir sollten diese Aufgabe gemeinsam als Klasse bewältigen, genau wie die B.", rief er und wollte das Startsignal geben, als Todoroki-Kun den Mund öffnete.

"Sobald wir da rein gehen sind wir Freiwild.
Sie werden uns aus der Entfernung in Beschuss nehmen und erst näher gehen, wenn ihnen langweilig wird.
Wenigstens müssen wir uns nicht um irgendwelche Quirks sorgen."

Das war... ein beunruhigender Gedanke. Um wenigstens so viel zu sagen.

Todoroki sah sich um.

"Tokoyami-Kun, Uraraka-chan, ich würde gerne eure Hilfe in Anspruch nehmen."

Und so kam es, dass sich die ganze Klasse unter einer schmalen Eiskuppel befand, welche ein paar Zentimeter über dem Boden schwebte und von Dark Shadow gehalten und gelenkt wurde.

Schon bald waren tatsächlich die ersten Schüsse zu hören und etwas rotes, was widerlich nach Blut aussah, verteilte sich über die dünne Eisschicht der Kuppel.

"Maaaan, Shouchan! Das macht doch gar keinen Spaaaß! Du bist ein Spielverderber!", brüllte Zuko aus dem Wald und drei Kugeln zerplatzte genau dort, wo sich Shouto, Tenya und Katsuki befanden.

Der Brillenträger konnte ein Schaudern nicht unterdrücken.

Es fühlte sich genau so wie damals mit Stain an.

"Brüderchen, du hast eine Kleinigkeit vergessen."

Die Stimme war zu nah und er konnte Todoroki leise fluchen hören.

Das war nicht gut.

"Wenn man sich so einsperrt, kann man nicht fliehen."

Blaues Feuer bildete sich an der Front der Eiskuppel.

"BRECHT DURCH! DAS EIS IST DÜNN! WIR FORMIEREN UNS, WENN WIR HIER RAUS SIND! WENN IHR AUSBRECHEN KÖNNT, NIMMT DIE STRECKE ZUM ZIEL!"

Sofort ließ Uraraka die Kuppel fallen und erste Risse erschienen.

Tokoyami brach nach oben hin durch und Kirishima schmiss sich zur Seite, während Bakugo ein Loch durch seine Stelle an der Flanke sprengte.

Sato, Ojiro und Mina machten es ihnen nach.

Uraraka verschwand mit Asuis Hilfe durch das Loch in dem Dach.

Iida schaffte es endlich zu reagieren und sprintete auf das nächste Loch zu, um zu fliehen.

Draußen war die Hölle los.

Platzpatronen flogen wild und manchmal erschreckend akkurat durch die Luft und verfehlten nur selten ein, oder das ihnen vorbestimmte, Ziel.

Einige aus der Villa hielten sich jedoch nicht am Rand, sondern veranstalteten unter seinen Klassenkameraden ein Massaker.

Ojiro hatte an allen vitalen Punkten Schnitte und lag regungslos am Boden, nur um von einem Mädchen der Villa auf ihren Rücken gewuchtet und weggetragen zu werden.

Denki versuchte alle in seiner Nähe zu schocken, ohne dabei sein Gehirn zu grillen, nur um von einer Kugel genau zwischen die Augenbrauen aus der Konzentration gerissen zu werden.

Mina hatte ein paar Blutflecken, aber nichts ernstes, als sie sich, eine Spur dampfender und zerfallender Pflanzen hinterlassend, einen Fluchtweg in Richtung Weg und Ziel bahnte.

Kirishima und Bakugo schlugen sich Seite an Seite ihren Weg durch das Getümmel.

Explosionen zerstörten die Munition und hielten die Angreifer fern, während gehärtete Haut ihnen den Rücken von Messern freihielt.

Von Tokoyami, Asui, Shoji und Uraraka war nichts zu sehen.

 

Er entdeckte Aoyama, der sich in einer ähnlichen Lage wie Ojiro befand.

 

Etwas lilanes flackerte am Rande seines Sichtfeldes und er war sich sicher, dass es sich dabei um Shinso handelte.

 

Kojoka eilte Denki zur Hilfe, der rein theoretisch noch nicht ‘tot’ war und floh gemeinsam mit ihm zu Yaoyorozu, die sich hinter einem großen Schild an einem Baum verschanzt hatte. 

 

“Frayation! Auf einen weiteren Kampf, aus dem du nicht so einfach fliehen kannst!”, tönte Zukos Stimme über das Schlachtfeld, mit einem hysterischen Lachen. 

 

Shouto schüttelte den Kopf und trat Izuku entgegen, während sich eine kleine Fläche um sie bildete. 

 

“Dieses Mal ohne Väter, die uns zurückhalten.”, erwiderte er und konnte in Izukus Augen sehen, dass diese Erinnerung schmerzte.

 

“Mein Vater hat mich NIE zurückgehalten!”, schrie der Einäugige und sprang mit einem gezückten Armeemesser in der einen, und einer Kleinkaliberwaffe in der der anderen Hand, auf den Jungen zu, in den er sich verliebt hatte. 

 

Shouto traf ihn in der Mitte.

 

Das Messer rutschte an einem vereisten Arm ab und der Schuss wurde mit einem Schlag mit einer in Flammen gehüllten Hand abgelenkt.

 

Beide Jungen hatten die Zähne in einem wilden Grinsen entblößt, als sie wieder und wieder zusammentrafen um Schläge und Tritte auszutauschen. 

 

Ein weiteres Mal glich der Kampf eher einem Tanz tödlicher Präzision, bei dem sich keiner der Tänzer auch nur einen Fehltritt gestatten durfte.

 

Izuku lachte auf, als er einer bläulich schimmernden Stichflamme auswich.

 

“Das ist es, Shouchan! Zeig mir, dass du stark genug bist, um mich zu meinem Vater zu bringen!”

 

Endeavors Sohn knurrte und stützte sich mit seinen Fäusten auf seine Oberschenkeln, um kurz Luft zu holen.

 

“Denkst du echt, sie würden euch in die selbe Zelle lassen!?”, schmiss er dem Kleineren entgegen und aktivierte beide Hälften seiner Quirk gleichzeitig, um dem Wuschelkopf wenigstens einen Kratzer zuzufügen.

 

Doch Surveye lachte einfach und sprang in das Dickicht der Bäume.

 

“Man kann hoffen, Shouchan!”

 

“Surveye?! Hier sind Schurken! Ich habe gerade Muscular an mir vorbeigehen sehen! Ich vermute da sind noch mehr, er scheint durch ein Funkgerät mit ihnen zu kommunizieren!”

 

Der Grünhaarige rutschte fast von dem Ast, über den er gerannt war.

 

Was? 

Jetzt schon?

 

“Folge Muscular! Danke für den Bericht!”

 

Er zerrte seine Maske aus der Kapuze des Hoodies und schnappte sich sein Headset.

 

“Das ist eine Nachricht von Surveye an alle Bewohner der Villa!

Die League ist eben gesichtet worden!

Der Plan ist: 19 24 7 3 13!

Ich will, dass Tenya am Ende nicht mehr laufen kann und dass Kacchan bewusstlos in unserem Kofferraum liegt! 

Wir hauen ab!”

 

“I-izu? Was ist los?”

 

Ein grünes Auge schnitt durch die Finsternis des Waldes und legte sich auf Shouto, der hinter ihm zum Stehen gekommen war.

 

“Du musst dich jetzt entscheiden, Shouto.

Bleibst du bei UA, oder kommst du mit uns in die Villa?

Wenn du bei uns bleibst, wirst du mitmachen müssen.”

 

Entsetzt starrte er den Mörder an. 

 

Entscheiden? Jetzt? Einfach so?

 

Eigentlich stand seine Wahl schon längst fest.

Er wollte sein Zuhause nicht verlieren. 

 

“Was soll ich tun?”

 

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Shouto stand neben Touya und starrte reglos geradeaus. 

 

Kota klammerte sich an ihn, während die Todesschreie noch immer in seinen Ohren nachklangen und seinen Verstand betäubten. 

 

“Geh mit deinem Bruder und pass auf Kota auf!”

 

Das war sein Befehl gewesen.

 

Und es war schlimm genug.

 

Touya, nein, Dabi hat gerade einen Mann verbrannt. 

Die Asche auf dem Plateau vor ihren Füßen stammte von einem Leichnam, der vor vielleicht einer Minute noch ein lebender Mensch gewesen war.

 

Sein Bruder schüttelte seine Hand aus, welche leichte Brandspuren hatte. 

 

“Komm, Shou, wir müssen zum Bus.

Nimm den Kleinen mit, er gehört jetzt zu uns.”

 

Mechanisch nickte er und hob den kleinen Jungen hoch, sodass er seine Beine um seine Hüfte schlingen und sein Gesicht an seiner Schulter verstecken konnte.

 

Der Weg durch den Wald legten sie still zurück. 

 

Immer wieder waren kurze Nachrichten zu hören, dass ein Schurke tot war, oder einer der Bewohner der Villa. 

 

“Hier Dabi und Shouto. Muscular beseitigt und Junge in Sicherheit. Wir nehmen ihn mit.”

 

“Gut. Trefft euch mit Spinner am Bus.”

 

“Hier Yamikumo. Habe drei an ‘Mustard’ verloren. Irgendein verdammter Mittelschüler mit ‘ner Knarre. 

Auftrag ausgeführt, drei neben mir am Leben, keiner von uns verletzt.”

 

“Bericht von Luke. Habe ‘Mr.Compress’ ausgeschaltet. Einer tot. Keiner verletzt. Auftrag ausgeführt.”

 

“Hier Toga! Habe alle sechs an ‘Moonfish’ verloren und bin verletzt!

Ich komm nicht an ihn heran und brauche Hilfe!”

 

“Surveye spricht.

Haben eben ‘Magnee’ und ‘Twice’ beseitigt und suchen nun nach ‘Shigaraki’ und ‘Kurogiri’ .

Yamikumo, du kommst und hilfst uns.

Luke, Dabi, helft Toga.

Shouto soll mit Kota zum Bus gehen.

Toga, halte dich bedeckt, bis Unterstützung da ist!

Fortschritte bei dem Schülerproblem?!”

 

“Hier Kakuma.

Ich habe soeben Tenya Iida paralysiert in der Obhut seiner Klasse zurückgelassen.

Seine Wirbelsäule ist irreparabel gebrochen, dafür habe ich gesorgt.”

 

“Hier Sakura.

Ich habe Katsuki Bakugo jetzt gerade bei Spinner am Bus abgeliefert.

Er ist gefesselt, geknebelt und Bewusstlos.

Sollen wir uns dir anschließen, Surveye?”

 

“Nein. Bleibt im Bus.

Hey, Spinner.

Du wirst gleich Besuch bekommen.

Sobald ich dir das Zeichen gebe, wirst du mit Bakugo den Bus verlassen, unter der Behauptung, ihn in den Kofferraum zu legen.

Bring ihn zu den UA-Bussen.

Wir nehmen die.”

 

“Geht klar!”

 

Shouto hörte alles mit und ein Loch bildete sich in seinen Eingeweiden, bei dem Gedanken, was gerade überall im Wald geschah.

 

Da starben Menschen.

Izuku ließ alle aus der Villa sterben, mit Absicht.

 

19 steht für Aufteilen

 

Kota klammerte sich mit aller Macht an ihn, als er ihn zu den Schulbussen trug.

Der kleine Junge zitterte und weinte.

Wie gerne würde er einfach nur mitmachen.

 

Da waren Leute, denen er eigentlich helfen sollte.

 

24 heißt: Sucht nach dem Feind

 

Er hörte es, als Izuku Spinner das Signal gab. 

Er war gerade dabei das Kind, um das er sich kümmerte, in eine Decke auf der Rückbank zu wickeln, damit der Kleine wenigstens ein wenig Sicherheit in diesem ganzen Chaos hatte.

 

7 verlangt, dass man den Feind sofort tötet

 

Die Nachricht, dass Toga und sein Bruder erfolgreich mit Luke und zwei Weiteren Moonfish beseitigt hatten, erreichte ihn gerade dann, als Spinner am Bus ankam und die beiden Mädchen panisch über ihre Funkgeräte mitteilten, dass der Bus von Kurogiri entführt wurde.

 

3 bedeutet, dass man bis zum Tod kämpfen soll

 

Die Verbindung brach wenige Minuten, bevor die Verwundung Shigarakis und die Flucht von ihm und Kurogiri verkündet wurde.

Es dauerte nicht lange, bis die wenigen Überlebenden der Gruppe den Bus erreichten und losfuhren, zurück zur Villa, die jetzt erschreckend leer sein würde.

 

Shouto klammerte sich die gesamte Fahrt hindurch an Kota und starrte blank aus dem Fenster.

 

13: Wer stirbt, der stirbt - Leichen werden zurückgelassen

 

Und jetzt konnte sein Blick einfach nicht Bakugos schlaffe Gestalt verlassen, die an einen Stuhl im Keller gekettet war.

Chapter Text

An irgendeinem Punkt war alles zusammengetroffen.

 

Ab einer bestimmten Stelle waren alle Punkte und Wege verknüpft und ließen sich nicht mehr trennen.

 

Eine falsche Entscheidung hatte dieses fragile Kartenhaus, dass er sich über die letzten Jahre in vermeintlicher Sicherheit aufgebaut hatte, zusammenbrechen lassen.

 

Es hing ganz sic