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Einfach nur Wir

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„Du, wart mal. Einfacher, wenn ich das mache.“

Du scheinst erst nicht zu hören und versuchst, dich weiter allein durchzuwursteln. Du hast es geschafft, dich zu rasieren. Die Wangen. Das Kinn. Langsam und ohne dein übliches Geschick. Nun hebst du die Klinge höher, zögerst ein wenig, probierst herum. Du hältst sie in deiner Linken. Dein rechter Arm ist gebrochen. Seit zwei Tagen erst – aber das genügt, um uns beide teils auf dem Zahnfleisch gehen zu lassen.

„Gut,“ sagst du schließlich und reichst sie mir. „Nur schneide mich ja nicht.“

„Dann zapple nicht rum.“

Ich spüre, dass du dich zu mir umdrehen willst, mit bloßen Widerworten oder etwas Garstigem auf den Lippen. Dann begnügst du dich mit einem leisen „Du machst mich noch wahnsinnig“, ohne mich dabei anzusehen.

Ich verkneife mir die passende Antwort. Du bist nicht wütend auf mich. Nicht wirklich. Seit dem Sturz ist einfach eine Riesenmenge anders. Im Bett kannst du nicht liegen, wie gewohnt, und auch sonst nicht alles machen. Und viele Dinge dauern ein Vielfaches länger – oder sind gar nicht möglich. Manchmal nimmst du es so hin. Meistens sogar. Wenigstens vordergründig. In anderen Fällen aber …

Während ich dich rasiere, denke ich lieber an Schöneres. Ein Anfang von dem, was auch in den nächsten Wochen und Monaten möglich ist – und was wir schon gemacht haben. Manchmal magst du es, mir mit den Fingern durchs Haar zu fahren. Bei dir kann ich’s nicht genauso tun. Aber ich streichle gern deine Arme. Deine Brust. Und auch dort, vor allem dort.

Als ich fertig bin, streiche ich über deinen Kopf, kraule ihn leicht. Das hab ich noch nie getan, gefällt mir auch nicht schlecht. Und ich halte ein paar Erklärungen parat, für den Fall, dass du Sturm läufst. Gerade kann man das bei dir nicht immer wissen.

Aber du bleibst still, entspannst dich ein wenig. Dann drehst du dich um, bekommst meine Hand zu fassen und drückst sie kurz.

„Wer auch immer sagte, er macht das mit links … Was für ein Narr, wirklich.“ Und du lächelst. Nicht sehr fröhlich zwar, aber du tust es. Und deine Worte kommen so nah an ein Eingeständnis heran, wie du nur kannst. Wirklich jammern, das würdest du nie.

Ich lächle zurück und versuche, dich zu überzeugen. Und mich auch.
„Das geht schnell vorbei, wirst schon sehen.“