Actions

Work Header

Einfach nur Wir

Chapter Text

Erst hast du nur Bauchweh. Dann wird’s stündlich schlimmer, und schließlich gehst du, um es von einem Kenner angucken zu lassen. Du kehrst mit Doktor Cohn zurück. Appendizitis. Eine Entzündung, und da muss gleich was gemacht werden. Ihr habt alles Nötige mitgebracht.

Du ziehst dich aus, und trotz deines Schweigens merke ich, wie weh dir manche Bewegungen tun. Du hast nur einen flüchtigen Blick für das bereitliegende Skalpell übrig, ehe du dich hinlegst. Kurz krallen sich deine schlanken Finger in die Bettdecke. Dann entspannst du sie wieder, oder zwingst dich dazu, schließt die Augen und atmest ergeben in das süßlich riechende Tuch, das ich dir vor Mund und Nase halte.

Ich würde dir gern was sagen – ein wenig Wärme wäre jetzt kaum verkehrt. Oder einfach einen Witz reißen, in der schwachen Hoffnung, dich so aufzumuntern. Aber wir sind nicht allein. Daher bleibe ich stumm, drücke nur kurz deine Schulter.

Nach einigen langen Minuten zitterst du, verlierst das Bewusstsein. Dann ist es an mir, darauf zu achten, dass du nicht vor der Zeit aufwachst, und dass du ruhig bleibst. Ich habe vor allem dein Gesicht im Blick. Die Konturen deines Kopfes treten scharf hervor. Deine Augen sind geschlossen, du bist fast kalt während du vorher Fieber hattest, und es ist kaum Atmung da. Ich passe auf, dass du nicht zuckst, keine Schmerzen hast. Ein Mal schreist du leise auf, erwachst aber nicht. Nur hinterher, als ich helfe, dich zu verbinden, sehe ich den langen Schnitt.

Wir decken dich zu und der Doktor öffnet ein Fenster.

„Der Durchzug wird gut tun“, bemerkt er und nickt zu dir hinüber. Ich bin sehr dafür. Weg mit dem Chloroform für uns alle, sonst werden wir auch noch beduselt. Dürfte dann ein wenig eng im Bett werden ...

Nachdem er mir ein paar Ratschläge für dich gegeben hat, verabschiedet er sich bis zum nächsten Tag. Ich bleibe bei dir. Als du wieder zu dir kommst, sehe ich, dass es dir schonmal besser ging – und du hast noch immer was von der Betäubung in deinem Blick. Aber es gesellt sich auch Wärme dazu, als du mich erkennst.

„Durst?“

Du nickst. Und ich habe keine andere Wahl, als dir zu erklären, dass das noch ein paar Stunden warten muss. Du wirkst nicht sehr begeistert, sagst aber auch nichts dazu. Es hat nun einmal seine Richtigkeit.

Wir schweigen eine Weile. Du bist zu abgeschlagen, um dich zu unterhalten, und ich will dich zu nichts drängen. Doch ich will dich auch nicht einfach alleinlassen.

„Er wollte, dass ich hüpfe“, sagst du schließlich, klingst ein wenig undeutlich. Mir ist klar, dass du die Untersuchung meinst. „Hüpfen. Dummes Kinderspiel."

Du lächelst fast, und ich lächle wirklich, als ich an Händeklatschen denke, an einen Wutausbruch, an Alkohol und an Chico. Hoffentlich geht es ihm gut.

Ich fühle deine Stirn. Schon besser, fast wie es sollte. Und deine Wunde …

„Lass mal sehen.“ Ich hebe kurz die Decke an. Am Verband ist ein wenig Blut. Aber nicht besorgniserregend.

„Und?“ Du bist noch immer leicht abwesend, aber es scheint dich zu amüsieren, und du erwartest mein Urteil, als wüsste ich alles dazu.

Also erzähle ich dir einfach, was nun ansteht – in der Hoffnung, dass du es noch nicht gehört hast.

„Nicht schlecht. Wenn du Lust hast, kannst du schon heute wieder aufstehen. Wenn du aber ein Kalb oder so hochheben willst, mach ich das für dich. Und für morgen darfst du dir aussuchen, was ich koche. Einzige Bedingung: Es muss Suppe sein.“ Der Doktor schwor sonst auf Hühnersuppe, aber du brauchtest eher klare Brühe.

„Mein Leibgericht also.“ Du seufzt, und lachst auf, und zuckst zusammen. Aber dein „Danke.“ danach ist ehrlich, und das, obwohl du noch gar kein Interesse an Essen hast, eher im Gegenteil. Müde bist du außerdem.

Es wird wieder besser. Aber das braucht noch Zeit, und die haben wir auch.

Ich bleibe bei dir. Und streichle dich in den Schlaf.